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Rock'n'Roll in Reinform! Die Hives feiern den Mod-Style auf der Bühne in stylischen Anzügen respektive gebügelten Hemden und machen mit den besten, straightesten und entertainendsten Garage-Punkrock.
Eine industrielle Kleinstadt mitten in Schweden im Jahr 1993. Das Bandmärchen besagt, dass fünf bis zu diesem Zeitpunkt völlig unschuldige Jungen einen Brief bekommen, in dem nur eine Zeit und ein Ort stehen. Jeder beschließt hinzugehen. Dort angekommen erwartet sie das Genie eines Mr. Randy Fitzsimmons, der die Hives bis heute in Form eines mysteriösen, im Hintergrund agierenden Mentors begleiten soll.
Die Fünf beginnen auf diese Eingabe hin, Musik zu machen. Nach den Worten Nicholaus Arsons, Gitarrist der Band, werden den Hives ihre Songs von Anfang an von dem ominösen Fitzsimmons eingegeben. Sänger Pelle Almqvist, Nicholaus Arsons (Gitarre), Dr. Matt Destruction (Bass), Vigilante Carlström (Gitarre) und Chris Dangerous (Schlagzeug) sind nur dazu bestimmt, dessen Ideen auszuführen.
Die niemals zu versiegen scheinende Energie der Band aber, die transportieren die Jungs immer selbst in die Musik. Und so ist es auch kein Wunder, dass erst ein breites Publikum in Schweden und dann auch Mathias - Drummer bei Millencolin - auf die fünf knabenhaften Rotzrocker aufmerksam wird. Er hilft, das zweite Demo zu produzieren und trägt es zu Burning Heart - das schwedische Indie-Label, auf dem auch seine Band zu Hause ist.
Der Besitzer der Plattenfirma, Peter Ahlquist, gibts sich erst unschlüssig. Die beste Lösung scheint ihm, die Hives erst mal auf einem Sidelabel unterzubringen. Und so kommt 1996 die erste Mini-CD der Hives "Oh Lord! When? How?" auf Sidekicks raus.
Ahlquist ist begeistert und nun bereit, ein komplettes Album der Band auf dem Mutterlabel aufzunehmen. Burning Heart ist wohl das beste Sprungbrett für schwedische Rockbands und so lässt auch die internationale Anerkennung nicht lange auf sich warten. Nach dem Release von "Barely Legal" (1997) wird getourt und gerockt bis der Schweiß von der Decke läuft.
Auf der Bühne kommt die Garagen-Rotz-Punk-Attitüde so echt rüber, dass tourbegleitende Schreiberlinge gar nicht wahr haben wollen, was hinter der Kulisse passiert: Gar nichts. Keine alkoholgetränkte Orgien, keine Hotelzimmer-Verwüstungen, einfach nur nette Mittzwanziger, die gern mal 'ne Runde Kicker spielen.
Ein bisschen verrückt sind sie dann aber doch. Die Geschichte von Mr. Fitzsimmons lebt und hält auch als angebliche Inspirationsgrundlage für ihren genialen Zweitling "Veni Vidi Vicious" (2000) her. Zudem grenzen sie sich textlich von anderen Musikern ihres Alters ab.
Texte machen ihrer Meinung nach die Hälfte eines Songs aus: "Mit lustigen Wörtern und witzigen Reimen kann man einen guten Song zu einem großartigen Song machen", erklärt Nicholaus. Eine politische Band seien sie nicht - in den Texten gehe es vielmehr darum, jemanden zu bitten, zur Hölle zu gehen.
Nach der zweiten Albumveröffentlichung wird erst mal kräftig mit Labelkollegen getourt. Die (International) Noise Conspiracy kann das gerade noch aushalten. Die sonst einiges gewohnten Rocker der Hellacopters dagegen können einpacken. Merke: "Never let the Hives support your Band" - denn sie machen Songs, die "simpel, straight und voller Energie" sind (Nicholaus).
Und das mit einem charming Entertainer und sympathischen Posern wie Pelle Almqvist am Mikro. Bei einem Konzert der Hives muss man auf alles gefasst sein. Es könnte passieren, dass Pelle anfängt, sich mit dem Publikum zu streiten und statt Musik zu machen, lieber mit den Leuten diskutiert. Oder er hängt sich - charming face down - schweinebaumelnd über das Publikum an die Decke.
Nach längerer Pause und immer weiter steigenden Beliebtheitswerten wechseln sie zum Major Polydor Universal und veröffentlichen dort im Sommer 2004 ihr bis dato reifstes Album "Tyrannosaurus Hives", auf dem sowohl Fitzsimmons als auch die Hives ganze Arbeit geleistet haben.
Mit dem Wechsel ins Major-Lager gelingt der Sprung über den großen Teich. Die nächsten drei Jahre touren sie durch Amerika und arbeiten nebenbei an einem neuen Album. Unter den insgesamt sechs Producern befinden sind auch Pharrell Williams und Timbaland. Im Oktober 2007 gelangt das umstrittene "The Black And White Album" in die Läden. Die gespaltenen Reaktionen auf den Longplayer müssen die Schweden eine Weile sacken lassen.
Erst nach fünf Jahren melden sie sich 2012 mit "Lex Hives" zurück. Das Album stellt eine Kehrtwende um 180 Grad dar. Zurück zu ihren Anfängen, weg von den Majors. Auf ihrer eigenen Plattenfirma erscheint das selbstproduzierte raue Werk.
Ihre musikalisches Grundgerüst wird auch weiterhin vom Garage-Rock gestellt. Doch mehr als einmal haben The Hives schon bewiesen, dass sie auch vor Experimenten nicht zurückschrecken. Keine Musikrichtung, keine Idee und kein Produzent ist vor ihnen sicher. Den feinen Unterschied zu manch anderen Bands liefern am Ende aber drei Dinge: Punk, Attitüde und eine ordentliche Portion Spaß.
Pelle Almqvist über verschlossene Türen, Verletzungspech und ewige Demokratie.
Lange war es still um die Mod-Style-Fetischisten aus Schweden. Der straighte Garage-Punkrock wurde letztmals vor zwei Jahren in Form einer doch eher mageren Diät-Version ("Tarred And Feathered"-EP) auf die Welt losgelassen. Der letzte komplette Gruß an die Anhängerschaft ("The Black And White Album") liegt gar fünf Jahre zurück.
Nun aber werfen sich The Hives abermals in Schale und präsentieren dieser Tage das neue Studioalbum "Lex Hives". Getreu dem Motto "back to the roots" schlugen die fünf Zylinderköpfe für ihr aktuelles Werk großspurige Produzenten-Offerten aus, nahmen sich während der Aufnahmen lieber selbst an die Hand und versuchten sich an Zeiten zu erinnern, in denen straighter Rock'n'Roll noch in den Garagen entstand.
Bei so vielen vermeintlichen "Neuerungen" setzt man natürlich Himmel und Hölle in Bewegung, um sich ein detaillierteres Bild zu machen. Also zerrten wir Sänger und Mastermind Pelle Almqvist an den Hörer und plauderten mit ihm über verschlossene Türen, Verletzungspech und ewige Demokratie.
Hi Pelle, gefühlte hundertmal schallte es "Come On" aus meinen Boxen, als ich euer neues Album bei mir zuhause einlegte. Ein unkonventioneller Opener, selbst für eure Verhältnisse. Stimmst du mir da zu?
Pelle: (Lacht) Es ist der perfekte Song zum Einstieg. Die Aussage ist klar. Es ist eine Aufforderung, die keine Zweifel aufkommen lässt, um was es uns geht. Ein Tritt in den Arsch für uns und für alle da draußen.
Wer hatte den Tritt deiner Meinung nach denn nötiger?
Pelle: Ich glaube, wir. Es gab lange nichts mehr zu hören von uns; zumindest was Veröffentlichungen anbetrifft. Mit diesem Album wollten wir uns wieder etwas freischwimmen und uns auf das besinnen, was uns zu Beginn unserer Karriere wichtig war.
Und das war?
Pelle: Guter alter Rock'n'Roll. Wir haben uns einfach überlegt, wie wir damals angefangen haben und was uns seinerzeit inspiriert hat, überhaupt Musik zu machen. Es geht nicht um bestimmte Bands, sondern vielmehr um das Grundgefühl, die Basis des Ganzen. Dieser Vibe, der in Garagen entstand, ohne technischen Schnickschnack und Dutzende Produzenten im Hintergrund.
Irgendwie all das, was euer letztes Output "The Black And White Album" ausgemacht hat.
Pelle: Ja, schon. Ich bin aber dennoch zufrieden mit der Platte. Rückblickend war es damals einfach so, dass wir genau diese Bedingungen wollten. Diesmal wollten wir es aber wieder wesentlich kantiger und dreckiger. Vor allem wollten wir es einfacher machen. Die ganze Struktur und der ganze Prozess sollten so simpel wie möglich gehalten werden, um den kompletten Fokus nur auf die Musik zu richten.
Pelle: (Lacht) So in etwa. Es gab schon einige, die gerne am Album mitgearbeitet hätten, aber wir wollten das einfach nicht. Wir haben die Tür einfach nicht aufgemacht, wenn jemand geklopft hat (lacht). Wir haben beim letzten Album mit vielen Leuten (The Neptunes, Timbaland) zusammengearbeitet, von denen wir eine Menge lernen konnten. Das haben wir dann versucht in die Arbeiten fürs neue Album mit einzubringen. Also, eigentlich haben wir die Typen einmal bezahlt, damit wir letztlich zwei Alben machen konnten (lacht).
Wahre Geschäftsmänner.
Pelle: Man muss halt gucken, wo man bleibt (lacht). Nein, im Ernst, die vielen Studios und die vielen Involvierten, die beim letzten Album zugegen waren, haben uns wirklich geholfen. Auch wenn wir diesmal wirklich ziemlich beschränkt gearbeitet haben; hier und da gab es trotzdem einige Kniffe und Tricks, die wir uns damals abgeschaut haben. Vor allem Niklas und ich empfanden den Produzenten-Part als ziemlich spannend und inspirierend. Wir beide haben damals (bei den Aufnahmen zu "The Black And White Album") besonders aufgepasst. Mit dem Erlernten konnten wir dann auch einer befreundeten schwedischen Band (Bruket) helfen, deren Album wir produziert haben.
Gab es einen bestimmten Moment, in dem euch bewusst wurde, dass ihr den Karren wieder etwas zurückfahren solltet?
Pelle: Nein, eigentlich nicht. Ich glaube, das war Bestandteil eines ganz natürlichen Prozesses, der uns schon seit Anbeginn der Band begleitet. Wir sind eine Band, die sich selbst überraschen muss, um es für alle Beteiligten interessant zu gestalten. Jedes Hives-Album ist die differenzierte Antwort auf seinen Vorgänger. "Veni Vidi Vicious" war beispielsweise roh und hatte diesen unvergleichlichen Garage-Charme, während "Tyrannosaurus Hives" wesentlich klinischer und anorganischer klang. So sollte es auch dieses Mal sein. Wenn wir uns wiederholen, langweilen wir uns. Und das würde zwangsläufig irgendwo hinführen, wo keiner in der Band wirklich hin will. Wahrscheinlich würden wir uns dann irgendwann auflösen. Das wäre eine Schande.
Wie wichtig ist dir die Band?
Pelle: Oh, sie ist alles. Ich brauche diesen Kick, dieses Adrenalin, wie die Luft zum Atmen. Gerade im Moment, so kurz vor dem Release unseres neuen Albums und der bevorstehenden Shows, könnte ich den ganzen Tag über nichts anderes reden, als über die Tatsache, den geilsten Job der Welt zu haben.
In der jüngeren Vergangenheit musstest du allerdings etwas kürzer treten. Du hattest erst einen Sturz zu beklagen und du sollst dich auch einer Magen-Operation unterzogen haben. Stimmt das?
Pelle: Ja, das ist richtig. Ich habe mich zwischendurch auch noch in der Küche mit einem Messer verletzt. Da kam einiges zusammen. Es ging mir wirklich schlecht. Ich war frustriert und tierisch angepisst. Wenn man arbeiten will, Ideen hat und sich mitteilen will, es aber nicht kann, weil dauernd irgendetwas dazwischen kommt, dann dreht man am Rad. Diese Phasen waren echt die Hölle. Ich habe den ganzen "On the Road-Scheiß" wirklich vermisst. Wir haben die letzten beiden Jahre keine komplette Tour am Stück gespielt. Es kam immer nur zu einzelnen Festival-Shows im Sommer. Dieser Alltag und dieses Tägliche haben mir wirklich gefehlt. Zum Glück ist es jetzt wieder so weit.
Und wenn ich daran denke, das alles in zehn oder zwanzig Jahren auch noch so zu empfinden, kriege ich fast schon Gänsehaut. Die alten Herren, die auch heute noch über die Bühnen rocken, sind meine Helden, verstehst du? Dieses Gefühl, in einer großen Band zu spielen, kannst du nicht toppen. Natürlich ist es auch anstrengend; vor allem die Zeit, bevor du abends endlich auf die Bühne und loslegen darfst. Da rennt man oftmals orientierungslos wie ein Tiger im Käfig in der Gegend rum und weiß nicht so recht, was man mit sich anfangen soll. Aber wenn es dann in den Anzug geht ... Das kann man nicht beschreiben.
Pelle: Ja, auch das gehört dazu. Dieses Gleichsein-Gefühl in Gestalt einer Uniform ist für uns sehr wichtig. Egal, ob wir jetzt alle Lederjacken, Anzüge oder sonst was tragen. Es geht darum, zu zeigen, dass wir alle gleich sind. Nicht nur wir in der Band; auch die Allgemeinheit. Diesmal haben wir uns für die extra-elegante Variante entschieden, irgendwo zwischen Christopher Lee und Fred Astaire. Wir sind keine Band, die intern irgendwelche Ego-Kämpfe ausfechtet. Jeder ist gleichberechtigt und alles geht erst fünfmal rum, ehe es eingetütet wird.
Diese Demokratie hält vielleicht manchmal etwas auf, aber am Ende fühlt sich jeder zu gleichen Teilen wertvoll. Ich glaube, das ist auch das Geheimnis, warum es die Band nun schon seit zwanzig Jahren gibt. Wir alle haben uns in dieser Zeit verändert. Wir leben nicht mehr alle in derselben Stadt. Wir wohnen alle in verschiedenen Städten. Jeder verbringt seine Ferien woanders und jeder lernt neue Leute kennen. All das trifft sich aber wieder, sobald wir zusammenkommen. Dann ist stets dieses Gefühl da, was wir schon zu Beginn der Band hatten.
Ich habe gelesen, dass ihr das Album schon letzten Sommer rausbringen wolltet. Warum hat das nicht geklappt?
Pelle: Ja, der Wunsch war da. Wir wollten einfach loslegen, aber irgendwie kam immer wieder etwas dazwischen, sodass sich das ganze Prozedere immer weiter nach hinten verschoben hat. Viele Songs haben schon etliche Monate auf dem Buckel. Ich meine, alle Songs sind uns schon länger vertraut, aber gerade bei "Go Right Ahead" fällt es mir dieser Tage immer wieder besonders auf, wie wichtig es ist, dass es nun endlich wieder richtig losgeht. Dieser Song war einer der ersten, die wir fertig hatten und stellte für uns den perfekten The Hives-Wiedereinstieg in die Öffentlichkeit dar. Es ist schon hart, wenn du irgendwann merkst, dass sich alles länger hinzieht, als ursprünglich gedacht.
Wann habt ihr denn ursprünglich angefangen am neuen Album zu arbeiten?
Pelle: Begonnen hat alles kurz vor Weihnachten 2010, als wir die ersten Songs aufnahmen. Danach haben wir im Frühling nahezu den kompletten Rest fertiggestellt und haben anschließend einige Sommer-Shows gespielt. Irgendwie hatten wir aber das Gefühl, dass einige Songs noch nicht ganz rund waren, also haben wir uns im Winter 2011 nochmals im Studio mit dem Material beschäftigt und den Sack letztlich zugemacht.
Wir fassen einmal zusammen: neues Album, neuer Look, alter Sound. Würdest du das so unterschreiben?
Pelle: Ja, wobei "alter Sound" eher abschreckend klingt, finde ich. Basisorientiert passt wesentlich besser. Du hast aber die anstehende Tour vergessen. Schließlich waren wir schon lange nicht mehr am Stück unterwegs. Wir werden euch in diesem Jahr nicht nur im Sommer auf den Festivals beglücken, sondern im November auch eure Hallen in Schutt und Asche legen. Darauf freuen wir uns ganz besonders.
Über die Arbeit mit dem Hip Hop-Producer und 'Konkurrenten' wie Mando Diao.
Seit dem letzten Hives-Album sind mittlerweile drei Jahre vergangen. Doch die Band ruhte sich in der Zeit keineswegs aus, sondern tourte durch Amerika, Großbritannien und arbeitete auch an einer neuen Platte.
Schon für Ende letzten Jahres angekündigt, erscheint am 12. Oktober der neue Longplayer "The Black And White Album", dem im Herbst eine Tour folgt. Grund genug, einmal bei Drummer Chris Dangerous nachzufragen, wie das Album denn nun klingt, warum es überhaupt so lange gedauert hat und noch einige andere Dinge.
Bevor ich allerdings mit Chris sprechen kann, ruft seine Promoterin an und vertröstet mich um 15 weitere Minuten. Es dauert zwar noch ein klein wenig länger, dafür habe ich dann einen äußerst humorvollen Chris am anderen Ende der Leitung.
Hi, ich bin Dany von laut.de
Chris: Und ich bin Chris, der Schlagzeuger von den Hives
Ja, das wurde mir bereits mitgeteilt.
Chris: Ausgezeichnet. (lacht)
Also, um das gleich am Anfang zu sagen, ich hatte noch keine Chance, mir das neue Album vor diesem Interview anzuhören ...
Chris: Oh Shit!
Genau. Deshalb, erzähl mal, wie hört es sich an?
Chris: Es klingt wie eine Greatest Hits-Platte. Ziemlich genau so ja, als versuchten wir eine fortgeschrittene Karriere in anderthalb Jahren zu erfinden. Wir arbeiteten in acht verschiedenen Studios, mit, ich glaube sechs verschiedenen Produzenten zusammen, deshalb hört es sich wirklich sehr nach einem Greatest Hits-Album an. Aber so war das dieses Mal auch irgendwie geplant. Ich meine, zwei Lieder auf der Platte, einmal "Well Alright" und "T.H.E.H.I.V.E.S" nahmen wir mit Pharrell Williams in Miami auf.
(Er buchstabiert den Songtitel, erschlossen hat sich mir das Ganze erst später.)
Ja, ist mir schon zu Ohren gekommen. Ihr habt mit Timbaland und Pharrell Williams produziert. Wie kam es dazu? Was verbindet die Hives und Timbaland oder Pharrell Williams?
Chris: Ja, also wenn wir mal mit Pharrell starten: Er wollte schon seit einiger Zeit mit uns arbeiten, denn er ist ein Fan von unserer Band, und wir lieben einige Sachen, die er gemacht hat. 2004 trafen wir ihn in Japan, und er meinte eben, er will mit uns arbeiten. Na ja, und als die Zeit kam, in der wir uns mit Produzenten trafen und darüber redeten, wohin wir mit diesem Album wollten, riefen wir ihn eben an. Dann flogen wir nach Miami und nahmen ein paar Sachen mit ihm auf. Mit Timbaland war das eine völlig andere Geschichte. Ich meine, er wollte uns auf seinem Album "Shock Value" dabei haben, also spielten wir den Song "Throw It On Me" mit ihm ein. Dabei ging es im Grunde bloß um Dateien, die übers Internet gesendet wurden. Nur ein paar Gitarrengriffe, und Pelle, der ein bisschen darüber schreit. Das ist mehr oder weniger alles. Während er dann als Teil der "Justin"-Tour in Stockholm war, nahmen wir ein paar Sachen zusammen auf, aber das Zeug ist bis jetzt nicht wirklich auf dem Album. Es ist halt noch nicht wirklich fertig und wir wissen nicht was wir damit tun sollen. Es war mehr wie ...
Die Songs mit Timbaland sind also noch nicht auf dem Album?
Chris: Nein, noch nicht.
Aber sie kommen noch drauf oder ...
Chris: Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Pharrell Williams ist aber definitiv drauf?
Chris: Ja, zwei Lieder sind auf jeden Fall drauf, die Songs "Well Alright" und "The Hives".
Diesmal ohne Buchstabierung
Beide Produzenten sind nicht wirklich bekannt dafür, Rockmusik zu machen. Klingt das jetzt mehr nach R'n'B oder wie hört es sich an?
Chris: Einer der Pharrell-Songs ... ich meine, er war wirklich interessiert daran, Rockmusik zu produzieren. Deshalb ist einer der Songs sehr 60s inspiriert, aber aufgenommen mit einem sehr modernen Sound. Es klingt halt nicht wie Musik aus den 60ern, es klingt ... keine Ahnung, für mich klingt es wie Pharrell Williams, der versucht, eine Rockplatte mit den Hives aufzunehmen. So hört es sich an, was aber sehr interessant ist. Wir wollten nichts tun ... wir wollten nicht wie 60er Jahre klingen, das hatten wir schon vor Jahren. Es ging nie darum. Aber bei "T.H.E.H.I" (verspricht sich), sorry, versuchten wir eben, eine von diesen modernen Disco Sound-Sachen zu machen. Unsere Art "wir vermissen dich" oder so zu sagen.
Chris: Ja weißt du, als wir unsere "üblichen" Songs mit den, weißt du, "üblichen" Rockproduzenten aufnahmen, das fühlte sich immer irgendwie gleich an. Aber mit Pharrell Songs einzuspielen, lässt sich mit nichts vergleichen, das wir bisher machten, etwas völlig, völlig Neues eben. Wir gingen ins Studio, ohne eine Idee, was uns erwartet, ohne Songs, ohne irgendwas. So schrieben wir einfach mit Pharrell einige Songs und nahmen sie richtig schnell auf. Am Ende standen wir mit acht Liedern da und fingen dann halt an, mit den Ideen, die wir richtig gut fanden, weiterzuarbeiten. Im Prinzip spielten wir also einen Haufen Scheiße ein, suchten raus was wirklich gut war und beendeten diese Sachen. Das ist nicht die Art, wie wir normalerweise Songs aufnehmen.
Die Zusammenarbeit mit Pharrell und Timbaland steigert doch mit Sicherheit eure Beliebtheit in den USA. Oder nicht?
Chris: Könnte sein, aber das hängt davon ab, ob die Leute unsere Musik mögen oder nicht. Es spielt keine Rolle, ob du mit jemand arbeitest, der einen berühmten Namen hat oder so. Klingt das Ergebnis scheiße, dann bringt es dir am Ende gar nichts. Aber, um ehrlich zu sein, alle Fragen, die bisher kamen, gingen um Timbaland und Pharrell, also ...
Entschuldige, aber ...
Chris: Nein, nein, nein, nein das ist total in Ordnung. Ja, es ist sehr interessant für die Leute ...
Es ist nur so, als ich gelesen habe, dass ihr mit Timbaland und Pharrell gearbeitet habt, dachte ich mir nur: Die Hives und Timbaland? Bitte was?
Chris: Yeah, genau.
Das ist nicht etwas, das man erwartet hätte, deshalb frage ich danach.
Chris: Aber auf dem Album gibt es auch Songs, von denen die Leute meinen könnten, dass Timbaland und Pharrell die Produzenten sind. Das stimmt nur nicht, wir produzierten sie selbst. Diese Songs klingen sogar noch komischer, als alles, was du erwarten würdest.
Okay, die nächste Frage geht nicht um Timbaland oder Pharrell: Habt ihr auch mal über eine Zusammenarbeit mit Rick Rubin nachgedacht?
Chris: Ja, Rick Rubin ist großartig, bei dem, was er macht. Wir dachten nur, naja, ich meine, erstens, schätze ich, er hatte keine Zeit. Ich bin auch nicht sicher, ob er mit uns zusammen was produzieren will, wahrscheinlich schon, aber keine Ahnung. Rick Rubin ist stilistisch sehr ähnlich wie Pelle Gunnerfeldt, mit dem wir unsere früheren Alben aufnahmen. Wir wollten nur wirklich etwas Neues probieren, nicht einfach mit einer Person, die mehr in den Medien ist als Pelle Gunnerfeldt. In ganz andere Richtungen gehen, und für die Hives bedeutet eine völlig andere Richtung eben, nicht auf einen der weltberühmtesten Produzenten zu setzen. Ungefähr die Hälfte der Platte nahmen wir mit Dennis Herring in Oxford, Mississippi auf. Er ist auch eine Art Rockproduzent, aber völlig anders und na ja, es ist schade, dass du die Platte noch nicht gehört hast, weil ... aber die Single "Tick Tick Boom", die spielten wir mit Dennis Herring in Oxford, Mississippi ein.
Chris: Den Großteil der Platte hatten wir auch schon vor einem Jahr fertig. Nur, weil wir halt mit all diesen verschiedenen Leuten zusammen arbeiten wollten, mussten wir eben irgendwie warten bis sie eben Zeit für uns hatten. Weißt du, Produzenten und solche Leute, die sind schwer beschäftigt. Die haben ständig irgendwas zu tun, und wenn wir kommen und sagen: "Hey wir wollen mit euch arbeiten", klar ist die Antwort ja. Andererseits können sie aber nicht einfach eine Band, die bereits da ist, aus dem Studio schmeißen. Das wäre doch ein bisschen gemein. Deshalb mussten wir ... ja, es war ein ziemlich langwieriger Prozess und harte Arbeit. Doch an dem Punkt, an dem wir uns jetzt befinden, sind wir glücklicher als jemals zuvor. Vor allem weil uns die Zeit nahmen, um auf all diese Leute zu warten und wirklich über die Songs nachzudenken.
Neben den Aufnahmen für das neue Album habt ihr auch einen Werbefilm für Finish Line in den USA gedreht. Ist das euer erster Werbespot, und warum für Finish Line?
Chris: Ähm, ich bin mir nicht sicher, ob es dabei um Finish Line ging, ich denke es handelte sich um Nike & iPod. Die Sache ist die, wir haben in den letzten zehn Jahren schon zu Milliarden anderen "Nein" gesagt. Es gab nur einmal eine Werbung für Agent Provocateur, also Unterwäsche für Frauen. Kylie Minogue ritt darin einen dieser elektronischen Bullen. Eigentlich sollte das nur zwei Wochen lang exklusiv in britischen Kinos laufen, aber der Spot entwickelte sich zum größten Internet-Download in diesem Jahr. Das ist die einzige Werbung, in der wir bisher mitmachten. Aber nach zehn Jahren, nachdem wir zehn Jahre lang immer mit "Nein" antworteten, dachten wir, ach zur Hölle damit. Lass es uns versuchen, lass uns mal sehen, was passiert wenn wir "Ja" zu einer Werbung mit Nike sagen. Es ging uns dabei nicht ums Geld, das Geld gaben wir sowieso weg.
Befürchtet ihr nicht, dass die Fans euch Sell-Out vorwerfen?
Chris: Nein, wir besitzen genug Geld. Das geben wir auch weg für Sachen wie "Verhindert Kinderarbeit" oder "Kinderarbeit in der dritten Welt".
Ja, ich las auch, dass ihr einen Rucksack für East Pak entworfen habt, für Charity richtig?
Chris: Wir machen tonnenweise Zeug für Charity, wir reden nur nicht gern darüber. Der Rucksack ist keine Werbung, weißt du, nur unsere Art um Menschen zu helfen.
Wie siehst du die schwedische Musikindustrie der letzten drei oder vier Jahre? Denkst du sie hat sich verändert?
Chris: Ja, ich denke schon, dass sich eine Menge geändert hat. Wahrscheinlich gibt's mittlerweile 25 Bands, die gerne die Hives wären, die vorher nicht da waren. Schweden hatte schon immer eine Tradition von qualitativ hochwertiger Musik. Nachdem wir so bekannt wurden, entstehen überall neue Bands. Für Bands ist Schweden ein gutes Land, um anzufangen, denn ich denke, es herrscht ein ernsthaftes Interesse an Musik dort.
Aber die ganzen neuen schwedischen Bands sagen alle Sachen wie "Wir sind die beste Band überhaupt". Klingt das für dich nicht ein wenig wie ein Echo?
Klar ist das ein Echo! (Pause)
Also denkst du, sie...
Chris: Ich weiß nicht genau, von welchen Bands du jetzt redest.
Ich habe von ein paar Bands wie Mando Diao oder Sugarplum Fairy gelesen, die sich öffentlich über euch lustig gemacht haben. Stört euch das?
Chris: Wieso sollte es? Denkst du wirklich, es interessiert mich, was Mando Diao über uns sagen? Die sind offensichtlich eifersüchtig (lacht). Es interessiert mich einen Scheiß, um ehrlich zu sein. Die können sagen, was immer sie wollen, ich meine, Fakt ist: Wir sind eine gute Band, eine großartige Band. Lassen wir es einfach dabei.
Okay. Ihr kommt auf Tour nach Deutschland diesen Herbst, was erwartet uns? Irgendwelche Neuerungen?
Chris: Ja, klar könnt ihr euch auf etwas Neues gefasst machen. Wir sind jetzt fast vier Jahre nicht mehr in Deutschland auf Tour gewesen und wir fühlen uns deshalb richtig schlecht. Denn wir lieben es, in Deutschland aufzutreten, einige der schönsten Erinnerungen unserer Karriere waren in Deutschland, deshalb freuen wir uns wirklich darauf, wieder zu kommen. Wir haben ein verdammtes brandneues Album dabei, mit dem wir bisher nur in Amerika tourten. Deutschland sollte sich besser auf etwas gefasst machen!
Ja, das werden wir.
Chris: Wir auch!
Das ist gut. Vielen Dank für das Interview.
Chris: Kein Problem.
Für die Hives geht kurz vor Veröffentlichung des dritten Albums mit dem Namen "Tyrannosaurus Hives" der Rummel richtig los. Auch LAUT ließ Howlin Pelle und Chris Dangerous nicht in Ruhe.
Selbst wenn "Veni Vidi Vicious", das zweite Album der großmäuligen Schweden, schon ein Hitalbum nach Alternativ-Maßstäben war, geht es für die Hives erst jetzt so richtig los. Der Wechsel von Epitaph zu Universal bringt eine ganze Menge mehr Beachtung mit sich. MTV spielt die neue Single im Nachmittagsprogramm, und für die Promo-Exemplare der neuen Scheibe gilt erhöhte Sicherheitsstufe. Keine Frage, die Hives erfreuen sich, ohne dass sie etwas dafür könnten, im Moment einer großen Beliebtheit. Das Mehr an Promoarbeit lassen sie unter diesen Umständen gerne über sich ergehen, auch wenn sie beim Interview dann zeitweise freundlich desinteressiert wirken.
Eure neuen Songs wirken nach dem ersten Höreindruck nicht mehr so punkig wie früher, sondern mehr wie straighte Rock-Nummern.
Pelle: Nein, das finde ich gar nicht. In mancher Hinsicht sind sie sogar mehr Punk als früher.
Chris: Ja, wir sind immer noch eine Punkband. Auch wenn wir nicht immer so klingen.
Aber es sind ja schon einige fast elektronische Spielereien zu finden auf dem neuen Album.
Chris: Wir wollten einen Maschinensound entwickeln. Die Drums zum Beispiel sollten so monoton wie mögliche gespielt werden, dass sie fast wie ein Drumcomputer klingen. Wir haben da viel rumprobiert. Es sollte so einen Eighties-Sound bekommen, aber dann wurden daraus aber eher so Rock'n'Roll-Songs. Das hat sich für uns besser angefühlt.
Würdet ihr also sagen, dass "Tyrannosaurus Hives" die Weiterführung einer logischen Entwicklung von "Barely Legal" über "Veni Vidi Vicious" ist?
Pelle: Ich habe keine Ahnung, ob das logisch ist.
Chris: Es ist einfach genau so geworden, wie wir es haben wollten. Mich kümmert es nicht, ob eine Logik dahinter steckt. Wenn es gut ist, ist es gut. Das Resultat ist das, was wir machen wollten. Wir sind sehr zufrieden damit.
Pelle: Es gibt so viele Dinge, die wir als Band tun könnten. Aber das ist das, was wir tun wollten. Es scheint so, als hätten wir so viel zu tun im Moment, dass unser Plan, drei Alben zu machen, echt in Gefahr ist. Es war so schwer mit diesem Album anzufangen. Wir waren ja drei Jahre auf Tournee.
Ihr habt euch aber auch wirklich viel Zeit gelassen!
Pelle: Nicht wirklich. Denn wir schreiben keine Songs on the road. Viele der Bands, die das machen, klingen am Ende wieder nur wie auf der letzten Platte. Das wollten wir auf keinen Fall. Wir waren also drei Jahre unterwegs, und als wir dann mit der Platte begannen, dachten viele Leute wohl, es wäre schon zu spät, um ein neues Album aufzunehmen. Aber jetzt wo wir fertig sind, fühlen wir uns, als könnten wir gleich noch eins machen.
Mit dem Material, das von den Studio-Sessions übrig geblieben ist.
Pelle: Nein. Wir machen nie mehr, als auf das Album kommt. Also, wir haben schon mehr auf Lager, aber wir haben nichts, was fertig gestellt wäre. Wir machen nur das fertig, was auch auf die Platte kommt. Wir sind nicht eine von diesen Bands, die fünfzig Songs aufnehmen und sich dann die zwölf Besten heraussuchen. Es gibt einen Punkt, wo du einfach wissen musst, dass die Hälfte dieser Songs Scheiße ist.
Giles Smith redet in seinem Buch "Lost In Music" von den drei ersten Alben einer Musikerkarriere. Demnach ist das erste dazu da, um die Band interessant zu machen, das zweite, um die Leute an die Band zu binden und mit dem dritten geht es dann richtig los. Seht ihr diese Entwicklung bei euch auch? Dass "Tyrannosaurus Hives" das Album ist, mit dem ihr den ganz großen Durchbruch schafft?
Pelle: Ich denke, dass wir den zweiten Schritt einfach übersprungen haben und mit "Veni Vidi Vicious" direkt vom ersten zum dritten gegangen sind.
Fühlt ihr denn jetzt, da ihr bei einem Majorlabel seid, mehr Erfolgsdruck? Ihr arbeitet ja immerhin noch mit denselben Leuten wie bei den ersten beiden Alben!
Pelle: Nein, es hat sich für uns im Grunde nicht viel geändert. Wir haben früher immer schon das gesamte Artwork und die ganzen Aufnahmen gemacht. Wir haben eigentlich immer ein fertiges Produkt abgeliefert. Mit Videos und allem Drum und Dran. Jetzt haben wir sogar noch mehr Kontrolle, weil wir unsere Unabhängigkeit vertraglich festgehalten haben. Der einzige Unterschied bei dem Major-Label ist, dass wir so viele neue Leute kennenlernen. Man kann die gar nicht alle kennen lernen und sich mit ihnen über Musik unterhalten. Oder es interessiert sie einfach nicht.
Ihr erhaltet auch eine ganze Menge mehr Beachtung als früher! Hier in Deutschland seid ihr bei MTV sehr präsent. Sie kreieren einen Hype um euch!
Pelle: Klar wollen sie das. Major-Labels existieren eigentlich nur - im Guten wie im Schlechten - um Platten zu verkaufen. Aber das weißt du auch, wenn du den Vertrag mit ihnen unterschreibst. Dass sie mit deiner Platte Geld verdienen wollen. Das fällt bei Independent-Labels einfach nicht so auf. Sie funktionieren genauso, aber sie benehmen sich nicht so. Aber wir haben jetzt verstanden, wie der Hase läuft. Diese übermäßige Öffentlichkeit ... Wir sind stolz auf das, was wir vollbracht haben, also scheuen wir die Öffentlichkeit nicht. Wir müssen uns für nichts schämen.
Aber es ist doch interessant, dass der Hype um euer neues Album in Deutschland losgeht. An dem Ort, wo ihr eure ersten Erfolgserlebnisse hattet.
Pelle: Das stimmt. Wir haben schon viel in Deutschland gespielt. Wir haben 2001 ja auch schon mal hier auf dem Southside gespielt.
Habt ihr denn keine Angst, dass die Fans euch sell-out vorwerfen?
Pelle: Nein, denn sie wissen nicht, warum wir diesen Vertrag unterschrieben haben. Wir sind ja praktisch von unserem Independent-Label verkauft worden ...
... das an sich ja auch schon ziemlich groß ist ...
Pelle: ... ja, Epitaph ist schon ein großer Indie-Laden. Also, Burning Heart haben uns an Epitaph verkauft, und die haben uns an Warner verkauft. Wir dachten uns, wenn wir schon bei einem Major-Label sein müssen, dann zu unseren eigenen Konditionen.
Chris: Der einzige Weg, um die totale Kontrolle über die Band zu behalten, war, einen dicken Vertrag aufzusetzen. Mit einem großen Label. Denn das ist uns immer das Wichtigste gewesen, die Kontrolle über unser Schaffen zu behalten. Wenn andere jetzt denken wir wären sell-outs, dann ...
Pelle: ... Fuck 'em!
Chris: Yeah!
Pelle: Ich kümmere mich nicht wirklich um solche Vorwürfe. Wir kennen das ja schon länger. Aber so viele unserer Lieblingsplatten sind auf Majors rausgekommen. Das zeigt doch am besten, wie egal das ist: The Ramones, The Clash, die Sex Pistols.
Könnt ihr euch erklären, warum ihr im Moment das Aushängeschild des Scandinavian Rock seid, und nicht Vorreiter wie Gluecifer und die Hellacopters?
Pelle: (überlegt lange) Ich denke, wir waren die ersten, die in Großbritannien und in den USA erfolgreich waren, also da, wo die ganzen großen Musikzeitschriften beheimatet sind, den der Rest der Welt dann liest.
Was ist mit eigentlich an dieser Randy Fitzsimmons-Geschichte dran? Dass dieser mysteriöse Typ die Band zusammengebracht und ihr die Musik gegeben hat? Randy Fitzsimmons gibt es doch nicht wirklich, oder?
Chris: Natürlich gibt es den!
Pelle: Er hatte die Idee mit der Band und hat uns zueinander geführt.
Chris: Und er gehört immer noch zur Band.
Ihr musstet ihn nicht mit dem Major-Deal über Bord werfen?
Chris: (lacht) Nein! Er kommt mit dem Band-Paket. Er möchte auf keinen Fotos erscheinen und er gibt auch keine Interviews. Er bleibt im Hintergrund. Normalerweise kommt er auch nicht mit auf Tour. Manchmal kommt er zu einer Show, aber normalerweise bleibt er zu Hause.
Ist er aus euerer Gegend?
Pelle: Das dürfen wir leider nicht verraten.
Aber er kommt aus Schweden!
Pelle: Das könnte sein. Wir verraten nichts.
Wisst ihr, dass Larry Hagman, der Stinkstiefel aus der Achtziger-Serie "Dallas", ein großer Fan von euch ist?
Pelle: Ja, das ist uns bekannt. Er ist schwer krank und wird wohl nicht mehr lange unter uns weilen. Das ist sehr schade. Er hat einen schweren Leberschaden vom vielen Alkohol. Seine Leber hat er schon ersetzt bekommen, aber die Neue hat er mittlerweile auch durch. Als sie ihm die dritte Leber geben wollten, sagte er, sie sollten sie lieber jemand anderem geben, weil er sie sowieso nur zerstören würde. Wir haben ihn mal bei der Conan O'Brien Show getroffen.
Er war auf seine Art ja immer sehr stylish, so wie ihr es auf eure Art seid.
Pelle: Ja, mit seinem Cowboy-Hut. In "Dallas" konnte man ja auch immer sehen, dass er zu viel trank. Da gab es immer Whisky. Wenn er in den Raum kam, hat er sich immer erstmal einen eingeschenkt.
Chris: Vielleicht war das ja nur Tee ...
Pelle: Vielleicht aber auch Whisky!
Heute spielt ihr ja als Vorletzte auf der Hauptbühne, direkt vor The Cure. Macht euch das was aus? Ist es ein großer Unterschied, mittags zu spielen oder abends?
Chris: Es ist viel besser, später zu spielen. Je später du spielst, desto besser. Die Sonne scheint dann nicht so stark.
Pelle: Wir wollen, dass es so dunkel wie möglich ist. Heute sind wir sogar noch ein bisschen früh dran. Gestern auf dem Hurricane sind wir erst so um Zehn auf die Bühne, da wurde es schon dunkel. Was die Leute angeht: Es macht keinen Unterschied für uns, und wenn wir vor neun Leuten spielen. Wir spielen einfach.
Ok. Dann lade ich neun Kumpels zu mir ein, und ihr kommt dann vorbei und spielt in meinem Wohnzimmer!
Pelle: Das machen wir!
Mehr Bilder von den Hives auf dem Southside-Festival 2004 gibts hier!
Das Interview führten Mathias Möller und Martina Schmid
Veni Vidi Vicious (2000), Barely Legal (1997)
| Fr | 21.06.2013 | The Hives Southside Festival (Neuhausen ob Eck) | |
| Sa | 22.06.2013 | The Hives Hurricane Festival (Scheeßel) |
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"THE GERMANS LOVE US! Tough and tender with a unisex gender. See you dear friends." Nick. Noch Fragen?
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