laut.de-Kritik
Sympathischer Synthie-Pop mit himmlischen Melodien.
Review von Daniel Straub
In der deutschen Poplandschaft bilden die Herren Heppner und Reinhardt seit Jahren eine Konstante. Unter dem Namen Wolfsheim setzen sie mit beständiger Regelmäßigkeit zum Sturm auf die oberen Chartsregionen an. "Casting Shadows" nennt sich der neueste Longplayer des Duos. Nicht zu Unrecht, denn der Schattenwurf des Albums reicht dank "Kein Zurück" bereits bis auf Platz vier der Single-Hitliste.
Mit weniger wird sich auch das Album nicht zufrieden geben müssen. Schon die lange Pause seit dem letzten Wolfsheim-Release dürfte die Fans ab heute wieder scharenweise in die Plattenläden treiben. Hinzu kommt noch, dass Wolfsheim den Spagat zwischen luftigen Pophöhen und sektiererischen Underground-Tiefen mit einer spielerischen Leichtigkeit bewältigen und hier wie dort als glaubwürdige Musiker auftreten können.
Dieses Understatement gehört seit "No Happy View" zu den Stärken des Hamburger Duos und wird auch auf "Casting Shadows" konsequent weiter gepflegt. Heppners näselnder, betont getragener Gesangsperformance stehen die schleppenden Synthiegrooves von Reinhardt zur Seite. Ein eingespieltes Duo, das sich mit "Casting Shadows" wohl endgültig vom hüpfenden Gruftie-Pop früherer Tage verabschiedet hat.
Wer also nach "The Sparrows And Nightingales" sucht, wird nicht fündig. Wer aber seine Ohren öffnet, dem wird Erstaunliches offenbart. "Care For You" schmeichelt dem Zuhörer mit vertrackt-leichten Trip Hop-Beats, die Heppners Gesang und weiche Synthieflächen in himmlische Melodien überführen. Mit viel Gefühl für Stimmungen inszenieren sich Wolfsheim auf "Casting Shadows", setzen ganz auf die emotionale Tiefe der Songs.
Gar scheint es, als hätten Wolfsheim eine gewisse Altersweisheit erlangt, so abgeklärt klingt "Casting Shadows". Da wirkt eine Nummer wie "Wundervoll" mit ihren housigen Beats, dem zischenden Hi-Hat und dem vor schmalziger Melodie nur so tropfenden Refrain fast ein wenig fehl am Platz. Vielleicht bleibt "Wundervoll" aber gerade deshalb so leicht im Ohr hängen, weil es der Ernsthaftigkeit von "Casting Shadows" ein sympathisches Smilie aufdrückt.