laut.de-Kritik

Rock, Reggae, Hip Hop, Bristol-Electro: Tricky gibt (uns) alles.

Review von

"Einige meiner ersten Alben klingen für mich heute wie ein ziemliches Durcheinander, viel zu voll gestopft": Soweit muss man wahrlich nicht gehen, Herr Thaws. Doch hört sich "Mixed Race" im Vergleich zu einigen früheren Werken in der Tat transparent und weniger sperrig an.

Das persönliche Erleben des Melting Pots Großbritanniens bleibt dabei das bestimmende Thema: Der Mix der Hautfarben, weiße Musik und schwarze. Und was der Albumtitel "Mixed Race" so beschreibt, löst die Platte musikalisch abwechslungsreich ein.

Tricky schliff seinem Sound die ein oder andere Kante ab, um direkter zum Punkt bzw. reduzierter zur Sache kommen zu können. Fast so, als hätten sich die Arrangements der lästigen Rauchschwaden auf dem Cover im Studio entledigen können. Statt wie früher "konfus" (O-Ton) vorzugehen, fallen nun straighte Beatgerüste, ein deuliches Gitarrenlick und genügend Raum in den klar strukturierten Arrangements auf.

Bereits die ersten Songs machen in Sachen Abwechslung den Sack zu: "Every Day" atmet eine Art spirituell orientieren, von Beats nahezu befreiten Lagerfeuer-Blues, bevor "UK Jamaican" mit Terry Lynn die BPM hochschraubt und in bester funky Daft Punk-Manier durch den Club heizt.

Dem Charme des jazzig federnden, mit Rocklick und dicken Bläsern gepimpten "Early Bird" sollte man sich keinesfalls entziehen, bevor die Kollabo mit dem Algerier Hakim Hamadouche westliches Instrumentarium mit nordafrikanischem verwebt und in nahöstliche Regionen entführt. Tricky pflanzt ohne zu zögern ein Genre hinters andere - und das bei einer Spielzeit von knapp einer halben Stunde.

Natürlich bleiben die Eckpunkte im Großen und Ganzen trotzdem dieselben: Rock, Reggae, Blues, Hip Hop, Bristol-Elektronik - als untypisch geht noch der Clubfaktor (besagtes "UK Jamaican" und "Time To Dance") durch. Auch das Prinzip der weiblichen Hauptstimme wird meist durchgehalten - diesmal ist es die auf Tour erprobte italienisch-irische Background-Sängerin Franky Riley, der Tricky hinterher raunzt.

Auf ihr Konto geht die prägnante Single, das Remake "Murder Weapon" mit Henry Mancinis "Peter Gunn Theme". Der Knaller der zweiten Plattenhälfte heißt dennoch "Really Real" - der Song handelt von der Unwirklichkeit des Berühmtseins - die effektvoll abgehobene Programmierung hört sich auch genau so an - inklusive der stärksten Refrain-Hookline der Platte, die Primal Screams Bobby Gillespie beisteuert.

Bei aller stilistischen Vielfalt bilden einerseits Trickys Vocal-Verständnis und die dunkle Soundfarbe der Platte einen Teil der Klammer. Der andere darf in den reduzierten und klaren Arrangements gesucht werden, die "Mixed Race" zu einer der eingängisten Platten des Bristol-Mannes machen. Man darf auf seine angekündigte Heimkehr zu Massive Attack gespannt sein.

Trackliste

  1. 1. Every Day
  2. 2. UK Jamaican
  3. 3. Early Bird
  4. 4. Ghetto Stars
  5. 5. Hakim
  6. 6. Come To Me
  7. 7. Murder Weapon
  8. 8. Time To Dance
  9. 9. Really Real
  10. 10. Bristol To London

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