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"'Quadrophenia' ist wie ein in die Länge gezogenes 'My Generation', eine Geschichte, die auf wenige Beats baut", erklärt Pete Townshend zu Beginn des Kommentars auf der DVD. Das Stück handelt von den Kämpfen zwischen Mods und Rockers in den 60er Jahren aus der Sicht von Jimmy, einem stereotypischen englischen Heranwachsenden mit all seinen Problemen.
Als die Rock-Oper 1974 herauskam, war sie "unglaublich unerfolgreich auf der Bühne, aber sehr erfolgreich auf Platte" (Townshend). Der Grund lag darin, dass der Songwriter, Gitarrist und Tüftler den Bogen überspannt hatte. Wer das Stück in seiner Gesamtheit hören wollte, musste sich eine quadraphonische Anlage beschaffen, bei der vier Lautsprecher vier verschiedene Spuren wiedergaben. Spielereien, die in Zeiten von Dolby Surround nicht besonders anmuten, damals aber eine kostspielige (und bald wieder untergegangene) Angelegenheit darstellten. Live war der technische Schnickschnack kaum zu übermitteln.
"Quadrophenia" entwickelte sich zur unscheinbaren Schwester vom ungleich erfolgreicheren "Tommy", was auch für die 1979 erschienene Kinofassung gilt, die zwar Sting in der Rolle des Helden aufbot, im Vergleich zur Hollywoodversion von "Tommy" in Bezug auf Staraufstellung aber weit hinterher hinkte. Auch fehlte ein prägender Hit wie etwa "We're Not Gonna Take It". Für eine Reunion-Tour war das Material aber immer noch gut genug, und so entschlossen sich Townshend und Sänger Roger Daltrey, die Stücke des Albums zu überarbeiten und in einer Art Multimedia-Präsentation 1996/97 aufzuführen.
Während die Band – neben Townshend und Daltrey im Wesentlichen Urbassist John Entwistle, Schlagzeuger Zak Starkey und Petes Bruder Simon als zweiter Gitarrist – auf der Bühne steht und sich wie gewohnt ordentlich anstrengt, flimmern sorgfältig abgestimmte Szenen über eine Riesenleinwand. Das Konzert beginnt mit Bildern einer tosenden Brandung ("I Am The Sea"), dann hat der Schauspieler Alex Langdon seinen Auftritt. In eingeblendeten Szenen spielt er den Hauptdarsteller Jimmy und gibt ihn mit einem Londoner Cockney-Akzent wieder.
"The Real Me" zeigt die Nachkriegsgeschichte im Schnelldurchlauf, von Hiroshima bis zu Elvis und den Beatles. Bilder der Who-Vorband The High Numbers sind zu sehen, später zerschmettert aus der Leinwand ein junger Townshend seine Gitarre, wobei der zeitgenössische grinsend dasteht und ein Akustikinstrument bedient. Ausschnitte aus dem Film von 1979 vervollständigen die Show.
Rechte Spannung kommt dabei nicht auf, was auch daran liegt, dass die Aufnahmen ursprünglich für den Privatgebrauch entstanden und erst nachträglich auf ein akzeptables technisches Niveau gebracht wurden. Trotzdem hinkt die Tonspur öfters mal hinterher. Daltrey sieht aus wie Toni Schumacher während der WM 2006, selbst Bläsereinsätze bringen keine Bewegung in die Angelegenheit. Erst Billy Idol als The Bell Boy (Stings Rolle) sorgt für mehr Leben: Mit Anzug, Krawatte und Roller tobt er sich aus, bevor ihn Daltrey mit einem Arschtritt publikumswirksam von der Bühne befördert.
Neben einer wenig interessanten, zum Glück kurzen Dokumentation bietet die DVD auch eine parallele Kommentarspur, die sich mit der Enter-Taste ein- und ausblenden lässt. Dann erscheinen Klein-Townshend auf der rechten Seite bzw. Daltrey auf der linken - eine lustige Idee, obgleich die zwei nicht wirklich revolutionäre Gedanken von sich geben.
Einen leicht schalen Geschmack hinterlässt auch die Tatsache, dass das Konzert bereits im Paket mit einer Liveaufnahme von "Tommy" aus dem Jahr 1989 erschienen ist. Beide Mitschnitte sind nun auch einzeln erhältlich. Da zeigen The Who mal wieder einen ausgeprägten Geschäftssinn, wobei sich der Fan wenigstens damit trösten kann, dass für Oktober 2006 ein neues Studioalbum angekündigt ist.
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