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Ein Rückblick: Vor rund sechs Jahren hab ich noch mit den Jungs die Ansage Eins und Zwei bei drei bis vier Flaschen Wodka gepumpt. Ein kritischer Kollege befand seinerzeit: "Dieser Aggro-Dreck ist in spätestens einem halben Jahr wieder von der Bildfläche verschwunden." Ich hatte meine Zweifel. Zu brutal, frisch und professionell aufgezogen war das, was da nach Savas aus der Hauptstadt in die deutschen Bundeslande rollte.
Call me Hellseher. Aggro Berlin ist planmäßig und kontinuierlich aus dem selbst designten Untergrund heraus explodiert und funkelt heute als das umstrittene Sägeblatt unumstritten ganz oben am deutschen Gossen-Labelhimmel. Ich muss paradoxerweise gestehen, dass ich den Berliner Kader aufgrund der medialen Omnipräsenz eine ganze Weile nicht mehr wirklich auf dem Schirm hatte – ausreichend brutal erfrischt orientierte sich meine Aufmerksamkeit irgendwann neu.
Sido machte bei Raab auf Volks-Rapper, Bushido kurz nach dem Startschuss einen Schuh, B-Tight als Solo-Artist einen schwindligen Eindruck und Signings wie Tony D und G-Hot die Sache zunächst nicht besser. Mit der "Anti Ansage Acht" legt das Unternehmen nun die inzwischen sechste Nabelschau ab. Einen Zahlendreher schließe ich dabei aus und nehme an, dass die Ansagen Sechs und Sieben dem Corporate Image zum Opfer gefallen sind: Gelebte Großspurigkeit.
Zwar schlägt man auch dieses Mal keine wirklich neuen Wege ein, zum Befahren der ausgetretenen Pfade setzte man sich aber endlich mal wieder in den Sechzehntonner – und das birgt wiederum die eine oder andere Überraschung:
"Fler übertrumpft sich selbst in puncto Peinlichkeit", attestierte Kollege Gässlein der letzten Ansage. Diesmal gilt: Fler lässt die "Leute Reden" und übertrumpft nahezu alle anderen – Punkt. Das souveräne Schlägerorgan, der gestresste Schlepper-Flow und die ultraüberhebliche Emphase machen die ewig diskutierten inhaltlichen Mängel gerade im Vergleich mehr als wett. Beim Strongman fragt auch keiner nach dem Warum.
Sein Südberlin-Sidekick Godsilla steht ihm dabei in nichts nach: In russischer Asphaltästhetik vorgetragene Aussagen wie "Ich bin so cool, ich geh' zu Sunpoint und hab' danach Gefrierbrand" machen aus der Kneipenklopperei zwar noch keine Kampfkunst, beweisen aber, dass der "Silla Instinkt" und seine Birne nicht exklusiv der Kopfnuss dienen. Auch hier gilt: Ein Panzergetriebe ist nicht für die Formel 1 konzipiert.
Interessant ist der Eindruck, den Aggro-Leitwolf Sido hinterlässt: Der Entertainer und Popstars-Juror wirkt inzwischen befremdlich deplaziert in diesem Reigen aus niederprasselnden Ellenbogen. Man gewinnt den Eindruck, dass ausgerechnet auf ihn ein jüngeres Zitat von Bushido zutrifft: "Rap ist für mich langsam nur noch Freizeit." Vielleicht hat der Mann aber auch Order von ganz oben bekommen, den Rest der Mannschaft nicht in den Schatten zu stellen.
Den Tiefpunkt erreicht die Platte ausgerechnet dort, wo ganz früher mal der Aggro-Hammer hing: Das Duo Sido und B-Tight beweisen mit "Sexy" schmerzhaft, dass die Dreamteam-Zeiten rum sind. B-Tight selbst kommt an kaum einer Stelle der Platte über das impotente Goldständer-Niveau hinaus, die einzige Solo-Nummer stammt gar vom letzten Album. Ein Maus-auf-Haus-Reimschema, der Einfallsreichtum eines Bierdeckels und bestens versteckte Raptechnik zeichnen das Aggro-Urgestein dieser Tage aus: Bobby steht mit Bleifuß auf der Bremse. Ich frage mich, weshalb.
Etwas anders sieht die Lage auf der lyrischen Baustelle aus: Betonmischmeister Tony D zieht einmal mehr seinen Kranführer-Fachchargon durch und setzt damit diverse, ich behaupte ja inzwischen freiwillig komische Akzente – gerade auf dickem Bassmauerwerk wie "100 Metaz" und Synthiegerüsten wie "Tony Ist Das". So wenig Skills und so viel Leidenschaft, das hat endlich einmal Anerkennung verdient.
Das absolute Highlight findet sich ohne Zweifel in seinem Duett mit Neuzugang Kitty Kat: "Fiesta" macht das Sägeblatt zur Tanzfläche und ist eine irritierende Kombination aus Strandbar und Knastkantine: Tanz' den Cripwalk an der Costa del Sol und bring' den Ballermann zum Ballermann.
Die First Lady feiert endlich und offiziell Premiere – und zwar gebührend: Sie ergänzt das testosterontriefende Kinnhakenzeremoniell um ein rosa Konterkaro im Stile von Catwoman: Mit ihrer sexy Stimme lullt sie das Patriarchat ein und rammt den Kontrahenten im nächsten Moment die Krallen, respektive das Aggro-Butterfly in den Rücken. Technisch schnurrt dieses hundsloyale Kätzchen tadel-, aber auch etwas belanglos.
Der Gastaufritt von Frauenarzt namens "Undissbar" hinterlässt mich mit einem unfassbar großen What-The-Fuck? Unterlegt mit einem Slapstick-meets-Karneval-Beat von Überproducer Tai Jason liefert er hier ein Stück ab, das sich so nur er oder aber die Augsburger Puppenkiste für Erwachsene leisten kann. Entweder ist Frauenarzt der Helge Schneider des Kriminellenrap oder der Mann hinterm Mond höchstpersönlich. Ich weiß es nicht.
Ganz so "Anti" wie ausgerufen ist das Gesamtbild indes gar nicht. Gerade was die Produktion betrifft: Die überwiegend monströs aufgetürmten Starkstrom-Bomben, die die angeheuerten Synthiekapitäne Beatzarre und Djorkaeff hier zünden, sind mit dem topaktuellen Straßenchic per du, mainstreamlinienförmig per definitionem allerdings auch. Lediglich Kitty Kats "Pussy" bekommt Stakkato-Claps auf den Hintern und Sido von den Goofiesmackerz für seinen 360 Grad-Diss "Du Bist Scheiße" eine Gitarren-Extrawurst kredenzt.
Summa summarum eine solide Ansage Sechs respektive Acht aus dem Hause Aggro, die zwar nicht viel Neues, aber immerhin 23 amtliche Tracks ohne Lückenfüller und Skit-Geplänkel bietet. Für eine Runde, die willens ist, Intellekt und Selbstreflexion mit drei bis vier Flaschen Wodka gepflegt aus der Bahn zu spülen, auf jeden Fall ein optimaler Soundtrack. Oder, um B-Tight schlussendlich doch noch ein brauchbares Zitat abzuringen: "Das ist die Aggro Berlin Gegenwart."
| Shop | Titel | Info | Preis | Porto | Gesamt |
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Various Artists - Ansage 8 | Infos (Lieferzeit/Service) | €13,95 | €3,90 | €17,85 |
"So wenig Skills und so viel Leidenschaft, das hat endlich einmal Anerkennung verdient."
Ich finde eher Mitleid. Tony D, dieses Riesenbaby. Ich wette, die locken den immer mit Süßkram in die Gesangskabine und sagen dann "So Tony, jetz' schreiste ma' so laaaaaut du kannst - dann kriegst du nachher noch lecker Pudding!"
Schön geschriebene Review, auch wenn ich die Wertung als etwas überzogen erachte (besonders im Vergleich zu SBM).
Kitty Kat und Fler top, Bobby flop. Beste Tracks: Fiesta, Du bist scheiße, Leute reden. Aber ansonsten ist da auch nicht viel... mit anderen aktuellen Alben verglichen ist die Wertung auch überzogen. Man merkt halt bei dem Autor immer ganz genau, welche Artists er allgemein eher mag als andere.
Review wie immer top, Wertung tatsächlich ein wenig überzogen. Keine Lückenfüller? Halte ich für ein Gerücht... Die ganzen Tracks mit 3 oder mehr Personen wirken total hingerotzt, gerade weil man sie automatisch mit "früher" vergleicht. Mit "Undissbar" & "Sexy" wurden ja außerdem mindestens 2 genannt
Ach ja, sido ist im Moment einfach Schrott, B-Tight ganz in Ordnung, Tony manchmal ganz witzig, Fler wird immer besser, zu Kat erlaube ich mir noch kein Urteil.
2 Punkte von mir
"Lediglich Kitty Kats "Pussy" bekommt von Flash Gordon Stakkato-Claps auf den Hintern"
Hausaufgaben nicht gemacht? Beats von "Pussy" stammen von Kitty Kat selbst und Flash Gordon hat laut seiner Myspace Seite nur an 3 Tracks mit gewirkt (Fiesta, Outro und noch iwas)
Endlich wieder einmal eine gute Review!
Ich kann mich, abgesehen von Sexy, was für mich dank Bobbys Überparts einen sehr geilen Track darstellt, und der meiner Meinung nach zu negativen Bewertung von Bobby, eigentlich voll und ganz anschließen.
Den Absatz über Frauenarzt hätte man nicht treffender formulieren können 
die ansage ist immer nur dann gut, wenn mal nicht der allseits bekannte synthie-brei aufgewurstet wird. also bei "Pussy", "Du bist scheiße" und "Egoist". ansonsten ziemlich spannungsarm, das ganze. sido langweilt, fler unterhält. Tai Jason und Desue nur jeweils einmal vertreten und das auch noch mit eher mauen beats? naja.
Hatte nur den "Pussy" Track gehört und fand die Beats ziemlich dick. Da hatte mich dann interessiert wer dahinter steckte und hier gelesen das es Gordon war. Dann auf seine Myspace Seite, dort jedoch ein Widerspruch zur Info hier.Falls es wen interessiert: Es wird doch ein wenig Promo betrieben. MTV-Aktion "All Eyes on Aggro Berlin". Hier die Clipreihe:
http://www.mtv.de/videos/19882818
http://www.mtv.de/videos/19882819
Eigentlich ganz cool gemacht, auch wenn es nur verwertete Bilder aus alten Videos sind
Also ich finde Ansage 8 echt genial. Am geilsten kommen die Trakxxx Wenn sie kommen und Auf die Fresse. FLER wird immer größer
"Maul zerreißen" auf "Haufen Scheiße"
"Erfolg haben" auf "in Gold baden"
"nur ein Wort" auf "Brudermord"
"hart genug" auf "Atemzug"
Ich will jetzt nicht behaupten, daß es Weltklassereime sind, aber mehr als Haus-auf-Maus ist es allemal. Außerdem wage ich immer noch zu behaupten, daß du versuchst, bei Fler etwas zu finden, was er dir nie geben wird bzw. ihn nach Kriterien zu bewerten, die er nie zu erfüllen versucht hat. Der Autor trifft die Sache mit dem "Panzergetriebe" schon ziemlich gut auf den Punkt
Quatsch, er macht schon das Beste aus seinem "Talent" (im Gegensatz zur Schaffensperiode 2004-2006). Ich meinte nur, daß du mit der kompletten Reduzierung der Rapmusik auf die lyrischen Skills Fler mit Absicht keinen Gefallen tust. Daß er in diesem Bereich nicht in der Formel 1 fährt, ist sowohl ihm selbst als auch den meisten seiner Hörer klar
Wenn du seine bisherige Karriere halbwegs mitverfolgt hättest, würdest du wohl das gleiche sagen
Nee, im Ernst, ein Rapper hat doch mehr zu bieten außer starker Lyrik. Ich meinte jetzt gar nicht die Beats, sondern Sachen wie Ausdruck, Stimme und Style... Und was er überhaupt mitzuteilen hat. Die Lyrik ist nicht immer alles, genau wie Technik nicht alles ist.
Er will schon der krasse Rapper sein, nur ist er nicht der krasse Lyriker, das wollte ich damit ausdrücken. Für Leute, die nur auf der Suche nach krasser Lyrik sind, eignet er sich einfach nicht
Wenn man bei Fler unglaublich tiefsinnige Texte erwartet, dann wird man wohl meistens enttäuscht. Mal abgesehen von einigen Ausnahmen (Vatermorgana, Ich Scheine) dreht es sich natürlich eigentlich immer um das Gleiche.
Mir persönlich geht's auch nicht in erster Linie darum. Letztens habe ich mir so ein paar Amateure (Lea-Won & Silo Ma) und da hat man den Unterschied zwischen Fler und solchen Leuten gemerkt, die ja (angeblich!) besonderen Wert auf den Inhalt legen und da merkte man deutlich, dass scheinbar besserer Inhalt noch bei weitem nicht ein besseres Ergebnis bedeuten muss.
Denn, das hat InNo ja schon gesagt, es geht ja nicht nur um den Text, sondern auch um Ausdruck, Stimme und noch einiges mehr und gerade da spielt Fler seine Stärken aus. Phasenweise (besonders auf Ansage 4) hat das auch nichts gebracht, weil die Raps einfach zu schlecht gewesen sind, aber spätestens seit Beginn des Jahres lässt sich das wirklich gut hören.
Ich hab ja schon mal gesagt, dass einiges bei Fler überzeugend klingt. Ob es das nun ist, oder nicht, ist wieder eine andere Sache, aber der Sound stimmt einfach. Und weil er technisch sich wirklich enorm gesteigert hat (im Vergleich zu seinen Anfangstagen), kann ich mir seine Musik fast immer geben... 
Ansage chartet auf 25
Quelle: http://www.musikmarkt.de/site/start/il/1/bid/37832/ridtb/133/pid/1" rel="nofollow">http://www.musikmarkt.de/site/start/il/1/bid/37832/ridtb/133/pid/1
Wenn man dann sieht, was auf Platz 1 eingestiegen ist, gibt einem das wirklich zu denken...
Platz 25 ist ja sogar noch schlechter als SBM und Totalschaden. Mit Aggro geht's damit also weiter bergab (zumindest was die Verkaufszahlen angeht).
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