laut.de-Kritik

Die letzte Tour der Postcore-Helden in bombastischem Sound.

Review von

Dustin Kensrue ist nicht nur Sänger und Gitarrist bei Thrice, sondern auch Ehemann und Papa dreier Töchter. Nachdem er diesen Spagat einige Jahre ganz gut hingekriegt hat, zog er letztes Jahr die Bremse und legte Thrice "vorerst" auf Eis. Eine Pause auf unbestimmte Zeit, hieß es. Es gab eine Abschiedstour mit ausgewählten Konzerten und als Geschenk an die treue Anhängerschaft nun die 24 Tracks starke Live-Best Of "Anthology".

Der Mehrwert jener Scheibe für die heimische Musiksammlung dürfte recht gering sein, denn gerade vor vier Jahren erschien die letzte Live-Platte und seither mit "Beggars" und "Major/Minor" nur zwei - wenn auch großartige - neue Alben. 13 Songs sind es letztlich, die die beiden Veröffentlichungen voneinander unterscheiden.

Allerdings ist die neue wesentlich vielseitiger. So greift das Quartett hier auf ihr komplettes Lebenswerk zurück, nicht so wie bei "Live At The House Of Blues", wo sie vor allem Songs von "Vheissu" und "Alchemy Index" auswählten. Von "Identity Crisis" bis zu "Major/Minor" ist hier alles vertreten – sogar recht gleichmäßig verteilt. Da dürfte der ein oder andere Fan, der nur einen Teil der Diskografie kennt, sich verwundert die Ohren reiben. Schließlich haben Thrice eine äußerst vielseitige und interessante Entwicklung durchgemacht.

Von den angepissten Punkrock-Jungs, die sich Wut und Verwirrung aus dem Leib schrien, wurden zuerst gesellschaftskritische Metaler, dann Postcore-Pioniere. Nach dem experimentellen und innovativen "Alchemy Index" war erst einmal Reduktion angesagt. Plötzlich schubsten sie den Grunge in die Gegenwart und spielten so intensiv und roh wie nie zuvor.

Kaum zu glauben, dass das alles auf einer Platte zusammen gehen soll. Doch es geht. Vermutlich, weil Thrice noch im "Major/Minor"-Modus sind und ihre Songs dementsprechend rau und ungeschliffen präsentieren. So klingt auch ein "Of Dust And Nations" recht ruppig und kratzig. Gleichzeitig wirken aber ältere Songs wie "Deadbolt" modern, spielfreudig und nicht zu bollig. Gemosht wird trotzdem: "Silhouette", "Under A Killing Moon" oder "Phoenix Ignition" verlieren nichts an ihrer Bissigkeit und Aggressivität. Metal-Riffs und Hardcore-Gebrüll gehen den Jungs immer noch gut von der Hand bzw. zwischen den Mandeln hervor.

Aber auch ruhigere Lieder wie "In Exile", "Red Sky" oder "Come All You Weary" feiert das Publikum ab und die Band bedankt sich mit leidenschaftlicher Hingabe. Ohnehin hat man den Eindruck, die Postcore-Helden würden sich besonders viel Mühe geben, wohl wissend, dass es sich hier um ihre letzte Tour und ihre letzte Veröffentlichung handelt. Auch beim Abmischen und Produzieren legte man Wert auf Detailarbeit: Aus den Boxen tönt ein glasklarer, bombastischer Sound.

Ob Thrice jemals wieder kommen, wissen sie vermutlich selbst nicht so genau. Mit "Anthology" ziehen sie aber erst mal einen fetten Schlussstrich. "My heart is filled with songs of forever." Machts gut, Thrice.

Trackliste

CD1

  1. 1. Yellow Belly
  2. 2. Image Of The Invisible
  3. 3. The Artist In The Ambulance
  4. 4. Kill Me Quickly
  5. 5. Under A Killing Moon
  6. 6. Silhouette
  7. 7. In Exile
  8. 8. The Weight
  9. 9. Promises
  10. 10. Daedalus
  11. 11. Words In The Water
  12. 12. Of Dust And Nations

CD2

  1. 1. Red Sky
  2. 2. The Earth Will Shake
  3. 3. The Messenger
  4. 4. Digital Sea
  5. 5. Stare At The Sun
  6. 6. Deadbolt
  7. 7. To Awake And Avenge The Dead
  8. 8. Beggars
  9. 9. Come All You Weary
  10. 10. Phoenix Ignition
  11. 11. T & C
  12. 12. Anthology

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2 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Ach fuck Thrice sind eine der besten Live-Bands die ich kenne und deren Alben sind wahrlich Goldstaub. Nebenbei konnte man mit denen auch mal auf nen Bierchen Backstage vorbei schauen...kommt bald zurück Jungs :(

  • Vor einem Jahr

    Hi,

    schöne Kritik erstmal, habe mich wirklich gefreut das ihr das Live-Album nicht vergessen habt! Leider ist mir ein Fehler oder vielleicht einfach nur eine Unachtsamkeit der Redaktion aufgefallen! Will jetzt nicht rumnerden^^

    Ihr schreibt: "Auch beim Abmischen und Produzieren legte man Wert auf Detailarbeit: Aus den Boxen tönt ein glasklarer, bombastischer Sound."

    Allerdings Ist eher weniger gemixt worden: Es wurde Extra ein möglichst roher Sound, der dem Live Konzert am nähsten kommt, bevorzugt. Das hört man an jeder Ecke und das macht auch die einiges an der Faszination dieser Platte aus! Sie ist roh und alles andere als Bombastisch: Keine Overdubs, kein Autotune, kein backing Track, etc!

    Ach wollte ich nur mal loswerden! Sonst danke ans ganze Laut-Team!