laut.de-Kritik

Abnutzungskampf eines Soundexperiments.

Review von

"Lass sie ruhig labern / war schon da, bevor sie da waren", tönt Ufo361 zum Einstieg seines zweiten Mixtapes "Ich Bin 2 Berliner". Und weiter: "Nein, ich tue euch allen keinen Gefallen, früher hab ich euch doch gar nicht gefallen", "neue Songs / neue Saga / fick die Welt so wie Obama", "hab den Trapfilm in den Adern."

Mutige Worte des Kreuzbergers im Intro "Ich Hör Nicht Auf", die relativ einfach auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden können:

Zumindest der letzten Aussage lässt Ufo Taten folgen. Die Fortsetzung des erfolgreichen Mixtapes "Ich Bin Ein Berliner" gerät erneut sehr traplastig. Ufo361 scheint seinen Sound gefunden zu haben. Es ist ein Sound, der nicht nur gut zu ihm passt, sondern auch durchaus spannende Entwicklungsformen böte.

Und genau da kommen wir zu den anderen Punkten: Sicherlich war der Rapper in seiner heutigen Form noch nicht da, als 'sie' da waren. Wen meint er eigentlich damit? Am plausibelsten wäre wohl anzunehmen, er meinte damit seine 'Hater'. Und die gibt es natürlich erst, seit es ihn beziehungsweise seine Musik gibt.

Nimmt man es genau, gibt es Ufo361 so wie er sich heute darstellt noch gar nicht allzu lange. Gehyped und groß gehandelt wurde er tatsächlich schon eine ganze Weile. Verbindungen zum Azzlackz-Lager wurden ihm nachgesagt. Es kursierten gar Gerüchte über einen möglichen Plattenvertrag beim Label von Hafti, Celo & Abdi, Hanybal und co. Doch dann wurde das bereits angesprochene erste Mixtape plötzlich doch in Eigenregie produziert und veröffentlicht. Mit neuem Sound und neuem Image. "Ich Bin 2 Berliner" folgt dem exakt selben Schema. Noch immer kein Label. Gleicher Sound, gleiches Image: Trap, Autotune, Bitches, Drogen, Berlin, Bitches (hatten wir das schon?).

Und schon sind wir beim dritten Punkt: Nein, Ufuk tut 'uns' mit diesem Mixtape sicher kein Gefallen. Also meinem Gehör. Aber seinen Fans natürlich schon. Denn wenn man kommerziell immer unter dem Radar fliegt und plötzlich mit neuem Sound Erfolge feiert, dann genau diesen Sound 1:1 reproduziert, erfüllt man natürlich schon irgendwie irgendwo irgendwelche Erwartungen.

Jetzt könnte man verständlicherweise entgegenhalten: 'Ja wenn er damit erfolgreich ist, soll er doch genau damit weiter machen!' Und ich müsste dieser Aussage bedingungslos zustimmen. Das wäre ziemlich nachvollziehbar. Allerdings - und genau da kommen wir zum wichtigsten Kritikpunkt - erfüllt Ufuk mit "Ich Bin 2 Berliner" in keinster Weise den Innovationsanspruch, den er sich selbst im oben genannten Zitat auferlegt: "neue Songs, neue Saga.

Nein, mit seinen neuen Songs beginnt er keine neue Saga. Er wiederholt ständig die gleichen musikalischen Muster, sein Flow bleibt eindimensional und mit jedem neuen Hördurchlauf wächst der Verdacht, dass der Autotune-Effekt nicht nur als feine Raffinesse gedacht ist, sondern um sein fehlendes musikalisches und stimmliches Talent zu kaschieren. Da helfen auch die Gäste Nimo, Capital, Maxwell oder Greeny nicht, die sicher schon allesamt stärkere Parts abgeliefert haben.

Hörbar geraten möglicherweise noch "Scheiß Auf Eure Party" oder "Rache". Das war es dann aber auch schon. Ufos neues Mixtape ist letztendlich ein Abnutzungskampf an Trap-Beats und Autotune. Woanders mit Bedacht und Sorgfalt eingesetzt: gerne. Aber auf insgesamt 15 Titeln ohne wirkliche Variation? Eieiei.

Trackliste

  1. 1. Ich Hör Nicht Auf
  2. 2. Rache
  3. 3. Tesla
  4. 4. Scheiß Auf Eure Party
  5. 5. 24/7
  6. 6. 500 Joints
  7. 7. Flieg
  8. 8. Down
  9. 9. Kein Erbarmen
  10. 10. Bleib Mal Lieber Fan
  11. 11. Kafa
  12. 12. Nicht Mit Mir
  13. 13. Safi
  14. 14. Bombay Gin (Remix)
  15. 15. Ich Bin 2 Berliner

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9 Kommentare mit 11 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Ufo macht vieles richtig, heißt: vom Trap 1x1 her gar nicht mal so schlecht, aber ihm fehlen Talent/die Fähigkeiten und Wiedererkennungswert (Kanten).

  • Vor einem Jahr

    Sympathischer Kerl und guter Sound, aber sterbenslangweilig nach 2-3 Songs. Hat halt auch nicht mehr zu erzählen als dass er aus Kreuzberg kommt.

  • Vor einem Jahr

    Ich finde da Tape als Fortsetzung eigentlich recht gelungen. Einerseits weiterhin Trapbretter (die man ja auch von der "Ich bin Zahl Berliner" Reihe erwartet), aber auch neue abwechslungsreiche Lieder wie z.B. "Ich hör nicht auf" und "Scheiß auf eure Party". Die beiden Tracks sind halt auch die größten Hits vom Tape.
    Würde das Tape anders heißen oder gar ein Album sein, könnte ich die Kritik mehr verstehen.
    Als weitere Anmerkung noch zur Review: Man könnte ruhig ein bisschen mehr noch zu den einzelnden Tracks schreiben. Wieso z.B. sind "Scheiß auf eure Party" und "Rache" jetzt hörbarer geworden als andere Lieder?