laut.de-Kritik

Cover von Cyrus, Sheeran, QOTSA, Coldplay u.a.

Review von

Die Welt ist voller Ideen, die auf dem Papier verdammt gut aussehen, bei ihrer Realisierung gleichwohl zum Albtraum mutieren. Ein Paradebeispiel ist "Revamp: The Songs Of Elton John & Bernie Taupin". Theoretisch sicherlich ein erhabenes Vorhaben, die Showbizgötter Elton John/Bernie Taupin zu ehren. In der Praxis entpuppt sich diese Hommage indes als Ohrenlepra reinsten Eiters.

Für ein gutes Cover benötigt man Liebe zu und Einfühlungsvermögen in den jeweiligen Evergreen. Die allermeisten Interpretationen dieses Samplers geleiten Sir Eltons Klassiker jedoch eher zum Schaffot als auf den Thron.

Doch zunächst zur einzige positiven Ausnahme: Ausgerechnet die viel gescholtenen Coldplay verleihen "We All Fall In Love Sometimes" den angemessen romantischen Rahmen. Was Chris Martin hier zur Gefühlsgranate hochfährt, schillert als einsames Highlight in einem Haufen trüber Funzeln.

Die besseren unter den Mitbewerbern sind noch jene, deren langweilende Inspirationslosigkeit wenigstens keine Hinrichtung bedeutet. Florence And The Machine, Mumford & Sons oder Mary J. Blige spulen Routine ab, die sang- und klanglos im Niemandsland dezenter Modernisierung verebbt, ohne auch nur entfernt interessante Akzente zu setzen. Gepflegtes Gähnen immerhin.

Viel schlimmer ist die Horrorabteilung selbstbewusst auftrumpfender Nullnummern, die ehrgeizig starten, um als Grablegung zu landen. "Benny And The Jets" etwa stellt Pink in fiese Fashionshop-Ästhetik, die höchstens als Soundtrack zum ersten Orsay-Besuch Dreizehnjähriger taugt. Spätestens,wenn Logics dramaturgisch unzumutbare Rap-Einlage blutgrätscht, fragt man sich, mit welch teuflischen Mitteln das Label Elton hier tatsächlich zum Cameo bewegen konnte.

The Killers mühen sich auf "Mona Lisa And The Mad Hatters" durch plastinierten Synthiepop, der tatsächlich noch mehr einschläfert als ihre zuletzt in eigener Sache abgelieferten Nichtigkeiten. Die Queens Of The Stone Age staksen ungelenk über die ehemals so elegant erbaute "Yellow Brick Road". Kumpel Iggy würde ihnen dafür väterlich eine kleben.

Mit dem betulichen Pennälerauftritt Ed Sheerans erlischt für Marily Monroe auch noch die letzte "Candle In The Wind". Nicht einmal aktuelle Pop-Königinnen wie Miley oder Gaga können es richten. Miss Cyrus' überambitionierte Luftschutzkellersirene unterstreicht lediglich, wie brillant George Michael "Don't Let The Sun Go Down On Me" seinerzeit anlegte. Die selbsternannte Lady scheitert an hörbarer Eigenergriffenheit, die "Your Song" genau dort ins emotionale Gemächt tritt, wo sie glaubt, das Lied zu adeln.

Am Ende der dreizehn Nummern braucht man zwar genau so viele Taschentücher wie auf einem Elton John-Gig. Doch Tränen der Rührung werden es kaum sein.

Trackliste

  1. 1. Bennie And The Jets (2018 Version) - Elton John & P!nk & Logic
  2. 2. We All Fall In Love Sometimes - Coldplay
  3. 3. I Guess That's Why They Call It The Blues - Alessia Cara
  4. 4. Candle In The Wind (2018 Version) - Ed Sheeran
  5. 5. Tiny Dancer - Florence + The Machine
  6. 6. Someone Saved My Life Tonight - Mumford & Sons
  7. 7. Sorry Seems To Be The Hardest Word - Mary J. Blige
  8. 8. Don't Go Breaking My Heart - Q-Tip feat. Demi Lovato
  9. 9. Mona Lisas And Mad Hatters - The Killers
  10. 10. Daniel - Sam Smith
  11. 11. Don't Let The Sun Go Down On Me - Miley Cyrus
  12. 12. Your Song - Lady Gaga
  13. 13. Goodbye Yellow Brick Road - Queens Of The Stone Age

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5 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor 10 Tagen

    Dieser Kommentar wurde vor 10 Tagen durch den Autor entfernt.

  • Vor 10 Tagen

    Fein, ist das erste Mal seit 5 Jahren dass ich hier etwas poste:

    Ich selbst war nie Elton John Fan, finde die Platte aber deswegen gut weil es mir diesen Künstler so näher bringt.
    Ich mag Gaga, Mumford und natürlich Qotsa. Und finde alle 3 Lieder klasse. Ich lasse mich dadurch nun mehr auf Elton Johns Musik ein.

    Da "Review" hier liest sich jedoch wie in Veriss, den ein beleidigter 5 Jähriger Junge geschrieben hat, dafür gibts von mir auch eine brüderliche Klatsche. Oder wie mans in der Jugendsprache, wie dieser Autor, ausdrücken würde:

    Nice Clickbait, m8!!

    • Vor 10 Tagen

      Lieber Robze, Dein Anliegen solltest Du vielleicht mit einem wesentlich besser gelungenen Cover-Projekt umsetzen. Wir schreiben das Jahr 1991, wo das gleiche Projekt mit deutlich besseren Interpreten und Resultaten erstmalig umgesetzt wurde. Heißt: "Two Rooms: Celebrating the Songs of Elton John & Bernie Taupin". Auf dieser Scheibe ist auch die in der Rezi genannte Version von George Michael enthalten.

    • Vor 10 Tagen

      Wobei sorry, das Lied singt ja Oletha Adams auf der Scheibe... George Michal singt "Tonight" und hat DLTSGDOM erst später live im Duett mit Elton gesungen... so war's.

    • Vor 10 Tagen

      freut mich, dass der weg zu elton führt.
      und den "5 jährigen"-duktus mag man mir verzeihen. im alter wird man ja oft wieder infantil.

      dennoch empfehle ich an dieser stelle gern den laut-meilenstein als einstieg; eventuell werden wir da einig?
      http://www.laut.de/Elton-John/Alben/Madman…

    • Vor 10 Tagen

      Hey Danke für die professionelle Antwort. Sehr erfrischend :)
      Ich werd dem mal nachgehen, danke für die Empfehlung!
      Hätte eben niemals mit einer 1/5 gerechnet, aber ich bin ja auch bisher kein Elton Fan, also kann ich es kaum bewerten. Ich mag 30% der Cover trotzdem sehr gerne, aber das heisst ja nicht dass diese gelungen sind.

    • Vor 10 Tagen

      ach weißt du, es muss einem ja nicht peinlich sein, darauf ab zu fahren. im gegenteil. die songs sind natürlich so verdammt gut, so verdammt creme de la creme, dass sie einem bei erstkontakt munden.

      den vergleich des originals zu jedem einzelnen song lege ich dir auch ans herz. mal sehen was du dann sagst. denn nicht umsonst habe ich coldplay hier gelobt. denn sie durchdringen das feeling der vorlage emotional.

      ansonsten: schau nur mal mit welchem sexy flair das original "tiny dancer" weit von dem künstlich melancholisierten florence-ding entfernt ist. oder welch melodisch-dramaturgische kraft mary j blige hier verschenkt. oder wie überlaut miley "don't let" hier intoniert und den song besonders zum ende mehr ruft als singt.

      es sind diese "very british" nuancen, die das jeweilige lied in seiner urfassung ausmachen. dieser totale individualismus von elton/taupin. und den level schaffen die meisten hier nicht annährend. nicht umsonst zeigen sich die meisten mitkommentierer hier ja ähnlich entsetzt wie ich.

    • Vor 10 Tagen

      und noch 2 tipps, falls interesse besteht. falls nicht, einfach ignorieren.

      es gibt auch aktuell tolle coveralben, die zeigen, wie es geht.

      zum einen die große lydia lunch, die u.a. bon jovi zum sexy leckerbissen macht: http://www.laut.de/Lydia-Lunch-Cypress-Gro…

      und zum anderen die meshell mit ihren bahnbrechenden varianten von prince oder tina turner.
      http://www.laut.de/Meshell-Ndegeocello/Alb…

  • Vor 10 Tagen

    Ganz schlimm... hab auf Spotify mal reingehört. Haben diese Möchtegern-Coverer denn vorher nie in "Two Rooms: Celebrating the Songs of Elton John & Bernie Taupin" reingehört? Sie hätten ihr Vorhaben vielleicht überdacht.

  • Vor 10 Tagen

    Grauenvoll... Ich find´s ganz furchtbar... :-/

  • Vor 9 Tagen

    1/5 finde ich etwas hart, wenn die größten westlichen Mainstream-Stars (plus Alessia Cara) anrücken, gibts halt Mainstream-Covers fürs Radio. Coldplay ist wirklich top, wobei die es auch einfach hatten (oder schlau genug waren), ich meine, wer kennt dieses Original? QOTSA in der Tat enttäuschend weil nur nachgespielt, von den ganzen Welthits liefern nur Q-Tip/Demi und Florence.

    • Vor 9 Tagen

      ok, aber ob das nun mainstream-stars sind oder wofür die das komzeptionell machen oder wer das original kennt, kann ja nicht beurteilungsmaßstab sein. erst recht nicht, wenn man seit 1991 existierende top-vorlagen des "two rooms"-projects etc zur orientierung hat. man bringt es einfach oder man bringt es nicht. verflachung bringt es nicht.

      vergleich das doch mal mit den ebenfalls aktuellen covern des ndegeocello-albums. die meshell zeigt, was man aus prince oder tina turner rausholen kann, sogar aus janet jackson. hätte sir elton auch verdient.