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Selbst ein unverwüstliches Urgestein wie Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger sieht gegen den Österreicher Jürgen Bockelmann alias Udo Jürgens trotz emsiger Bühnenpräsenz eher wie ein hüftlahmer Altrocker aus. Der bekannteste deutschsprachige Sänger geht immerhin schon stramm auf die Siebzig zu, dem musikalisch-künstlerischen Altersheim, in dem Harald Juhnke mit Roland Kaiser jeden Abend die alten Omis anbaggert, entkommt der Entertainer aber. Große Tourneen und Platten im Ein-Jahreszyklus sprechen für sich. Udos Kreativität sind anscheinend keine Grenzen gesetzt, doch das Sprichwort "Je älter der (griechische) Wein desto besser" gilt für ihn deswegen noch lange nicht.
Ein Jürgens muss sich an den Ergüssen früherer Tage messen lassen, auch wenn die Arbeit an seinem neuesten Album nach eigenen Aussagen "wie eine Frischzellenkur" wirkte. Und im direkten Vergleich mit dem Gros seiner Werke zieht "Es lebe das Laster" leider den Kürzeren. Zwar werkelte der charmante Chansonier wieder mit altbekannten Gesichtern zusammen und benutzt altbewährte Arrangements, doch der zündende Funke will einfach nicht überspringen. Klar dürften auch die neuen Stücke jedem Udo-Fan gefallen, aber jenen Udo-Fans müsste eigentlich ebenfalls auffallen, dass viele Lieder in besserer (Musik-)Form schon im hauseigenen Jürgens-Plattenschrein zu finden sind.
Nehmen wir zum Beispiel den Titelsong: Textlich durch seine zweideutige Kritik an der Überfluss- und Spaßgesellschaft über jeden Zweifel erhaben, lässt Udo hier wie im "Café Größenwahn" den Rocker raushängen. Eine Angewohnheit, die ihm bereits vor zehn Jahren nicht gut zu Gesichte stand. In eine ähnlich-peinliche Soundkerbe schlagen noch das "Weichei", das mich fatal an den "Silberstreifen"-Tiefpunkt "Schnucki Putzi" erinnert, sowie die "Schönen Grüße aus der Hölle", die von der gesamten Struktur her stark nach "Narrenschiff" und "Festivalfieber" klingen. Selbst die Lyrics wiederholen nur altbekannte Positionen der zwei letztgenannten Songs. Nicht zu erwähnen bräuchte man, dass die Texte natürlich immer noch deutlich aus dem Schlager-Einheitsbrei hervorragen.
Zum Glück dominiert ein weiteres Thema diese Scheibe, in dem Udo Jürgens wie kein zweiter zu Hause ist: der Moment der Liebe, das Glück des Augenblicks. Niemand verfügt wohl über ein so umfangreiches Wissen in diesem Metier wie Udo. Zu allem Überfluss besitzt der Frauenschwarm ja noch die Fähigkeit, seine reichhaltigen Gefühle musikalisch und lyrisch tiefsinnig umzusetzen. Die Form der balladesken Hymne passt da seit Jahrzehnten am besten. Seine Stärken nehmen anscheinend immer noch proportional zu, je mehr er das Tempo drosselt. Sobald Udo Jürgens am Piano Platz genommen hat, erblüht die Landschaft des Herzens im ganzen neuen Licht. Man fühlt jedes Wort, wenn er in "Engel am Morgen" und "Flug LH 804" liebevoll von seinen Affären spricht und dabei bis zum Kern seiner eigenen Seele vorstößt.
Doch abgesehen von den beiden Songs hat Udo Jürgens selbst sein Heimspiel-Feld der Liebe schon besser beackert. Bei "Solang' mich deine Liebe trägt", "Alle Macht den Gefühlen" und "Wenn nicht wir, wer dann" fehlt irgendwie der nötige Kick an Leidenschaft, den frühere Balladen wie "Okay", "Gib mir deine Angst" oder "Einmal wenn du gehst" auszeichneten. Die Lieder bleiben höchstens "hautnah", gehen aber niemals "unter die Haut". Auch die obligatorische orchestrale Hymne "Die Leichtigkeit des Seins" kann das Album nicht mehr vor dem Mittelmaß retten. Ein Udo Jürgens-Mittelmaß natürlich, das 99 Prozent aller Künstler selbst mit siebzig nicht erreichen werden.
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Udo Jürgens - ein einzigartiges Fossil im Bereich der deutschsprachigen Popmusik. Man mag es kaum glauben, daß Herr Bockelmann (sein richtiger Nachname) schon seit den sechziger Jahren in der Showbranche tätig ist.
Große Singlehits gab es in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr, seine Tourneen sind jedoch nach wie vor ausverkauft & neue Longplayer werden von einer treuen Anhängerschaft noch immer in die Charts gehoben.
Leider zählt sein aktuelles Album "Es lebe das Laster" nicht zu Udos stärksten Werken. Hervorzuheben sind eigentlich nur die Titel "Sommer in Berlin" (beschwingt), "Flug LH 804" (sentimental) und "Folgst du mir" (hymnisch).
Der Rest versinkt meist in gepflegter Langeweile. "Kritische" Texte wollen nicht so recht zünden, und bessere Duette mit stimmgewaltigen Partnerinnen gab es auch schon.
Muß das so sein?
Am Klavier ist Udo bei uns nahezu konkurrenzlos, und singen kann er. Ein Hauptproblem des Albums - auch bei seinen letzten Veröffentlichungen - sind die Arrangements.
Gelegentliche Einsätze von Saxophon oder der Einfluß von lateinamerikanischen Komponenten können den Eindruck von routinierter Altbackenheit leider nicht mildern.
Jürgens ist ein Komponist, dem -zu Recht- von vielen Seiten Respekt gezollt wird; auch von der jüngeren Musikergeneration.
Und da liegt eine Chance.
Udo sollte sich überlegen, in Kooperation mit anderen Producern oder Künstlern neue Ideen einfließen zu lassen.
Ein gemeinsames Projekt mit z. B. 2-Raumwohnung oder Rosenstolz könnte zu interessanten Ergebnissen führen.
Kein Bäcker bietet seiner Kundschaft über die Jahre gesehen stets die gleichen Backwaren an. Auch die beste Rezeptur benötigt mal eine liebevolle und geschmackssichere Ergänzung.
Was für Udo Jürgens bedeutet:
Nicht mehr länger einen zu oft feilgebotenen Streuselkuchen zu servieren, sondern eine prächtige Sahnetorte, die den (Hörer)- Gaumen kitzelt.
Bin dahin werden "Neueinsteiger" durch einen der vielen "Best Of"-Sampler oder die hervorragenden Alben aus den 80igern besser bedient als mit "Es lebe das Laster".
Hier noch schnell aus'm vollen-schweren Kopf meine zehn liebsten Udo-Songs (wahrscheinlich habe ich ein paar vergessen - aber egal):
Okay
Gib mir deine Angst
Der gekaufte Drachen
Womit hab ich dich verdient
Adler sterben
Engel am Morgen
Zigarettenrauch in meinen Augen
Geh vorbei
Einmal, wenn du gehst
Wo ist der Sommer geblieben
Hier gaaaanz schlechte (die von der neuen mal aussen vor gelassen):
Schucki Putzi
Die Glotze
Urlaub im Süden
Mit 66 Jahren (überhört)
Aber bitte mit Sahne (überhört)
ach, ich muss ehrlich gestehen, ich kann den Typ nicht mehr sehen. Seine alten Sachen in Ehren, aber der soll wenn er will ein paar Hausfrauen unterhalten und mich in Ruhe lassen.
Irgendwann ist er mal bei "Zimmerfrei-Götzi" aufgetreten. Mann, war das langweilig.
...und bitte nicht auch noch mit jungen Künstlern zusammenarbeiten...bitte nicht! 
Böse Miss:
Der Udo LÄSST Dich ja in Ruhe!
Und es sind auch nicht nur "Hausfrauen", die Fans von ihm sind. Bei seinen Konzerten stehen (immer noch) jede Menge begeisterte Teenies vorne an der Bühne.
Junge Künstler könnten von ihm eine Menge lernen. Zum Beispiel, verständlich zu singen & wie man vernünftig einen Song aufbaut. Er widerum könnte von ein paar "frischen", zeitmäßen Brisen sicher auch profitieren.
Diese Alsmann-Sendung ist GRUNDSÄTZLICH extrem langweilig, egal, wer da auftritt. Dann lieber "Blondes Gift" mit Babsi Schöneberger.
Überhaupt: Hausfrauendiffamierung hier bei "Laut"...eek!
Böse, Miss.
Böse, böse, böse.
Kleine Auswahl meiner liebsten Udo-Songs:
Traumtänzer
Partisanen
Champagner regnet vom Himmel
Einmal, wenn Du gehst
Schenk´mir noch eine Stunde
Kairo bei Nacht
Gib´mir Deine Angst
Engel am Morgen
Ich weiß, was ich will
17 Jahr, blondes Haar (Disco-Version von 77)
Hautnah
Die Nacht und das Mädchen
In den Armen der Nacht
Merci, Cherie
Schauerlich sind:
Schnucki Putzi
Liebe ohne Leiden
Die Sonne und Du
Über-hört sind:
Ich war noch niemals in New York
Griechischer Wein
Aber bitte mit Sahne
Ich bin nicht böse, das bist DU!
"Zimmer frei" ist die einzige Sendung, in denen Prominente vorkommen, die man sich noch anschauen kann.
Außer natürlich, wenn der selbstherrliche Udo auftritt.
Ich hab' nie behauptet, dass er nichts drauf hätte.
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