laut.de-Kritik

Dringen schon fast in Queen-Sphären vor.

Review von

Es schwebt schon länger das Gerücht im Raum, dass Devon Graves aka Buddy Lackey seine Band Deadsoul Tribe zu Grabe getragen oder zumindest schockgefroren hat. Dafür gibt es aber gute Gründe. Einer davon ist, dass er mit The Shadow Theory bereits seit vier Jahren am nächsten Projekt bastelt, in dem er wieder stärker im Bandkontext agiert.

Zwar denkt man bei einer über Europa versprengten Gemeinschaft aus den ehemaligen Pain Of Salvation-Basser Kris Gildenlöw (Schweden), dem Threshold-Drummer Johanne James (England), dem deutschen Gitarristen Arne Schuppner (Complex 7) und dem griechischen Keyboarder Demi Scott im ersten Moment nicht zwingend an eine Band im herkömmlichen Sinne. Dennoch legt Devon großen Wert darauf, dass The Shadow Theory eben das ist und kein weiteres Soloprojekt.

Ging er bei Deadsoul Tribe stellenweise sehr in die Tool-Ecke, ist davon bei The Shadow Theory nichts mehr zu hören. Vielmehr fühlt man sich immer wieder an die glorreichen Psychotic Waltz erinnert. Dass die sich tatsächlich ebenfalls nochmal zusammen finden würden, konnte der gute Devon vor vier Jahren aber beim besten Willen noch nicht abschätzen.

Sogar zur Flöte greift Devon wieder und spart auch mit einigen elektronischen Samples und Spielereien nicht. Dennoch ist es natürlich seine eindringliche, hypnotische Stimme, die das Geschehen dominiert und alle Instrumentalisten trotz herausragender Leistung zu Nebenfiguren degradiert. Der Mann geht gesanglich variabler denn je zur Sache. Eine fast schon an Diary Of Dreams erinnernde Tonlage wie in "A Candle In The Gallery" kannte man bislang vom Wahl-Wiener nicht.

Allerdings hat er sich mit seinen Jungs die Musik auch förmlich auf seine Stimmbänder geschneidert. Immer wieder sind die Songs von balladesken und ruhigen Tönen durchwoben, drehen den Härtegrad aber auch gerne einmal nach oben. Entsprechend breit gefächert ist der emotionale Spielraum des Sängers, den dieser nach Leibeskräften ausfüllt.

Die Musiker stehen auf "Behind The Black Veil" fast hinter Mr. Graves zurück, aber eben nur fast. Das liegt vor allem daran, dass die vier Herren vollkommen songdienlich agieren und sich nie in den Vordergrund drängen. Hört man aber ein wenig genauer hin, sind es natürlich vor allem die Arbeiten von Gitarrist Arne und Keyboarder Demi Scott, die für zusätzliche Melodien und aufregende Momente sorgen.

Ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient auch das großartige Spiel von Basser Kris und Drummer Johanne, die miteinander harmonieren, als würden sie bereits seit Jahren zusammen spielen. Dabei kommen dann großartige Nummer wie "By The Crossroads" oder "Sleepwalking" heraus. Der ganz große Wurf wartet aber mit "A Symphony Of Shadows" am Ende des Albums. Hier dringen The Shadow Theory gar in Sphären von Queen oder dem Musical Metal von Jon Oliva's Pain vor.

Trackliste

  1. 1. I Open Up My Eyes
  2. 2. The Sound Of Flies
  3. 3. Ghostride
  4. 4. Welcome
  5. 5. By The Crossroads
  6. 6. Selebrate
  7. 7. Snakeskin
  8. 8. Sleepwalking
  9. 9. The Black Cradle
  10. 10. A Candle In The Gallery
  11. 11. A Symphony Of Shadows

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LAUT.DE-PORTRÄT The Shadow Theory

Das Jahr 2010 neigt sich bereits dem Ende zu, als alle von Fans von Buddy Lackey alias Devon Graves mit einem Freudenschrei aus ihrer Lethargie erwachen.

8 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Es ist von Lackey/Graves. Das sagt alles. Habe es schon und es gefällt mir gut. Allerdings warte ich auf das kommende Album von Psychotic Waltz. Für alle, die es nicht mit gekriegt haben: Die Legende ist in Fast-Stammbesetzung wiedervereint.

  • Vor 7 Jahren

    mhh, hab mir heute mals "mosquito" remastered gekauft weil es auch so viele positive und glaubhafte (!) rezensionen auf amazon hat, aber ich bin mir nicht sicher, ob es ein fehlkauf war. haut mich jetzt nicht so um dafür, dass es psychotic waltz's bestes sein soll.
    die samples von "black veil" hingegen klingen ziemlich gut.

  • Vor 7 Jahren

    von den meisten fans wird "into the everflow" als psychotic waltz's beste scheibe eingeschätzt, wahrscheinlich aufgrund der unglaublichen komplexität. ich muss aber gestehen, dass mir die deadsoul tribe-scheiben wegen ihrer eingängigkeit teils auch besser gefallen haben. nicht falsch verstehen, gerade den titeltrack von "into the everflow" halte ich für einen der besten titel im prog-bereich (insbesondere das epische intro), aber abseits davon ist mir die ganze geschichte teils doch zu abgedreht. "black veil" scheint mir da eher in die deadsoul tribe-kerbe zu schlagen.

    die subtile ähnlichkeit zu queen wäre mir gar nicht aufgefallen, wenn sie nicht im review erwähnt worden wäre.

  • Vor 7 Jahren

    ich muss sagen, mir gefällt mosquito jetzt richtig gut. hat aber auch vier durchläufe gebraucht. in "bleeding" und "into the overflow" wertde ich also definitiv mal reinhören.
    welche "deadsoul tribe" scheibe würdet ihr denn für den einstieg empfehlen?

  • Vor 7 Jahren

    @catweazel: Everflow ist allerdings ganz anders als Bleeding. Everflow ist sehr progressiv, sehr psychedelisch. Bleeding ist die konsequente Weiterentwicklung von Mosquito: Sehr düster, sehr depressiv aber auch psychedelisch und abgefahren. Bei DST empfehle ich dir A Murder Of Crows. Das Album ist ein echter "Grower", also das, was jedes Prog Album sein sollte. A Lullaby For The Devil ist auch gut, meiner Einschätzung nach aber leicht überbewertet. Im Gegensatz zum selbstbetitelten Erstling, der ebenfalls toll ist. Ein weiterer (nicht ganz so progressiver) Tipp wäre Buddy Lackeys Soloalbum, auch wenn das sehr, sehr, sehr schwer zu kriegen ist. Habe es mal zufällig in einem kleinen Plattenladen in Schweden gefunden und habe nach langjähriger Suche fast einen Herzinfakt erlitten. @Pierrot: Dark Suns sind sehr geil! Beweist mal wieder, dass aus Deutschland hervorragende Prog Bands kommen. nachwuchs brauchen wir nach der Auflösung von Sieges Even auch unbedingt. Ich vergleiche die Dark Suns auch gerne mit Pain Of Salvation, finde die mittlerweile aber sogar viel, viel besser.

  • Vor 7 Jahren

    danke für die tipps. dark suns werde ich auch mal anhören.