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Glücklicher Henry Frankenstein! Ihm gelang, was zuvor Gott vorbehalten war: die Erschaffung des Lebens. Sein sinistrer, buckliger Gehilfe Fritz stahl für ihn in mondlosen Nächten frische Gehirne, warme Leichen, schnitt noch baumelnde Gehenkte zielsicher vom Galgen - daraus flickte der Baron jene namenlose Kreatur, die noch heute dank Boris Karloff tief im Gedächtnis der Pop-Kultur verankert ist.
Hätte Frankenstein über - ich spreche jetzt rein metaphorisch - die Leichenteile von aktuellen Westernhagen-Songs in großer Hoffnung zusammengesetzt und dann mittels seines Flugdrachens hoch über der Burg ins göttliche Funken spendende Blitzlichtgewitter getaucht: Sein Experiment wäre elend missglückt. An diesen Liedern scheitert auch der begabteste Reanimator, sie funkeln nicht, sie leuchten nicht, sie leben nicht. Heraus also mit dem Seziermesser, sehen wir, was sich unter dem "Williamsburg"-Tuch auf der Bahre verbirgt!
Mit satten, fetten Beats und einer stimmigen Prise New Orleans zuckt "Hey Hey" zu Beginn recht positiv auffällig, doch sobald Westernhagens Stimmorgan einsetzt, ists vorbei mit freudigen Hoffnungen. Die Tünche überdauert nur Sekunden und offenbart danach sattsam bekannten, phlegmatischen Song-Schlock garniert mit angemiefter Textarbeit.
Klar, dass die Kirche beim Altrocker dran glauben muss: "Hey hey, auch Religionen / hey, hey, müssen sich lohnen / hey, hey, Revolution / hey hey, wer will das schon." Steffi Kloß lässt grüßen, und zum Schluss schickt Marius dann - gottlob nur verbal - gar "einen letzten Furz" hinterher. Huch!
Spannungs- und überraschungsarm inszeniert sowie erneut in beliebigem Midtempo-Aufbau angesiedelt, grummelt danach der "Schinderhannes". Dessen Titelwahl sich mir thematisch nicht zwingend erschließt; aber vielleicht waren Störtebeker oder das Urmel aus dem Eis gerade nicht greifbar. Hier wird das enervierende "Hey, hey" des Alben-Openers durch ein schlichtes "Ah, ah" ersetzt.
Die Arbeit der Mitmusiker und die Produktionstechnik zeigen sich übers komplette Album hinweg auf gutem Niveau - aber aus dörrigem Song-Stockfisch lässt sich halt kein frisches Thunfischfilet zaubern. Dem verheißungsvollen "Liebeswahn" mangelt es an glaubhaften Emotionen und spannenden Psychosen, er bietet aber immerhin eine recht hübsche Akustik-Gitarre.
Auch die Geige setzt freundliche Akzente. "Typisch Du" ist das, was man gemeinhin Alben-Füller nennt. "Zu Lang Allein" komplettiert erneut die offensichtlichen Mankos von Westernhagens Songwriting der langen letzten Jahre: Nach Intro und Aufbau mangelt es an einem zündenden Einfall, um der jeweiligen Nummer den rechten Kick zu geben.
"Liebe Stinkt" nicht nur, nervt hier auch mit einer zickigen Song-Führung. Ganz übel: die Texte. Man mag den Kettcars und Tomtes und Distelmeyers unserer Republik gern mal lebensunerfahrene, jung- oder spätstudentenhaftige Befindlichkeiten vorwerfen. Doch Westernhagen greift stets in die mit einem defekten Geha-Klecksfüller bestückte Pennälerkiste aus Hauptschulen der siebziger Jahre.
Beispiele? Ein paar mögen genügen: "Mit beiden Füßen auf dem Boden / kommst du vielleicht wieder nach oben." Hmm. Dann: "Ich hab' die ganze Nacht geflennt / du hast neben mir gepennt." Diese Schlampe! Oder: "Jetzt fährt die Polizei / schon wieder vorbei." Spannung null, aber: reimt sich! Und dann die stets dräuenden Terror-Themen des Liebes-Alltags: "Ich kam nach Haus / es war halb sieben / auf dir ein Kerl / der tat dich lieben." Und da schimpfe ich immer auf LaFee-Texte.
"Heute Nacht" bietet eine an- und abtauchende Damenstimme namens Della Miles. Besonders im Refrain arbeitet Marius hier höchst geglückt an Florian-Silbereisen-Kompatibilität inklusive dem gern gehörten "Ich lass' dich nie wieder geh'n"-Schlager-Satzbaukasten-Schätzchen. Westernhagen brilliert auf seinem neuen Werk mit implodierenden Rebel-Attitüden und längst vertrockneten Glückskeks-Weisheiten.
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Ja, finde die Review auch super - sie deckt sich nämlich zu 100 % mit meiner Meinung zu diesem Machwerk eines immer schon gnadenlos überschätzten Möchtegern-Rockers.
Noch eine Textprobe gefällig?
"Es ist das Leben
an dem wir kleben
es ist die Hölle
die uns droht
Erwachsene und Kinder
alle sind wir Sünder..."
(aus Titel Nr. 1 "Hey, hey")
usw. usf...
Wenn schon kotzen, dann hier.
Aber es soll ja Leute geben, die so 'ne Sextanerlyrik nicht abschreckt - mein Deutschlehrer hätte mich seinerzeit dafür von der Schule verwiesen.
Trotz dieser guten Rezension, wird das Album wieder auf "1" in den Charts einsteigen.
Oder hat Marius nicht mehr die Kohle, seine Platten selbst zu kaufen? 
Ach Schade!
Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass es nach dem hochnotpeinlichen "Nahaufnahme" nochmal zu einem halbwegs vernünftigen Album reicht. Zumindest die Begleitband besteht wohl aus sehr guten Sessionmusikern. Aber ich befürchte der Rezensent hat die Sache schon richtig eingeschätzt.



Ach, Westernhagen, die ewige Nummer 2.
Hab' ich letzte Woche bei Herrn Raab gesehen.
Im Song "Wir Haben Die Schnauze Voll" gibt es übrigens einen Fehler.
Textauszug:
"Heilig ist die Musik
Verflucht sei, wer sie betrügt
Gier ist der Tod der Kunst
In Köln nennt man die Pussi Punz"
In Köln nennt man aber die Pussy Funz.
Kann weder diese Rezension noch die Kommentare nachvollziehen. Es sind fast alles ausnahmslos tolle Songs in bester Aufnahmequalität. Da kann sich so mach ein anderer eine Scheibe abschneiden. So manch andere CD die hier 5 Punkte bekommt, ist dagegen ein Witz. War jemand sehr erflogreich und macht immer noch tolle Musik, wird er duch die Mangel genommen. Wäre er ganz neu und jung, würde er hier in den Himmel gehoben.
Irgendwie schon traurig...

Mit seinem 18. Studioalbum „Williamsburg“ (benannt nach einem Stadtteil in Brooklyn, New York, der für seine lebendige Musikszene bekannt ist) gilt es für Marius Müller-Westernhagen (61) Wiedergutmachung zu praktizieren, da sein 2005er Werk „Nahaufnahme“ sowohl künstlerisch („... ein langweiliges Album eines alternden Rockstars, der mal was Neues ausprobieren wollte“) als auch kommerziell trotz 100.000 verkaufter Exemplare weit hinter den Erwartungen zurückblieb.
Auch wenn Westernhagens Verkaufsrekorde der 90er Jahre sowie sein mitreißender Stadionrock heutzutage kein Maßstab mehr sehr sein können, ist die Erwartungshaltung bei den Fans und der Plattenfirma immer noch sehr hoch. Beide wurden mit „Nahaufnahme“ enttäuscht, was sogar dazu führte, dass der Vertriebsdeal mit Warner Music nach über 30 Jahren in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde. Seitdem kümmert sich Westernhagen mit der Kunstflug Entertainment GmbH persönlich um seine Belange, wodurch er ohne Druck und in aller Ruhe seiner künstlerischen Arbeit nachgehen kann.
Mit „Williamsburg“ ist Westernhagen nun doch wieder bei Warner Music gelandet, die in einer Art Joint-Venture den Vertrieb des Albums übernommen haben. Alte Liebe rostet eben doch nicht. Und vielleicht kehren auch die Fans in größerem Umfang in den Schoß des „Armani-Rockers“ zurück. Denn mit „Williamsburg“ kehrt der 61-Jährige zumindest ein wenig zurück zu seinen Wurzeln, wobei Brooklyn als Aufnahmeort sehr stark auf den Sound des Album abgefärbt hat.
Immer noch so entspannt wie auf dem kritisierten Vorgängeralbum, aber mit erheblich mehr musikalischem Pep, präsentiert Marius Müller-Westernhagen seine typischen Geschichten („Komm schon“) und persönlichen Ansichten („Hey, hey“), die mitunter recht spinnert ausfallen („Schinderhannes“). Kann sein, dass das Publikum dadurch in zwei Lager gespalten wird, doch dies sind die Ecken und Kanten, die „Nahaufnahme“ gefehlt haben und evtl. auf den Co-Produzenten Kevin Bents zurückzuführen sind, der bereits das herausragende 2002er Album „In den Wahnsinn“ betreute.
Neben Country („Typisch du“), Rock („Zu lang allein“), Pop („Ein Mann zwischen den Zeilen“), Blues („Wir haben die Schnauze voll“ – der beste Song des Albums!) und der obligatorischen Kitschballade („Heute Nacht“), gibt es heuer auch gediegene Tango-Rhythmen („Mit beiden Füßen auf dem Boden“) und an den späten Johnny Cash gemahnende Klänge („Liebeswahn“) zu hören. Dadurch ergibt sich ein spannendes, gut austariertes Album, auf dem sich ein neuer „alter“ Westernhagen präsentiert, der nicht mehr den Mick Jagger für Arme gibt, aber auch noch kein Fall für das Altersheim ist, wie das vorherige Album befürchten ließ. Wiedergutmachung geglückt!


Anscheinend soll dem Machwerk dadurch so etwas wie ein cooler Touch verliehen werden.
macht sich halt gut.
"ey. in williamsburg aufgenommen. new york und so. du verstehst....."
westernhagen, der till schweiger der deutschen pop/rock-musik.
da hat der andracko (wo bleibt der eigentlich?) den vogel abgeschossen.



Ah ja. "An Määääääädchen hat es uuuuuns nieeeeeee gemangelt, nur Kohle- dicke Konto".
Ganz großes Kino. Das hatte noch Blues.
("Nur was mir feeeeeeeeeeehlt, ist ´ne richtige Dröhnung.")
Um mal zum Thema zurückzukommen. Ich hab die Platte mal bei Saturn im Hintergrund gehört. Begleitband ist ganz nett, musikalisch und textlich ist das aber, wie schon in den letzten Jahren ,sich auf seinen Lorbeeren ausruhender Altherrenrock, ohne wirkliche Substanz. Der Mann hat einfach nicht mehr den Blues drauf, wie früher. Ihm fehlt die Ehrlichkeit und Authenzität, um ernst genommen zu werden.
wie geilscheisse, liest sich das grausam...die Vorab-Single fand ich jetzt mal gar nicht so übel!Der Rest soll dermaßen abfallen? Muss ich mir dann dann doch mal...äh...antun... 
So schlecht wie es hier gemacht wird ist es auf gar keinen Fall!!!!
Ist halt Klassische Westernhagen Mukke und wem dass nicht gefällt der solls halt lassen...
Mann ist dieses Review überzogen und Albern....
Aber das hilft auch nicht weiter!
Was ist überzogen? Was ist albern?
Wie ist es denn nun?
Ich brauche keine Loblieder und auch kein Bashing!
Kann man es irgendwo hören?
Die Single ist nicht der Bringer aber auch nicht so peinlich wie diese elende Nahaufnahme.
Wat nu?
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