laut.de-Kritik

Als vandalierte Antonio Banderas durchs Wohnzimmer.

Review von

Eine Schande ist es, ein Unding, ein nicht zu entschuldigender Fauxpas: Diese Band ist bislang unter meinem Aufmerksamkeits-Radar durchgerutscht. Von der Existenz Tracers erfuhr ich erst, als die Promo-CD auf meinen Tisch flatterte. Nach dem ersten Umlauf grabbelten meine Hände sogleich nach diesem Juwel, um es ja nicht den Fettfingern meiner gierhalsigen Kollegen überlassen zu müssen.

Diese Knilche, müsst ihr wissen, hegen ein ebenso großes Faible für Monster-Riffing à la "Songs For The Deaf" meets AC/DC und der Großteil steht auch auf Gesang der Marke Chris Cornell/John Garcia. Aber ich hatte Glück. Über Kopfhörer rauschte dieses Wahnsinns-Album bestimmt zwei Dutzend Mal durch mein Rübe, ehe ich den Fatzkes aus dem Nachbarbüro den gedanklichen Stinkefinger präsentieren konnte. Aber genug des Redaktions-Gossips.

Die Inspiration zu einigen Songs stammt aus dem Robert Rodriguez-Film "Desperado". Atmosphärisch passt das ganz gut, denn wo Tracer drüber walzen, wächst hernach kein Gras mehr. Gerade so, als vandalierte gerade ein marodierender Antonio Banderas durch dein Wohnzimmer.

Schweine-, Stoner-, Hard- und Wasweißichnochwas-Rock in schönster Perfektion knallen einem über 50 Minuten lang wunderbar in die Rübe. "El Pistolero" ist eines dieser Alben, die den adoleszierenden Jugendlichen beim Lauschen glatt um fünf Zentimeter größer machen, und alteingesessenen Rockern schwillt der Bizeps um ein paar Inches an.

Tracer gehen nicht die volle Distanz mit dem Dampfhammer zu Werke. Vielmehr paart sich die richtige Dosis Härte mit perfekten Hooks. Effektive Spielereien, die den Lärm etwas auflockern, schüttelt das Trio außerdem scheinbar luftig leicht aus dem Ärmel.

Doch ehe das Klangbild ein wenig ausdifferenziert, gibt es erst einmal gepflegt einen auf den Deetz. Der Titeltrack als lärmende Steilvorlage rifft die Tonleiter runter, ehe die Klampfe abrauscht wie ein Musik gewordener Wheelie. Dazu keift sich Michael Brown einen aus der Rippe, als würde Hund Spike in einer Band singen beziehungsweise kläffen.

Der zweite Schlag namens "Ladykiller" entpuppt sich nach einem kurzen instrumentalen Intro ebenfalls als Riff-Walze. Hier klingt der Refrain sogar noch eine Spur packender.

Wie die orientalisch anmutenden Klänge zu Beginn von "Hangman" beweisen, geht es aber auch subtiler. Das weckt Erinnerungen an die Glanzzeit der Tea Party, als die mit "The Edges Of Twilight" brillierten. Der Track findet danach zwar in konventionellere Bahnen, taucht am Ende aber noch einmal in den Orient ab.

Das Cover-Artwork und der rote Faden des Pistolero-Themas finden auch in "There's A Man" ihren Niederschlag. Wie ein Gastspiel der Queens Of The Stone Age in einem Tarantino-Streifen wirkt die Nummer, wenn Wah Wah-Klänge die rollenden Toms begleiten, ehe die finale Gitarrenwand höher und höher wächst. Den einzigen Ruhepunkt des Albums markiert "Until The War Was Won", das eine schön pathetische, abenddämmrige Atmosphäre verbreitet.

Es muss schon mit dem Teufel zugehen, vervielfachten Tracer mit "El Pistolero" ihren Bekanntheitsgrad nicht. Verdient hätten sie es angesichts der 13 durchgehend großen Songs allemal.

Trackliste

  1. 1. El Pistolero (Suite Del Desperado Part I)
  2. 2. Lady Killer
  3. 3. Dirty Little Secret
  4. 4. Dead Garden
  5. 5. Ballad Of El Pistolero (Suite Del Desperado Part II)
  6. 6. Santa Cecilia (Suite Del Desperado Part III)
  7. 7. Wolf In Cheap Clothes
  8. 8. Scream In Silence
  9. 9. Hangman
  10. 10. Manic For Ya
  11. 11. There's A Man
  12. 12. Until The War Is Won (Suite Del Desperado Part IV)
  13. 13. Now I Ride

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8 Kommentare

  • Vor 11 Monaten

    Das letzte Album war schon klasse, hier habe ich nur die Vorab-Single gehört und die stand dem in nichts nach. Ich bin gespannt.

  • Vor 11 Monaten

    Alle Daumen hoch, Herr Cordas!

  • Vor 11 Monaten

    Super gute Band Alex...nach Deiner Review habe ich gleich den Plattendealer bestürmt mir mal die Diskografie der Jungs rüberwachsen zu lassen...für Geld hat Er sich bequatschen lassen...eine grandiose Entscheidung wie ich finde^^ Ich liebe Kyuss/QOTSA ich steh total auf Chris Cornells Organ...also macht mans an und kann nicht anders als seine Nachbarn mit scheppern zu lassen. Die Wüste tut sich unweigerlich auf und die Jungs feiern hier Ihre ganz eigene allen Ehren würdige Dessertsession...hierfür nehme ich mir erstmal Urlaub für die nächsten Tage auf die Ohren!

  • Vor 11 Monaten

    wow, das hat der olle Alex wirklich gut beschrieben, der Gesang ist wirklich genau zwischen Garcia und Cornell und die Riffs erinnern schön frisch an SFTD. Fett! Freut mich, endlich mal wieder ein gänzlich unbekannter Faktor im Stoner-Game, yo.
    Allerdings vom Sound eher trocken und knartzig als düstersandstürmig.. :)

  • Vor 11 Monaten

    schlimm jetzt kommen die Jungs nach Berlin am selben Tag wie Mastodon...können die sich nicht zusammen tun :(

  • Vor 10 Monaten

    Gute Scheibe! Wurde bei manchen Songs an Audioslave erinnert, 'Dead Garden' hätte von Soundgarden stammen können (wie passend). Allgemein hat der Sänger in den hohen Tonlagen was vom alten Chris Cornell der 90er. Alles in allem sind alle Songs ziemlich stimmig und das Album wird nie langweilig! Mein Favorit is 'Wolf in Cheap Clothes'. Greift zu! ( Hab mir rotes Vinyl besorgt :)
    - 4 Sterne -