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Wenn mich vor zwei Wochen noch jemand gefragt hätte, welche Begriffe mir im Zusammenhang mit der Frankenmetropole Nürnberg so gaaanz spontaan einfallen, hätte ich sicher mit einem gelangweilten "Auge, Bratwürstl und Christkindlmarkt" geantwortet. Doch dann kam er: The Robocop Kraus, mein Namensvetter aus Hersbruck c/o Nürnberg. Und mit ihm sein wunderbares neues Machwerk "Living With Other People".
Schon beim ersten Song, dem wunderbar rotzigen "Fake Boys", war mir eigentlich klar: Ich werde diese Platte lieben. Und tatsächlich, das große Versprechen, das die Robocops uns gleich zu Beginn vor den erstaunten Latz knallen, wird auf "Living With Other People" Song für Song für Song eingehalten und ausgebaut. Sehr fresh, angenehm selbstbewusst und mit viel positiver Energie bringen die Herren Kraus der erstaunten Zuhörerschaft ihr Ding näher. Und dieses Ding ist ziemlich vielgestaltig und facettenreich. Dabei jedoch ganz und gar aus einem Guss.
Seine musikalischen Wurzeln hat "Living With Other People" dabei unüberhörbar irgendwo in den frühen Achtzigern, kommen doch beim Hören ständig kleine wohlige Erinnerungsfetzelchen an Bands wie The Clash, Ideal (häh? Orgel !), U2 (Track 7), The Wire, Duran Duran (Track 1), oder auch mal P.I.L. hoch. Das soll jetzt aber auf gar keinen heißen, dass Robocop Kraus 1:1 nach oben genannten Herrschaften klingen, ganz im Gegenteil. Vielmehr gelingt es den Robocops, unter lässiger Nichtverleugnung ihrer diversen Vorlieben ein völlig eigenständiges, irgendwie punkig daher kommendes und doch auch stets poppig bleibendes, in sich geschlossenes Ganzes zu formen. Das zu jedem Zeitpunkt ganz klar nach 2003 und niemals nach Retromumpf klingt.
Das ist umso bemerkenswerter, als auf "Living With Other Peolple" durchaus grundverschiedene Mosaiksteine aufeinander prallen. Wilde Electronica treffen auf Blockflöten-Free-Jazz-Outro-Wahnsinn, Tingel-Tangel-Piano schmust mit 80s Independent-Punk-Guitar und die Orgel orgelt sich einen mit den meist nach vorne gehenden Beats des Drums. Dazu kommt, dass die Songs von ihrer Marschrichtung und Tempo doch sehr verschieden sind. Ruhigeren Tracks folgen hier schon mal unvermittelt recht flotte Burner, ala "Fashion" oder auch "Audience".
Dass aus all diesem eine runde Sache wird, besorgt nicht zuletzt der Gesang. Dieser bildet auf Basis der stets hervorragend passenden Lyrics die Klammer, die jeden Song unverwechselbar "Robocop" macht, und dieses omnipräsente "Denk nach und steh auf und mach was, wenigstens rumspringen muss doch drin sein"-Feeling (Punk für Schlaue?) erzeugt. Dazu hört man einfach, dass diese Band, auch wenn ich Dummerle sie bisher nicht kannte, schon eine ganze Weile zusammen spielt und verdammt tight und stilsicher ist. Nie zu viel, nie zuwenig, immer das Richtige, immer zusammen. Top.
Auf jeden Fall freu ich mich jetzt schon darauf, mit Robocop Kraus im Player die Autobahn gen Italien runter zu brettern und laut "Things don't work that way" aus dem Schiebedach rauszuschmettern. Ich wünsche den Cops und mir einen wunderbaren Strandurlaub und dass ihnen auch in Zukunft noch ein paar solcher Platten aus dem Ärmel schlüpfen. Vielen Dank, 5 Punkte von Herzen.



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