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Teitur Lassen beglückt uns mit seinem dritten Album, und es ist Zeit für ein Geständnis: Dieser Mann macht mich fertig. Ob im Konzert oder vor der heimischen Stereoanlage, niemand setzt mir so verlässlich die sprichwörtliche Träne ins Knopfloch wie der Blondschopf von den Färöer-Inseln.
Denn niemand bringt das Alleinesein und das Ungeliebtsein so auf den Punkt wie der Singer/Songwriter. Sein schlicht betiteltes "The Singer" schreibt in dieser Geschichte ein weiteres Kapitel. In elf Stücken mit gut 52 Minuten Spielzeit entführt er den Hörer in seine eigene, kleine Welt.
Absolut entwaffnend beginnt der Titeltrack mit der einfachsten alles Feststellungen: "I always had the voice and now I am a singer ... I sing about my loneliness and in return they thank me." Ein Vibraphon, eine Viola und ein paar entrückte HintergrundsängerInnen untermalen den Song, der dadurch immer noch spartanisch bleibt.
Überhaupt fällt auf, dass "The Singer" das bis dato am reichsten instrumentierte und arrangierte Album Teiturs ist, was allerdings nicht bedeutet, dass eine komplette Neuausrichtung im Sound stattfindet. Im Gegenteil. Der Musiker bleibt seiner Linie treu, leise, zerbrechliche Melodien sind immer noch sein Markenzeichen.
Weitgehende Zurückhaltung prägt auch die meisten weiteren Stücke, und manchmal muss man auch über Teitur schmunzeln, denn er wälzt sich nicht einfach in seinem Leiden, er bringt auch eine gehörige Portion Humor mit: "You are reminding me of jazz, you are sometimes too fast!" heißt es in "Your Great Book", der Songtitel "Start Wasting My Time" kehrt die gängigere Forderung, doch bitte in Ruhe gelassen zu werden, ins Gegenteil.
Aber meistens bemüht er sich nach bestem Gewissen, den Hörer an seiner Traurigkeit teilhaben zu lassen. So ist er in das "Girl I Don't Know" verliebt oder singt über seine Verflossene. Dabei steht seine markante Stimme immer erfreulich im Vordergrund, auch wenn er, wie in "We Still Drink The Same Water", auf eigensinnige, aber wohlklingende Art von einem kleinen Salonorchester begleitet wird.
Und auch auf "The Singer" findet sich eine Upbeat-Nummer, die Teitur und dem Zuhörer einen kurzen Ausbruch aus der schön ausstaffierten Tristesse bietet: In "Catherine The Waitress" flirtet er mit einer Bedienung, wenn auch nur in seinem Kopf. Dazu plöngelt lustig das Vibraphone.
So nett die Abwechslung ist, wenn Herr Lassen danach wieder in seine Melancholie verfällt, fällt man gerne mit. Denn er ist der König der Traurigkeit, und in sein Reich folgt man willenlos. Vor allem, wenn er seine Stücke so atemberaubend schön instrumentiert wie das sechsminütige "Legendary Afterparty", das sich galant von Höhepunkt zu Höhepunkt steigert.
Wirklich düster wirds mit "Guilt By Association" ("Based on a true story" steht drunter), in dem es um einen tödlichen Jagdunfall geht. Bedrückend lang ist die Nummer, nach hinten heraus lässt sich Teitur manchmal ein bisschen viel Zeit mit seinen Stücken.
Das soll aber nur ein kleiner Kritikpunkt sein, insgesamt ist "The Singer" das bis dato reifste Werk Teiturs. Auch wenn das Cover sicher eines der grauslichsten des Jahres ist. Dennoch: Ein Muss, auch wenn die Tage wieder länger werden.
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