laut.de-Kritik

Die Fetische der Sinderellas bilden das Fundament.

Review von

Ja, hier dreht es sich um Musik. Aber manchmal zählt eben auch das sorgfältig durchdachte Gesamtkunstwerk. Ladys and Gentlemen: The Sinderellas!

Für einen ersten Eindruck hier ein kleines Zitat von der Homepage: "Es geht um die Sünde. Die Sünde ist weiblich und führt uns in Form von schönen, aber gefährlichen Wesen in Verführung. Und das sind ihre Namen: Juliette La Doll, Nathalie Tineo, Belle La Donna, Eden und Lily Of The Valley."

Nur eine der Sinderellas ist wirklich Sängerin. Nathalie Tineo ist auch die einzige, die mit bürgerlichem Namen erwähnt wird. Damit ist aber nicht gesagt, dass Nathalies Kolleginnen nicht singen könnten. Wahrscheinlich tragen die anderen vier Sinderellas ein Gesangstalent unter ihren Korsetts, aber leider ist davon bis auf ein gelegentliches "Grrr" und "Uhh-lala" nicht viel zu hören.

Die Mädels haben andere Vorzüge: Alle vier sind recht hübsche und professionelle Burlesque-Tänzerinnen und bestechen im Video zur ersten Single "My Mother Used To Tell Me" mit ihrer Kleidung (oder dem Fehlen derselben) und ihren sexuellen Vorlieben.

Lily Of The Valley, laut Booklet die dominante Powerfrau mit dem südländischen Blut, foltert da zum Beispiel einen Liebhaber, während sich Juliette La Doll im Kerker von ein paar nackten Gefangenen befummeln lässt und dazu "I like it that way" in die Kamera haucht.

Das Debüt-Album der Girlgroup ist laut Pressetext das Ergebnis einer "nicht nur produktiven, sondern ebenso glamourösen Zeit" mit dem schwedischen Produzenten Stefan Örn. Glamourös beschreibt den Sound recht gut. Angelehnt an die 50er und 60er, klingt die Musik ganz unterhaltsam und eingängig. Irgendwie erinnern die Songs an die Hits von Caro Emerald. Für die leicht verruchte und kräftige Stimme Nathalie Tineos sind derlei Klänge genau das Richtige.

"Amour Fou", ein schöner Popsong, zwingt beim ersten Hören zum Mitwippen und bleibt sofort im Ohr hängen. Auch hübsch: "Miss Drama Queen", eine nette und ein wenig dramatische Ballade, oder "Smoke Rings". Das sind zwar alles keine Meisterwerke der Popmusik, aber trotzdem schöne Stücke, die sich endlich wieder anderer Einflüsse bedienen als die typischen Pophymnen, die uns den ganzen Tag aus dem Radio entgegen dudeln.

Die Komponisten haben den Leitspruch 'Sex Sells' dennoch eindeutig zu ernst genommen. Es gibt fast keinen nicht mit erotischen Aspekten überfrachteten Titel auf "Secrets & Sins". Noch bevor es richtig losgeht, werden wir in die erste Reihe des Moulin Rouge versetzt: "From the exotic to the erotic: The Sinderellas!", ruft da eine männliche Stimme.

In "My Mother Used To Tell Me" singt Nathalie Tineo von ihrem ersten Table-Dance im Wohnzimmer. In "Not Exclusively" spielt sie die Domina. Es gibt nur eine Ausnahme: "Mr. Uniform" bleibt wirklich jugendfrei - schließlich haben auch Sinderellas eine weiche Seite.

"Ihre Erlebnisse und Fetische sind das Fundament ihrer Musik", steht auf der Homepage der Gruppe, gefolgt von der Ankündigung, dass die Sinderellas ab Oktober auf der Hamburger Reeperbahn ihre Fans mit einer Show beglücken. Der richtige Rahmen für dieses Konzept ist also gefunden.

(Review von Barbara Sasse)

Trackliste

  1. 1. Oh La La (Get A Little)
  2. 2. Amour Fou
  3. 3. My Mother Used To Tell Me
  4. 4. Not Exclusively
  5. 5. Miss Drama Queen
  6. 6. Mr. Uniform
  7. 7. Smoke Rings
  8. 8. Bon Appetétit
  9. 9. Razzmatazz
  10. 10. King Of Diamonds

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