laut.de-Kritik

Packende Reise durch den Time Tunnel der Rock-Geschichte.

Review von

Es gibt sie: Re-Issues älterer Alben, die nicht nur die eingefleischten Fans von damals ansprechen sollen. Hier belegt im Falle der legendären Formation Traveling Wilburys, deren (zu kurzes) Schaffen nun in einer ausgezeichneten, liebevoll aufgearbeiten Fassung vorliegt. Hinter dem Bandnamen verbergen sich fünf Hochkaräter der Rock-Geschichte: Jeff Lynne, Tom Petty, George Harrison, Bob Dylan und Roy Orbison.

Die Umstände, unter denen sich die Musiker zur Zusammenarbeit fanden, sind ein spannendes Histörchen für sich - und ein Glücksfall für die Geschichte der populären Musik. Die Aufnahmen aus den Jahren 1988 bis 1990 überzeugen mit virtous eingespielten Songs im Spannungsfeld zwischen Rock, Pop, Blues, Boogie, Folk und Country.

"Handle With Care", der Opener des Albums "Vol. 1", stellt bereits den größten Single-Hit der Band dar: Dieser gefühlige, melodische Titel erhält besonders durch die von Orbison intonierte Bridge seinen ganz einzigartigen Zauber. Stilistisch geht es abwechslungsreich weiter: "Dirty World" und "Rattled" krachen tempogeladen-rockig aus den Boxen. "Tweeter And The Monkey Man" zelebriert meisterhaft Blues-Elemente. Der ganz besondere unter vielen Höhepunkten ist das von Roy Orbison eingesungene "Not Alone Anymore".

Hier zieht die Musiker-Legende noch einmal alle Register, unterstützt von einer für ihn maßgeschneiderten Komposition. Mit seinem bewegenden Song-Aufbau schlägt "Not Alone Anymore" eine würdige Brücke zu den ganz großen Dramen von The Big O., wie "Running Scared" und "In Dreams". In "Heading For The Light" hat George Harrison seinen großen Auftritt. Dieser Uptempo-Titel vermittelt authentisches Beatles-Flair. Als bislang unveröffentlichte Tracks sind "Vol. 1" die Titel "Maxine" und "Like A Ship" beigegeben. Besonders "Maxine" begeistert mit feiner Akustigitarren-Arbeit und beschwingten Latin-Elementen.

Der zwei Jahre später unter dem leicht irreführenden Titel "Vol. 3" erschienene Nachfolge-Longplayer erreicht über die komplette Albenlänge gesehen nicht ganz die Klasse seines Vorgängers. Trotzdem wartet er erneut mit einer Handvoll weiterer gelungener Fingerübungen und dem noch immer spürbaren Spaß der Musiker an der Sache auf. Allerdings liegt ein Schatten über dieser Einspielung: Völlig überraschend verstarb bereits kurz nach der Veröffentlichung von "Vol. 1" Roy Orbison an Herzversagen.

Gerade als der Rock'n'Roller Del Shannon als Nachfolger gehandelt wird, nimmt sich der Künstler 1990 mit einem Gewehr das Leben (Posthum erscheint 1991 sein eigentliches Solo-Comeback-Album "Rock On!"). Dem Werk dieses oftmals unterbewerteten Sängers und Komponisten zollen die Wilburys mit ihrer Einspielung von Dels größtem Hit "Runaway" Respekt, die ursprünglich als B-Seite zur "Vol. 3"-Singleauskopplung "She's My Baby" erschien. "Runaway" ist der "Collection" ebenfalls als Bonustrack beigefügt und weckt mit seiner würdigen Umsetzung wehmütige Gedanken an einen der ganz Großen der frühen sechziger Jahre.

Highlights des zweiten Albums: Der dampfige, energiegeladene, rüde und unwiderstehlich zum Mitwippen animierende "Wilbury Twist". Als amüsantes Schmankerl entpuppt sich die stilistisch dem Doo Wop verhaftete Ballade "7 Deadly Sins", in der Dylan unnachahmlich, nölig-kauzig die sieben Todsünden der Liebe herunterschnarrt. "The Devil's Been Busy" wandert auf spannenden Pfaden durch den Blues- und Roots-Sumpf. "New Blue Moon" überzeugt als charmante, lebendige Referenz an die schwungvollen Teen-Beats der späten Fünfziger des Vorjahrhunderts. Als besonderes Extra ist der "Collection" eine unterhaltsame und informativ ausgestattete DVD beigelegt, die neben den fünf erschienenen Wilbury-Videos mit einer ausführlichen Dokumentation über die Entstehung einzelner Songs aufwartet.

Diese üppige und beseelte Wiederveröffentlichung einer ungewöhnlichen Kollaboration unterschiedlichster Künstler dokumentiert zeitlose, beseelte Handwerkskunst aus verschiedensten Stilepochen des Pop und Rock. Besonders gelungen: Das vorsichtige, behutsame Remastering der jahrzehntealten Tracks, das die Originale nicht verunstaltet, sondern in klarem Sound neu erstrahlen lässt. Der enorme Detailreichtum der funkelnden Arrangements perlt hautnah und blitzsauber aus den Boxen.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Handle With Care
  2. 2. Dirty World
  3. 3. Rattled
  4. 4. Last Night
  5. 5. Not Alone Any More
  6. 6. Congratulations
  7. 7. Heading For The Light
  8. 8. Margarita
  9. 9. Tweeter And The Monkey Man
  10. 10. End Of The Line
  11. 11. Maxine (Bonustrack)
  12. 12. Like A Ship (Bonustrack)

CD 2

  1. 1. She's My Baby
  2. 2. Inside Out
  3. 3. If You Belonged To Me
  4. 4. The Devil's Been Busy
  5. 5. 7 Deadly Sins
  6. 6. Poor House
  7. 7. Where Were You Last Night?
  8. 8. Cool Dry Place
  9. 9. New Blue Moon
  10. 10. You Took My Breath Away
  11. 11. Wilbury Twist
  12. 12. Nobody's Child (Bonustrack)
  13. 13. Runaway (Bonustrack)

DVD

  1. 1. The True History Of The Traveling Wilburys (Video-Dokumentation)
  2. 2. Handle With Care (Video)
  3. 3. End of The Line (Video)
  4. 4. Inside Out (Video)
  5. 5. She's My Baby (Video)
  6. 6. Wilbury Twist (Video)

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6 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Weshalb verteilt Herr Schulz für diese hervorragende Aufnahme nur 4 Balken und nicht auch noch konsequent den finalen und damit die volle Punktzahl?
    Ich müsste lange überlegen, wann ich das letzte Mal eine solch hervorragende Werkschau gehört und gesehen hatte.
    Der Hinweis auf die tatsächlich hervorragende klangliche Qualität sollte mit Ausrufezeichen versehen sein. Hier waren meisterliche Tontechniker zu Gange, die es schafften, einer High End-Aufnahme kein Stück ihrer Lebendigkeit und den teils rauhen Charakter zu rauben.

  • Vor 10 Jahren

    Der Link "zum Artikel" verweist auf ..."/the_traveling_wilburys/...", die Review ist aber derzeit unter ...."/traveling_wilburys/..." abgelegt. Deswegen gibt's im Moment 'nen 404-Error. Sagt bloß, Ihr arbeitet das alles manuell ein???

  • Vor 10 Jahren

    Ansonsten: Wenn ich "Handle With Care" von 1988 mit Dylans "Ain't Talkin" von 2006 vergleiche, muss ich sagen: Gott, was hat dieser Mann für eine völlig unvorhersehbare künstlerische Weiterentwicklung hinbekommen.

  • Vor 10 Jahren

    @Jan Dilba (« Weshalb verteilt Herr Schulz für diese hervorragende Aufnahme nur 4 Balken und nicht auch noch konsequent den finalen und damit die volle Punktzahl? »):

    Vol. 3, obwohl ebenfalls mit Klasse-Sachen bestückt, ist nun doch kein (Historie und Vorlieben hin oder her)fünf Punkten entsprechendes (=Untadelig von vorn bis hinten bzw. Absolutes Meisterwerk) Album.

    Hörenswert & Zuhör-Spaß verbreitend ist es aber allemal. :)

  • Vor 10 Jahren

    Vol 1 ist ja mitunter eine der besten 80er-Scheiben überhaupt, v.a. was Retro-Rock betrifft. Bei Vol 3 fehlt leider nicht nur der grossartige Roy, sondern auch die Spontanität, mit welchem die Herren beim ersten Album an die Sache gingen.

    Trotzdem: MUSS man haben ;)

    Und nicht vergessen: Petty's Full Moon Fever und Harrison's Cloud 9, sowie Orbison's Mystery Girl zum Dessert reinziehen und geniessen!

  • Vor 10 Jahren

    @Kukuruz (« Der Link "zum Artikel" verweist auf ..."/the_traveling_wilburys/...", die Review ist aber derzeit unter ...."/traveling_wilburys/..." abgelegt. Deswegen gibt's im Moment 'nen 404-Error. Sagt bloß, Ihr arbeitet das alles manuell ein??? »):

    Das Problem besteht nach wie vor. Nur: anstelle des 404-Errors erscheint jetzt eine arg ramponierte Collage aus allen möglichen Content-Bestandteilen zusammen mit internen Syntaxfehlermeldungen.