laut.de-Kritik

Trompeten, Gitarren und reichlich blaue Flecken.

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Als die Rockwelt Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger sämtliche Sub-Genres-Pforten öffnete und den Jüngern weltweit den Zugang zu Grunge-, Alternative- und Crossover-Paralleluniversen gewährte, feierte man nicht nur in den neuen Szene-Hochburgen Seattle, New York und Los Angeles Freudenfeste. Auch im bis dato eher ruhigen Boston ließ man die Sektkorken knallen. Dort dümpelte nämlich bereits seit einem knappen halben Jahrzehnt eine achtköpfige Musikkapelle namens The Mighty Mighty Bosstones durch die Clubs der Stadt, ohne für allzu großes Aufsehen zu sorgen.

Sicher, mit ihrem Debütalbum "Devil's Night Out" präsentierten die Mannen um Frontgröler Dicky Barrett bereits im August 1989 ein amtliches Ska-meets-Punk-meets-Hardcore-Brett. Aber so richtig durchstarten sollte die Band erst drei Jahre später, als Bands wie Nirvana, Faith No More und Rage Against The Machine bereits mit Flanellhemden, Strand-Shorts und Baggy-Hosen im Reisegepäck auf dem Weg in Richtung Europa waren.

Auch die Bosstones wollten raus. Raus aus Boston. Raus in die große weite Welt. Und mit "More Noise And Other Disturbances" hatten sie im Sommer 1992 ein perfektes musikalisches Paket für ihre "Ausreise" am Start. Nicht mehr ganz so rotzig und metallisch wie noch zu Zeiten des Debüts hüpfen, springen und pogen die Verantwortlichen über ein musikalisches Fundament aus schnippendem 2-tone-Ska und energiegeladenem Punkrock.

Bereits nach drei Minuten schicken die Amis ihren ersten Album-Eckpfeiler ins Rennen. "Where'd You Go" ist gute Laune pur; ein Song, der alles hat, was es braucht um eine Clubtanzfläche zum Brodeln zu bringen. Die Bosstones haben auf ihrem zweiten Studioalbum aber noch mehr Asse im Ärmel. Gleich im Anschluss fegt das hibbelige "Dr. D" durch die Boxen. Dreieinhalb Minuten lang pendelt das Kollektiv zwischen halsbrecherischem Uptempo-Ska und hämmerndem Hardcore-Punk. Wie ein wildgewordenes Jekyll-Hyde-Double röhrt und brüllt sich Frontmann Dicky Barrett die Seele aus dem Leib, während sich im Background knackige Bläser und harte Gitarren immer wieder zum Duell rausfordern.

Mit "It Can't Hurt", einem entspannten Kandidaten für chillige Cabriofahrten sorgt die Band wieder für etwas Entspannung, ehe man mit "What's At Stake" abermals mit der Brechstange zu Werke geht. Zwischen filigranen WahWah-Spielereien, die selbst einen Karl Malden mit den Fingern schnippen lassen und brettharten HC-Einschüben mimt Dicky Barrett erneut den Höhlenmenschen, nur um sich drei Minuten später wieder von einer komplett gegensätzlichen Seite zu zeigen. Mit einem tanzwütigen Bläserthema im Schlepptau biegen die Bostoner erneut in Richtung Highway ab. Der Frontmann hat wieder ein Lächeln auf den Lippen und selbst die sonst stets grimmig dreinblickende Band-Bulldogge klatscht bei einem derartigen Übermaß an Gute-Laune-Vibes begeistert in die Pfoten ("Cowboy Coffee").

Die Hälfte ist rum. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Mit "I'll Drink To That" und "He's Back" schickt die Band noch zwei weitere Skacore-Grinsebacken ins Rennen. Das grollende "Guns And The Young" dreht den Spieß dann wieder um. Heranwachsende mit Feuerwaffen im Schulrucksack? Das geht eindeutig zu weit. Dicky Barrett spricht ein Machtwort, das Spuren hinterlässt.

Noch eine Prise "Straßen von San Francisco" ("Bad In Plaid"), sowie verabschiedende entspannte Heimatgrüße oben drauf ("They Came To Boston"), und fertig ist das in Szene-Kreisen auch heute noch gefeierte musikalische Denkmal einer Band, die seit nun mehr knapp dreißig Jahren unbeirrt vom Branchen-Gipfel grüßt.

In der Rubrik "Meilensteine" stellen wir Albumklassiker vor, die die Musikgeschichte oder zumindest unser Leben nachhaltig verändert haben. Unabhängig von Genre-Zuordnungen soll es sich um Platten handeln, die jeder Musikfan gehört haben muss.

Trackliste

  1. 1. Awfully Quiet
  2. 2. Where'd You Go
  3. 3. Dr. D
  4. 4. It Can't Hurt
  5. 5. What's At Stake
  6. 6. Cowboy Coffee
  7. 7. I'll Drink To That
  8. 8. Guns And The Young
  9. 9. He's Back
  10. 10. Bad In Plaid
  11. 11. They Came To Boston

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