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The Doors

"If the doors of perception were cleansed every thing would appear to man as it is: infinite. For man has closed himself up, till he sees all things thro' narrow chinks of his cavern", schreibt der englische Maler und Dichter William Blake 1790 in seinem Werk "The Marriage of Heaven and Hell" "Wären die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene dem Menschen alles so, wie es ist - unendlich. Denn der Mensch hat sich selbst eingesperrt, sodass er alle Dinge nur durch die engen Ritzen seiner Höhle sieht."

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Den Menschen von seinen selbst auferlegten Beschränkungen zu befreien, ist das Ziel, dem sich die Doors bei ihrer Gründung verschreiben. Damit entpuppen sie sich als stereotypische Vertreter der 60er Jahre, die durch freie Ausdrucksformen, Poesie, Sex und halluzinogene Drogen eine bessere Welt gründen möchten. Das enorme Interesse, das die Band nach wie vor erzeugt, hängt vor allem mit der Figur des früh verstorbenen Sängers Jim Morrison zusammen.

1965 kommen die Kunststudenten Morrison und Ray Manzarek an der University of California in Los Angeles zusammen. Morrison ist auf der Suche nach einer musikalischen Begleitung für seine Gedichte, der Orgelspieler Manzarek möchte dagegen ein Rock'n'Roll-Star werden. Zu ihnen gesellen sich Gitarrist Robbie Krieger und Schlagzeuger John Densmore.

Morrison behauptet, den Geist eines verstorbenen Indianers in sich zu tragen, und sieht sich als Schamane. Als belesener Fan von Rimbaud und Nietzsche steuert er tiefgründige Texte bei, die von Leben, Tod und dem Sinn der Dinge hinter ihrem Anschein handeln. Um seine Worte weben Manzarek, Krieger und Densmore Klangteppiche, die auf dem Bluesschema gründen, aber auch Rock- und Soul-Elemente sowie lange Instrumentalsoli beinhalten.

Die stellenweise verstörende Intensität ihrer Musik und die Bühnenpräsenz Morrisons, der sich wie im Trancezustand zu lasziven Worten und Gesten bewegen lässt, machen die Doors schon bei ihren ersten Auftritten im "London Fog" am Sunset Boulevard bekannt. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum erscheint 1967 und beinhaltet die Grundlage des zukünftigen Kultes: Das Manifest "Break On Through (To The Other Side)", das Brecht/Weill-Cover "Whiskey Bar", eine tiefenpsychologische Ödypus-Parabel ("The End", mit seiner zensierten Zeile "mother, I want to fuck you"), aber auch leichtere Kost wie "Twentieth Century Fox" oder ihre erste erfolgreiche Single, das Krieger-Stück "Light My Fire". Als die Doors es live bei der beliebten Ed Sullivan-Show vorführen und "time to get much higher" nicht wie angeordnet mit "time to get much better" ersetzen, sorgen sie für einen Skandal. Hohe Einschaltquoten und landesweite Schlagzeilen festigen ihren Ruf: Für die einen sind sie lästige Krawallmacher, für die anderen unbestechliche Künstler.

Es folgen vier schicksalsträchtige Jahre. Fünf weitere Studioalben erreichen zwar nicht mehr die Güte des Debüts, enthalten aber mehrere gute Songs, darunter "People Are Strange" ("Strange Days", 1968), "Hello, I Love You", "Spanish Caravan" ("Waiting For The Sun", 1968), "Roadhouse Blues" ("Morrison Hotel", 1970) oder "L.A. Woman" ("L.A. Woman", 1971). Mit der Zunahme des Erfolges erliegt Morrison jedoch dem Kult um seine Person und verliert sich in einem Drogen- und Alkoholsumpf. Aufgedunsen und kaum ansprechbar sorgt er 1969 für einen Eklat, als er bei einem Konzert in Miami seine Hose fallen lässt. Es kommt zu einer Massenschlägerei, bei der ihn die Polizei verhaftet. Ein Jahr später kommt er beim viel beachteten Prozess wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses glimpflich davon.

1971 zieht Morrison nach Paris, um Abstand vom Rummel zu gewinnen. Am 3. Juli findet ihn seine Freundin Pamela Courson tot in der Badewanne seines Hotelzimmers. Der Arzt stellt eine "natürliche Todesursache" fest, die Beerdigung erfolgt hastig und ohne Autopsie. Elemente für eine Anzahl an Verschwörungstheorien sind also reichlich vorhanden, zumal Courson als einzige Zeugin wenige Monate später an einer Überdosis Heroin stirbt. Auch wenn immer wieder jemand behauptet, Morrison lebend gesichtet zu haben, verwandelt sich sein Grab im Pariser Friedhof Père-Lachaise zu einem viel besuchten Wallfahrtsort.

Während sich die übrig gebliebenen Mitglieder mit einer undankbaren Begleiterrolle abfinden müssen, wird Morrison mit kurz zuvor verstorbenen Jimi Hendrix und Janis Joplin zum Symbol der Hippiezeit. Zwar veröffentlichen die Doors mit "Full Circle" und "Other Voices" zwei weitere Alben, stoßen aber kaum noch auf Aufmerksamkeit. Nach "An American Prayer", einer Vertonung von Gedichten, die Morrison zu Lebzeiten auf Band gesprochen hatte, lösen sie sich 1978 endgültig auf.

Zahllose Live-Mitschnitte, Artikel und Bücher halten das Interesse an der Gruppe unverändert hoch, vor allem unter heranwachsenden Jugendlichen, die sich in Morrisons Gedanken wieder finden. Der Umgang mit dem Erbe führt immer wieder zu medienträchtigem Rummel unter seinen Mitstreitern. Schlagzeuger Densmore, der sich strikt gegen eine kommerzielle Ausbeutung des Liedgutes wehrt, veröffentlicht 1990 mit "Riders On The Storm" eine bittere Abrechung und legt sich vor allem mit Manzarek an. Der Keyboarder ist so beleidigt, dass er zwei Jahre später Oliver Stones sehenswerte Hommage "The Doors" boykottiert und jede Gelegenheit nutzt, den Film und Densmore nieder zu machen, bevor er selbst eine Biografie ("Die Doors, Jim Morrison Und Ich", 1999) verfasst.

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In neuen Jahrtausend streiten sie sich weiter - diesmal um die Rechte um den Namen Doors Of The 21st Century. Densmore und Morrisons Eltern reichen 2003 eine Klage gegen Manzarek und Krieger ein, um ihrem Live-Treiben ein Ende zu setzen. Mit ihrer Strategie haben sie jedoch nur teilweise Erfolg: Ian Astbury von The Cult liefert nicht nur optisch eine glaubwürdige Personifizierung Morrisons, er kommt auch bei den Fans gut an. Als das Gericht 2005 Densmore recht gibt, nennt sich die Band in Riders On The Storm um.

Die nächste Hiobsbotschaft folgt auf dem Fuß: Im Februar 2007 gibt Astbury nach einer Europa-Tour bekannt, dass er sich in Zukunft wieder vollzeit The Cult widmen will. Krieger und Manzarek stehen wieder alleine da, doch die mittlerweile verschmutzten Türen der Wahrnehmung öffnen sich wieder, zumindest um einen Spalt: Pünktlich zum 40. Jubiläum des Erscheinens des ersten Albums kommen am 23. März die sechs alten Doors-Platten mit Jim Morrison in neu abgemischter Fassung wieder auf den Markt, begleitet von zwei Best Ofs und Remixen von Paul Oakenfold, Adam Freeland und Crystal Method.

Am 28. Februar des Jahres werden die Doors für ihr musikalisches Werk mit einem Stern auf Hollywood Walk Of Fame geehrt. An der Verleihung des 2329. Sterns nehmen sowohl Gitarrist Krieger als auch Keyboarder Manzarek und Morrisons Neffe Dylan Graham teil - Drummer Densmore erscheint nicht zur Zeremonie, lässt jedoch von Graham eine Rede verlesen. Unter den Augen Hunderter Fans bedankt sich Krieger für die "unglaublichen 40 Jahre".

Derweil stellen Krieger und Manzarek ihren neuen Sänger für Riders On The Storm vor. Der ehemalige Fuel-Sänger Brett Scallions soll Astburys Nachfolge antreten. "Brett ist hiermit an Bord und wir sind sehr glücklich darüber, da er eine tolle Stimme und unglaubliches Charisma besitzt", lobt ihn Manzarek. Kollege Krieger ergänzt sicherheitshalber: "Jim Morrison wird nie zu ersetzen sein und das war auch nie Absicht des Projekts. Es geht uns darum, dem riesigen Werk, das wir mit Jim geschaffen haben, im Live-Kontext eine Stimme zu geben."

Ihre nächste Welttournee 2011 bestreiten Manzarek und Krieger unter dem Namen "Ray And Robby From The Doors". Doch bald darauf sollte diese langanhaltende Freundschaft vom Schicksal auseinandergerissen werden: Am 20. Mai 2013 erliegt Manzarek im Alter von 74 Jahren einem Krebsleiden. In der RoMed-Klinik in Rosenheim verstirbt er im Kreise seiner Familie. Krieger trauert um seinen "musikalischen Bruder" und schreibt: "Ich bin froh, dass ich im letzten Jahrzehnt so viele Doors-Lieder mit ihm spielen konnte. Ray war ein riesiger Teil meines Lebens. Ich werde ihn immer vermissen."

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