laut.de-Kritik

Midtempo-Geschrammel und abstrakte Erzählweisen: Hilfe, wir werden erwachsen!

Review von

K.O.O.K: Das fünfte Album von Tocotronic und die bittere Erkenntnis, daß auch Lieblingsbands irgendwann erwachsen werden.

Daß Jan, Arne und Dirk ihre Instrumente zu beherrschen lernen und Spaß an ausgefeilten Produktionen bekommen, war früher oder später sicher unvermeidbar. 70 Tage hat die Band für die Arbeit an K.O.O.K. im Studio verbracht. Und das hört man. Leider. So sehr mich die Frickeleien mit Synthesizern und sonstigem elektronischem Gerät, die wunderlichen Gitarrentöne hier und da in einzelnen Stücken begeistern können, so sehr gehen sie auf Albumlänge auf den Sack.

Und da wären wir schon beim Hauptproblem, daß ich mit den Stücken auf K.O.O.K. habe: Ich mag sie alle - aber nicht alle zusammen. Höre ich mir einzelne Songs an, tendiere ich zur Begeisterung, höre ich die Platte am Stück, macht sie mich ärgerlich. Komischer Effekt.

Der textliche Weg, weg vom reinen Sloganeering, hin zu abstrakteren Erzählweisen, wurde schon beim Vorgänger-Album eingeschlagen und läßt sich prima mitgehen. Man wird ja älter und trägt sowieso kaum noch T-Shirts. Nur das anhaltende Midtempo-Geschrammel und das scheinbar zum Selbstzweck gewordene Aufbrechen klassischer Songstrukturen verstehe ich nicht. Verflixt nochmal, auch erwachsene Bands dürfen gerne mal ein Brett vom Zaun brechen (siehe Blur's "Song 2"), ohne auf Anspruch und Ernsthaftigkeit verzichten zu müssen. Aber irgendwie wollten Tocotronic mit diesem Album zu sehr Pavement sein.

Und so nehme ich K.O.O.K. mehr als Versprechen auf das großartige Album, das nachfolgen wird, wenn sich die Jungs wieder ein bißchen locker gemacht haben. Am liebsten bald.

Trackliste

  1. 1. K.O.O.K. [RealAudio-Hörprobe]
  2. 2. Das Unglück muß zurückgeschlagen werden
  3. 3. Jackpot
  4. 4. Die Grenzen des guten Geschmacks 1
  5. 5. Let there be Rock [RealAudio-Hörprobe]
  6. 6. Unter der Schnellstraße
  7. 7. Tag ohne Schatten
  8. 8. Das Geschenk
  9. 9. Das sind keine Rätsel
  10. 10. Jenseits des Kanals
  11. 11. Der gute Rat
  12. 12. Um die Ecke (gedacht)
  13. 13. Die neue Seltsamkeit
  14. 14. Morgen wird wie heute sein
  15. 15. Die Grenzen des guten Geschmacks 2
  16. 16. Rock Pop in Concert
  17. 17. 17

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8 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    meine meinung: "tocotronic" ist neben "digital ist besser" das (bislang, das änderst sich hoffentlich mit "kapitulation") beste tocotronic album :o

  • Vor 4 Jahren

    Hab in den letzten Tagen nochmal alle Toco-Alben durchgehört und kann nur sagen das K.O.O.K. eindeutig ihr bestes ist.

    Warum?

    Nun, ich finde es ist der perfekte Mix zwischen den "alten" und den "neuen" Tocotronic.

    Das heißt?

    Die alten zu schrammelig und die neuen zu künstlerisch.

    K.O.O.K. liegt direkt dazwischen und das macht auch seine Perfektion aus.

  • Vor 4 Jahren

    gruseliger rezi-text. aber bei der kernaussage bleibe ich: zu bemüht. und lieblings-tocoalben wechseln doch sowieso ständig, nein? kapitulation! die kapitulation b-seiten, die jetzt rauskommt, ist auch nicht völlig übel, wenn man sich mal dran gewöhnt hat.