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Maja Ivarrsson ist ein böses Mädchen: Bei einem Konzert in Zürich, als The Sounds mit "Dying To Say This To You" auf Tour waren, sei sie angeblich sturzbetrunken auf der Bühne erschienen, habe das Publikum beleidigt und brennende Zigaretten in selbiges geschnippt.
Ich fand damals, dass man eigentlich die Musik der Sounds gar nicht besser auf den Punkt bringen kann als mit dieser kleinen Story - ob sie nun stimmt oder nicht.
Tiefgründig oder komplex war die Musik der Schweden eh nie. Eher ein Schlag mitten in die Fresse. Maul halten und Tanzen lautete die Devise. Dieses Konzept funktionierte live sehr gut, spielten die Schweden seit 2006 doch über 500 (!) Sows - roh, energiegeladen und zuweilen aufgelockert von hymnenhaften Synthieparts.
Auf "Crossing The Rubicon" scheint aus der wilden Tigerin Ivarrsson nun ein Schmusekätzchen geworden zu sein: Das klingt nach Glam-Pop, eingängigen Refrains - ja, man muss es sagen, belanglosem Rumgedüdel.
Kein gutes Zeichen, wenn man nach einer Weile auf die Stereoanlage schaut und denkt: "Was, erst das vierte Lied?". Warum trotten denn alle Songs im selben Tempo vor sich hin? "Bitte, Ivarrsson, rotz mich an!", möchte man manchmal der Anlage zurufen. Stattdessen singt da ein Mädchen, das sich offenbar gerade über einen Lolli freut.
Dabei soll gerade dieses Album ihr düsterstes sein, auf die Texte bezogen. Aber wie soll das funktionieren? Hat sich die Musik doch - bis auf den Verlust der Bissigkeit - seit "Dying To Say This To You" nicht groß verändert. Noch immer bezirzen die Schweden mit 80er-Glam. Und der ist bis auf ein paar wenige, dafür umso peinlichere Ausrutscher, absolut tanzbar.
Peinlich ist zum Beispiel "Beatbox". "Felix schrieb aus Spaß einige Texte und diesen Rap-Part. Das ist eine neue Richtung für uns, aber ich finde toll, was dabei entstanden ist", lobt Maja. Genau, The Sounds rappen - und zwar so schlecht, dass man nur hoffen kann, dass sie diesen Pfad so schnell wie möglich verlassen möchten.
Trotzdem. "Crossing the Rubicon" als kompletten Fehlschlag abzutun wäre falsch. Denn es gibt sie noch, die guten Sounds-Lieder. Etwa "My Lover", in dem der Synthiebeat erbarmungslos dahin rollt. Oder "The Only Ones", ein wunderschönes Pianostück, in dem Ivarrsson ihr stimmliches Potential voll ausschöpft.
Die guten Lieder sind rar. Das ganze Album dürfte live besser funktionieren. Weil es eben ganz anders wirkt, wennIvarrsson da vorne steht, den Scheißegal-Blick aufsetzt und loswalzt. Da lasse ich mich dann gerne auch wieder mit brennenden Zigaretten bewerfen.
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