laut.de-Kritik

Maybach Music? Klingt eher nach VW Passat.

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Seltsame Blogosphäre. Während man als Leser amerikanischer Seiten ständig über den DC-Rapper stolpert, hypen ihn die Internetforen hierzulande eher spärlich. Dabei kletterte Wales Zweitling mit knapp 160.000 verkauften Einheiten in der ersten Woche auf den zweiten Platz der US-Hitparaden.

Der Charterfolg mag an der aggressiv gerührten Werbetrommel liegen, die bis zur Überstrapazierung auf Hochtouren lief. Der Funke verglüht auf dem Weg von Florida nach Deutschland irgendwo auf hoher See.

Zwar liebäugelt Olubowale Victor Akintimehin im Vergleich zum Debüt weniger mit Pop (Lady Gaga bleibt im Schminkkästchen). Der geforderte Hip Hop hält zunehmend Einzug. Trotzdem lässt die Scheibe einen kalt zurück wie ein chancenloser 0:0-Drittliga-Kick.

Dabei macht DC's Finest keine schlechte Figur: Der "Double M Genius" entblößt sich als Kopfnicker, der mit Rückendeckung in Form etwas quietschender, aber durchaus melodiöser Synthie-Beats aufwartet. Für eine entspannte Stimmung in den lauwarmen "Miami Nights" sorgt das Umfeld von Strippenzieher und Executive Producer Rick Ross.

Dass der Bärtige, der selbst mit zwei Feature-Parts mitmischt, einen hörbaren Einfluss auf den 27-Jährigen ausübte, zeigt "Legendary". Ein schwerer, bassgewaltiger Beat schleppt sich langsam dahin. Ein paar sparsam eingewobene Höhen dröseln den Brocken ein wenig auf. Im Prinzip ist das wie Boss Ross auf den fülligen Leib geschneidert. Hier zeigt das neue Umfeld seine Auswirkungen. Wale Folarin selbst geht darin unter, ringt nach Luft und wirkt verloren.

Was die Heads westlich des Atlantiks so an dem MC reizt, bleibt mir unerklärlich. Kurze Zeit nachdem er sein "The Eleven One Eleven Theory"-Mixtape droppte, um die Vorfreude auf "Ambition" auf vorweihnachtliche Höhen zu treiben, kollabierte der Hulkshare-Server aufgrund des Download-Ansturms wie ein Klappstuhl aus Vorkriegszeiten unter dem Gewicht des Labelbosses.

Inhaltlich dreht sich der Fokus hauptsächlich um Geld und Frauen - respektive Bitches. Diesen Kreis verlässt Wale leider zu selten. Eine dieser Ausnahmen stellt "Ambition" dar. Meek Mill erzählt von einer Drogenvergangenheit und reimt mit passenden Vergleichen über ein sanftes, etwas verschroben wirkendes Soundgerüst. Auch das Labeloberhaupt kommt zum Zuge und erzählt über Moneten und den neusten Benz, daneben aber auch etwas über Einstellung und Motivation. Wie sich das gehört, flowt der Hauptdarsteller seine Gäste auf die billigen Ränge zurück, hinkt dafür jedoch lyrisch etwas hinterher. Immerhin: "And family is everything and money is less important / Long as your mama love you, don't ever love a woman."

Neben einigen spannungsfreien und überflüssigen Nummern ("Illest Bitch", "No Days Off") unterhält "Focused", das sich passend zum Feature auch CuDi-mäßig anhört und mit sanften, durch außerweltliche Sphären traumwandelnde Sounds auf die Habenseite gehört. Lloyd verfeinert die Mädels-Hommage "Sabotage", die sich durchaus in den Frühlings-Playlisten einiger Radiosender wiederfinden könnte.

Zwischen den Zeilen ertönt immer wieder ein gesungenes "Maybach Music", als ob man daran erinnert werden müsste, hier ein Luxusgut in Händen zu halten. Mal davon abgesehen, dass Daimlers Höchster Zetsche die Limousinen-Marke einstampfen lässt, klingt diese knappe Stunde Musik eher wie ein Mittelklasse-Wagen aus den 90ern vom Format eines VW Passat: erfüllt seinen Zweck, bleibt selten liegen, ist zwar nicht filigran und technisch ausgereift, hat auch hier und da ein paar unsaubere Ecken und Kanten, fügt sich aber gekonnt und ohne aufzufallen in den Straßenverkehr ein.

Trackliste

  1. 1. Don't Hold Your Applause
  2. 2. Double M Genius
  3. 3. Miami Nights
  4. 4. Legendary
  5. 5. Lotus Flower Bomb feat. Miguel
  6. 6. Chain Music
  7. 7. Focused feat. Kid Cudi
  8. 8. Sabotage feat. Lloyd
  9. 9. White Linen (Coolin) feat. Ne-Yo
  10. 10. Slight Work feat. Big Sean
  11. 11. Ambition feat. Meek Mill & Rick Ross
  12. 12. Illest Bitch
  13. 13. No Days Off
  14. 14. Dc Or Nothing
  15. 15. That Way feat. Jeremih & Rick Ross

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