laut.de-Kritik

Fettes Namedropping für den König von Frankreich.

Review von

Ihren größten Hit hat sie eigentlich Brigitte Bardot zu verdanken. Denn wäre diese nicht vor über 35 Jahren auf den Knien vor dem schwer verliebten Serge Gainsbourg hin- und hergerutscht, um die Veröffentlichung der anzüglichen Keuchorgie "Je t'aime" zu verhindern, würde man Jane Birkin heute vielleicht gar nicht mit Musik in Verbindung bringen. So aber spricht man über sie heute andächtig als begehrte Muse und über Bardot als Tierschützerin.

Vor 15 Jahren starb der unbeugsame Provokateur Serge Gainsbourg, Lover beider Damen, an einer Herzattacke. Wer bislang dachte, das Schaffen des Rio Reisers von Frankreich könne nur Menschen aus dem Land des poetischen Chansons vermittelt werden, findet mit "Monsieur Gainsbourg Revisited" vielleicht seine Einstiegsdroge. Trotz altgedienten (und daher auch alten) Wegbegleitern wie Francoise Hardy und eben Jane Birkin (auf dem Cover dafür blutjung), legen hier vor allem junge, britische Künstler ihre Verehrung in englischsprachigen Versionen offen.

Beinahe unglaublich erscheint dabei, dass das kaum zu toppende Namedropping seine Wucht tatsächlich voll entfaltet. Franz Ferdinand erweitern ihren Songfundus erwartungsgemäß gemeinsam mit Jane Birkin um ein Juwel ("A Song For Sorry Angel"), Michael Stipe überrascht mit einer geflüsterten Piano-Ballade ("L'Hôtel") und Birkins alte Bekannte Gonzales, Feist und Dani liefern mit dem cool swingenden "Boomerang 2005" den Sommertrack der Scheibe ab.

Eine Kiste Rotwein sei der Person versprochen, der es gelang, Jarvis Cocker in dessen Landhaus aufzusuchen und ihm eine Kollaboration mit Kid Loco aufzuquatschen. "I Just Came To Tell You That I'm Going" schafft gleich dreierlei Dinge: zum Einen scheint die musikalische Laissez-Faire-Haltung des Originals auch im elektronischen Gewand durch, andererseits fasziniert seit langem mal wieder die distinguierte Brillianz des Sängers Cocker und der stets meldoieorientierte Ansatz des Arrangeurs Kid Loco. Pulp-Fans, auf die Knie!

Portishead rocken überraschend krawallig, Tricky lässt dunkle Beats tanzen und Cat Power versuchen sich gemeinsam mit Karen Elson gar nicht mal so ungeschickt am totgehörten "Je t'aime". Ohne diese Nummer gehts halt auch nicht. Ob Brian Molko der größte Gainsbourg-Fan der Runde ist, bleibt ungewiss, vertreten ist er jedenfalls gleich zweimal. Der Placebo-Beitrag, das berühmte "The Ballad Of Melody Nelson", wildert weitgehend in elektronischen Gefilden, und stellt doch nur den Einstieg zum heftigen Ass-Shaker "Requiem For A Jerk" dar, den er mit dem Ein-Mann-Projekt Faultline und Francoise Hardy einprogrammierte.

Dass Serge Gainsbourg ein großer Reggae-Fan war, berücksichtigte einzig Marianne Faithfull, die sich mit Sly & Robbie zwei Leute an die Seite holte, die vor knapp 30 Jahren schon Grace Jones mit Karibikklängen vertraut machten. Und um tatsächlich jeden Song der Platte erwähnt zu haben, sei noch gesagt, dass Marc Almond tatsächlich noch richtig stramme Synthie Pop-Kracher austüfteln kann, The Rakes wie immer nie stören, The Kills einmal mehr begeistern und Carla Bruni einfach wahnsinnig gut aussieht. Und singen kann die erst. Serge würde sie garantiert mal im Studio besuchen.

Trackliste

  1. 1. A Song For Sorry Angel (Franz Ferdinand & Jane Birkin)
  2. 2. I Love You (Me Either) (Cat Power & Karen Elson)
  3. 3. I Just Came To Tell You That I'm Going (Jarvis Cocker & Kid Loco)
  4. 4. Requiem For Anna (Portishead)
  5. 5. Requiem For A Jerk (Faultline, Brian Molko & Francoise Hardy)
  6. 6. L'Hôtel (Michael Stipe)
  7. 7. Goodbye Emmanuelle (Tricky)
  8. 8. Lola R. For Ever (Marianne Faithful & Sly And Robbie)
  9. 9. Boomerang 2005 (Gonzales, Feist & Dani)
  10. 10. Boy Toy (Marc Almond & Trash Palace)
  11. 11. The Ballad Of Melody Nelson (Placebo)
  12. 12. Just A Man With A Job (The Rakes)
  13. 13. I Call It Art (The Kills)
  14. 14. Those Little Things (Carla Bruni)

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