Vor vier Jahren hatte Thomas D noch Rückenwind und dieser trieb ihn ganz nach oben in den Charts. Bei "Lektionen in Demut" dürfte der Wind indes von vorne kommen, denn 2001 präsentiert sich Thomas D sperrig, düster, apokalyptisch und alles andere als massentauglich. Schon allein dafür gebührt dem Stuttgarter eine Menge Respekt.
"Lektionen in Demut" braucht einige Durchläufe, um halbwegs ins Ohr zu gehen. Der Durchschnitts - "Mein MC ist krasser als deiner!" - Hip Hop-Fan kann gleich zu Hause bleiben, denn Thomas D entfernt sich hier weiter als je zuvor von seinen Wurzeln. Außerdem sind die Texte tiefsinniger als alles, was bislang aus der Feder eines deutschen MCs kam. Soziale Kälte, Werteverlust, Endzeitstimmung - Thomas D 2001 erinnert an "Blade Runner" - Dunkelheit, ständiger Regen, Depression... Das mag zu dieser Jahreszeit nicht jedem passen, wer andererseits im Moment nicht den Nerv für die von den Medien verordnete permanente Partylaune hat, dem könnte "Lektionen in Demut" ans Herz wachsen. Vor allem die erste Single "Uns trennt das Leben" trifft es mal wieder ziemlich genau auf den Punkt, textlich wie auch musikalisch.
Gerade musikalisch bietet die Platte aber auch ihren einzigen Angriffspunkt. Wirkte das Debut "Solo" eben gerade wegen seiner vielen Beteiligten so lebendig, so klingt "Lektionen in Demut" über weite Strecken nicht abwechslungsreich genug, um über die gesamte Dauer zu fesseln. Viele Kompositionen ähneln einander zu sehr, um Akzente setzen zu können, trotz der guten Texte. Hat man das Album wirklich oft gehört, gibt sich dieser Eindruck zwar etwas, trotzdem hätte Thomas D das komplette Album vielleicht nicht nur von And.Ypsilon und Ralf Goldkind produzieren lassen sollen.
Wer sich von "Lektionen in Demut" eine Wiederholung des Debuts von 1997 erwartet hat, der wird herb enttäuscht. Wer Thomas D jedoch ohne Scheuklappen in die Abgründe seiner Welt folgt, der wird für sein Durchhaltevermögen belohnt.