laut.de-Kritik

Pete Townshend streichelt jetzt die Gitarren, die er früher zerschlug.

Review von

2013 standen auf der Bühne drei Bands mit dem Prädikat "legendär", die aus Altersgründen eigentlich schon längst ihre Rente hätten genießen können. Während sich die Rolling Stones auf eine Best Of-Darbietung beschränkten, lieferten Black Sabbath davor ein gefeiertes neues Studioalbum ab. Den höchsten Ansprüchen stellten sich aber The Who, die mit ihrer zweiten Rock-Oper auf Tour gingen.

Nicht der einzige Unterschied, denn während Mick Jagger und Ozzy Osbourne eine erstaunliche Verjüngungskur durchgemacht haben, sieht man Roger Daltrey sein Alter trotz gefärbter Locken an. Dass er sein Mikro an ein Kabel angeschlossen hat, um es wie zu den guten alten Zeiten durch die Gegend zu wirbeln, mutet in Zeiten von Funkübertragung und Bluetooth eher rührend an. Dafür klingt seine Stimme immer noch gut genug, um von den dreien die sicherlich schwierigsten Gesangparts zu meistern.

Ganz aktuell ist der Bühnenaufbau, mit einer riesigen, hochauflösenden Videowand hinter der Band, die das Publikum in der Halle und vor dem Bildschirm mit einer wahren Bilderflut überschwemmt. Mit dabei: ein überdimensionaler Vespa-Scheinwerfer, geschichtliche Momente, Mods, immer wieder das Meer als einigendes Element und natürlich The Who in ihren besten Jahren. Lustig, dem damaligen Pete Townshend seine Gitarren zerschlagen zu sehen, während der heutige in aller Ruhe davor steht und seine Instrumentensammlung fast schon zärtlich bedient.

Ob die Videospielereien ein "Vision" darstellen, wie sie der dafür verantwortlich zeichnende Daltrey im Booklet und im Abspann bezeichnet, sei dahin gestellt. Jedenfalls gibt es zwei außergewöhnliche Momente, ja wahre Highlight.

Die Oper sollte ja das Heranwachsen eines Mods, seiner Stimmungen und seiner Probleme, erzählen. Der Titel stellte sich zusammen aus "Vier" und "Schizophrenie", wobei die vier Persönlichkeiten die vier Mitglieder von The Who darstellen sollten, in vier Schlüsselsongs dargestellt: "Helpless Dancer" (Daltrey), "Love Reign O'er Me" (Townshend), "Is It In My Head?" (Bassist John Entwistle) und "Bell Boy" (Schlagzeuger Keith Moon).

Die letzten zwei sind längst gestorben, doch erscheinen sie überdimensional auf der Videowand für ein spektakuläres Solo (Entwistle) und eine scheppe Gesangseinlage vom Schlagzeug aus (Moon), mit symbolischer Überreichung des Mikrophons an Daltrey. Es sind die schönsten Momente der Aufzeichnung.

Auch musikalisch gibt es nichts auszusetzen, zumal sich das kreative übrig gebliebene Duo von acht hochkarätigen Musikern begleiten lässt, unter ihnen Bassist Pino Palladino, Pete Townshends Sohn Simon als zweiten Gitarristen und Scott Devours am Schlagzeug (anstelle von Ringo Starrs Sohn Zak Starkey, der die Position üblicherweise einnimmt). Rumgewirbelt wird kaum, dafür spielen alle Beteiligten umso konzentrierter.

Nachdem die Pflicht absolviert ist, kommt die Zugabe in Form einiger alter Hits. "Best Of" trifft nicht wirklich zu, fehlen doch Stücke wie "My Generation" oder "We're Not Gonna Take It". Dafür gibt es zum Schluss das entspannte "Tea & Theatre" aus dem letzten Studioalbum der Band "Endless Wire" (2006). Passend zum Titel steht Daltrey mit einer Tasse Tee am Mikro und lässt sich von Townshend auf einer Akustikgitarre begleiten.

Ja, die alten Recken können es noch. So gut sogar, dass sie viele Nachfolger und Nachahmer nach wie vor in die Tasche stecken. Eigentlich fehlt nur noch eine Band, um aus dem Rock-Opa-Drilling ein Poker zu machen: Led Zeppelin.

Trackliste

  1. 1. I Am The Sea
  2. 2. The Real Me
  3. 3. Quadrophenia
  4. 4. Cut My Hair
  5. 5. The Punk And The Godfather
  6. 6. I'm One
  7. 7. The Dirty Jobs
  8. 8. Helpless Dancer
  9. 9. Is It In My Head
  10. 10. I've Had Enough
  11. 11. 5:15
  12. 12. Sea And Sand
  13. 13. Drowned
  14. 14. Bell Boy
  15. 15. Doctor Jimmy
  16. 16. The Rock
  17. 17. Love Reign O'er Me

Bonus Performances

  1. 1. Who Are You
  2. 2. You Better You Bet
  3. 3. Pinball Wizard
  4. 4. Baba O'Riley
  5. 5. Won't Get Fooled Again
  6. 6. Tea & Theatre

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