laut.de-Kritik

Mike Patton und Co. gehen auf den Kriegspfad.

Review von

Bis dato legten Tomahawk zwei Platten hin, die dem Bandname alle Ehre machten und Fans von Faith No More trotz gewisser Schräglagen gefallen haben dürften. Auf Longplayer Nummer drei geben sich die US-Amerikaner deutlich sample-lastiger und auch ruhiger. Das dürfte nicht zuletzt mit dem Konzept zu tun haben, das hinter "Anonymous" steckt und dem Bandnamen nebenbei eine real existierende Dimension verleiht.

Gitarrist Duane Denison stieß bei seiner Suche nach ursprünglicher Indianermusik abseits der touristisch geprägten Reservatspfade auf Quellen, die den Sound des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts dokumentierten (namentlich der Hopi-Indianer). Auf der Grundlage dieser Beschreibungen bzw. transkribierten Gesänge und Rhythmen interpretierten er, Mike Patton und Drummer John Stanier (Basser Kevin Rutmanis hat die Band leider verlassen) den längst vergessenen Sound fürs 21. Jahrhundert.

Dass angesichts der Protagonisten keine gut gemeinte oder esoterisch geprägte Weltmusik aus den Boxen schallt, muss wohl keinem erklärt werden. Natürlich wurde "Anonymous" - der Titel referiert auf die namenlosen Indianer-Songwriter - auch eine typische Patton-Platte. Allerdings war es dem Songpool Tomahawks schon immer zuträglich, dass Duane in der Regel als Verfasser der Tracks fungiert. Stanier hatte diesmal weniger zu tun, zumindest musste er kaum einen Track von vorne bis hinten durch trommeln.

Das Überirdische beschwörend, der Schöpfung verbunden, auch abgründig und aggressiv - aber immer tief beseelt, so ähnlich müssen jene alten Indianersongs geklungen haben. Um eine Brücke zur Moderne zu schlagen, ist Patton mit seiner umfangreichen Stimm- und Effektkiste natürlich genau der richtige Mann.

Zwischen Gitarrenriffs, bassigen und computergenerierten Soundlandschaften, perkussiv orientierten Rockdrums oder düsteren Hip Hop-Loops verfangen sich Dreamcatcher im Wind und glaubt man, die Wildnis zu hören. Menschen tanzen im Schein eines Lagerfeuers und zuweilen bahnt sich eine fremd anmutende Geräuschkulisse den Weg. Dazu singt Patton oder gibt sich indianischen Lautmalereien hin.

Gehen die Rhythmen von "Anonymous" von Beginn an auf den Kriegspfad, lässt Denison die Hommage an die Indianer mit dem so kurzen wie wunderbaren Gitarrenlick "Long, Long Weary Day" ausklingen: Die Krieger scheinen am Ende des Tages müde ihr Haupt zu betten. Nach 13 Tracks wähnt man das musikalische Erbe der amerikanischen Ureinwohner in seriösen Händen. Jetzt fehlt nur noch eine Tour.

Trackliste

  1. 1. War Song
  2. 2. Mescal Rite, Pt. 1
  3. 3. Ghost Dance
  4. 4. Red Fox
  5. 5. Cradle Song
  6. 6. Antelope Ceremony
  7. 7. Song Of Victory
  8. 8. Omaha Dance
  9. 9. Sun Dance
  10. 10. Mescal Rite, Pt. 2
  11. 11. Totem
  12. 12. Crow Dance
  13. 13. Long, Long Weary Day

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7 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Ich mag's ganz ehrlich. Stilbrüche oder -erweiterungen machen mir bei Bands ja eh nix aus und auch wenn hier der indianische Einfluss größer ist als der rockige, so ist es doch ein klasse Teil!
    Das nächste Album wird wieder anders, so Patton, las ich, da das Indianerthema nun zur Genüge ausgereizt wurde. Mir soll's Recht sein, bin da ganz offen.

  • Vor 6 Jahren

    habe gerade den zweiten Durchlauf hinter mir und will mal loswerden das Teil is ja nur KRASS.

    die Höchstwertung ist mehr als berechtigt!

    absolut ungewöhnlich, passt so wunderschön überhaupt nicht in unser westliches Pop-schema, und das macht es einzigartig
    Es war auch überfällig, denn es wurde Zeit dass sich einer mal den mystischen alten Native-American Gesängen und Weisen widmet und eben in ein zeitgemässes Gewand packt

    war schon von Tool's "Lipan Conjuring" so begeistert und hatte mir damals schon gedacht "Mann, ein ganzes Album in diesem Stil und ich würd's mir garantiert kaufen"

    Jetzt liegt es vor. Bin begeistert.

  • Vor 6 Jahren

    @videodrone (« recht seltsames album, hat mit den ersten beiden alben wenig zu tun, klingt eher nach einem patton projekt. nichtsdestotrotz scol! »):

    wirklich :suspect: suspekt, also Peeping Tom fand ich besser, vielleicht, weil ich auch mehr Trip Hop mag, aber Tomahawk's dritter Streich war mir zu Ethno...