Porträt

laut.de-Biographie

Taproot

Man muss schon tief in die Psyche der Herren Mike DeWolf und Stephen Richards eindringen, um nachvollziehen zu können, warum sie ihre Band 'Pfahlwurzel' getauft haben. Das ist nämlich die wörtliche Übersetzung von Taproot (zur Gattung der Pfahlwurzeln gehört unter anderem Meerrettich, Löwenzahn und Schwarzwurzel). Der Name steht für eine feste Wurzel, welche die Band sowohl musikalisch als auch emotional zusammenhält.

Scherz beiseite. Taproot gehören zu der Sorte von Bands, denen im Sog von Nu Metal-Acts wie Korn und Limp Bizkit vermehrt Beachtung von Seiten der Plattenfirmen geschenkt wird. Wenn man sie jedoch als Trittbrettfahrer bezeichnet, tut man ihnen unrecht, denn musikalisch reichen ihre Wurzeln bis 1997 zurück, in einem Jahr, als gerade einmal Korn Erfolge feiern konnten und Limp Bizkit noch ein Insidertipp waren.

In jenem Jahr finden sich Richards (Gesang), DeWolf (Gitarre), Philip Lipscomb (Bass) und Schlagzeuger Jarrod Montague zusammen, nachdem sie in der Vergangenheit in Ann Arbour und Detroit ihre ersten Lorbeeren in Metalbands verdienten. Vom Start weg bedienen sich Taproot des Internets, um ihre Musik über die lokale Grenze hinweg bekannter zu machen und um Kontakt zu den immer zahlreicheren Fans zu halten. So übernehmen sie kurzerhand eine ihrer ersten Fanpages und funktionieren sie zur offiziellen Bandseite um.

Mit dem ersten Demo "Pimp Ass Sounds" ist denn auch sofort ein begehrtes Stück am Start, das von Hand zu Hand wandert und viele Leute aufhorchen lässt. Eine dieser Kopien drückt Steve Oberbizkit Fred Durst in die Kralle, der starkes Interesse bekundet und ihnen zu einem Deal verhelfen will. Doch anderthalb Jahre ziehen ins Land, ohne dass Durst sich entscheidend dafür eingesetzt hätte, Taproot die versprochene Hilfe zukommen zu lassen.

Inzwischen nehmen Taproot sowohl ihr Indie-Debüt "Something More Than Nothing" als auch die EP "Mentobe" auf, die ein Jahr später noch mal mit einem Zusatztrack unter dem Titel "Upon Us" neu aufgelegt wird. So erregen sie auch die Aufmerksamkeit diverser anderer Labels, einzig das Rotkäppchen kommt nicht aus dem Quark. Nach dem Motto 'wer nicht will, der hat schon' nehmen Taproot schließlich das Angebot des Majors Wea/Warner dankend an, nachdem sich bereits mehrere große Labels die Dienste der vier sichern wollten.

Und jetzt aufgepasst, denn das, was danach folgt, ist der Stoff, aus dem Klatschspalten gemacht werden: der durstige Fredl ist durch diesen Affront dermaßen angepisst, dass er es sich nicht nehmen lässt, Steve über dessen Anrufbeantworter aufs Übelste zu beschimpfen. In gewohnter 'Fuck As Fuck Can'-Manier zieht Fredl über Taproot her, dass es eine wahre Freude ist. Dursti erklärt ihnen den Krieg und kündigt das Ende ihrer Karriere an, bevor sie überhaupt angefangen hat (abzuhören als MP3 im Internet).

Da Hellsehen nicht unbedingt das Metier desjenigen mit dem limpen Bizkit ist, verwundert es kaum, dass es genau anders herum kommt und Taproot mit ihrem Major-Debüt "Gift" aufs Heftigste abräumen. Nachdem sie auf dem KNAC.com Festival mit Henry Rollins und Anthrax einen erstklassigen Gig hinlegen, lädt Sharon Osbourne die Jungs auf die Ozzfest Tour 2001 ein. Auch danach sieht man Richards und Co. nur an der Seite der ganz Großen wie Slipknot, Deftones, Linkin Park oder Incubus.

Da "Gift" in den Staaten bereits im Sommer 2000 erscheint, in Europa aber erst im März 2001, wundert sich mancher vielleicht, dass trotz der ausgiebigen Tourneen bereits im November 2002 der Nachfolger "Welcome" erscheint. Der fällt eine Spur softer aus, als das Debüt und entfernt sich etwas von den ehemaligen Nu Metal-Roots. Für "Welcome" geht das Quartett aus Ann Arbor als Headliner mit Dredg und Deadsy auf US Tour. Auch auf eine weitere Ozzfest-Staffel sind Taproot eingeladen, ehe es ein wenig ruhig um die Band wird.

Anfang 2005 steht die Band erneut im Studio, wo sie hauptsächlich wieder mit Toby Wright (Alice In Chains, Korn, Metallica) arbeitet, zuvor aber schon drei Songs mit Billy Corgan fertig macht. "Blue-Sky Research" erscheint im August 2005 und verkauft sich in der erste Woche direkt 28.000 Mal. Schon im Juli sind Taproot wieder mit Life Of Agony und Chevelle unterwegs.

Mit der Scheibe verabschieden sie sich von den Majorlabels, da die Zeiten des Nu Metals endgültig vorbei sind. Das Quartett selbst hat damit aber gar kein Problem, so dass sie "Out Long Road Home" einfach über das Label ihres Managements Velvet Hammer Music veröffentlichen. Für Drummer Jarrod ist nach der Scheibe allerdings Schluss, seinen Platz übernimmt Nick Fredell.

Auch in Sachen Touren müssen Taproot die folgenden Monate etwas kürzer treten. Dennoch sind sie nach wie vor eine ernstzunehmende Nummer auf dem Markt und landen schließlich beim renommierten Label Victory Records. Dort bringen sie im Mai 2010 ihr fünftes Album "Plead The Filth" raus, das die Band im gewohnten Soundgewand präsentiert.

Ähnliches kann man von "The Episodes" 2012 leider nicht behaupten, denn mit der Scheibe rutschen sie musikalisch etwas in die Belanglosigkeit ab.

Alben

Taproot - Welcome: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2002 Welcome

Kritik von Eberhard Dobler

Das Quartett unterstreicht seine Stellung im NuMetal-Genre. (0 Kommentare)

Taproot - Gift: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2001 Gift

Kritik von Eberhard Dobler

Packt den Hörer mit seiner Dichte und düsterer Grundstimmung am Kragen. (0 Kommentare)

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