laut.de-Kritik

Künstlerischer Anspruch reicht nur zur Hundepfeife.

Review von

Tja, so ist das nun mal. Zuweilen übersteigen die künstlerischen Ansprüche einfach die songwriterischen Fähigkeiten. Dann entwickelt man sich von einer einst bemerkenswerten und spannenden Band zur Hintergrundbeschallung für Fahrstühle oder Suppengemüse. Diesen leidvollen Weg haben Therion im Laufe der Jahre eingeschlagen

Das haben nun auch Nuclear Blast eingesehen und die Band nach dem letzten Tiefschlag namens "Sitra Ahra" vor die Tür gesetzt. Ruhe kehrt deswegen allerdings noch lange nicht ein. Nun sind die Schweden bei Adulruna gelandet - und gehen einem eben von da aus auf den Sack.

Ich zitiere ja sonst keine Kollegen von der Konkurrenz, aber was sich Markus Wosgien bei einem Kommentar wie "Ein stimmiges Kunstwerk, das durch die verzaubernde, erotische Ausstrahlung der französischen Sprache gepaart mit dem ergreifenden, düster romantischen Flair sämtlicher Tracks, glänzt" reingezogen hat, gibt es sicher nicht legal im Supermarkt.

Sich von Charles Baudelaires Gedichtsammlung "Les Fleurs Du Mal" inspirieren zu lassen ist an sich ja kein Fehler. Entsprechend nur auf Französisch zu singen, kann man auch machen, warum nicht? Das Ganze als Kunstprojekt zu bezeichnen und maßgeblich von der Operntrulla Lori Lewis einsingen zu lassen, die auch schon auf den letzten Alben nervte: nicht wirklich empfehlenswert, aber ist ja nicht meine Entscheidung.

Meine Entscheidung - oder vielmehr die des Käufers - kommt dann ins Spiel, wenn es darum geht, diesen Kram an den Mann/die Frau zu bringen. Künstlerischer Anspruch reicht immer noch nicht aus, um einen französischen Chanson namens "Walhala Manitou" in eine ansprechende Metal-Nummer zu verwandeln.

Schon der erste Song strengt wegen des Gesangs von Lori einfach unglaublich an. Die hat vom technischen Standpunkt her vielleicht wirklich was auf dem Kasten. Mir stellen sich bei der Tonlage aber die Nackenhaare auf. Wenn das Ganze dann noch solch beliebiger Lala-Metal unterlegt, ist die Grenze verdammt schnell erreicht.

Wenn Thomas Vikström überhaupt einmal zu Wort kommt, fällt das kaum ins Gewicht. Interessant eigentlich nur, dass der Mann auch als Screamer eine ganz gute Figur abgibt, wie man in "Je N'ai Besoin Que De Tendresse" deutlich hört. Dennoch mag ich mich mit der französischen Sprache in diesem Zusammenhang nicht so recht anzufreunden.

Es hat wirklich den Anschein, als wäre die Zeit von Therion schlicht und ergreifend abgelaufen. Einzig bei "Une Fleur Dans Le Coeur" macht der weibliche Gesang tatsächlich Spaß, weil er hier zumindest stellenweise nicht auch als Hundepfeife eingesetzt werden könnte.

Trackliste

  1. 1. Poupée De Cire, Poupée De Son
  2. 2. Une Fleur Dans Le Coeur
  3. 3. Initials B.B.
  4. 4. Mon Amour Mon Ami
  5. 5. Polichinelle
  6. 6. La Maritza
  7. 7. Soer Angélique
  8. 8. Dis-Moi Poupée
  9. 9. Lilith
  10. 10. En Alabama
  11. 11. Wahala Manitou
  12. 12. Je N'ai Besoin Que De Tendresse
  13. 13. La Licorne D'or
  14. 14. J'ai Le Mal De Toi
  15. 15. Poupée De Cire, Poupée De Son

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8 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Wenn jemandem ein Album nicht gefällt, ist das eine Sache. Über Geschmack lässt sich streiten (oder auch nicht, ich bin mir da nie so sicher).
    Offensichtlich hat es dem Rezensenten nicht gefallen. Nun gut, das ist schade.
    Dennoch sollte man keinen Unsinn schreiben, der über die Bewertung des Albums hinausgeht.
    1. Nuclear Blast hat Therion nicht rausgeschmissen. Christofer Johnsson hat entschieden, es nicht über das Label rauszubringen, sondern es eigenverantwortlich zu vermarkten. Das führt direkt zu
    2. Therion ist nicht bei Adulruna "gelandet". Vielmehr handelt es sich bei Adulruna um das Studio.

    Der Gesang ist meiner Meinung nach äußerst gelungen. Thomas Vikström ist brillant, Lori Lewis und die anderen Frauen ebenso. Sogar Snowy's Passagen finde ich gut (wohingegen ich seine Parts auf Gothic Kabbalah und Sitra Ahra nicht besonders schätze).
    Also ich kann mich dem oben zitierten Kollegen nur anschließen."Ein stimmiges Kunstwerk, das durch die verzaubernde, erotische Ausstrahlung der französischen Sprache gepaart mit dem ergreifenden, düster romantischen Flair sämtlicher Tracks, glänzt" Das einzige Lied das mir persönlich nicht so zusagt ist "Les Sucettes" - der Bonustrack auf meiner Scheibe.

  • Vor einem Jahr

    Von Album zu Album werden Therion technisch immer professioneller. Man muss Symphonic Metal nicht mögen, das ist aber der Stil den die Band seit vielen Jahren eingeschlagen hat. Les Fleurs Du Mal passt da prima rein und scheint den meisten Hörern und Kritikern sehr gut zu gefallen. Aber klar, Mecker-Kritiken schreiben sich eben leichter. Schließlich reicht es Klischees zu bedienen, man muss sich nicht ernsthaft mit der Musik auseinandersetzen.