- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Wegen ihrer geplanten Tarifreform steht die GEMA in der Kritik. Nun gibt die Verwertungsgesellschaft nach, zumindest vorerst.
München (huz) - Leises Aufatmen bei deutschen Partyveranstaltern: Die GEMA hat ihre für April 2013 geplante Tarifanpassung auf Juni verschoben. Dann nämlich wird die Entscheidung der zuständigen Schiedsstelle des Patent- und Markenamtes über die Causa erwartet, die die Verwertungsgesellschaft jetzt wohl doch abwarten will.
Bereits im September hatte sich die Organisation dem öffentlichen Druck gebeugt und die Reform auf April verschoben. Georg Oeller, Vorstandsmitgleid der GEMA, lässt jetzt sogar noch weiter hoffen: "Im Hinblick auf das zweite Halbjahr 2013 wird derzeit noch verhandelt."
Die Konferenz der deutschen Wirtschaftsminister hatte genau diesen Schritt zur Vernunft zuletzt gefordert. Ursprünglich war seitens der GEMA eine Tarifanpassung zum Jahreswechsel beschlossen worden, die die Abgaben der Clubs teilweise um mehrere hundert Prozent erhöhen würde - für viele Betreiber hätte das den Ruin bedeutet.
Die Gema ist ein Hurensohn und als Thematik völlig egal. Einstampfe den korrupten Kackverein.
@Ragism:
Das kann sich noch ewig hinziehen, wird jede Menge Probleme aufwerfen und von der Möglichkeit, daß sich an den Tarifen wirklich was ändert, hab' ich da auch noch nichts gelesen. C3S hat irgendwelche Pauschalaussagen veröffentlicht von wegen "Abkehr von den Flächentarifen" - ist ja schön und gut, aber das heißt noch lange nicht, daß dadurch die Clubbetreiber entlastet werden würden.
Gruß
Skywise
Aber selbstverfreilich ändert sich dadurch alles, lieber Skywise. Die Verwertungsgesellschaft will Software die Analysen von Musikstücken durchführen lassen, die bei einer Veranstaltung gespielt werden. Mittlerweile sind diese Programme sehr weit fortgeschritten und längst in der Praxis einsetzbar.
Will also ein Clubbetreiber nicht pauschal einen viel zu hohen Betrag an die dubiose GEMA mit ihren zweifelhaften Abrechnungsentscheidungen bezahlen, verpflichtet er nur noch Künstler, welche sich von einer der moderneren Verwertungsgesellschaften vertreten lassen.
Die Vorteile für Künstler sind sogar noch viel entscheidender: Sie können nämlich frei entscheiden, nach welcher Lizenz sie einen Track zur Verfügung stellen. Bisher hatten sie dazu nie die Möglichkeit, denn sind sie einmal bei der GEMA, "gehört" ihr der gesamte Katalog an Stücken, die sie schreiben. Es ist also unmöglich, mal einen Track kostenlos für eine gute Sache zur Verfügung zu stellen, was auch mit der hoffnungslos veralteten Methode der GEMA zusammenhängt.
Und zu guter Letzt können Künstler selbst entscheiden, wie hoch die Gebühren für einen Track sein sollen, welche außerdem noch jederzeit anpassbar und flexibel sein können. All dies kann durch Software erledigt werden und erübrigt die millionenschwere Arbeit mit der GEMA-Stasi.
@Ragism:
Und der Clubbesitzer kommt überhaupt nicht um die GEMA rum, wenn er Material der GEMA spielt, heißt auch: wenn ein DJ ein GEMA-Stück als Quelle für ein Sample oder für einen Mix verwendet. Somit zahlt er also sowohl an die GEMA als auch an C3S. Somit muß der Clubbesitzer mit zwei Verwertungsgesellschaften abrechnen und gegebenenfalls doppelt zahlen, da einmal für das Ursprungsmaterial (GEMA) gezahlt werden muß wie auch für die Bearbeitung (Remix/neues Stück). Und damit soll er günstiger fahren?
Ich sehe im Augenblick auch keinen Vorteil für Künstler, die alle ihre Werke entsprechend lizenzieren wollen. Und da ich erst mal davon ausgehe, daß eine Menge der etablierten Künstler und vor allem ihre Erben genau das wollen, beißen sich da einige Katzen selbst in den Schwanz.
Dieses Konzept halte ich beim besten Willen nicht für ausgereift und bis es erst mal funktionsfähig ist, ist das ein Arsch voll Arbeit, weil sämtliche Titel separat erfaßt werden sowie diverse Fehlerkorrekturen vernünftig eingebaucht werden müssen, von Verhandlungen mit diversen Kooperationspartnern im In- und Ausland will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.
Gruß
Skywise
Im Ausland sind ähnliche Verwertungsgesellschaften schon längst üblich. De facto findet sich nirgendwo auf der Welt ein ähnlich antiquierter Verein mit einem ähnlichen Verwertungsschlüssel wie die GEMA. Und nein, er muss nicht doppelt zahlen, denn an die GEMA muss er momentan sowieso den vollen Betrag für alle verwendeten Stücke berappen, unabhängig davon ob sie bei der GEMA erfasst sind oder nicht. Erst im Nachhinein wird er von der GEMA wieder Geld zurück erhalten. Und wenn ein Künstler ein GEMA-Stück sampelt und bearbeitet, trifft exakt dieselbe Problematik doch ebenso ein: Der Clubbesitzer muss für den Remixer als auch an den Künstler des Originals bezahlen.
Ganz abgesehen davon, daß diese moderneren Verwertungsgesellschaften die GEMA über kurz oder lang vollkommen ersetzt haben werden, werden sowohl Künstler als auch Clubbesitzer C3S und andere Formen mit offenen Armen empfangen, da diese für sich betrachtet für beide nur Vorteile bringen: Die Künstler können selbst entscheiden, wie viel sie für ein Stück verlangen wollen und werden direkt bezahlt. Selbstredend ist es auch für die Clubbesitzer günstiger, denn er muss keine Kulturstasi mitfinanzieren. All die Arbeit wird von einer Software erledigt, die sehr viel präziser, schneller und gerechter abrechnen kann als ein GEMA-Spion.
Schon heute ist der Markt voll von Musikerkennungssoftware, für die das Hinzufügen neuer Einträge nur Sekundenbruchteile benötigen wird. In jeder Hinsicht ist dieses System transparenter, kostengünstiger, effizienter und gerechter für die kulturerhaltenden Institutionen in diesem Land.
Tut mir leid, mein Bester, aber Deine Fanbettwäsche der GEMA wird in ein paar Jahren einen Platz im Antiquatiat finden müssen.
@Ragism:
Wenn der Clubbesitzer an die GEMA zahlen muß, tut er das nach meinem derzeitigen Kenntnisstand aufgrund eines Pauschalvertrags. Das war doch einer der Hauptkritikpunkte von C3S, wenn ich mich richtig erinnere: die Abrechnung erfolgt aufgrund einer Hochrechnung, nicht aufgrund einer Dokumentation. Wenn also jemand an einem Abend GEMA-Material spielen sollte, greift dieser Pauschalvertrag. Wenn jemand noch zusätzlich C3S-Material spielen sollte oder Material der GEMA remixen sollte, greifen hier praktisch die Einzelabrechnungen der neuen Verwertungsgesellschaft. Wo ist also die Ersparnis für den Clubbesitzer?
"Die Künstler können selbst entscheiden, wie viel sie für ein Stück verlangen wollen" - nun ja, da frage ich mich, wie das funktionieren soll. Wird das Dingens im Radio gespielt oder auf einer Tanzfläche oder von einem anderen Künstler gecovert oder gesampelt, würde ich sagen, daß da unterschiedliche Tarife zur Anwendung kommen sollen. Und das muß alles pro einzelnem Stück festgelegt werden, noch dazu muß geklärt werden, was "kommerzielle Nutzung" überhaupt bedeuten soll ...
"Muß keine Kulturstasi mitfinanzieren" - jetzt mal abgesehen von dieser abgewichsten Einordnung als "Stasi", für die Dir normalerweise jeder einzelne Mensch, der der Stasi einen Aufenthalt in einem DDR-Knast zu verdanken hat, eine entsprechende Erfahrung an den Hals wünschen wird, einfach nur, damit Du mal den Unterschied merkst - auch C3S haben deutlich gemacht, daß sie nicht umsonst arbeiten werden und können und auch hier eine Förderung von Kultur stattfinden wird. Und im Augenblick wüßte ich nicht, was die Entwicklung ähnlicher Strukturen wie bei der GEMA verhindern sollte. Und solange ich nicht weiß, wie das genau im Hintergrund laufen wird, wird das für mich kein Verein werden, den ich als Heilsbringer abfeiern werde.
"All die Arbeit wird von einer Software erledigt" - sofern sie eingesetzt wird, schon klar. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß Du bei einem Live-Konzert eine solche Software zum Laufen bringen wirst, geschweige denn auf einem Volksfest, bei dem jeder Autoscooter und jede Weinlaube ein separates Programm fahren, teilweise noch mit Cassetten ... es bleibt dennoch eine öffentliche Wiedergabe eines urheberrechtlich geschützten Werks. Musik kann man auch ohne Software machen, und ich bin ehrlich gesagt nicht davon überzeugt, daß alle Veranstalter oder alle Radiostationen eine entsprechende Software im Einsatz haben/haben können.
Ich habe keine Fanbettwäsche von der GEMA, und allein der Umstand, daß Du Dir das immer und immer wieder einredest, macht meinen Wäscheschrank nicht voller. Aber es ist schön, daß Du Dir die Welt so machst, wie sie Dir gefällt und mich als GEMA-Fan abstempelst, der ich nicht bin. Hauptsache, wir bauen was Neues auf und reißen das Alte nieder, bevor wir uns Gedanken darum machen, warum das Alte so geworden ist, wie es nun mal ist, und ob man das vielleicht noch retten kann, ne? Du denkst zu kurz.
Gruß
Skywise
Das mit der GEMA-Stasi habe ich mir weißgott nicht ausgedacht, es ist eine übliche Formulierung, die unter Musikern und Clubbesitzern schon sehr geläufig ist. Mit denen scheinst Du ja seit jeher nicht viel am Hut zu haben, wirfst Du doch in jedem einzelnen Beitrag nur so mit scheinheiligen Rechtfertigungen und sachlich unhaltbaren Schönredereien der GEMA um sich. Den Namen haben sich die GEMA-Agenten aufgrund unlauterer Methoden eingehandelt. Der Großteil aller Musiker und Konsumenten verachtet die Geschäftsmethoden der GEMA, und dies aus guten und vielfach dokumentierten Gründen. Da Du noch nicht einmal darauf eingegangen bist, muss ich eben annehmen, daß Du entweder für sie arbeitest (daß sich auf der größten deutschen Musikplattform mindestens ein Angestellter des Vereins herumtummelt, wäre nicht weiter verwunderlich), oder aber eben ein "Fan" dieses Vereins bist.
Die Ersparnis des Clubbesitzers ist offenkundig, sobald er keine GEMA-pflichtige Musik mehr abspielt. Die Tarife für die einzelnen Musikstücke sind nur noch ein Bruchteil der Flächentarife der GEMA. Er zahlt weniger, der Musiker erhält aber trotzdem mehr, was aufgrund der unrentablen Arbeitsweise und der ungerechten Verteilung der Gelder innerhalb der GEMA kein Wunder ist. Da die meisten Clubbesitzer nicht in der Lage sind, die neuen Tarife zu bezahlen, und die meisten Musiker ebenfalls von C3S oder ähnlichen Gesellschaften profitieren würden, ist das Szenario gar nicht so abwegig.
Die einzelnen Tarife zur Nutzung im Radio, in Clubs oder auf Konzerten lassen sich mit wenigen Mausklicks einrichten. Noch einmal: Das ist Software, sie macht 90% der Arbeit, welche GEMA-Angestellte auch betriben, innerhalb von Sekundenbruchteilen.
Zu Deinen Beispielen: Eine Band muss natürlich selber den Minimalaufwand betreiben, die gespielte Trackliste einzureichen, um zusätzlich zur Gage noch die Gebühren einzuholen. Sobald jemand Musik abspielt, die gebührenpflichtig ist und er keine Nutzungsrechte hat, ist ebenso der Staat zuständig wie beim herkömmlichen Modell. Die Strafen dafür, daß jemand Musik von der GEMA abspielt ohne dort registriert zu sein, lässt sich beibehalten und dient ebenso zur Abschreckung wie bisher.
Das mit der GEMA-Stasi habe ich mir weißgott nicht ausgedacht, es ist eine übliche Formulierung, die unter Musikern und Clubbesitzern schon sehr geläufig ist. Mit denen scheinst Du ja seit jeher nicht viel am Hut zu haben, wirfst Du doch in jedem einzelnen Beitrag nur so mit scheinheiligen Rechtfertigungen und sachlich unhaltbaren Schönredereien der GEMA um sich. Den Namen haben sich die GEMA-Agenten aufgrund unlauterer Methoden eingehandelt. Der Großteil aller Musiker und Konsumenten verachtet die Geschäftsmethoden der GEMA, und dies aus guten und vielfach dokumentierten Gründen. Da Du noch nicht einmal darauf eingegangen bist, muss ich eben annehmen, daß Du entweder für sie arbeitest (daß sich auf der größten deutschen Musikplattform mindestens ein Angestellter des Vereins herumtummelt, wäre nicht weiter verwunderlich), oder aber eben ein "Fan" dieses Vereins bist.
Die Ersparnis des Clubbesitzers ist offenkundig, sobald er keine GEMA-pflichtige Musik mehr abspielt. Die Tarife für die einzelnen Musikstücke sind nur noch ein Bruchteil der Flächentarife der GEMA. Er zahlt weniger, der Musiker erhält aber trotzdem mehr, was aufgrund der unrentablen Arbeitsweise und der ungerechten Verteilung der Gelder innerhalb der GEMA kein Wunder ist. Da die meisten Clubbesitzer nicht in der Lage sind, die neuen Tarife zu bezahlen, und die meisten Musiker ebenfalls von C3S oder ähnlichen Gesellschaften profitieren würden, ist das Szenario gar nicht so abwegig.
Die einzelnen Tarife zur Nutzung im Radio, in Clubs oder auf Konzerten lassen sich mit wenigen Mausklicks einrichten. Noch einmal: Das ist Software, sie macht 90% der Arbeit, welche GEMA-Angestellte auch betriben, innerhalb von Sekundenbruchteilen.
Zu Deinen Beispielen: Eine Band muss natürlich selber den Minimalaufwand betreiben, die gespielte Trackliste einzureichen, um zusätzlich zur Gage noch die Gebühren einzuholen. Sobald jemand Musik abspielt, die gebührenpflichtig ist und er keine Nutzungsrechte hat, ist ebenso der Staat zuständig wie beim herkömmlichen Modell. Die Strafen dafür, daß jemand Musik von der GEMA abspielt ohne dort registriert zu sein, lässt sich beibehalten und dient ebenso zur Abschreckung wie bisher.
@Ragism:
Warum sollte ich darauf eingehen? Erstens treibe ich mich nicht auf diesen Propagandaseiten rum, weil sie in meinen Augen viel mit heißer Luft arbeiten, aber nicht mit stichhaltigen Argumenten (oder jedenfalls nicht mit stichhaltigeren als die GEMA), zweitens habe ich die GEMA selbst mehr als an einer Stelle ausführlich kritisiert, auch wegen Geschäftsmethoden und Stimmrechten etc. (und wenn Du auch nur die Hälfte meiner Antworten auf Deine Postings in der Vergangenheit nur mit ansatzweise angeschalteten Hirn gelesen hättest, wüßtest Du das auch sehr genau), drittens weiß ich nicht, was die "Mehrzahl der Musiker" sein soll, wenn die Mitgliedszahlen bei der GEMA sonderbarerweise nicht abnehmen, wenn ich mal die Geschäftsberichte der GEMA zurate ziehe, viertens geht es hier nicht um dieses Thema. Also - warum soll ich darauf eingehen?
Die Ersparnis des Clubbesitzers ist noch offenkundiger, wenn er weder GEMA- noch C3S-Musik abspielt. Mit diesem Argument lockst Du niemandem hinter dem Ofen hervor. So handeln die Clubbesitzer doch seit Jahr und Tag und ich wüßte momentan nicht, was die Kleinen dazu bringen sollte, C3S-Musik einzusetzen, bei denen sie mehr als jetzt zahlen müßten, oder was die großen Clubbesitzer bewegen sollte, auf GEMA-Musik zu verzichten, die ihnen immerhin den Laden füllt, bzw. auf zusätzliche C3S-Musik zu setzen, die sie weiteres Geld kostet, da sie die GEMA-Pauschale nicht ersetzt, sondern noch zusätzlich dazu bezahlt werden muß. Dieses "Wenn se mal" ist reine Zukunftsmusik, und damit meine ich im besten Fall nächstes Jahrzehnt, und selbst da nicht gleich. Solange keine parallele Lizenzen möglich sind und die GEMA trotz Austrittserklärung noch für sechs weitere Jahre die Rechte der Urheber wahrnimmt, wirst Du mit diesem Bild riesige Probleme haben, insbesondere dann, wenn man davon ausgeht, daß bereits verstorbene Komponisten diesbezüglich keine Willenserklärung mehr abgeben können, heißt: wahrscheinlich bis zum Ende des Schutzes, den das Urheberrecht gewährt, in der GEMA bleiben werden.
Das ist Software, die gefüttert werden muß, und damit meine ich nicht die Klicks, die anlaufen, sondern die Komponisten (wo ist eigentlich die Schnittstelle mit der GEMA, um zu kontrollieren, daß die Komponisten nicht dort gelistet sind, und um der GEMA-Vermutung Genüge zu tun?), die dazugehörigen Titel nebst entsprechender Verwertung etc. Eine solche Datenbank nebst funktionierender Abrechnung muß erst mal erstellt werden; bei der GEMA existiert sie schon, bei C3S weiß ich's nicht; Verknüpfungen zu diversen anderen Ländern und Softwaretypen dito.
Eine Band muß den Minimalaufwand betreiben, richtig. Aber der Autoscooter oder der Weinstand muß das im Prinzip nicht - die sind mit der Hochrechnung und der zu zahlenden Pauschale höchstwahrscheinlich zufrieden, weil das weniger Aufwand für sie bedeutet - das Tapedeck protokolliert die gespielten Titel jedenfalls nicht mit.
Gruß
Skywise
Es ist doch absolut lachhaft zu behaupten, die Clubbesitzer, Weinstände und Autoscooter würde es nicht jucken, GEMA-Tarife zu bezahlen, da sie einfacher seien. Sie sind schlicht viel zu hoch, unter anderem auch deswegen, da der Aufwand für ihre Erhebung ein viel zu großer ist. Ebenso, die Argumente der Gegenbewegung als Propaganda abzutun, welche lediglich jahrzehntealte Kritik an diesem Verein anführt und sie um aktuellere Beispiele bereichert. Propaganda hat eher etwas mit dem zwanghaften Bewerben und Verteidigen einer bestehenden Sache zu tun.
Daß die Mitgliederzahlen der GEMA nicht abnehmen, wird jemandem mit einem funktionierenden Gehirn auch auch als sehr schlüssig erscheinen, wenn er den schlichten Fakt betrachtet, daß es bisher keine andere Möglichkeit für Musiker gibt, auf diese Art entlohnt zu werden. Die GEMA ist die einzige Verwertungsgesellschaft in diesem Lande. Und - stell Dir vor - deswegen sind es auch und gerade Musiker, die bei der GEMA registriert sind, welche zu den schärfsten Kritikern zählen.
Bei dem Doppelt-Zahlen-Argument nutzt Du nur wieder die für Dich so typische Weise, die bestehenden Unrechtmäßigkeiten als gegeben anzunehmen und es so niemals eine Alternative geben kann. Mit der Zulassung neuerer Verwertungsgesellschaften würde logischerweise auch der GEMA-Zwang verschwinden, der einen Clubbesitzer z.B. verpflichtet nachzuweisen, daß er ausschließlich GEMA-freie Musik abgespielt hat um das Geld erstattet zu bekommen. Daß er dann automatisch von der GEMA und zusätzlich von C3S belangt wird, würde somit wegfallen, da er dann die entsprechenden Stücke bezahlt. Da über die Software von C3S die Abrechnung sehr viel schneller und günstiger abgewickelt wäre, wäre auch letzteres sehr viel attraktiver.
Also wenn ich mich hier mal einschalten darf: Wie zum Geier soll man denn zum Beispiel als DJ in einem Club kontrollieren, ob man nur GEMA-freie Musik spielt? Die Zeit, jede Platte nach dem GEMA-Logo abzusuchen, hab ich nicht, und die hat auch kein anderer, der seinen Job vernünftig macht. Das lässt sich nicht vermeiden, also ist nach deiner Idee definitiv eine doppelte Zahlung erforderlich, und das auf jeder Party.
Wenn das funktionieren soll muss C3S die GEMA komplett ablösen - und das wird wohl so schnell nicht passieren.
@Ragism:
Ich nehme die "bestehenden Unrechtmäßigkeiten" als gegeben hin, weil ich von gegebenen Tarifstrukturen ausgeben muß und von einem Verein, der überhaupt nicht auf Konkurrenz ausgerichtet ist. Wenn Du von irgendwelchen faireren Abrechnungsmethoden träumst, soll das Deine Sache sein, aber Du wirst es nicht schaffen, daß ich plötzlich wie Du ein nasses Höschen bekomme, weil ich von der Zukunft träume, in denen alles ach so herrlich in meinem Sinne geregelt ist. Ich erkenne nicht, daß die aktuelle Tarifstruktur oder die angedachte Tarikfstruktur in irgendeiner Form die Anzahl oder die Art der gespielten Stücke beachtet, geschweige denn lese ich aus irgendeinem Bericht etwas heraus, daß dieser Punkt in der näheren Zeit einer Überarbeitung bedarf. Heißt: die Tarifstruktur nach potentieller Anzahl der Besucher/Eintrittspreise bleibt erhalten und berücksichtigt eben nicht "logischerweise" irgendeine alternative Abrechnung. Also wird sich an den Tarifen der GEMA nichts ändern, und damit wird sich auch nicht vermeiden lassen, daß die C3S-Musik zusätzlich bezahlt werden muß.
Daß das in zwanzig Jahren schon wieder anders aussehen kann, mag ja sein, und ein faireres Abrechnungssystem wäre ja im Sinne vieler Leute, aber solange da draußen irgendwelche Vereine oder Einzeltäter rumlaufen, und sei es auch nur dem Geiste nach, die die GEMA korrupiert haben, sehe ich nicht, daß C3S vor Ähnlichen gefeit wäre. Dürfen ja nicht nur die Guten mitspielen und die Historie und Erfahrungswerte der alten Mannschaft sollen ja nach Deiner Vorstellung über den Haufen geschmissen werden ...
Gruß
Skywise
Fakt ist, dass wir JETZT ein neues faires und vor allem nicht korrputes System brauchen und nicht in 20 Jahren. ALLES wäre besser als das aktuelle Gema-Sytem welches vor Ungereimtheiten und Ungerechtigkeit nur so platzt.
@akademiker:
Nun ja, das wird schwierig. Normalerweise wäre das eine Sache, die man auf Europa- bzw. Welt-Ebene diskutieren müßte, denn dort gehört es seit Ausweitung des Internets eigentlich hin. Nur - Europa selbst kann man ja mehr oder weniger vergessen, da nicht nur wir all unsere politische Ausschußware dorthin wegloben ... die können Glühbirnen verbieten, aber die einzige wesentliche Entwicklung in Sachen Urheberrecht, die ich in den letzten Jahren mitbekommen habe (kreativer Bereich), ist die Verlängerung der Schutzrechte von 50 auf 70 Jahre. Ist hier noch nicht im Gesetz angekommen, kommt aber noch. Und Welt - ACTA, was ein erster Schritt in diese Richtung gewesen wäre, wurde ja von genug Leuten medienwirksam torpediert, obwohl die dahinter stehenden Gedanken gar nicht mal sooo verkehrt waren. Zugegeben - die Art und Weise, wie das Abkommen geboren wurden, war nicht die schönste, und an einigen der Formulierungen konnte man sich exzellent stören. Aber es mußte ja unbedingt versenkt werden ... Egal.
Dennoch würde ich es für zielführender halten, das alte GEMA-System zu überarbeiten und nicht über die Wupper zu schubsen. Nur braucht man dazu auch noch ein bißchen politische Schützenhilfe, denn einige der Probleme, mit denen die GEMA zu kämpfen hat, haben ihren Ursprung genau dort. Und der Fakt, daß einige Probleme ihren Ursprung dort haben, sorgt bei mir erst mal dafür, daß ich ein gerechtes C3S-System langfristig zunächst für unwahrscheinlich halte. Wenn jemand fuffzich Jahre lang die GEMA an der Nase rumführen kann, wüßte ich nicht, warum derjenige bei C3S was Anderes tun sollte. Abschrecken wird's ihn ganz sicher nicht ...
Gruß
Skywise
@Cyclonos:
Üb' Dich doch mal im Argumentieren:
..., weil ...?
Daß da nicht alles zum Besten läuft, weiß ich selbst, aber ich habe bislang noch kein einziges Argument gehört, das mich davon überzeugt hätte, daß eine neue Organisation besser wäre als eine vernünftige Reform der alten. Im Augenblick habe ich nur Glaubensbekenntnisse vorliegen, und das reicht mir persönlich nicht aus, um einem anderen den Kopf einzuschlagen.
Gruß
Skywise
Wie wäre es denn damit die GEMA komplett abzuschaffen und weder Clubs noch Radiostationen etc abzukassieren. Ausgeschüttet wird doch eh nach Rotation, d.h. Acts wie Pur oder Silbermond bekommen den Löwenanteil, Huss und Hodn quasi gar nichts (wenn sie in der Gema wären) - also was solls?
Nur mal als ganz radikaler Ansatz. Dem Künstler selbst, der in der Regel eher weniger wirtschaftliche Interessen verfolgt, sollte das kaum jucken.
Wie wäre es denn damit die GEMA komplett abzuschaffen und weder Clubs noch Radiostationen etc abzukassieren. Ausgeschüttet wird doch eh nach Rotation, d.h. Acts wie Pur oder Silbermond bekommen den Löwenanteil, Huss und Hodn quasi gar nichts (wenn sie in der Gema wären) - also was solls?
Nur mal als ganz radikaler Ansatz. Dem Künstler selbst, der in der Regel eher weniger wirtschaftliche Interessen verfolgt, sollte das kaum jucken.
@akademiker:
Wenn jetzt über Rotation ausgezahlt wird, dann vorrangig wegen eines Rahmenvertrags mit der GEMA. Wenn der wegfällt, geht man back to the roots, heißt: Urheberrecht. Gemäß Urheberrecht steht jedem Urheber, dessen Werk öffentlich wiedergegeben wird, eine angemessene Vergütung zu. Nun kannst Du Dir wahrscheinlich ebenso gut wie ich die Bereitschaft der Bands, Plattenlabels, Clubbesitzer oder Radiostationen vorstellen, mit jedem einzelnen Urheber im Vorfeld darüber zu verhandeln, was dieser denn für "angemessen" hält. Und ebenso gut wie ich wirst Du Dir weiterhin vorstellen können, daß plötzlich eine ganze Menge Titel plötzlich "vergessen" werden, weil man erstens gerne unangenehme Dinge wie Verhandlungen oder Zahlungen vergißt und zweitens die Urheber überhaupt nicht die Möglichkeit haben, einige von ihnen auch weder Zeit noch Interesse, sämtliche Plattenfirmen, Clubs oder Radiostationen etc. zu kontrollieren, ob gerade eines ihrer Stücke dort verbraten wird. Wenn ein Anderer Geld mit Deinen Erzeugnissen verdient, hört bei vielen Leuten die Freundschaft sehr schnell auf. Und wenn Dir plötzlich ein Millionär entgegen kommt mit den Worten "Mensch, dein Lied XY schlägt ein wie eine Bombe", während Du selbst als am Hungertuch nagender, seelisch ausgebrannter Doitschlehrer Dein Dasein fristest, wirst Du mal erleben, wie gering Deine wirtschaftlichen Interessen als Künstler doch so sind ...
Gruß
Skywise
Der gute Skywise kann noch hundertmal anführen, daß er die GEMA schon einmal kritisiert habe. Dieselbe alte Großkotzigkeit und derselbe alte Mangel an Vorstellungskraft für Alternativen und Möglichkeiten, wie sie für jede Unrecht erhaltende Institution benötigt werden. Es ist nur allzu naheliegend, daß der Verein auf der größten Musikplattform im deutschsprachigen Raum auch mal einen Praktikanten für die Lobbyarbeit beschäftigt. Aber das habe ich ja schon geschrieben 
@Ragism:
Hattest Du, ja. Vielleicht fällt es Dir ja leichter, Dir ein eigenes Feindbild zusammenzudichten anstatt Argumente zu finden.
Vorstellungskraft habe ich durchaus, auch für Alternativen und Möglichkeiten. Bringt mein Job so mit sich. Aber ich versuche, sie aus den gegebenen Situationen heraus zu entwickeln und nicht, die Realität meinen Visionen anzupassen.
Gruß
Skywise
Sky:
Deswegen sag ich ja: Ganz abschaffen, niemand erhält Geld für Radio-Rotation oder Club-Beschallung. Nutzung in der Werbung/TV kann man ja wirklich noch selbst regeln. Wenn ein Lied einschlägt wie eine Bombe sollte man durch Verkauf und Bekanntheits-Grad/wachsende Konzert-Locations partizipieren können. So wäre es zumindest für alle gleich und ziemlich leicht zu handhaben.
@akademiker:
Du willst einen Freifahrtschein für alle Plattenlabels, Clubbesitzer und Radiostationen? Alle Künstler ordentlich ins Knie ficken, damit sie auch bloß nichts mehr an ihrer Kunst verdienen können?
Woher soll denn ein Künstler wissen, daß seine Musik in einem Club, in einem Kinofilm, von einer Band, in einem Werbespot oder im TV benutzt wird, wenn er nicht darauf achtet? Weil das vorher verhandelt wird? Ich bitte Dich. Selbst jetzt kommt's oft genug vor, daß Material von anderen Künstlern zu eigenen Zwecken verwurstet wird, ohne daß es irgendwo auf einem Lohnzettel auftaucht, da braucht man sich nicht auszumalen, welche Blüten das treiben wird, wenn jeder unorganisiert und ohne rechtlichen Beistand vor sich hin verhandeln möchte. Rate mal, warum so eine Institution wie die GEMA überhaupt erst gegründet wurde - weil sie als zentraler Ansprechpartner fungieren und die Künstler entlasten sollte, weil dort Know-How gebündelt werden und ein Gegenpol gebildet werden sollte zu den Leuten, die von Natur aus in Sachen Recht und Wirtschaftlichkeit geübter sind oder sein sollten als Künstler.
Bekanntheitsgrad oder wachsende Locations hatten wir in der Vergangenheit auch schon häufiger diskutiert: scheiß drauf, erstens ist das 'ne Sache der Interpreten, nicht der Urheber, zweitens hast Du Verkaufszahlen durch Abschieben der GEMA eigenhändig als Partizipationsmöglichkeit vernichtet, drittens bedeutet ein Hit nicht automatisch, daß Du einen größeren Bekanntheitsgrad erreichst, wenn nicht noch links und rechts ein paar Strippen gezogen werden, geschweige denn sorgt ein Hit dafür, daß Du viertens überhaupt weitere oder größere Auftritte bekommst. Und in dem Augenblick, da Du zwar Musiker bist, aber nicht auf die Bühne gehen kannst, hast Du fünftens nach Deinem Schema sowieso verloren.
Gruß
Skywise
Sky, ich kann Dir da nicht ganz folgen. Wenn ich als Künstler meinen eigenen Track in einem I-pod-Clip im TV sehe und weiß "ups, da hat apple ja gar nicht angefragt vorher", dann wird nachverhandelt/geklagt. Wenn das mit saftigen Strafen belegt wird, dann werden die Dritt-Verwerter schon drauf achten im Vorfeld die Nutzung zu klären. Und natürlich hat z.B. eine Yael Naim enorme Bekanntheit erlangt durch ihren i-Pod-Hit und sich darüber Konzert-Slots und größere Bekanntheit erspielt. Gleiches gilt für Agnes Obel.
@akademiker:
Und wenn Du's nicht mitkriegst? Weil Du Deinen Fernsehen nicht anschaltest, kein Radio hörst oder den preisgekrönten Independent-Streifen, der sich Deiner Musik bedient, eben nicht gesehen hast? Weil Du Dich nicht im Münchner Club rumtreibst, in dem Dein Titel schon seit Wochen auf Heavy Rotation läuft? Oder weil Du eben nicht mit dem Autoscooter durch Städte an der Nord- und Ostsee reist, der seit Monaten mit einem schmissigen Titel von Dir die Leute anzieht?
Mit der GEMA schaltest Du automatisch die Kontrollinstanz (und ihre Beziehungen ins Ausland) aus, die einen großen Prozentsatz der öffentlichen Lautsprecher kontrolliert. Daß sie das nicht in jedermanns Sinne tut bzw. die spätere Abrechnung zu wünschen übrig läßt - geschenkt. Und wenn vielleicht einer von zwanzig Künstlern das spitzkriegt und klagt - warum soll man als Veranstalter oder sonstiger Verantwortlicher nicht einfach seelenruhig die Daumen drehen und abwarten? Im Zweifelsfall kann eine verlorene Klage günstiger sein als zwanzig Einzelverträge - Du glaubst ja gar nicht, welche Geschäfte schon mit so einer Basiskalkulation gelaufen sind.
Eine Yael Naim oder eine Agnes Obel haben vielleicht einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt, aber was hatten Cathy Dennis, Henrik Jonback, Christian Karlsson oder Pontus Winnberg davon? Das sind die Urheber von "Toxic", dem Stück, das in der Version von Naim auch nochmal erfolgreich war. Haben die nach diesem Erfolg einen irren Popularitätsschub hingelegt? Verkaufen die jetzt auch jede Menge Platten und treten in großen Hallen auf? Ich mag mich irren, aber ich glaube, der große Karriereruck blieb schon aus, als das Stück noch von Britney Spears gesungen wurde. Die werden bestimmt nicht schlecht an dem Stück verdient haben, aber der Umstand, daß das so ist, ist neben den Interpreten vor allem den zuständigen Verwertungsgesellschaften zu verdanken, die dafür gesorgt haben, daß ordentlich abgerechnet wurde. Wäre das ohne die GEMA auch möglich gewesen? Immer dran denken, daß man als Veranstalter/Verantwortlicher in diesem Fall Verhandlungen mit vier Einzelpersonen hätte führen müssen, um eine angemessene Entlohnung derselben zu sichern. Ich weiß nicht, inwieweit die vier Verhandlungsprofis sind, aber - die andere Seite wär's bestimmt, und die Wahrscheinlichkeit, daß sich ein Veranstalter denkt "Was soll's, heute Abend laß' ich's drauf ankommen, wird schon keiner da sein, der glaubt, daß hier was Krummes läuft", halte ich für ausgesprochen hoch. Die Leute gehen doch z. B. auf Jahrmarkt oder in Disse, um Spaß zu haben, und nicht, um von sich aus über die rechtliche Situation nachzudenken.
Gruß
Skywise
Sky
Na gut, das klingt schlüssig argumentiert, ganz so einfach ist es scheinbar doch nicht.
Lautuser akzeptiert eine Argumentationskette? Sachen gibts.
Herrlich, wie unbeirrbar er bestehende Unrechtmäßigkeiten als unabänderlich zurechtbiegt, nicht? Die GEMA ist der einzige Verein weltweit, der so agiert wie er agiert, aber das soll absolut alternativlos sein?
Die Vorteile von neuen Gesellschaften sind mehr als offenkundig: Die Künstler erhalten mehr Entscheidungsfähigkeit darüber, welche Werke sie wie entlohnt bekommen möchten und die Veranstalter brauchen dann nichts weiter tun als die fertige Berechnung zu überweisen. Hier braucht es keine langen Auseinandersetzungen mehr darüber, ob ein Track nun GEMA-pflichtig ist oder nicht - erst recht nicht darüber, ob der Verein tatsächlich Erhöhungen von mehreren hundert Prozent vornehmen kann, da er sich mit solchen Tarifen schlichtweg selbst ruiniert. Überhaupt gibt es überall eine Vielfalt an Angeboten, damit es nicht zu Missbrauch seitens einer einzelnen Institution kommen kann - warum nicht auch bei Musik? Im Moment ist die gesamte deutsche Musiklandschaft gezwungen, sich dem Willen eines einzelnen Vereins zu unterwerfen, der darüber hinaus nur noch beiläufig heimische Künstler vertritt.
Daß er hoffnungslos veraltet, undemokratisch, stark ungerecht und ausschließlich damit beschäftigt ist, die Interessen einer kleinen Klientel zu bedienen, scheint eigenartigerweise schon überhaupt keine Rolle mehr zu spielen.
Sicherlich wird es in der Übergangsphase Schwierigkeiten geben. Aber das ist immer so, wenn ein über 100 Jahre altes Regelwerk abgeschafft wird, das nicht mehr zeitgemäß ist und deswegen abgeschafft gehört.
Und noch einmal, Skywise: Ja, die GEMA bezahlt für teures Geld Agenten, welche umherstreifen um eventuell unerlaubte Nutzungen zu überprüfen. Wenn Du der Meinung bist, daß es ausreichend sind, um all Deine geschätzten Frittenbuden und Autoscooter zu überprüfen, in Ordnung. Wie wäre es nur mit einer demokratischeren und juristisch saubereren Institution wie z.B. dem Staat? An den muss sich schließlich auch mit ausschließlicher GEMA gewendet werden, gibt es Probleme. In erster Linie profitabel und daher potenziell bedenklich sind Clubs und Veranstalter, deren Nutzungsrechte sich mit einer moderneren Verwertungsgesellschaft sehr viel einfacher überprüfen ließen, als sich nach wie vor mit einem durch und durch unbegreiflichen Bockmist wie der GEMA-Vermutung abplagen zu müssen? Ich kann nach wie vor nicht verstehen, wie Du einen totalitären, nicht mehr zeitgemäßen, vielfach kritisierten, undemokratischen und nicht veränderbaren Verein so sehr in Schutz nehmen kannst. Selbst auf Wikipedia besteht fast Hälfte des Eintrags zur GEMA aus Kritik und Schwierigkeiten mit diesem Verein, die Du schlicht nicht sehen willst, egal aus wie berufenem Munde sie kommen. Selbst die EU hat schon Maßnahmen beschlossen, welche den Künstlern mehr Rechte einräumen und die Geltung ähnlicher Verwertungsgesellschaften wie die GEMA eine ist stark einschränken.
Wenn Du jegliche Kritik an der GEMA und alle im Ausland längst beschlossenen Alternativmodelle als Träumereien ansiehst und zu 100% dieselben Argumente mit exakt derselben Verbohrtheit vorträgst, wie sie GEMA-Vorsitzende an den Tag legen, dann kann man gar nicht anders als Dich für einen bezahlten Lobbyisten zu halten.
Ich gehe allerdings mit Ragism, er hat den nötigen revolutionären Antrieb, den Willen zur Veränderung und völlig richtig erstmal alle Künstler im Blick.
Ich gehe allerdings mit Ragism, er hat den nötigen revolutionären Antrieb, den Willen zur Veränderung und völlig richtig erstmal alle Künstler im Blick.
@Ragism:
Wenn Du mich für einen bezahlten Lobbyisten hältst, dann tu mir einen Gefallen, ruf bei der GEMA an und sage ihnen, daß sie mir gefälligst Geld überweisen sollen.
Ich biege mir nicht die bestehenden Unrechtmäßigkeiten zurecht, ich akzeptiere sie nur erst mal als aktuelle Spielregeln, mit denen man für die nächsten Jahre erst mal leben muß. Alternativlos sind sie bestimmt nicht, aber um das Regelwerk und die tägliche Routine anzupassen, braucht es entweder langsame Reformen, einen Krieg mit einem radikalen Neuanfang oder eine Revolution, auf der alle Seiten den Arsch hochkriegen, und gegen letztere spricht erstens, daß eine Revolution auf deutschem Boden noch nie funktioniert hat und zweitens, daß ich mir ziemlich sicher bin, daß diejenigen, in deren Namen man die Revolution beginnt, letzten Endes untergebuttert werden, da noch andere Leute und Institutionen ihre Interessen durchdrücken wollen.
Wenn Du mir irgendwas von Deinen "offenkundigen Vorteilen" erzählst, krieg' ich das eiskalte Grausen. Erstens: warum soll das die GEMA nicht können, wenn sie in die richtige Richtung geschubst wird? Zweitens: wer garantiert Dir, daß diese "offenkundigen Vorteile" auch im Sinne der Künstler genutzt werden und vor allem erhalten bleiben? Ich habe irgendwo mal gelesen, daß C3S die Idee hat, daß alle Einnahmen dem Künstler zukommen sollen und erst ab Einnahmen von 500 Euro die Verwertungsgesellschaft selbst einen Obolus verlangen würde - in meinen Augen klingt das so, als ob man sich bereits jetzt Gedanken über eine hausinterne Zweiklassengesellschaft machen würde, also im Prinzip etwas, das bei der GEMA bereits jetzt gang und gäbe ist, denn daß jemand, der der Verwertungsgesellschaft ordentlich Geld einbringt, über kurz oder lang auch ein paar Rechte mehr fordert als der reguläre Schwarzfußindianer, halte ich persönlich für ziemlich wahrscheinlich. Und daß diese Regelungen nicht immer zum Wohl der "kleinen Mitglieder" sein müssen, haben wir auch schon miterlebt.
Die Auseinandersetzung, ob ein Track GEMA-pflichtig ist, wirst Du dennoch führen müssen, genauer: wenn Du noch mehr Alternativen zulassen willst, dann wirst Du den ganzen Verwaltungswust auf allen Seiten ordentlich aufblähen, denn ohne einen vernünftigen Austausch der einzelnen Verwertungsgesellschaften untereinander wirst Du gigantische Probleme bekommen, die die Gerichte auf Jahre hinaus beschäftigen dürften. Im Augenblick gilt noch die GEMA-Vermutung, diese wurde auch durch ein Gericht bestätigt. Wenn die Alternativen da sind, ändert sich vielleicht die Ausgangslage, aber definitiv erst mal nicht die Gesetze und die Rechtsprechung, also muß eine neue Grundsatzentscheidung her, und bis zu diesem Zeitpunkt muß C3S mit der GEMA Informationen austauschen, damit sichergestellt ist, daß ein GEMA-Mitglied keinen Blödsinn mit C3S veranstaltet und umgekehrt, ebenso, daß Sachen, die in der GEMA-Datenbank bereits als gemeinfrei gelten, nicht noch in betrügerischer Absicht bei C3S gemeldet werden oder sonstwas, ich will ja hier keinem Tips geben, aber jeder, der genug kriminelle Energie hat, wird sich sicher was einfallen lassen. Der Veranstalter muß sich mit mehreren Verwaltungsgesellschaften auseinandersetzen, der Autoscooter muß verschiedene Listen anfertigen und bei verschiedenen Verwertungsgesellschaften einreichen - ich bin gespannt, wie toll das mit unzähligen Alternativen aussehen soll.
Ich weiß, daß es in anderen Ländern Alternativen gibt, und ich weiß, daß die dort auch teilweise ganz gut funktionieren, allerdings sind das eben andere Länder. Deutschland ist neben Großbritannien eine der Mütter des Urheberrechts und verfügt über eine größere Marktmacht als die "anderen Länder", insofern sind hier eben auch andere Sachen geregelt als in den Ländern, in denen die Alternativen existieren, insofern bringt es nichts, ständig auf unsere Nachbarn zu deuten und zu quengeln "Die haben aber ...". Es ist auch nicht so, daß man in der Vergangenheit nicht versucht hätte, Alternativen aufzubauen - allerdings sind die sang- und klanglos im Sande verlaufen.
Daß die GEMA nicht mehr zeitgemäß ist, vielfach kritisiert wurde, undemoraktisch ist - das mag ja alles sein, und auch das habe ich auch schon kritisiert. Aber ich stelle mich vor ihn, weil ich sehr genau weiß, daß "gut gemeint" und "gut gemacht" bei weitem nicht dasselbe sind. Von mir aus soll man eine Alternative aufbauen, damit habe ich keine Probleme, aber man soll sie nicht behandeln wie ein Gottesgeschenk, sondern erst mal wie einen potentiellen Bastard, der sich durch viele Kinderkrankheiten schleppen wird, der gerade am Anfang direkt vor eine große Zerreißprobe gestellt werden wird und der allen Planungen zum Trotz sich erst mal am wahren Leben beweisen muß. Wenn er das hinter sich gebracht hat - schau'n mer mal. Ich bin aber nach wie vor davon überzeugt, daß die GEMA auf einen falschen Weg gebracht wurde, daß man aber auf ihre Kompetenz und internationalen Strukturen gerade in heutiger Zeit eigentlich nicht richtig verzichten kann. Man muß sie "nur" wieder zurück in die richtige Richtung drücken und sie mal daran erinnern, daß sie als Verein eigentlich auch ihren kleinen Mitgliedern verpflichtet ist, und daß das Leben da draußen mit der technischen Entwicklung nicht Halt gemacht hat. Oder, wenn Du so willst: das Denkmal muß mal saniert werden, aber nicht gleich abgerissen.
Daß es an anderen Stellen Kritik gibt, weiß ich. Nur. Erstens gibt es bei C3S zunächst mal nur wenig Kritik, weil die noch keine Zeit oder Gelegenheit hatten, sich Kritik zu verdienen. Und zweitens, wenn ich mal an einen unserer Lieferanten denke, der sich dieses Jahr 200 Reklamationen gefangen hat, klingt das nach 'ner Menge Holz, allerdings hat er uns mit mehr als 6.000 Artikeln beliefert, insofern relativiert sich die ganze Angelegenheit wieder, und - es mag sein, daß er auch das eine oder andere Lob verdient hat, aber das wird eben nicht protokolliert.
Gruß
Skywise
@ Ragism: Könntest du bitte den polemischen Unterton sein lassen? Nebenbei bemerkt gibt dir eine wohlformulierte Schreibweise noch lange nicht das Recht alle Argumente zu ignorieren, die hier vorgebracht werden. "Daß er hoffnungslos veraltet, undemokratisch, stark ungerecht und ausschließlich damit beschäftigt ist, die Interessen einer kleinen Klientel zu bedienen, scheint eigenartigerweise schon überhaupt keine Rolle mehr zu spielen." Liest du dir überhaupt durch was Skywise schreibt? Er biegt auch nichts als unabänderlich hin. Er sagt selbst, dass da einiges im argen liegt und du hast nichts besseres zu tun, als ihm blinde Loyalität gegenüber der GEMA zu unterstellen. Nur weil jemand nicht absolut dagegen ist, ist er sofort ein fanatischer Fürsprecher hm? Genau wie alle Linken Genies sind, und jeder der auch nur ansatzweise in konservativen Bahnen denkt wohl geistig minderbemittelt sein muss. Komm mal klar meine Güte...
Der Sinn der Gema mag ja hier genau ausgeführt werden, dennoch handelt diese Institution nicht immer ihren eigentlichen Statuten gemäß. Also schön, dass Skywise hier alles korrekt aufgeführt hat, warum die GEMA so nützlich ist. Alles richtig und trotzdem überwiegen die Negativ-Eindrücke der GEMA. Eventuell sollte Skywise als Pressesprecher für den Verein arbeiten, weil er diese Sache deutlich besser macht!
Ach, Skywise, Du wirst doch am besten wissen, daß man der GEMA juristisch praktisch GAR NICHTS kann, da sie sich an das Vereinsrecht klammert und deswegen weitgehend selbst über alle Tarife und die Einziehungsverfahren bestimmen darf. Man kann sie momentan praktisch nicht in die richtige Richtung schubsen, das geht nur, wenn man Konkurrenz zulässt.
Es ist mal wieder Deiner unvergleichlichen Denkweise zuzuschreiben, daß das erst einmal positive Anliegen, wirklich zahlungskräftige Mitglieder zur Kasse zu bitten, auch zu einem erweiterten Stimmrecht führen soll. Das ist und bleibt aber erst einmal irrsinnige Spekulation. Wie gesagt: Lässt man weitere Verwertungsgesellschaften zu, werden sich über kurz oder lang die Künstler und Veranstalter diejenige aussuchen, welche ihnen die bestmöglichen Tarife und Zahlungsmodalitäten anbieten kann. Wenn Du Dich daran erinnerst, so ist doch der (offiziell!) wichtigste Daseinszweck der GEMA der Schutz und die Vertretung der Künstler. Momentan ist C3S für jene und die Veranstalter aber am allernötigsten, während die Geschäftspolitik der GEMA momentan im Grunde ausschließlich auf die bekannten 20% - in erster Linie US-Künstler - ausgerichtet ist. Wo werden sie sich wohl hinwenden?
Bei einem Teil Deiner aufgezeigten Schwierigkeiten stimme ich Dir ja auch zu, allerdings ist die GEMA so wie sie im Moment ausgerichtet ist, gar nicht zu großen Veränderungen fähig. Ihre Arbeitsweise hat sich im Grunde seit Jahrzehnten kaum geändert und es besteht nach wie vor wenig Anlass zur Hoffnung. Nenne die Alternativen radikal oder revolutionistisch, ich nenne sie überfällig.
na, dass ist mal ne unterhaltung auf altem lautbarniveau...wundervolles florett, meine herren sky und rage
bin beeindruckt.
das ist jetzt schon mehr kommunukation als zw den revoluzzern/gema/youtube/etc in jahren an ehrlichem austausch lief.
@Ragism:
Und wo habe ich behauptet, daß man der GEMA juristisch was können soll?
Meine Spekulation darüber, daß man Leuten, die einer Verwertungsgesellschaft mehr Geld bringen, mehr Rechte einräumen sollte, halte ich für realistischer als Deine "Alles-wird-gut"-Phantasien, allein schon weil Sozialismus weit weg und der Mensch dem Menschen ein Wolf und so.
Wenn man weitere Verwertungsgesellschaften zuläßt und die Veranstalter erst mal doppelten Aufwand betreiben müssen und eventuell noch Mehrkosten haben, weil sie sowohl GEMA- (zieht zwangsläufig die Kundschaft an, weil dort praktisch alle bekannten Titel geschützt sind) als auch C3S-Material (mal so aus Gutmenschentum) spielen müssen, brauche ich noch nicht mal darüber nachzudenken, ob C3S überhaupt nur in die Verlegenheit kommt, über Tarife und Zahlungsmodalitäten intensiver tüfteln zu müssen, insbesondere da noch international einige Kontakte geknüpft und Datenbanken mit anderen Verwertungsgesellschaften abgeglichen werden müssen, was wie gesagt ein Haufen Arbeit ist. Wenn wir mal über die bereits erwähnte Phase der Kinderkrankheiten hinaus sind, dann können wir meinetwegen anfangen, an bessere Zeiten zu denken, aber bis dahin ist der Weg weit, weit, weit.
Schutz der Künstler war nie der wichtigste Daseinszweck der GEMA - woher denn? Wenn jemand einem Künstler ans Bein pinkelt, obliegt es eben diesem, irgendwelche Schritte zu unternehmen, um sich selbst zu schützen, beispielsweise in Form einer Klage, aber die GEMA macht da nix ... Vertretung - das stimmt, so sollte es sein; die GEMA nimmt treuhänderisch die Urheberrechtsverwertung für die Urheber wahr. Und das - wiederum falsche Information - vor allem für die deutschen (!) Künstler, weil eben diese Mitglieder im eigenen Verein sind, US-Künstler dagegen nicht, die haben ihre eigene BMI- oder ASCAP- oder SESAC-Mitgliedschaft; diese arbeiten wiederum mit der GEMA zusammen, ebenso wie viele andere Verwertungsgesellschaften weltweit, und verrechnen die jeweiligen Einkünfte für deutsche Stücke, die im Ausland gespielt werden, mit der GEMA und umgekehrt natürlich. Daß hier in Deutschland viel US-Scheiße gespielt wird, ist nicht die Schuld der GEMA, geschweige denn wird irgendein Vorstandsmitglied der GEMA es für 'ne geile Idee halten, sich für US-Künstler stark zu machen, während die Beiträge zahlenden Vereinsmitglieder verhungern dürfen.
Ich weiß nicht, in welche Richtung sich die Künstler orientieren werden. Das sind erst mal Einzelschicksale; grundsätzlich würde ich allerdings annehmen, daß die Leute, die ihren kompletten Werkkatalog weiterhin geschützt wissen wollen, eventuell viel mit dem Ausland in Kontakt stehen und die sich die Kinderkrankheiten einer Zweitgesellschaft nicht geben wollen, bei der GEMA verbleiben werden. Die gut verdienenden Mitglieder sowieso. Viele von den anderen werden erst mal abwarten, wie sich das Ganze entwickelt. Wenn ich irgendeiner Gruppe zutraue, stärker in die Richtung C3S zu tendieren, dann erst mal den jungen Nachwuchskünstlern, aber selbst da sehe ich viele Fragezeichen, gerade auch in Bezug auf Zusammenarbeit mit etablierten Labeln; ist ja kein großes Geheimnis, daß über Verlage diverse Label ebenfalls ordentlich bei der GEMA abgreifen. Wem gibt man also wohl eher einen Vertrag und seine Rückendeckung? Dem Künstler, bei dem weiß, daß über die GEMA noch weitere Einkünfte kommen könnten, gerade auch, weil hier die Strukturen im Fall von TV- oder Radiosendungen bereits eingefahren sind, oder dem Künstler, der von einer hinter den Ohren nicht ganz trockenen Verwertungsgesellschaft vertreten wird? Hm.
Ich denke schon, daß sich die Arbeitsweise der GEMA in vielerlei Hinsicht geändert hat, auch in Sachen Service etc. Problem ist nur, daß das erstens nicht publikumswirksam ist und zweitens wahrscheinlich nicht alle Bereiche abdeckt. Eine geänderte Arbeitsweise muß übrigens nicht "eine bessere Arbeitsweise" bedeuten.
Gruß
Skywise
Wo geht es denn hier um Phantasien? Und im Moment hältst Du doch das schlimmste Gespenst des Sozialismus hoch, das es überhaupt gibt: Das des ungerechten und ungezügelten Monopols.
Es geht hier ja nicht darum, eine zweite GEMA aufzubauen, deswegen wird sich der Aufwand für Veranstalter auch nicht gleich verdoppeln. C3S ist - wie gesagt - sehr viel unkomplizierter in der Handhabung für Künstler und Veranstalter. Die Datenbankpflege ist per Software ein absolut leichtes und kann statt von einem gewaltigen monopolistischen Apparat auch von Künstlern selbst übernommen werden. Mit der Zulassung dieser Gesellschaft wird sich zwangsläufig an der GEMA auch vieles ändern, was sich sonst niemals ändern ließe. Ich würde an dieser Stelle auch gerne erfahren, wie Du Dir Änderungen der GEMA vorstellst, denn juristisch ist im Grunde kaum etwas zu erreichen und der Verein ist auch nicht in der Position, in der er auf Forderungen von Künstlern und Veranstaltern eingehen müsste. Für ihn läuft das seit 1933 andauernde Geschäft in annähernd unveränderter Weise weiter.
Du treibst Dich doch gerne auf GEMA-Seiten herum und liest mit großer Begeisterung Interviews mit Verantwortlichen. Ist Dir nie aufgefallen, daß der Verein sich als großer Schützer der Kreativen aufspielt, indem er sie vertritt?
Ich habe die Schuld, daß hier in erster Linie internationale Künstler von der GEMA Geld erhalten, nicht ihr selbst zugeschoben. So sieht aber im Moment die Realität aus.
So langsam bin ich allerdings wirklich beeindruckt von Dir, wie konsequent Du die seitenlangen Probleme mit der GEMA ignorierst, die in der bestehenden Alleinvertretung nicht lösbar sind. Noch einmal: Es gibt hier keine andere Möglichkeit, seine Songs verwerten zu lassen, deswegen sind es gerade GEMA-Mitglieder, welche die GEMA am härtesten kritisieren. Sie sind längst keine so geschlossene und zufriedene Masse, wie Du sie gerne hättest. Ich schätze das Potenzial dafür, daß C3S einen großen Anklang finden wird, als sehr hoch ein. Und nicht nur das, ausschließlich so lässt sich die GEMA dazu bringen, endlich notwendige Reformen einzuleiten. Du kannst gerne andere Möglichkeiten aufzeigen, wie sich der Verein auf andere Weise verändern könnte, Konkurrenz ist für mich zunächst einmal der pragmatischste und realistischste Weg dafür.
@Ragism:
Das ungerechte und ungezügelte Monopol ist kein Alleinstellungsmerkmal des Sozialismus.
Der Aufwand für Veranstalter wird sich sogar vervielfachen, weil es im Augenblick vergleichsweise einfach ist: wird GEMA-Material gespielt, greift der GEMA-Flächenvertrag, fertig. In dem Augenblick, da jedoch nach Verwertungsgesellschaften unterschieden werden muß, vermehrt sich der Arbeitsaufwand; inwiefern die Prozesskosten die Lizenzkosten aufwiegen, ist natürlich vom Einzelfall abhängig, aber ... *puh!*
Datenbankpflege vom Künstler selbst ist 'ne schöne Idee. Vergiß sie. Aber bitte sehr, sehr schnell. Wer Laien an seine wichtigsten Datenbanken ranläßt, ist selbst dran schuld, wenn später das Dingens die Grätsche macht oder der Betrugsmaschinerie Tür und Tor geöffnet werden. Vier-Augen-Prinzip mindestens.
Was die Pflege per Software angeht, greift der Spruch vom schwächsten Glied in der Kette. Wenn die Datenbank dazu bestimmt ist, mit verschiedenen Systemen zu korrespondieren, hast Du immer ein riesiges Problem, wenn die Kompatibilität nicht stimmt. Hier haben wir eine gigantische Datenbank, die im Entstehen ist. Diese muß auch noch mit Systemen des Auslands abgeglichen werden und unter Umständen noch mit anderen Warenwirtschaftssystemen funktionieren. Das müßte also über zig Schnittstellen laufen und unter Umständen mehrfach konvertiert werden. Und dann noch bei Veranstaltern und Künstlern, die keine EDV-Spezialisten sein müssen ... schwierig.
Der Verein ist sehr wohl in der Position, in der er auf Forderungen von Künstlern und Veranstaltern eingehen muß. Aber dazu muß sich vor allem im Inneren mehr bewegen. Anscheinend reicht die Welle ja nicht, die bislang gemacht wurde.
Ich treib' mich hin und wieder auf GEMA-Seiten rum, aber als Schützer von Künstlern habe ich ihn nicht in Erinnerung. Schützer der Kreativität, meinetwegen, auch gerne mal als Schützer der Rechte von Künstlern oder Kreativen, aber nicht der Personen an sich.
Wenn Du behauptest, daß in erster Linie internationale Künstler von der GEMA Geld erhalten, dann hätte ich dafür gerne eine Quelle. Meine lautet: Geschäftsbericht GEMA 2011.
"Verteilung an Mitglieder und andere Berechtigte:
Aufführungs-/Vorführungs-/Sende- und Wiedergaberechte:
Inland - 319.168 T?
Ausland - 49.418 T?
Inkassomandate - 110.750 T?
- - -
Vervielfältigungsrechte:
Inland - 154.397 T?
Ausland - 15.215 T?
Inkassomandate - 52.343 T?,
davon Inland - 48.894 T?,
Ausland - 3.449 T?"
Demnach hat das Ausland einen deutlich niedrigeren Anteil als das Inland.
Und ich wiederhole es gerne noch einmal: ich ignoriere die Probleme mit der GEMA nicht, und ich glaube nicht daran, daß mehrere Verwertungsgesellschaften wirklich eine Lösung darstellen, letzten Endes kochen die auch nur mit Wasser und dürfen sich ebenfalls mit den Köchen zusammenschließen, die ihnen in die Suppe spucken wollen.
Ich habe nie behauptet, daß die GEMA eine geschlossene und zufriedene Masse wäre. Das wäre auch herzlich dämlich bei über 60.000 Mitgliedern; ich kenne den Stunk sehr gut, der mitunter auf einen einprasselt, wenn man nur für 800 Leute Anlaufstelle ist, da verliert man jegliche Illusionen in Bezug auf größere Menschenmassen. Aber umgekehrt wäre ich an Deiner Stelle auch vorsichtig, was den Umgang mit Stunkseiten angeht. Allerdings ist es umgekehrt ebenso verkehrt zu glauben, daß es im Untergrund der GEMA bei allen Nicht-Stimmberechtigten ordentlich brodeln würde. Nur, weil das die vorherrschende Meinung auf Stunk-Seiten ist, muß das noch lange nicht die Meinung aller Betroffener sein. Gibt's hier vor Ort ein nettes Beispiel, bei dem im Internet von verschiedenen Leuten Zeter und Mordio geschrien wurde, teilweise im Brustton der Überzeugung, daß die Mehrheit der Bürger das natürlich genauso sehen würde; als nun eine öffentliche Veranstaltung zu diesem Thema abgehalten wurde inkl. Diskussion und Abstimmung, standen auf einmal 80 % der Anwesenden gegen die vorherrschende Meinung im Forum ...
Konkurrenz macht doch erst mal der GEMA nix aus, denn wie gesagt - im Augenblick braucht sie sie noch nicht groß zu fürchten. Einige der neutralsten und fundierstesten Informationen zum Thema C3S habe ich auf den Seiten der GEMA gefunden, und warum auch nicht? Im Augenblick braucht sie sich darüber keine Gedanken zu machen, und später auch nicht gleich. Ich schätze mal, bis da was passiert, geht noch mindestens ein Jahrzehnt ins Land, nicht zuletzt deswegen, weil für die kommenden Jahre ohnehin die Mitglieder noch gebunden sind. Ich gehe bei meinen Überlegungen davon aus, daß es sich bei GEMA- oder C3S-Mitgliedschaften nicht um Entscheidungen vom selben Schlag geht wie bei einem Karnickelzüchterverein, sondern daß es hier wirklich um die Zukunft einzelner Künstler geht. Und deshalb würde ich als Künstler erst mal abwarten wollen, was denn überhaupt mit C3S geschieht; Versuchskaninchen spielt keiner gern und es wäre vielleicht auch einigen Leuten eher peinlich, wenn sie auf C3S setzten und nach zwei Jahren wieder zurückzukehrten, wenn es die Alternative nicht schaffen sollte. Motto: erst mal die ersten Reaktionen abwarten, und damit meine ich nicht das "Hier is' toll, hier sind die Wände blau gestrichen" nach einer Woche, sondern Berichte über das Meistern der ersten Herausforderungen.
Gruß
Skywise
Ach, Monopole sind eine prima Sache, solange sie sich im kapitalistischen Rahmen abspielen? Not, da sind sie sogar noch schlimmer.
Und Unsinn, der Aufwand für Veranstalter momentan ist noch sehr viel höher, da er erst einmal nachweisen muss, welche Stücke nicht GEMA-pflichtig sind, um Geld zurückerstattet zu bekommen. Mit C3S, von mir aus auch in Kombination mit einer GEMA ohne GEMA-Pflicht, wird die Abrechnung mit einer Software funktionieren. Viel einfacher! Die GEMA besteht in erster Linie aus Menschen, die von modernen Vertriebswegen und Technik sehr wenig Ahnung haben und trotzdem haben sie es geschafft, eine Datenbank aufzubauen. Und nein, es ist sehr einfach, Künstler die Datenbankpflege übernehmen zu lassen, denn bevor sie Stücke veröffentlichen, pflegen sie sie schon ein. Alles andere würde auch absolut keinen Sinn ergeben. Und im Nachhinein lassen sich fehlerhafte Einträge sehr viel leichter wieder löschen.
Wenn Du schon Statistiken auffährst, dann lies sie bitte auch richtig. Unter "Ausland" sind die deutschen Künstler aufgelistet, die im Ausland gespielt wurden.
Auch wenn Du es Dir vielleicht nicht vorstellen kannst, aber vielleicht gibt es ja so viel "Stunk", weil es tatsächlich Anlass dazu gibt? Nur als kleine Idee am Rande? Ist ja gut, Du bist pessimistisch was fairere und flexiblere Alternativen anbelangt und bleibst lieber beim bewährten Unrecht.
@Ragism:
Das mit den Monopolen habe ich nicht behauptet. Lege mir nicht schon wieder irgendwas in den Mund.
Du meinst, der Aufwand für den Veranstalter ist jetzt niedriger, weil er nachweisen muß, welche Stücke nicht GEMA-pflichtig sind, um Geld zurückerstattet zu bekommen. Ich meine: wenn das ein professioneller Veranstalter ist, dann macht der sich gar nicht erst die Mühe, irgendwelche GEMA-freien Lieder aus einem Abendprogramm rauszupicken - mal abgesehen davon: ich bin mir wirklich nicht sicher, ob GEMA-freie Lieder in einer Setliste zu einer Rückvergütung oder Ähnlichem führen können ... mein Verstand sagt mir: warum sollte es denn? Es wird doch überhaupt nicht nach einzelnen Titeln abgerechnet, sondern nach Veranstaltungen, wobei die Fläche und nach der neuen Tarifidee auch der Eintrittspreis herangezogen werden, nicht aber die eigentliche Setliste des Abends, aber ich laß' mich da gerne eines Besseren belehren -, sondern die macht er sich erst dann, wenn ein kompletter Abend mit GEMA-freiem Material ansteht. Wenn er ordentlich wirtschaftet und verhandelt, kann er unter Umständen aus den GEMA-pflichtigen Veranstaltungen Boni rausholen und darüber hinaus noch wertvolle Arbeitszeit sparen, die die paar Cent, die er aus ein, zwei, drei Titeln pro Abend rausholen kann, bei weitem aufwiegen. So. Nun kommen die Alternativen. Jetzt muß er wirklich alle Titel einzeln durchgehen, und das bis ins Detail. Wenn ein Lied mittlerweile nicht mehr urheberrechtlich geschützt ist, weil Urheber seit 70 Jahren Blumendünger, dieses Lied allerdings in einer Bearbeitung eines GEMA-Mitglieds vorliegt, und diese Bearbeitung von einem C3S-Remixer erneut mittels Sampler durch den Wolf gedreht und als Basis für ein neues Stück verwendet wird, fängt die ganze Angelegenheit an, so richtig (!) Spaß zu machen, insbesondere dann, wenn der Remix erst am Abend der Veranstaltung selbst improvisiert wird und im Vorfeld nichts davon bekannt ist. Dann gibt es vielleicht Nur-GEMA-Material an diesem Abend, Nur-C3S-Material, und freies Material, das er dann bei beiden Verwertungsgesellschaften nachweisen muß, wenn er keine Probleme bekommen möchte. Und das ist weniger Arbeit als jetzt? Denk da lieber nochmal drüber nach.
Die GEMA besteht in erster Linie aus Urhebern, deren Erben und Vertretern, z. B. Verlagen. Teilweise sitzen da auch Leute drunter, die ihr eigenes Label bewirtschaften. Und diese Menschen haben allesamt sehr wenig Ahnung von modernen Vertriebswegen und Technik? Da bin ich anderer Meinung. Wenn Leute, die am Markt aktiv sein müssen, und die Kreativen keine Ahnung von Vertriebswegen und Technik haben, dann weiß ich auch nicht.
Datenbanken sind Heiligtümer, keine Nutten. Die müssen gepflegt werden und dürfen nicht so gestrickt sein, daß sich jeder in ihnen austoben kann. An meine Datenbanken lasse ich ausschließlich eine ausgewählte Schar, die genau weiß, an welcher Stelle das gefährliche Ende ist. Jeder Datensatz, der dort eingepflegt wird, wird von einem oder zwei dieser Leuten kontrolliert und abgenickt. Das soll verhindern, daß irgendein Technik-Ötzi Informationen in die falschen Felder einträgt. Das soll sicherstellen, daß man bestimmte Informationen später auch wirklich wiederfindet und nicht, daß sich wegen Knoten im Finger oder schlechtem Bier im Kopp zahllose Tippfehler ereignen, aufgrund derer später keine Suche mehr greift. Das soll verhindern, daß irgendwer bestimmte Informationen so manipuliert oder einträgt, daß er über Gebühr begünstigt wird. Vor allem soll das irgendwelchen Wichsern vorbeugen, die es geil finden, fremde Datenbanken zu hacken, zu zerstören oder umzutüddeln, was gerade bei öffentlich zugänglichen Datenbanken gerne mal passiert (von so netten Briefchen, die man zu Agatha Christies Zeiten noch aus der Zeitung auszuschneiden pflegte, und in denen fiese Ideen geäußert werden, was man mit solch wirklich gefährdeten Sachen so alles anstellen kann, wenn nicht zum Zeitpunkt X eine Summe von Y am Örtchen Z deponiert wird, will ich nicht anfangen). Das soll auch verhindern, daß die große Gottheit namens Datenschutz Probleme macht. Und vor allem soll es verhindern, daß irgendwelche radikal eingestellten Vollidioten ihre selbst eingegebenen Titel später wieder löschen können, weil sie keine Ahnung davon haben, welche Verknüpfungen da im Hintergrund laufen oder für sie selbst interessant sein könnten. Wenn's ganz dumm läuft, jagen sie damit ihre eigene Abrechnung zu diesem Titel ins Nirwana. Selbst mit meiner eingespielten kleinen Datenbank-Elite kommt es noch zu genügend Wildwuchs oder Fehlern. Passiert halt. Aber da hab' ich wenigstens meine Riege, mit der ich mich auch über Verbesserungen unterhalten kann. Mach' das mal bei 60.000 Mitgliedern. Ich habe bei laut.fm einen Sender; ich brauch' mir nur anzuschauen, wie die Daten von Musikstücken auf dem Server landen oder gelistet werden, die von ein paar hundert DJs dort hochgejuckelt werden, dann krieg' ich automatisch ein paar graue Haare mehr und das Verlangen nach einem alkoholischen Nervenberuhiger wächst sprunghaft an. Eine solide aufgebaute und scheckheftgepflegte Datenbank ist das Herz eines Unternehmens, das an Informationen gebunden ist. An Herzen läßt man nur Chirurgen oder Lebensgefährten ran, keine Möchtegerns, die gerade mal bewiesen haben, daß sie einen Mitgliedsantrag ausfüllen können. Oder jemanden kennen, der ihn für sie ausfüllt.
Du hast die Statistik da oben gelesen? Da steht "Verteilung an Mitglieder und andere Berechtigte" drüber, weil es sich hier um die *Verteilung* der Gelder handelt. Wenn deutsche Künstler im Ausland gespielt werden, *erhält* die GEMA entsprechend Geld bzw. es wird verrechnet, und das kommt daher über die "Erträge" rein, nicht über die "Verteilung". Bedeutet im gegebenen Fall, daß über das Ausland 66.959 TEuro eingenommen wurden. Steht auch im Geschäftsbericht, nur ein paar Seiten weiter vorne.
Und Du wirst es nicht glauben: ich kann mir tatsächlich vorstellen, daß es Stunk gibt. Und Du wirst es immer noch nicht glauben: ich kann mir sogar vorstellen, daß er berechtigt ist. Und Du wirst es absolut nicht für möglich halten: ich kann mir sogar vorstellen, daß dieser Stunk nicht nur auf die GEMA beschränkt ist. Weil ich, wie von Dir schon häufiger mal ignoriert wurde, davon ausgehe, daß ein Teil dieses Stunks auf die GEMA allein zurückzuführen ist, sondern auch auf äußere Rahmenbedingungen. Und, was Du ganz und gar unglaublich finden wirst: ich will nicht beim bewährten Unrecht bleiben. Aber so ist die Ausgangsbasis.
Gruß
Skywise
Die Ausgangsbasis ist doch vollkommen klar und bestreitet hier niemand. Du stellst sie nur als unabänderlich dar, oder zumindest als mit so vielen Schwierigkeiten behaftet, daß es zu kompliziert wäre, etwas zu ändern. Du konntest bis jetzt auch nicht eine Möglichkeit aufzeigen, wie man von Außen etwas an dieser Organisation verändern könnte, was zum einen am Monopol und zum anderen an der juristischen Position als Verein liegt. Die GEMA könnte ihre Arbeitsmethoden sogar noch sehr viel schlimmer halten und kaum jemand könnte etwas dagegen machen, stündest Du dann immer noch hinter ihr? Und komm schon, wenn Du das bewährte Unrecht nicht gut findest, dann rück doch bitte mal mit einer praktikablen Idee heraus es zu verändern, wenn Du schon die für die meisten einleuchtende Idee der Konkurrenz, die zwangsläufig für eine Reform der bestehenden Gesetze sorgt, als unrealistisch einschätzt?
In Sachen Abrechnung finden wir in Deiner Argumentation zwar einen wahren Kern, aber dennoch hat sie sich bequem mit bestehendem Unrecht eingerichtet: Der Veranstalter muss für die gesamte verwendete Musik bezahlen, ob sie nun GEMA-pflichtig ist oder nicht. Ich schätze, die allermeisten Menschen halten das für eine sehr ungerechte Vorgehensweise, Du allerdings legitimierst sie dadurch, indem Du die Alternativen als unmöglich deklarierst. Und das, obwohl es die GEMA-Vermutung in vergleichbarer Weise nirgendwo auf der Welt gibt.
Ein wichtiger Punkt ist: Ich habe bisher noch keinen Veranstalter gesehen, der mit der GEMA-Vermutung oder den neuen Flächentarifen einverstanden wäre, und das obwohl Du letztere als etwas darstellst, was ja sehr viel bequemer von der Hand gehe. Das halte ich für blanken Hohn, denn Veranstalter zu sein ist ein Geschäft mit vielen Risiken und die meisten Veranstaltungen müssen sehr knapp kalkuliert werden, auch weil viele davon am Ende mit Schulden herauskommen. Gerade in Anbetracht der nun verschobenen neuen Tarife erhöhen sich die GEMA-Gebühren um einige hundert Prozent. Meinst Du dann nicht, daß ein Veranstalter dann nicht lieber ein oder zwei Softwareprogramme mit Datenbanken mitlaufen lässt und am Ende ganz simpel die jeweiligen, viel niedrigeren, Beträge überweist?
Es mag auch sein, daß Du Dir eine teilweise öffentliche Datenbank nicht vorstellen magst, aber auch hier widerlegt Dich die Realität. Die meisten schon offenen Datenbanken funktionieren weitgehend anstands- und problemlos und das trotz des Risikos des Missbrauchs. Jene Künstler, welche informiert und klug genug sind, Alternativen wie C3S zu benutzen, werden mit Sicherheit auch verstehen, wie wichtig es ist ihre Werke vor der Veröffentlichung zu registrieren. Sie vergessen schließlich auch selten, eine Rechnung für eine absolvierte Veranstaltung zu schreiben.
Klar wird es für solch eine Datenbank auch Support benötigen, z.B. wenn fehlerhaft registrierte Informationen korrigiert werden müssen o.Ä. Das war allerdings auch bisher so, nur daß die gesamte Arbeit ineffizienter und teurer bewerkstelligt werden muss, da sie ohne direkte Hilfe der verantwortlichen Künstler auskommt.
@Ragism:
Die Ausgangsbasis ist nicht unabänderlich. Aber wenn sich ein Verein wie die GEMA korrupieren läßt, wüßte ich nicht, warum ein Verein wie C3S dagegen immun sein sollte, immerhin müssen sie sich über weite Strecken die Rahmenbedingungen teilen.
Ich habe deshalb keine Möglichkeit genannt, wie man von außen etwas daran ändern könnte, weil ich keine Möglichkeit sehe, etwas von außen daran zu ändern. Daß bei der GEMA einiges schief läuft, weiß ich, aber ich sehe nicht die Organisation als eigentliches Problem an, sondern glaube, daß in diesem Laden einige Probleme gebündelt auftreten, die man allesamt einzeln angehen muß. Und das heißt: von innen. Wenn die GEMA ihre Arbeitsmethoden verschlimmern würde, stünde ich immer noch hinter ihr, ja. Weil ich keinen Laden mit 60.000 Leuts über die Wupper gehen lassen kann, der eine gute Idee bietet, über eingespielte Kontakte und Know-How verfügt und zumindest ein bißchen dafür sorgt, daß Verwerter, Veranstalter und Plattenfirmen nicht übermütig werden. Wenn die GEMA nicht mehr ist, sehe ich tief(!)schwarz für die Urheber von musikalischen Werken, weil damit die Kontrollinstanz wegfällt und somit dem kommerziellen Ausschlachten von Kulturgut Tür und Tor geöffnet wird. Daß der Verein nach innen hin faul ist, ist nach wie vor ein völlig anderes Thema.
Ich sehe nicht die Konkurrenz zur GEMA als unrealistisch an, ich betrachte es nur als absolut abwegig, daß sie innerhalb kürzester Zeit mit Glanz und Gloria die Marktführerschaft übernimmt und ihr alle Leute mit ausgebreiteten Armen entgegenlaufen. Und ich sehe auch beim besten Willen nicht, aus welchem Grund sie "zwangsläufig" dafür sorgen sollte, daß sich Gesetze ändern. Das einzige, das ich ihr ganz spontan zutraue, ist, daß sich die Rechtsprechung ändert, aber selbst da glaube ich nicht, daß das von heute auf morgen geschehen wird.
Wenn Du sagst, daß es die GEMA-Vermutung in keinem anderen Land der Welt gibt, kann ich das weder bestätigen noch verneinen. Dazu kenne ich die Rechtssysteme der restlichen 200 Länder der Welt einfach zu wenig. Allerdings: wer sagt denn, daß Künstler in anderen Länder der Welt diese "GEMA-Vermutung" nicht gerne hätten? Ich muß erst mal davon ausgehen, daß diese "GEMA-Vermutung" den Urhebern (heißt hier: GEMA-Mitgliedern) Geld in die Kasse spült. Daß das den Veranstaltern mitunter nicht in den Kram paßt (weil - is' ja ihr Geld), kann ich mir an zwei Fingern abzählen.
Was die Erhöhung der GEMA-Gebühren angeht, wäre ich mir an Deiner Stelle gar nicht so sicher, daß es wirklich durch die Bank so ist, bzw. ob es überhaupt so schlimm ist, wie von einigen Leuten immer wieder behauptet. Bevor Du's mir unterstellst: ich sage nicht, daß es diese Erhöhungen um 100 oder gar 1000 Prozent Unsinn sind, und mit Sicherheit gibt es Veranstalter, die wegen eines ungünstigen Flächenschnitts plötzlich die Dummen sind. Aber ich glaube, daß die Leute, die sich am lautesten über "Tausende von Euro mehr pro Jahr" beschweren, ausgerechnet diejenigen sind, die am besten an ihren Einrichtungen verdienen und den meisten Einfluß haben. Oder anders gesagt: es gibt in Deutschland über 1,5 Millionen Veranstaltungen pro Jahr (Quelle: GEMA). Nun macht ein Teil der ca. 3.000 Dancefloors (erneute Quelle: GEMA) Zores. Verblüffenderweise habe ich aber außerhalb der Kreise DEHOGA, Bundesvereinigung der Musikveranstalter e. V., bei denen diese Einrichtungen organisiert sind, aber relativ wenig Aufbegehren wahrgenommen, genau genommen kein begründetes. Möglichkeit 1: in diese Richtung standen keine Mikrofone und es weiß auch keiner von denen, wie man sich im Internet zu Wort meldet, daher hat die Wutwelle aus dieser Richtung niemand registriert. Möglichkeit 2: die haben keine oder nur so geringe Probleme mit den neuen Tarifen, daß sie sich einfach nicht beschweren. Eine dritte Möglichkeit ist mir nicht eingefallen.
Was die spitze Feder angeht, mit dem die Veranstalter kalkulieren - richtig, aber die meisten davon haben sich ja nicht beschwert, sondern nur die Disco- und Clubbetreiber. Wenn man nun eine Berliner Studie heranzieht (Projekt Zukunft, Musikwirtschaft_Studie_Clubs_2008.pdf), findet man darin folgende Aussage: "Dabei wurde regelmäßig der höchste Umsatzanteil
(65 %) mit Gastronomie erzielt. Jeweils 17 %
wurden über Eintrittsgebühren, durch Vermietung
oder Sponsoringleistungen erwirtschaftet". Wenn wir jetzt noch berücksichtigen, daß die GEMA in ihren Tarifen davon spricht, daß pro Veranstaltung maximal 10 % der Eintrittsgelder an GEMA-Pauschale fällig werden, komme ich zu dem Ergebnis, daß ein durchschnittlicher Berliner Club maximal 1,7 % seiner Einnahmen für die Musik latzen muß; weniger, wenn er hin und wieder oder permanent brummend voll ist. Wenn sich hier jemand über hundert oder mehr Prozent Steigerung beschwert (!), muß ich mich erst mal fragen: wie günstig kriegen die denn die Musik derzeit in den Hintern gesteckt? Und ist die Erhöhung auf 1,7 % jährlich wirklich derart lebensbedrohlich, daß man mit wehenden Fahnen bei der GEMA auflaufen muß? Ich gestehe dieser Rechnung natürlich zu, daß sie erstens auf Berlin beschränkt ist (anderswo kann's anders sein) und zweitens Durchschnittswerte verbrät.
Aber okay. Nochmal: 1,5 Millionen Veranstaltungen pro Jahr, von den Veranstaltern ziehen wir jetzt mal die 3.000 ab, die sich gerade lautstark beschweren. Bleibt noch eine unbekannte Zahl übrig, die sich nicht so lautstark oder gar nicht beschwert, oder von denen man's nicht mitkriegt. Wie viele von denen wären also bereit, ein oder zwei Softwareprogramme mitlaufen zu lassen, wenn sie aufgrund des Flächenvertrags augenscheinlich weniger, gleich viel oder nur geringfügig mehr bezahlen als früher?
Und die Beträge sind immer noch nicht niedriger, geschweige denn viel niedriger geworden. Im Augenblick zahlst Du Deine abendliche GEMA-Pauschale, wenn Du GEMA-Material spielst und fertig. Wenn du noch C3S-Musik spielst, wird diese Summe noch zusätzlich fällig. Und das ändert sich so lange nicht, bis es anders geregelt wird.
Die meisten schon offenen Datenbanken, falls Du damit auf solche Dinge wie IMDB oder Wikipedia oder so anspielen solltest, jonglieren nicht mit Informationen, die unmittelbar zur Abrechnung gebracht werden müssen oder sollen. Du brauchst einfach nur mal darüber nachzudenken, daß Deine Daten mitsamt den Informationen über Dein Werk auf einem Internetserver gespeichert werden würden, und allein schon das Verlieren oder Hacken des Paßworts oder ein Nicht-Ausloggen am falschen Ort ausreicht, um Deine Einnahmequelle in Form von Datensätzen zu vernichten. In dem Augenblick, da man mittels Manipulation einer Datenbank eine natürliche oder juristische Person puttmachen kann, gehört diese unter Aufsicht.
C3S-Künstler würde ich erst mal nicht als informierter oder klüger ansehen als GEMA-Mitglieder oder sonst irgendwelche anderen Menschen. Und es wäre ausgesprochen hilfreich, wenn Du davon ausgehen würdest, daß die Nutzer dieser Datenbank nicht dieselben sein müssen, die später eine Veranstaltung zu absolvieren bzw. diese abzurechnen. Wir müssen immer noch einen Unterschied machen zwischen Urhebern und Interpreten.
Gruß
Skywise
Format
Homepage: