laut.de-Kritik

Cuomo will auch cool sein.

Review von

Als Lümmel, die poppige Melodien in ihre College-Rocksongs geschummelt haben, waren Weezer lange bekannt. Dabei gab Rivers Cuomo gebrochenen High-Shool-Herzen eine Stimme und erzählte von Selbstzweifeln und dem Anderssein. Mit Hornbrille und kariertem Farmer-Hemd gab der Harvard-Student seinerzeit den Proberaum-Streber, der mit wackeliger Stimme das Leben als Nicht-Quarterback vertonte. Und genau so ehrlich und unverdrossen klang auch die Musik seiner Band. Doch immer mehr scheint der Status der überqualifizierten Garage-Gruppe an den Herren zu nagen, anders lässt sich die jüngste Entwicklung dieser einst so bodenständige Truppe kaum erklären.

Nachdem sämtliche Farben auf zahlreichen Alben durchdekliniert wurden, widmen sie sich auf "Pacific Daydream" vor allem Kalifornien, oder viel mehr Sommer, Sonne und Surfen. Cuomo tauscht also mal wieder den Regen- gegen einen Sonnenschirm. Mit Vibrato, leichtem Hall und perfekter Intonation scheint er sich tatsächlich in einen der Beach Boys verwandelt zu haben, die er selbst in "Beach Boys" besingt. Nur ganz selten kommt da der gebrochene Antiheld geschmähter Teenager-Seelen durch, der sein Leben lang in einer Coming of Age-Saga festzustecken scheint. Wenn Cuomo auf dem immer noch größten Hit "Island In The Sun" von banalen Ferien-Fantasien singt, dabei aber so gar nicht euphorisch klingt, dann hat das diese Ironie, die Weezer seither auszeichnete. Dass solch gesungene Banalität mit einer gleichsam geradlinigen Stimme nur halb so interessant ist, zeigt "Pacific Daydream".

Dabei versteht sich der Sound, an dem Butch Walker herumdokterte, der regelmäßig Pop-Bretter für P!nk oder Panic! at the Disco vom Stapel lässt, wahrscheinlich als weltgewandt, modern und technisch ausgereift. Nur lässt sich das Gefühl nicht abstreifen, dass sich Weezer damit ihrer größten Stärke - ihrer Uncoolness - berauben, wenn sie meinen, sich doch auch mal einem Sound-lift unterziehen zu müssen, um nicht zum alten Eisen geschoben zu werden. Ein Trugschluss, den der Sänger in "Beach Boys" selbst noch erkennt: "everyone wants to be cooler than everyone else"

Denn leider wirken diese Bemühungen leicht befremdlich, wenn Cuomo etwa im völlig überkandidelten "Feels Like Summer" mit schamlos gepitchter Stimme jegliche Bedenken über Bord wirft und in Panic! At The Disco-Manier oder dem im Weltraum schaukelnden Mädchen gleich in schwindelerregende Höhen abhebt.

Die Power-Ballade "Weekend Woman" und das brüchige "QB Blitz" lassen Cuomo dann wieder etwas mehr zu sich kommen und weg von den Rollen, die er sich auf "Pacific Daydream" selbst andichtet oder die ihm Butcher - seines Amtes waltend - auf den Leib produziert. Auch weil hier die Songs wieder von Instrumentalisten statt Plugins begleitet werden und so dem endlich wieder schluffihaften Gesang mehr Raum lassen, der prompt auch wieder viel nahbarer daherkommt. So auch in "Sweet Mary" mit einer einfachen, aber nicht einfallslosen Melodie, wie Weezer sie schon reihenweise geschrieben haben.

Doch auf Albumlänge verliert der zerknitterte Cuomo leider den Kampf gegen den neuen Cuomo, der nicht nur den Grunge längst hinter sich gelassen hat, sondern offensichtlich auch seine eigene Stimme. Vielleicht verspricht sich der 47-Jährige davon ja das Ende des ewigen Coming of Age-Daseins. Schade eigentlich.

Trackliste

  1. 1. Mexican Fender
  2. 2. Beach Boys
  3. 3. Feels Like Summer
  4. 4. Happy Hour
  5. 5. Weekend Woman
  6. 6. QB Blitz
  7. 7. Sweet Mary
  8. 8. Get Right
  9. 9. La Mancha Screwjob
  10. 10. Any Friend Of Diane's

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9 Kommentare

  • Vor 15 Tagen

    Ist leider wirklich voll in die Hose gegangen die Platte. Schade, mit Everything will be alright in the end hatten sie doch eigentlich vor drei Jahren gezeigt, dass sie immer noch gute Platten machen können.

  • Vor 15 Tagen

    3 Sterne wären schon drin gewesen. Erreicht nicht die Klasse der alten Alben, klingt aber erfrischend anders. Wenn man sich damit abgefunden hat, dass die Gitarre diesmal stark in den Hintergrund gerät kann man durchaus gefallen an den Melodien finden. Feels like Summer und Weekend Woman sind echte Ohrwürmer. Alles in allem nicht ihr bestes Album, aber besser als Make Believe und Raditude.

  • Vor 15 Tagen

    Zum Glück ist vom Hype um diese Band nichts mehr übrig. Schon "Pinkerton" war grotesk überbewertet.

  • Vor 15 Tagen

    Ich scheiss auf das review. Mir gefällt die Scheibe.

  • Vor 15 Tagen

    2,5-3/5
    So super ists wirklich nicht, ein paar ganz nette Sachen, aber nicht gerade der größte Wurf, 3 von 4 Singles hatten es mir aber nach einiger Zeit angetan, aber insgesamt? och joah
    Die 2 davor waren ne Ecke besser.

    Die Review an sich ist aber eher ...määh
    Weezer waren nie die "Alternative-College"-Band, die Chunks kamen immer eher aus dem Heavybereich. Wenn man auf die Art der Verzerrung und Gitarrendopplung hörte, erkannte man das. (Das nur mal am Rande - es ist eher Pop/Indie mit Heavykorsett. - Das war damals das "Konzept", das zum Trademark wurde beim Debut.)
    Und hier ist der entscheidende Punkt, der oben viel zu kurz kommt: das Konzept. Weezer verfolgen doch bei jedem Album immer einen speziellen Ansatz, daher ja auch die selbstbetitelten. Diese Ansätze gehen mal voll auf, mal voll in die Hose.
    Zu Pacific daydream war diesbezüglich zu lesen: düstere Strandsongs, Powerchordverbot (sprich: dieses Mal keine Trademarks).
    Daher sollte man diese Vorgabe/diesen Rahmen auch in der Review als Ansatz berüchsichtigen und nicht sagen: hö? da fehlt ja was?

    Am Ende ist es aber ...naja 2,5/5. Ein paar nette Ideen, ein paar nette Popsongs, die ja auch in 5 Jahren längst vergessen sein werden (wohl zu Recht).

    Nächstes Jahr dann Black Album. Mal sehen, ob die Runde wieder besser ausgeht.

  • Vor 7 Tagen

    Gibt hier ja den (berechtigten) Meilenstein für Pinkterton. Frage mich, wie sich der Cuomo bei seinen neuen Ausgeburten nicht selber ne Ladung Schrot ins Gesicht jagen kann..