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Richtig elend müssen sie sich in letzter Zeit gefühlt haben, die Engländer. Zuerst die bejubelten Strokes: Amis. Dann die Nirvana-Kopisten von The Vines: Australier. Und ganz schlimm: die Hives aus ... äh, woher? Eben. Weil die Oasis-Lads stramm auf die 40 zugehen, hängte man sich im Königreich vor lauter Panik schon an Bands wie The Streets. Doch was nützt der schönste bestimmte Artikel im Bandnamen, wenn UK Garage keine Rückkopplungen zustande bringt?
Vorhang auf für die Libertines, pardon: The Libertines. Eine Band, die ihrem Mutterland (zu Recht!) mächtig Hoffnungen macht: klassische Viererbesetzung, verratzter Rock'n'Roll, Rough Trade-Deal und umwerfende Songs. Die Gallaghers des Quartetts heißen Pete Doherty und Carl Barât, komponieren alle Songs, wechseln sich am Mikro ab und wie es sich für harte Burschen gehört, geht man auch keiner Prügelei aus dem Weg. Recht so, schließlich bieten ihre Kompositionen nicht weniger Durchschlagskraft auf.
Mit rauhem Arbeiterklassen-Charme behandeln hier vier Typen ihre Instrumente, als läge der Proberaum im Pub nebenan: ungehobeltes Grölen zu scheinbar willenlos gestückelten Akkorden, die trotz unberechenbarer Breaks ("Death On The Stairs") und Tempo-Wechsel ("Boys In The Band") in furiose Strophen und gnadenlose Refrains münden. One two three four: "Vertigo", und die Saalschlacht ist eröffnet. Die Drums peitschen im Iggy-Tempo und Doherty und Barât legen ihre Stimmen gekonnt quer. Statt messerscharf gehobelten Riffs orientiert man sich am "Do It Yourself"-Motto der Velvet Underground und sieht in ungestimmten Gitarren keinen Frevel, sondern Erlösung.
"New York City's very pretty in the nighttime - but don't you miss Soho?", singt Doherty in "The Boy Looked At Johnny" spitzbübisch, um gleich darauf mit Barât wieder hemmungslos Hooligan-Gesänge anzustimmen. Die Produktion dieses Proletenrock-Geniestreichs übernahm Mick Jones, ehemals bei The Clash in Lohn und Brot. Das Treffen der Generationen hat sich gelohnt: Ob Akustikgitarren-Ausscherer ("Radio America") oder Garage Rock-Hymnen ("Up The Bracket"), das Libertines-Debut klingt wild, frisch und macht süchtig.
Viele Vergleiche zu alten Helden mussten die Libertines bereits hinnehmen, und wenn man will, kann man tatsächlich einige entdecken. So weckt "Begging" Erinnerungen an Blurs "Parklife"-Phase, in "Time For Heroes" seufzen die göttlichen Smiths und von Paul Weller haben sie natürlich auch schon mal gehört. Nicht die schlechtesten Referenzen und obendrein doch eigenständig. Auch wenn nach 37 Minuten alles vorbei ist. Großbritannien, es steht gut um dich.
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. Aber das ist ja nun mal egal. Auf jeden Fall rockt das Album.
...ein bisschen größenwahn schadet wohl nie.....
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