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Ja, es ist ein mächtiges, üppiges Werk, fast möchte man von einem Opus sprechen. Allein die unglaubliche Vielfalt an Instrumenten: Von der Pedal Steel-Gitarre, der Mandoline und dem Akkordeon über die Hammond-Orgel, Geigen und Celli bis hin zu solch seltsamen Apparaten wie dem Marxophone (einer Art Zither). Nicht zu vergessen die E-Gitarren!
Schließlich möchten die Dezemberisten aus Portland auf ihrem Nachfolger zum großartigen "The Crane Wife" laut Pressetext eine Brücke bauen "zwischen Folk und Metal". Mein lieber Scholli, denkt man da zunächst, wenn das mal nicht in die Hose geht. Tatsächlich mag man seinen Ohren kaum trauen, als nach einem dräuenden, langsamen Anfang heftige Gitarren ausgepackt werden.
Im Verlauf der Platte aber wird klar, dass der Gegensatz Mandoline vs. E-Gitarre hier genauso seinen Zweck erfüllt wie die gesanglichen Zwiegespräche der Protagonisten des Konzeptalbums. Dialektik wird groß geschrieben auf diesem Werk, das seine Mitte in der Synthese aus Folk und Rock findet. So wie man sich anfänglich mit dem floralen Coverdesign schwer tut, braucht es auch seine Zeit, um Arrangements und Instrumentierung schätzen zu lernen.
Und keine Angst, liebe Folk-Gemeinde: Mastermind Colin Meloy und seine Mitstreiter haben es nicht übertrieben mit den Metal-Anleihen. Alles ist sehr ambitioniert und mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Lang ist der epische Atem, für ungeduldige Geister ist "The Hazards Of Love" kaum geeignet. Wer auf knackige Singles und leicht verdauliche Singalongs steht, der lasse bitte hiervon die Finger!
Alle anderen erwartet die tragische und, ja, auch etwas süßliche Geschichte von Margaret und ihrem Lover William (herrlich, diese Namen). Zum Personal gehören des Weiteren: eine "forest queen" (Gastsängerin Shara Worden), ein Formwandler ("shape-shifting animal"), sowie ein Wüstling ("rake"), der es auf die arme Margaret abgesehen hat. Sehr schön: die gezeichneten Porträts der Protagonisten im Booklet, die einem das Einfühlen in die Story erleichtern (by the way: Es wird höchste Zeit, dass das schlecht beleumundete Prinzip "Konzeptalbum" rehabilitiert wird!).
Die Decemberists entführen uns in eine Welt, die mal an tiefstes Mittelalter, mal an Fantasy oder gar Horror erinnert und einige Gänsehaut-Momente bereithält. Etwa die Stelle, an der Margaret und William – verkörpert von Becky Stark von Lavender Diamond und Colin Meloy – in "Isn't It a Lovely Night" erstmals duettieren: "And here we died our little deaths". Dazu eine jammernde Pedal-Steel, was will man mehr? Anrührend auch das Ende der Geschichte: "And when the waves came crashing down, he closed his eyes and ..." (Alles sei hier nicht verraten).
Zu Ermüdungserscheinungen kann allerdings führen, dass Motive wiederholt auftauchen. Aber wir haben es eben nicht mit einer Sammlung selbstständiger Stücke, sondern einem kohärenten, narrativen Werk zu tun, das als Ganzes rezipiert sein will. Und was wäre etwa ein Thomas Mann ohne Leitmotive? Von Tracks im eigentlichen Sinne kann hier keine Rede sein.
Die Übergänge sind fließend, das Titelstück ist in nicht weniger als vier Parts zerstückelt ("The Hazards of Love 1-4"). Dass man sich nach Genuss der einstündigen Rockoper seltsam verbraucht fühlt, kommt der Empfindung nahe, die sich einstellt, hat man einen dicken Roman endlich bezwungen. Wann hat man Vergleichbares zuletzt über eine Platte sagen können?
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Imho sind 4 Punkte einer zu wenig. 
Und das mit dem "verbraucht fühlen" kann ich mal so gar nicht nachvollziehen. Klar sind die ersten drei vier Mal Durchhören noch ein wenig anstrengend weil der gute Colin die Worte teilweise ziemlich "herausnöhlt" und das in Verbindung mit dem teilweise doch recht archaischen Wortschatz zu Textverständnisproblemen führen kann.
Hat man diese Hürde allerdings einmal genommen, dann taucht man ganz schnell in die Welt von Margaret und William ein, vorallem da das Ganze imho keineswegs langatmig ausfällt.
"The Wanting Comes in Waves" wirkt z.B. trotz seiner gut 6 Minuten keinesfalls sperrig, sondern verleiht dem Ganzen erst die nötige Dynamik und ähnlich verhält es sich mit den restlichen Stücken (einzig und allein das Intro hätte ein wenig kürzer gehalten werden können).
nach den ersten (hör)eindrücken ... ist es ein großartiges album.
im moment würde ich aus dem bauch heraus sagen, dass es "picaresque" und "crane wife" stehen lässt.
wahrscheinlich auch, weil in den "härteren" songs deep purple eine nicht unerhebliche zitatenquelle hergeben.
Tschaaahaha wie soll ich sagen.
Die "Decemberists - Picaresque" war für mich - um mal in der Sprache unserer Zeit zu schreiben - mindblowing.
Die hab ich gehört und dachte "wtf?!11einseins, was sind denn das für welche? Ist das alt? Ist das neu? Sind das Seefahrer?"
Dann bin ich losgerannt und hab nicht mit dem rennen aufgehört, bis ich die Platte hatte. Und jeder Song war eine Offenbarung, sofort und für alle Zeit. Da musste nichts erklärt werden.
Die Crane Wife hatte dann nicht mehr den Überraschungsschlag auf ihrer Seite, konnte aber durchaus mithalten.
Bei der Platte hier weiß ich nicht so recht. Technisch schön, wahrscheinlich die beste bisher, auf keinen Fall schlecht. Aber ich vermisse die großen Melodien.
Klingt, als wären die Songs mehr in Jamsessions entstanden als geschrieben worden. Was ja nichts schlechtes ist.
Aber das ganze ist irgendwie fast schon so Richtung Transatlantic. Progrock-Folk.
Was ich sagen will: "Wäääääääwäwäwäwäwäwäwäwäwä ich mach euch jetzt die Platte mies weil ich sie nicht so dolle find, so, bätsch".
Was passiert eigentlich wenn man das besagte Gefühl von Ratatui zuerst bei "The Hazards Of Love" hatte? Man kannte ja vorher diese Band leider noch nicht. Man zäumt das Pferd also von hinten auf...Picaresque und Crane Wife sind daher bereits irgendwie Material auf welches man gefasst ist. Schon merkwürdig diese Musik 
Decemberists klangen für mich schon immer sehr sehr nach Jethro Tull der Phase 72 bis 78 (von "Thick as a Brick" und "A Passion Play" bis "Heavy Horses"). Der Konzept-Ansatz, die Rückwärtsgewandtheit, der Theaterbezug, Folk-Instrumente, Kinderchöre. Und diese Platte klingt nochmals so dermaßen nach 70er Jahre, ... mir fehlt da ein klein wenig die (selbst)ironische oder irgendwie sonstige Brechung.




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