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Große Schmachtfetzen gibt es zuhauf. Wir zeigen euch Liebeslieder, die garantiert in keinem Supermarkt auf euch lauern.
Konstanz (laut) - Am 14. Februar ist Valentinstag. Von vielen als Erfindung der Schokoladen- und Blumenindustrie abgetan, von einigen sehnlichst erwartet. Von anderen total ignoriert.
Von uns natürlich nicht! Denn wie immer schmachtet auch die Musikwelt herrlich im Takt, wenn es darum geht, das Wörtchen "Liebe" an den Mann und die Frau zu bringen. Sind wir ehrlich, 90 Prozent der Popmusik drehen sich um Herzensangelegenheiten, ob positiv oder negativ.
Einen leicht bitteren (bzw. mit Gelierzucker verklebten) Nachgeschmack hinterlassen allerdings die bombastischen Lovesongs, die den Valentinstag Jahr für Jahr umrahmen. Ihr wisst schon, die großen Gefühle der großen Stimmen. "I Will Always Love You" und Konsorten.
Nun, diese kitschigen Schmachtfetzen finden am Valentinstag vielleicht ihre einzige Daseinsberechtigung (aber auch nur zwischen 10 und 15 Uhr, an ausgewählten Plätzen, unter Aufsicht), deshalb wollen wir uns nicht groß darüber aufregen, während wir schachtelweise Rosenblätter futtern. Da in jedem Musikredakteur ein kleiner Romantiker schlummert, haben wir deshalb eine Handvoll Lovesongs zusammengesucht, denen man eher selten in Drogerien, Einkaufszentren und Blumengeschäften begegnet.
Bühne frei für die 25 coolsten, ehrlichsten, traurigsten und schönsten Lovesongs mit dem Anspruch, dass sie nicht von Whitney Houston, Mariah Carey oder Stevie Wonder gesungen wurden.
"I'm tired of the fast lane." Keine Frage, das Leben auf der Überholspur schlaucht, selbst - und besonders - in schnelllebigen Rap-Star-Kreisen. Die Konsequenz ("I want you to have my last name"): Vielleicht ein bisschen konservativ. Nichtsdestotrotz servieren Common und Mary J. Blige gemeinsam ein gar zauberhaftes Stück fürs Herz, eben "just a fly love song".
"You could be my unintended choice to live my life extended." Matt Bellamy schmachtet ja gerne vor sich hin, meist auch in höchsten Höhen des Stimmregisters, nicht immer zur Verzückung der Fans. Aber für diese Zeile darf er ganz legitim angehimmelt werden. Bevor Muse in den Raumschiff-Bombast aufstiegen, zelebrierten sie mit "Unintended" so etwas wie die feine Klinge des Songwriting.
"Ihr wollt ein Liebeslied? Ihr kriegt ein liebes Lied." Ein Lied, das ihr liebt, nämlich. Wer kennt sie nicht, die Songs, die einen um den kleinen Finger wickeln und einem nachhaltig Schlaf und Verstand rauben? Höchste Zeit, dass diesen Nummern jemand unser aller Liebe erklärt. Formvollendeter als die Beginner hat das keiner erledigt. "Kann man auch Tracks heiraten in Dänemark?" Ja, ich will!
Fast eine Minute lang lässt William Fitzsimmons die Klavierakkorde und den reduzierten Beat im Raum stehen. Manchmal braucht Liebe halt ihre Zeit. Doch dann die knappste Zuneigungsbekundung – "I still love you, after all." Ein gehauchter Vergebungssong, der sich einem langsam nähert. Eben erst, wenn gebrochenes Vertrauen langsam wieder aufgebaut wird. Zum Träumen schön.
Die Pferdeband beherrscht so manche Tricks und Kunststücke. So zum Beispiel, einen Titel erst ganz böse "Keiner liebt dich" zu nennen, nur um später ein "mehr als ich" hinzuzufügen. Eine herrlich unpeinliche Liebeserklärung, zu denen auch Typen in Holzfällerhemden und Bart ohne große Schuldgefühle über Liebe singen dürfen.
"Das hier ist ein deeper Track, ihr checkt es eh nicht." Wenn die Verliebtheit verflogen, die Liebe ausgezogen ist, man den Mut, einander Lebwohl zu sagen aber noch nicht zusammengekratzt hat, kann einem schon mal das Vertrauen in das eigene Publikum abhanden kommen - dabei sind Blumentopf-Hörer doch eigentlich weder abgestumpft noch feige. Beim Topf kennt man jedenfalls ganz offensichtlich die große Leere, die den Schmetterlingshorden nur zu oft folgt.
Ganz davon abgesehen, dass diese Platte von Neutral Milk Hotel als Manifest des Indie-Folks gilt – diese Serenade über Liebe, die auch die Hürde des Ablebens übersteht, ist wahrlich ein Meisterwerk. "What a beautiful face, I have found in this place."
Schwarzkittel definieren sich gerne als Romantiker. Und The Cure gehören - zumindest mit den frühen Alben - seit Jahrzehnten zum Bandkanon der Szene. Allerdings nahmen die Gesellen um Robert Smith den ganzen Klimbim um Särge und Kruzifixe nie todernst. Die Briten begaben sich lieber auf die Suche nach dem perfekten Popsong. Mit "Just Like Heaven" haben sie den wahrscheinlich längst gefunden. Und mit dem schummrig geerdeten, textlich unaufgeregten "Lovesong" stießen sie später auch auf ein schnörkellos anschauliches Liebeslied.
Dass zur Liebe immer auch das Loslassen gehört - wer wüsste das besser als der wieder und wieder und meistens zu Unrecht als Ex-Freundin-Rapper geschmähte Mann aus Minden? "Vielleicht ist dein Leben ohne mich viel leichter - oder nicht?" Diese Frage muss sich nach wie vor jeder selbst beantworten. Außer Frage steht: Diese Stückchen deutscher Rap war, ist und wird es immer bleiben - zum Sturzbäche heulen schön.
Ein wahrlich träumerischer Song über den Moment, in dem man diese Bauchgefühle das erste Mal wirklich benennen muss. "Strange to give a name to what I really feel" wissen aber Korinna Knoll und Adam Peters aka Neulander, ein allzu gern übersehenes österreich-amerikanisches Elektropop-Duo.
Kaum einer transportiert soviel Trauer und Gefühl in seiner Stimme wie Antony Hegarty. "You Are My Sister" gibt den Interpretationsschluss völlig in Hörerhände, lässt eine Danksagung an eine große Schwester genauso zu, wie eine Bestätigung der Seelenverwandschaft. Ist doch schön.
"I would dig a thousand holes, just to lay next to you." Schottische Traurigkeit funktioniert auch ohne Dudelsäcke. Eine spärliche Akustikgitarre greift nach dem Herz und drückt fest zu. Die Highlands sind ohne die Dame der Wahl wahrscheinlich noch um ein Eck trostloser. Starke Songs kommen trotzdem dabei raus.
Ja, Paul hatte auch nach seiner Pilzcombo noch so manchen Geistesblitz. Überrascht ist er über die Intensität der Beziehung, so überrascht, dass er seinen Gefühlwirrwarr ordentlich rausschreit. Überrascht davon, dass uns dieser Song gefällt, ist wohl niemand.
"Das Schweigen Dilemma" nannte Dendemann seine EP, die nach der Trennung von Eins Zwo die schier endlose Wartezeit auf sein Solo-Album dann doch wenigstens ein bisschen verkürzen sollte. Der unbestrittene Hit darauf: diese längst überfällige, an Rotzigkeit schwer zu überbietende Liebeserklärung. "Du bist und bleibst mein Lieblingsmensch" - und Dende, allen Style- und Beat-Desastern zum Trotz unser Lieblings-MC.
Neben himmelhochjauchzenden Liebeserklärungen gehören auch zu Tode betrübte Finsterwolken zur akustischen Liebes-Thematik. Wer daran zweifelt, dass ein Beziehungsende einen Lovesong hervorbringen kann, der erhöre Pearl Jam-Sänger Eddie Vedder, wenn er zerbrochen und depressiv anklagt: "I know you'll be a star in someone elses sky, but why, why, why, can't it be mine?" Die Romanze, die für diesen Song verantwortlich ist, hatte es auf jeden Fall in sich.
Mike Skinner erzählte auf unwiderstehliche Art von einem Split mit der Freundin, verpackte es in einen aufbauenden Refrain, der The Streets sogar in die Mainstream-Formatradios katapultierte. Dass dabei die ganze Zeit ein junger Typ im Trainingsanzug irgendwo in East London sich die Augen ausgeweint hat, kam dabei etwas unter die Räder.
Aus die Maus, vorbei ist es. Geschichte, Vergangenheit, Schnee von gestern. Das letzte, was man sehen will, ist der/die Ex. Dachte sich auch Damon Albarn und stürzte sich mit einem der depressivsten Song aus England (und auf dieser Insel regnet es jeden verdammten Tag!) fast aus dem Fenster. Da will man auch die Zeile "I won't kill myself, trying to stay in your life" nicht so recht glauben.
Die Scheibe "Moon Safari" begründete den Ruhm des französischen Duos. Mit Tracks wie "Sexy Boy" und "Kelly Watch The Stars" blieben sie in aller Chillout-Munde. Und selbstverständlich hielt die Platte auch ein Liebeslied bereit: US-Sängerin Beth Hirsch verpasste "All I Need" einen Schuss Erotik und bewies, dass es manchmal wenig Text respektive Bilder braucht, um Gefühle auszudrücken. Dazu zimmerten Nicolas Godin und Jean-Benoît Dunckel ein unaufdringlich elektronisches Arrangement mit samtweichem Livefeeling (cleane Akustikgitarre) und gaben noch eine Art dokumentarisches Video in Auftrag, das den Zeitgeist ziemlich genau einfing.
Van The Man schrieb diesen Song schon vor 40 Jahren und an seinem grandiosen Vortrag können sich bis heute Armeen betrunkener Iren messen. In dieser siebenminütigen Demonstration, was Gefühl und Musikalität zusammen ausrichten können, stimmt dann aber vom Saxophonsolo bis zu Morrisons gelben Hemd auch wirklich alles.
Der Partisan der Liebe 1984 mit einem der größten Lovesongs aller Zeiten - "raise a tent of shelter now, though every thread ist torn... and dance me to the end of love." Liebe bis zum letzten Atemzug und weit darüber hinaus. Auch das mit Tod und Vergänglichkeit nicht gerade geizende Schwarzweiß-Video ist als erstes seiner Art ein echter Pionier. Depeche Mode und U2 entdeckten diesen Stil erst viel später für sich.
Wenn das mal nicht sein größter Hit war: 1971 veröffentlichte Al Green "Let's Stay Together" als Vorboten auf sein gleichnamiges Album, katapultierte sich damit an die Spitze der Billboard-Charts und behauptete sich wochenlang in den Hitlisten. Zahllose Kollegen, darunter Tina Turner, Roberta Flack, Isaac Hayes oder Boyz II Men, haben den Song gecovert. Nicht schlecht für eine Nummer, deren Text angeblich in nur fünf Minuten geschrieben wurde.
"And I wonder, when I sing along with you, if everything could ever feel this real forever, if anything could ever be this good again." Bevor Dave Grohl der "nicest man of rock'n'roll" war, schrieb er "Everlong", das die Foo Fighters seit jeher definierte. In Mitten des ganzen Stadionbombasts noch diesen Grad an Intimität zu erzeugen, gehört Nacht für Nacht zum ganz großen Sport. Der Prototyp des modernen Líebeslieds (sowohl in der Unplugged- als auch Stromversion).
Rio steckt sie doch alle in die Tasche. In der Tat. "Ich hab Zeit, denn ich liebe dich." Das sehen wir genauso und schwelgen zu diesem Ton Steine Scherben-Song aus dem Jahr 1972 in intensiven Liebesbekundungen früherer Zeiten. Aber genug der Worte. Anhören!
"And if a double-decker bus crashes in to us, to die by your side is such a heavenly way to die." Es gibt viele zitierfähige Zeilen von Stephen Patrick Morrissey. Aber diese hier, verbunden mit der Leichtigkeit der Smiths-Melancholie, gehört fett mit Eding an jede Wand gekritzelt.
Der "mean old man" unter den großartigten Songwritern macht keine halben Sachen. Ist er böse, wirds gemeingefährlich. Will er tanzen, steppt der Bär. Und wenn Tom Waits liebt, dann mit Haut und Haar. Ohne auch nur einen Anflug der gemeinen Kitschschlagseite findet er auf "Picture I A Frame" genau die Worte für das Gefühl der ersten und immerwährenden Frischverliebtheit. Vielen Dank dafür!
Valentinstag is zwar fürn Arsch, aber die Scherben auf Platz drei und Tom Waits auf der eins geht mehr als nur klar.
Bei "Nothing Else Matters" geht ums Geld. ^^
Mit "Never care for what they say" sind die Fans gemeint, die die neuen Alben und den Ausverkauf von Metallica scheiße finden.
"Ohen Dich" von Selig und "Love you more" von Racoon gehören auf jeden Fall mit dazu...
Die nächste Hipster-Liste die den Mainstream nur leicht berührt......
"Love you more" von Eminem hätte ich mir auch gut vorstellen können.. naja, demnächst dann bitte "Die 25 besten/coolsten/wasauchimmer Listen"!
"Guildo hat euch lieb" ist ja eigentlich auch ein Liebeslied. Wie wär's damit?
So ein Bullshit, natürlich ist Nothing Else Matters ein Liebeslied. Da geht es um die Beziehung von James und seiner Frau und die Belastungen, wenn man ständig (durch Touren) getrennt ist.
Wie sollen denn die Fans und der "Ausverkauf" damit gemeint sein, wenn das schwarze Album erst das große Sellout-Album war (auf dem Nothing Else Matters zu finden ist)? ...And Justice For All war ja wohl noch weit von Sellout und Massentauglichkeit entfernt.
Das was ich über ...And Justice For All gesagt habe muss ich wohl zurücknehmen. Mir fiel gerade die Szene ein (von MTV Masters oder so), in der Lars erzählt wie er wegen des "One" Videos bespuckt wurde. Mein erster Absatz stimmt aber trotzdem.
Es fehlen ganz klar zwei Lieder:
Blumfeld - Tausend Tränen tief -
und
Cannibal corpse - Ripped, Raped and Strangled -



Noch ein Nachschub:
The lyrics were also dedicated to his [then] girlfriend, which talk about being "so close, no matter how far", indicating the bond they shared even when Hetfield was on tour.
dende und the cure gehen immer klar, das lied von blumentopf hat mit valentinstag aber wenig zu tun. ich denk man hätte wesentlich größere perlen ausgraben können, wenn man das thema ernsthaft und weniger oberflächlich bearbeitet hätte.
Man, man, gebe Dragnet recht. Seit wann müssen Liebeslieder cool sein?
Das schönste Liebeslied ist für mich:
Blue Öyster Cult - Don't fear the reaper
Und HIM haben auch etliche gute Liebeslieder.
Aber die sind eben nicht cool.
also wer heute seiner Flamme "nothing else matters" vorspielt, wird wahrscheinlich auch kein Sex haben... das ist so dermaßen ausgelutscht ^^
sonst finde ich die Liste ganz ok, wobei ich keine Liebeslieder mag. Dein Anblick von Schandmaul ist auch ein schönes Lied falls wirklich jemand eine CD zusammenstellt ^^


Was definitiv fehlt:
"Get your hands off my woman" von The Darkness
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