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"Kapitulation" war für mich ein Heiligenschrein, gemeißelt in Stein von den Göttern selbst, in alle Ewigkeit. Nie im Leben würden Tocotronic in der Lage sein, das zu toppen. Zu eindringlich, zu direkt hat das 2007er-Album der Hamburger zu mir gesprochen. Und jetzt wagen sie es tatsächlich, mir eine weitere Platte anzutragen.
"Schall Und Wahn" ist pompös betitelt. Schall. Nicht Musik, nicht Wohlklang, einfach nur formlos, physisch nüchtern: Schall. Und Wahn. Nicht Wahnsinn, nicht Verrücktheit, altbacken, fast gestelzt: Wahn. Was macht der frei assoziierende Hörer daraus? Sicher ist: Sinniert man über den Titel, malt man sich ein falsches Bild vom neunten Studioalbum der Hamburger.
Denn "Schall Und Wahn" spricht nicht vom wahnsinnig sein, höchstens von der Möglichkeit des wahnsinnig werdens, in unserer turbokapitalistischen Gesellschaft, die dem Einzelnen alles abverlangt. Deswegen ist der Imperativ, unter dem Tocotronic handeln, stets die Verweigerung. Sie verweigern sich der Verwertbarkeit, und fordern den Hörer auf, das gleiche zu tun.
"Macht Es Nicht Selbst" ruft dazu auf, nicht produktiv zu sein, kein Rückhalt für den aktivierenden Staat zu sein, Nein zu den incentives zu sagen. Der Wirtschaft keine Verlässlichkeit bieten: Nicht-Konsum ist Widerstand. Der Weg zu dieser Gleichgültigkeit führt über die Selbstaufgabe, die am Ende absolut frei macht: "Von heute an leben wir ewig". Schwingt da nicht auch ein bisschen foucaultsche Gesellschaftskritik mit?
Musikalisch gesehen wirkt "Schall Und Wahn" reifer als alles, was es bislang von Tocotronic zu hören gab. Die Band gibt sich gegenseitig Raum, Soli und andere Ausschweifungen bleiben die Ausnahmen. Dafür gibt es verstärkt Streicher und sogar Falsettgesang. Gegenseitiger Respekt prägt das gemeinsame Musizieren, wie Dirk und Jan auch im Interview mit laut.de anmerkten. Zum Wohle des "Schalls", möchte man sagen.
Kein Zweifel, "Schall Und Wahn" ist ein weiteres Meisterwerk im Oeuvre einer Band, die offensichtlich nicht gewillt ist, sich ein Versagen zu leisten. Vielleicht erwächst diese Stärke ja grade aus der Freiheit, die sich nehmen, von der sie auch auf diesem Album erzählen. In diesem Sinne kann mir das Rebellische in Tocotronic nur Recht sein. Sie haben sich einen weiteren Schrein errichtet.
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Sehnsucht!
nächstes jahr dann wieder live.
keine band öfter gehört und öfter live gesehen
Das ist die erste Cd-Rezesion in der nicht auf die einzelnen Musikstücke eingegangen wurde.
Ich weiß jetzt immer noch nicht wie ich sie mir vorstellen muss.
Naja, wollt eh gleich los und sie mir holen.
*seufz*
"Aba olle san ma Wixa und a jeda woaß wias geht
Da oane wixt im sitzn, he, da andare wixt im steh
Mia wixn bis ma hi san, macht nix is ja sche
Aba sie onaniern geistig und davon werd ma bled"
Damit hat Hans Söllner über Tocotronic, Foucault und zur "Onaniedebatte" eigentlich schon alles gesagt.
Also ich raff nicht, wie man den Song
"Mach es nicht selbst" so anders verstehen
kann wie ich.
Für mich war das eher die Ansage "Leute,
geht ma raus und tut was dagegen, ihr Fucker."
Aber ich kenne den Song nur als Einzelstück.
Kommt dann ja im Album vielleicht anders.
also was diese wunderbaren songs mit "kapitulation"-b-seiten zu tun haben, bleibt mir ein rätsel, rainer.
so sinnlos, so sinnlos.
mich würde sternies meinung interessieren.
Ich habs jetzt zweimal durchgehört, nur um die erste unreflektierte Faneuphorie ein wenig zu relativieren oder (im besseren Fall) zu verstärken. Irgendwie ist beides der Fall. Musikalisch sind Tocotronic, ohne Frage, gut wie nie. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass das Kollektiv nicht funktioniert. Dirk von Lowtzow singt bei einigen Stücken wie losgelöst vom musikalischen Kontext, völlig beschränkt auf seine eigene Lyrik, völlig ohne Groove. Gerade beim Titel "Im Zweifel für den Zweifel" wird das deutlich. Auch die Interviews ("Tocotronic reden über ...") vermitteln für mich teilweise das Bild einer eingefahren Zweckgemeinschaft - suchende Blicke, Fremdschämen für Bandmitglieder, Bevormundung - eheähnliche Zustände also. Aber das beste Essen gibt es eben zu Hause.
_______
Unterm Strich - für mich (als Ganzes) mit Abstand das beste Album der Berlin Triologie.
Vergleiche zu älteren Tocotronic-Alben sind hier nach wie vor irrelevant und tausendfach abgenudelt.
nein, ich meine damit überhaupt nicht die band
da kenn ich nur 3 sachen von dem neuen album, also zuwenig um ....
moment.. dahinten kommt lautuser
ich habe mir bloß den "olsen der woche " gesichert und in diesem hochintellektuellen fred sadsonic verbessert
har
was ein sagenhafter fehler wäre.
hör nicht auf die langweiligen pappnasen. ist ne richtig gute platte. kohärent, schlau, witzig und nebenbei mit schönem streichereinsatz. wenn man gern in diesen gewässern fischt, kann einem das hier ganz gut freude bereiten.
bi und bumms.
Jedenfalls ein würdiger Nachfolger. Wächst vielleicht noch zum Meisterwerk. Besonders textlich diesmal besonders gut.
die single überzeugt nicht wirklich, die Aussagen widerum schon. Wird gekauft!
Ich krieg Schmerzen, wenn hier wieder einige Pfeifen nach mehrmaligem oder sogar einmaligem (!) Hören schreiben, die Platte sei ein Meisterwerk. Ich frag dann in einem Jahr noch mal nach.
Einmal gehört bisher, tönt ganz gut. Der Anfang von "Gift" ist für mich aber pure Folter. Freundin hat sich jedenfalls sehr gefreut, dass ich ihr die Scheibe heut geschenkt habe.
olsen
du hast das album gehört.
keine meisterwerke mehr.
nur so viel dazu.
Konsum ist scheiße, wozu dann ´ne neue Platte. Wills mir aber auch zulegen, für das bisschen Konsum haben sie mich begeistert, also bitte nicht zuviel verraten. Wäre meine erste Toco, aber die Jungs sind mir von grundauf sympathisch, und musikalisch gar nicht mal so verkehrt.
Sind viele, viele starke Songs mit drauf. Textlich sind für mich diesmal nicht die größten Juwelen dabei, finde "Schall und Wahn" hat vor allem instrumental viel zu bieten. Das merkt man dann bei Songs wie Keine Meisterwerke mehr oder auch Eure Liebe tötet mich. Das hätten sie teilweise fast noch ein bisschen exzentrischer auswuchern lassen können. Dass es nicht ganz so stark wird wie Kapitulation (eine der ausgereiftesten Platten, die ich kenn) war irgendwie klar - trotzdem ziemlich, ziemlich stark.
Mein Lieblinstitel der Platte:
Stürmt das Schloss
Das Album ist wirklich Top geworden.
@thammü:
wieso sollte man einen atmosphärischen PERFEKTEN song wie den opener mit zusätzlichen lyrics zukleistern? das macht doch überhaupt keinen sinn.
Review gar nicht erst gelesen sondern gleich geladen.
9,29 Euro bei siehe oben, finde ich halbwegs fair.
Werde allerding erst morgen reinhören.
Was mich überrascht: Den genialen Vorgänger "Kapitulation" gibbet dort für läppische 2,79 Euro. Spätestens bei diesem Preis gibt es wohl keine Rechtfertigung mehr für emule & co...
Vertan. Die 2,79 gelten nur für die Kapitulation-Single/Maxi.
Steht dort allerdings unter "Album"...
Naja, was solls. Besitzt wahrscheinlich sowieso jeder in diesem Thread 
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