laut.de-Kritik

Berlin, Bitches, Bargeld, Betäubungsmittel.

Review von

Ufo361 ist also mittlerweile 3 Berliner. Eisern hält er an seinem Erfolgsrezept fest und kredenzt einen zähflüssigen, synthetischen Brei aus Trap-Beats und Auto-Tune. Durch diesen waten die Hörer knietief über eine Laufzeit von unglaublichen 100 Minuten. Auch inhaltlich bleibt Ufo seinem Kosmos aus Berlin, Bitches, Bargeld und Betäubungsmitteln treu. Frei nach dem Adenauer-Motto: "Keine Experimente!"

Hierzulande orientiert sich wohl kein zweiter Rapper derart konsequent am Trap nach internationalen Vorbildern. Umso mehr befremdet die Selbst- und vermeintliche Fremdwahrnehmung des Kreuzbergers: "Ufo, bitte hör' nicht auf zu rappen, bitte, bitte, wen soll ich dann biten?" Bei so viel abgekupfertem Sound und klischeehaften Inhalten, sollte der Berliner lieber die Füße stillhalten.

Kritikern begegnet Ufo361 mit der bewährten Til-Schweiger-Strategie: Die haten ohnehin alle nur, da sie neidisch sind und selbst nichts auf die Kette bekommen ("Du machst jetzt Auge, denn du machst keinen Cent."). Ein einfacher Weg, sich gegenüber redaktionellen Verrissen zu immunisieren. Scheinbar ist es zu schwierig, eigene Stärken zu unterstreichen oder sich mit möglichen Schwächen auseinanderzusetzen.

Textlich gönnt Ufo kaum Abweichungen vom eingangs erwähnten thematischen Vierklang. Im besten Fall preist er seine Carpe-diem-Attitüde ("Wann Wenn Nicht Jetzt") oder verwaltet seinen Hype ("Der Pate"). Dabei gäbe es laut "James Dean" mehr zu erzählen: "Zu viel Leid, hab' das alles geseh'n. Bitte scheiß' mal auf alle diese Them'n. Viel zu viele schlaflose Nächte, Tag und Nacht tausend Texte. Doch ich zeige keine Schwäche." Schade, einige Risse in der nichtssagenden Oberfläche kämen nicht nur der Kunstfigur Ufo361 entgegen, sondern entsprächen auch eher dem titelgebenden James Dean. Der Method Actor war immerhin bei weitem nicht nur "Frauenheld", sondern riss sich für seine Kunst förmlich das Herz aus der Brust.

Bei aller Kritik muss man Ufo361 jedoch eines zugutehalten: Er legt eine fast protestantische Arbeitsmoral an den Tag: "Nächtelang Arbeit, den Rahmen gesprengt. Während ihr nichts macht und alle verpennt, hab' ich geackert, mir alles erkämpft." Dieser Punkt geht tatsächlich an den emsigen Rapper. Immerhin erscheint "Ich bin 3 Berliner" gerade mal ein knappes Jahr nach dem ersten Teil und ist inklusive der Bonus-EP doppelt so lang wie "Ich bin ein Berliner".

Wie bereits auf den beiden Vorgängern versammelt Ufo361 wieder zahlreiche Szenegrößen um sich. Raf Camora, Xatar, Namika, Gzuz, Capital Bra, Joshi Mizu und Yung Hurn – von derart namhafter Unterstützung kann jeder aufstrebende Artist nur träumen. Dumm nur, dass die meisten Gastparts keine akustische Erholung verschaffen, sondern ebenfalls mit Klangeffekten beladen sind. Dabei verfügen Rapper wie Haftbefehl und Olexesh doch über Organe mit hohem Wiedererkennungswert, die keiner übermäßigen Korrektur bedürfen. Zumindest im Falle von Sido lässt der Audio Engineer Gnade walten und reduziert den Software-Einsatz auf ein Minimum.

Hanybal ist es mal wieder vorbehalten, für inhaltlichen Input auf einem sonst oberflächlichen Album zu sorgen: "Doch es könnte noch viel schlimmer sein, denn Menschen sterben wegen Bomben / Ihre Leichen zerfetzt auf dem Boden der Heimat / Andere haben dicke Konten, die beinah' platzen / weil sie anderen nichts lassen." Leider versinkt auch Hanys Vers in stimmlichen Verzerrungen, wodurch sich die ganze Auto-Tune-Misere offenbart, die jeden inhaltlichen Anspruch verunmöglicht. Hier korrespondiert der ernst gemeinte Inhalt in keiner Weise mit der extrem synthetischen Stilistik. Treibsandartig versinkt so jeder gut gemeinte Ansatz. Daran wird sich aller Wahrscheinlichkeit auch nichts ändern, wenn es Ufo361 auf 4 Berliner bringt.

Trackliste

  1. 1. Geh Mir Aus Dem Weg
  2. 2. Mister T
  3. 3. Heute Bezahl Ich
  4. 4. Wann Wenn Nicht Jetzt (mit RAF Camora)
  5. 5. James Dean
  6. 6. Traum (mit Namika)
  7. 7. Du Weißt Wo Ich Wohn (mit Haftbefehl)
  8. 8. Der Pate
  9. 9. 110 (mit Sido)
  10. 10. Wer (mit Capital Bra und Xatar)
  11. 11. Gin Des Lebens
  12. 12. 1000 Bitches (mit Yung Hurn)
  13. 13. Kein Anlass
  14. 14. Gott Sei Dank (mit Hanybal)
  15. 15. Ich Will Nicht Sterben (mit Olexesh)
  16. 16. Mir
  17. 17. Für Die Gang (mit Gzuz)
  18. 18. Diamonds
  19. 19. Migos
  20. 20. Kein Fake Shit
  21. 21. Harry Potter
  22. 22. Codein
  23. 23. Lit (mit Joshi Mizu)
  24. 24. Unabhangig
  25. 25. Immer Noch High
  26. 26. Geld Kein Spass
  27. 27. Richi Rich

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LAUT.DE-PORTRÄT Ufo361

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13 Kommentare mit 30 Antworten

  • Vor 7 Monaten

    Mal wieder der Beweis: Für Trap in Deutschland zu machen und Erfolg damit zu haben brauchst du weder Talent oder Themen. Quatsch einfach darüber mit Hilfe von Autotune wieviel Drogen du konsumierst und wieviel Scheine du machst.

    • Vor 7 Monaten

      Weil alle erfolgreichen Trap-US-Künstler so eine gigantische Themenvielfalt und so unglaubliche Rapskills haben.

      Sind einige sehr gute Tracks drauf, natürlich zu viel Skipmaterial, 10-15 Tracks hätten locker gereicht.

    • Vor 7 Monaten

      Für die Gang jetzt schon ein Deutschrapklassiker mit Verneigung vor HGich.t!

    • Vor 7 Monaten

      Verstehe den Hype um "Für die Gang" nicht, find den Song belanglos. Aber mifh hat auch nur das erste von den Berliner Tapes gefallen

    • Vor 7 Monaten

      Wie mein Vorredner schon angesprochen hat : Gibt es irgendwo auf der Welt lyrisch anspruchsvollen Trap ? Aber nein, natürlich wieder auf die deutsche Szene schieben, weils die Amis natürlich besser machen.
      Ich sag nur : Percocets, Molly Percocets, chased a check never chased a bitch

    • Vor 2 Monaten

      @DeineMudda ich wette UFO macht ganz gut Kohle, gibt doch sicher auch andere Leute, die mit Musik Geld verdienen wollen. Hmmm... warum macht dann UFO millionen Views und nicht ein "talentierter" Künstler?
      Du bist ein ziemlich einfacher Mensch, wenn du denkst, Talent könnte man messen oder bestimmen, andererseits, wenn man so sieht was du schreibst bist du wahrscheinlich einfach ein einfacher Mensch. Bitte schreib weiter Kommentare und reg dich über Cloudrap auf, aber denk dir dabei nicht zu viel, sonst passt der Kommentar nicht zu deinen anderen.

  • Vor 7 Monaten

    Auch wenn er 4 Berliner draus macht beim nächsten Mal. Es interessiert mich nicht

  • Vor 2 Monaten

    Wer Ufo nicht mag, der mag ihn nicht, aber man muss nicht alles verteufeln, was er macht.
    Ufos Zeug klingt einfach geil und das sag nicht nur ich, das sagen Hunderttausende. Der Typ hat ne geile Attitude, zieht sein Ding durch und hat Erfolg damit. Zu behaupten er hätte das aus den Staaten geklaut ist ziemlich schwachsinnig, dämliches Argument von dem Autor.
    Geklaut ist es, wenn er das genau selbe macht, er macht die gleiche Musikrichtung. Es hat ja auch nicht Green Park von Billy Talent geklaut oder umgekehrt, sie machen einfach ähnliche Musik. Warum sollte UFO also keine Musik wie aus den Staaten machen? Vielfalt ist gut und die Leute wollen das hören.

    Zu sagen, dass er kein Talent hat ist übrigens noch dümmer. Wenn er kein Talent hätte, wäre er nicht (einer) der relevantest(en) Cloudrapper Deutschlands.

    Das ganze ist halt eine Review von einem Autor der mit UFO nichts anfangen kann und so sollte man diese Review auch bewerten. Interessant wäre eine Review von jemandem der sich etwas mehr mit Cloudrap beschäftigt, aber dafür bräuchte man wohl mehrere/bessere Autoren.

  • Vor einem Monat

    Wenn man keine Ahnung hat...Ruhe

  • Vor einem Monat

    Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.