laut.de-Kritik

Pagan Metal mit streitbaren Texten.

Review von

Du meine Güte, diese Woche kommen von Frei.Wild und Varg gleich zwei Alben von Bands auf den Markt, die extrem polarisieren. Beide sollen angeblich mit braunem Gedankengut geliebäugelt haben bzw. es immer noch tun.

Im Falle von Varg fehlt mir die Grundlage, um das wirklich zu beurteilen. Deshalb konzentrieren wir uns hier auf das musikalische Schaffen, und da steigen die Bayern mit einer handfesten Überraschung ein. Lassen wir das kurze Intro "Willkommen" mal außer Acht und widmen uns direkt dem Titeltrack, bei dem sich die Herren nahezu als waschechte Metalcore-Band präsentieren, mit entsprechendem Lead und ordentlich Saft im Ärmel. Hat durchaus seinen Charme und passt auch mit dem deutschen Gesang ganz gut zusammen.

Dieser ungewohnte Einstieg relativiert sich mit dem folgenden "Frei Wie Der Wind" allerdings wieder recht schnell. Fortan bekommt man die Pagan Metaller so, wie man sie gewohnt ist und es erwartet. Getragene Melodien im Midtempo, epische Melodien und Frekis raues Geschrei bilden die Grundlage und funktionieren in diesem Song auch ganz hervorragend.

Weiter geht es mit der ersten Videosingle "Was Nicht Darf", bei dem sich die Band sowohl musikalisch als auch textlich sehr streitbar gibt. Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche darf man als Thema ruhig mal aufgreifen und auch so eklig und kontrovers darstellen, wie Varg das in der Nummer tun. Ob man das im Neue Deutsche Härte-Stil tun muss, sei aber dahin gestellt.

Hauptproblem für mich ist die Leadgitarre, die durch den Mix deutlich zu sehr in den Vordergrund geschoben wird. Hinzu kommt, dass manche Soloeinlage recht holprig und bar jeglichen Feelings gespielt wird. Dabei sind die Riffs auf der anderen Seite meist gar nicht von schlechten Eltern, doch der Mix, der sie vor allem im späteren Verlauf des Albums oft zu sehr in den Hintergrund drängt, macht die Sache etwas schwierig.

Seltsamerweise klingen Nummern wie "Gedanke Und Erinnerung" oder "Leben" deutlich runder. Auch die Beteiligung von Gästen wie Jonne von Korpiklaani bei "A Thousand Eyes" oder Eluveities Päde in "Wieder Mal Verloren" geht voll und ganz in Ordnung. Allerdings erinnert mich letztgenannter Track irgendwie ganz massiv an In Extremo.

Man kann den Bayern wohl kaum vorwerfen, dass sie musikalisch auf der Stelle treten und dennoch wird sich auch kaum ein Fan beschweren, dass die Trademarks auf "Guten Tag" nicht vorhanden wären. Ob man die Verkaufszahlen des Vorgängers damit toppen kann, wage ich aber zu bezweifeln.

Trackliste

  1. 1. Willkommen
  2. 2. Guten Tag
  3. 3. Frei Wie Der Wind
  4. 4. Was Nicht Darf
  5. 5. Blut Und Feuer
  6. 6. Angriff
  7. 7. Horizont
  8. 8. A Thousand Eyes
  9. 9. Wieder Mal Verloren
  10. 10. Gedanke Und Erinnerung
  11. 11. Leben
  12. 12. Anti
  13. 13. Apokalypse

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12 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Zum Thema mit rechtem Gedankengut geliebäugelt:

    Der Sänger hat im Alter von 19 Jahren Hendrik Möbus kontaktiert, da er ein Festival mit Absurd und Totenburg organisieren wollte. Dies ist aber nicht zu Stande gekommen.

    Als dies bekannt wurde, hat Nuclear Blast den Vertrag mit Varg aufgekündig. Da öffentliche Abwendung vom Rechtsextremismus erst auf Nachdruck (unter anderem der Wacken-Organisatoren) und auch erst mit dem sich abzeichnenden kommerziellen Erfolg kam, scheint sie mir nicht eben glaubwürdig.

    Zur Musik:

    Der Frei.Wild-Verweis ist sehr passend, die dürften ein ähnliches Klientel anziehen, nicht aufgrund ihrer platten und dummen Texte werden sie gerne als "Pagan-Onkelz" verschrieen.

    Wo da jetzt, mit Ausnahme des Equilibrium-Gedächtnis Gedudels und dem oberflächlichen Bezug auf germanische Mythen, "Pagan" drin sein soll, erschließt sich mir nicht. Im Vergleich zu den Genre-Königen von Primordial kacken die Jungs von Varg doch erheblich ab und dass das Album genau so gut sein soll (drei Sterne) wie "The Gathering Wilderness" oder "To The Nameless Dead" bezweifle ich jetzt einfach mal, ist aber sicher Geschmackssache.

    Mir scheint nur, dass du mit dem "Drei-Sterne-Vergeben" recht flott von der Hand bist, lieber Eddy. ;)

  • Vor einem Jahr

    Der ist ja auch auf dem rechten Ohr taub

  • Vor einem Jahr

    Dumme Musik für dumme Leute Vol. II.

  • Vor einem Jahr

    @TheBeast666
    Also sozialkritisch ist "was nicht darf" ja auch, macht den Text dazu nicht besser. Meiner Meinung gilt selbiges eben auch für die Texte von Kreator, Sodom, etc. (eventuell beeinflusst mich da auch Milles starker Akzent). Da ich des Englischen durchaus mächtig bin, habe ich Maiden bewusst nicht erwähnt.
    Gerade im Metal ist es doch die Mehrzahl, bei denen die Lyrics bestenfals belustigend sind. Nur bei den deutschen Bands wird deswegen fast immer draufgeprügelt (Betontod, Rammstein, Varg, etc.)
    Mal die Mittelalter- und Folksachen außen vorgelassen, fallen mir nur die Reiter ein, welche für ihre Texte nicht regelmäßig an den Pranger gestellt werden.

  • Vor einem Jahr

    Vielleicht hackt man auf deutschen Bands da mehr rum, weil man

    a. die Texte versteht und
    b. erwartet, dass sich jemand in seiner Muttersprache souveräner bewegen kann als in einer Fremdsprache

    Deutsche Bands, die Englisch singen, benutzen gerne Germanismen, die den Gesamteindruck etwas schmälern. Gerade aber bei Mittelalter und Folkbands finde ich diese aufgesetzt elaborierte Ausdrucksweise noch fast schlimmer als als dumpfe Onkelzlyrik. Subway to Sally haben meines Erachtens nach zum Beispiel sehr stark nachgelassen. Pennälerlyrik gekreuzt mit überzogenem Pathos macht noch keinen Goethe, auch wenn das bei vielen deutschsprachigen Interpreten Konsens zu sein scheint.

    Aber es gibt doch viele Positivbeispiele. Die späteren Alben von Slime zum Beispiel, Toxoplasma, die von dir erwähnten Apokalyptischen Reiter, Totenmond mit ihren sehr kryptischen aber dennoch eindrucksvollen Texten, die teilweise stark an Gottfried Benn erinnern.

    Eine weitere Sache: Bands wie Slayer, Kreator sind musikalisch einfach so gut, dass für viele die Texte zweitrangig sind. Wenn man dann aber stumpfe Musik mit stumpfen Texten macht und das ohne einen Funken Selbstironie, dann weiß ich nicht, was ich daran gut finden sollte.

  • Vor einem Jahr

    man stellt sich ein Wikingerschiff auf die Bühne und dann sind auch die Lyrics egal.