laut.de-Kritik

Dann doch lieber Alarm für Cobra 11 als dieser Schlager-Swag.

Review von

Wie nähert man sich einem Musiker, der regelmäßig in "Alarm Für Cobra 11" an halsbrecherischen Verfolgungsjagden teilnimmt und die größten Explosionen übersteht? Genauso wie Tom Beck im RTL-Format die raue Schale nach außen kehrt, so penetrant dringt der weiche Kern auf "So Wie Es Ist" zum Hörer durch. Die zum ersten Mal auf deutsch gesungen ranzigen Alltagsweisheiten auf diesem Husarenstück dürften nun selbst für den letzten Anglophoben verständlich sein.

Liebend gerne würde man die Text-Analyse beiseite schieben und stattdessen wenigstens über Musik sprechen. Der fade Schlager-Blues ist aber leider im Handumdrehen entschlüsselt: Vierviertel im immer gleichen Tempo, solide Sangeskunst ohne Wiedererkennungswert, zwischendurch ein paar Wolle Petry-Gitarrensoli im Hintergrund und als Schmankerl wiederholt sich der Refrain bis zum Drehwurm. Ja ok, in "On/Off" packt der Vollblutmusiker dann noch die Western-Gitarre aus und setzt lässig den Cowboy-Hut auf. Dann ist das kompositorische Repertoire der Platte aber wirklich bis auf den letzten Krümel abgefrühstückt.

Schwupps, weg ist sie, die letzte Chance, den lyrischen Peinlichkeiten zu entgehen. Mit Zeilen wie "Lass uns durchdreh'n wie im Film, lass uns Liebesszenen spiel'n", eignet sich der Titelsong prächtig für Bonny und Clydes Kampf gegen den grauen Alltag im Heimat-Radio. Vom Wahnsinn geküsst lebt Beck den Moment: "So wie es ist, ist es perfekt, wir bleiben noch wach, wir gehen hier nicht weg". Spontaner gehts kaum.

Den Country-Blues angeleiert, schwingt der Revolverheld in "Regenjacke" wieder die Hufe und verteilt weise Ratschläge an den Blutsbruder in der Lebenskrise: "Zieh dir ne Regenjacke an, fang endlich an zu leben". Na wenn so viel bildliche Poesie dem in Selbstmitleid versinkenden Kumpel mal keinen Hallo-Wach-Effekt beschert? Wenigstens geht es ausnahmsweise mal nicht um die Tücken der Liebe. Danke dafür!

Wie man die Zweisamkeit überstrapaziert, macht "Fort Von Hier" mehr als genug deutlich. Immerhin lässt die poppige Leichtigkeit des Ohrwurms noch eine gewisse Cabrio-Melancholie aufkommen. Das geht schon noch schnulziger. "Ich Will Doch Nur, Dass Du Alles Bist" verliert sich im Zwiespalt der Gefühle. Melodramatisches Piano-Geklimper begleitet das Wechselbad aus Kompliment-Hudelei à la "hab sogar deine kleinen Füße lieb" und den sprichwörtlichen Haaren in der schmalzigen Suppe "Manchmal redest du 'n bisschen viel".

Wer hier noch nicht auf der Schleimspur ausgerutscht ist, legt sich spätestens bei "Du Kannst Nicht Aus Deiner Haut" auf die Schnauze. Allein gelassen mit Western-Gitarre und Zimmerakustik fährt der 37-Jährige die ganz sensible Schiene. Ein paar schmachtende Ladys wird das Geschwafel von der großen Seelenverwandtschaft sicher beeindrucken.

Zum Ausgleich braucht ein echter Traummann selbstredend Draufgänger-Qualitäten. Als hätte Tom Beck die im TV nicht schon im Überfluss zur Schau gestellt, erweckt er den Teufelskerl in "Tanke, Italien" wieder zum Leben. Einfach so, ohne jeden Skrupel entführt er seine Perle auf einen Spontan-Trip nonstop nach Rimini. Und wenn nur "bisschen FKK" dabei rausspringt "waren wir wenigstens da", lautet die Quintessenz.

Nachdem der gebürtige Nürnberger all seine Inspiration an die Sandkasten-Liebe in "One Love" und die Rebellionsfantasien in "Sag Es" verbraten hat, im übrigen einer der rar gesäten Lichtblicke, folgt der Verlegenheitstrack. Ein Album mit zehn Songs sieht immer nach halbgarer Abzocke aus. Warum also nicht den Gipfel der Einfallslosigkeit erklimmen und einen Schlager-Kracher der Münchener Freiheit covern? Gesagt getan: "Ohne Dich (Schlaf Ich Heut Nacht Nicht Ein)" beendet den geistlosen Ohrenschmaus.

Fairerweise muss man sagen, dass der Schlager-Swag wahrscheinlich eine Zielgruppe hat, die simple Songs erwartet. Den ein oder anderen müden Kaffeekranz kann der Frauenschwarm mit Sicherheit aufpäppeln. Dann ist aber Schluss. Da steht ihm die Bruce Willis-Nummer noch besser zu Gesicht.

Trackliste

  1. 1. So Wie Es Ist
  2. 2. On/Off
  3. 3. Fort Von Hier
  4. 4. Tiefblau
  5. 5. Ich Will Doch Nur, Dass Du Alles Bist
  6. 6. Regenjacke
  7. 7. One Love
  8. 8. Du Kannst Nicht Aus Deiner Haut
  9. 9. Sag Es
  10. 10. Tanke, Italien
  11. 11. Ohne Dich (Schlaf Ich Heut Nacht Nicht Ein)

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10 Kommentare mit 15 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Der Veriss war natürlich abzusehen, ist aber erneut durch nichts zu rechtfertigen.

    Was hier als seicht und abgedroschen tituliert wird, nenne ich ehrlich und zeitlos. Tom Beck braucht nicht die große Intellektuellen Keule in seinen Texten auspacken oder auf verschwurrbelte Instrumentalspielereien zurückgreifen.

    Das ist authentischer, handgemachter Folk der bestens unterhält und zum nachdenken anregt.

    Becks Album steht dem Unterhaltungswert seiner Fernsehrolle in nichts nach. Kaufempfehlung.

    • Vor 2 Jahren

      Dieser Kommentar wurde entfernt.

    • Vor 2 Jahren

      Dieser Kommentar wurde entfernt.

    • Vor 2 Jahren

      Schon geil, dass die Editieren Funktion immernoch nicht funktioniert, aber man einfach als User Kommentare entfernen kann.. ;)

    • Vor 2 Jahren

      Wenn hier nur beleidigendes Gesülze kommt, muss man sich dem eben auchmal durch drastischere Mittel erwehren.
      Einen vernünftigen Umgangston wird man ja noch erwarten dürfen.

    • Vor 2 Jahren

      Du bist wahrscheinlich der erste, der bei jeder Gelegnheit "Zensur!" schreit, wenn jemand mit deinem Sprachmüll auf die einzig angemessene Weise verfährt: in dem er ihn löscht (allerdings nicht ohne ihn vorher zur späteren Verwendung sauber zu dokumentieren).

    • Vor 2 Jahren

      Wenn berechtigte Meinungen wie die meinige unterdrückt werden, ist dies natürlich durchaus angemessen.

      Bei stumpfen Beleidigungen ist dies dann aber eben nicht der Fall.

      Politbuero? Wohl SED Fan...

    • Vor 2 Jahren

      Ah ja und du entscheidest welche Meinungen berechtigt sind? Da ist es mir wirklich lieber wenn die SED das tut.

    • Vor 2 Jahren

      Da es sich um meinen eigenen Faden handelt, nehme ich mir dieses Vorrecht schon heraus. Ich habe allerdings wenig Lust mich mit offensichtlich ewiggestrigen Linksfaschisten auseinanderzusetzen.

    • Vor 2 Jahren

      Soso, der aufrecht heimatfreundliche Nazi, der keine Auseinandersetzung mit Argumenten scheut und überall freie Meinungsäußerung für sich einfordert, möchte diese mit dem Totschlagargument "Linksfaschist" beenden. Zensier hier ruhig weiter rum, es sind nicht alle Fäden deine.

    • Vor 2 Jahren

      Wie soll man denn sonst einen in der Vergangenheit steckengebliebende, verblendeten Realsozialisten titulieren? Außerdem bin ich kein "Nazi"

  • Vor 2 Jahren

    also, das ist doch ein Riesenhit, hört man ganz viel im Radio - ja es geht so, wie es ist...hab ihn schon wieder im Ohr.
    außerdem - erinnert mich an unserem 'mein herz schlägt schneller als deins...', von Julian Le Plan, irgendwie, ich glaube, dass kommt auch noch ganz groß raus, und wahrschienlich auch bald bei euch in Deutschland;
    was mir sonst noch aufgefallen ist, was mir gut gefällt - dieser Sänger mit großem Hut und langen Haaren und gitarre, nur so s/W-Video, sowas mit River singt er, so in der Art bisserl wie das 2.platzierte Duo vom letzten Songcontest.