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Wer angenommen hat, dass sich Unheilig allein dem typischen Gothic-Publikum erschließen, musste sich letztes Jahr auf dem Wacken Open Air eines Besseren belehren lassen Dort fanden der Graf und seine Liveband im Zelt überragenden Zuspruch. Auch mit seinem neuen Werk "Puppenspiel" wird er weit über die Wave und Gothic-Szene hinaus seine Fans finden.
Grund dafür sind die Gitarren, die bei Unheilig stetig mehr Raum beanspruchen und an Dominanz gewinnen. Den Grundstein legt zwar meist immer noch eine sehr tanzbare Rhythmik, doch die Riffs im Titeltrack "Puppenspieler" erinnern des öfteren an Rammstein.
Klar der Sound ist lang nicht so fett, doch auch "Spiegelbild" kokettiert mit ähnlichen Riffs in der Strophe. Auch gesanglich hält sich der Graf im Till Lindemann-Bereich auf, ehe er im Refrain auf eine deutlich wärmere Stimmlage zurückgreift, die schon bei "Puppenspieler" aufkam. Das ist zwar fast schon poppig, aber die Melodie ist einfach nur wunderschön.
Während vor allem bei "Lampenfieber" der Rammstein-Vergleich nahezu aufdrängt, sind natürlich auch wieder jede Menge Songs auf dem Album, die mit ihrer harten, elektronischen Rhythmik schwer zum Tanzen einladen und für entsprechend volle Tanzflächen sorgen werden.
Da wären zum einen "Dein Clown" und "Fang Mich Auf" zu nennen, aber auch das mit einem etwas zu sehr gestelzt klingen Gesang intonierte "Kleine Puppe" oder das gelungene "Die Bestie". Vom Gesang her deutlich interessanter ist "Feuerengel", das im mittlere Tempo eine angenehme, sehnsüchtige Stimmung verbreitet und mit der erstaunlich unprätentiösen Stimme des Grafen begeistert.
Balladeske Töne tauchen zum ersten Mal mit "Sei Mein Licht" auf, das zunächst nur auf Klavier und ein paar Synthies und eben der sanften Stimme des Grafen basiert. Das schmalzt allerdings schon ein wenig, und irgendwie muss ich immer wieder an den unsäglichen Reinhard Mey denken ... Entschädigung folgt aber mit "An Deiner Seite", die noch reduzierter als "Sei Mein Licht" und deutlich weniger kitschig ist. Daran ändert auch nichts, dass der Text sehr persönlich und emotional ist. Hätte ich ansatzweise so was wie menschliche Gefühle, ich hätte wohl eine Träne im Auge.
Nicht unbedingt Balladen, aber doch zwei sehr getragene, ruhige Stücke stehen mit "Wie Viele Jahre" und "Der Vorhang" an. Vor allem bei Letzterem gibt es ein sehr schönes Gitarrensolo zu hören, das genau wie der Song zwar eine gewisse Wehmut ausstrahlt aber auch Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Genau wie der Protagonist hat man auch als Hörer den Eindruck, mit sich selbst im Reinen zu sein. Da bietet das instrumentale "Memoria" den passenden Ausklang zu einem wirklich starken Album.
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) hihi
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