laut.de-Kritik

Sven Regener und Leander Haußmann entgeht der große Fang.

Review von

Berlin, Friedrichshagen: dem Bademeister Gwisdeck wird beim Spaziergang im hüfthohen Uferwasser des Müggelsees plötzlich eine Hand abgebissen. Das Blut spritzt und das trübe Nass färbt sich tiefrot. Gwisdecks erste Reaktion: "Wattn ditte?". Der Ausgangspunkt der Trash-Komödie von Leander Haußmann und Sven Regener animiert zum Schmunzeln – wie viele kleine Eckpunkte des Filmtrailers, der seit Wochen die Nation spaltet.

Große Augen oder gar schallendes Gelächter bleiben jedoch aus. Ähnlich verhält es sich mit dem Soundtrack zum Film; auch hier spitzt man die Ohren, wenn die beiden Regisseure am Strandlagerfeuer verträumte Moll-Akkorde in den Äther verabschieden – so richtig laut klatschen will man aber nicht.

Mit gewohntem Schlafcouch-Timbre singt der Element Of Crime-Mastermind von Hausboot-Hai-Jägern ("Das Lied Vom Hai"), romantischen Zweirad-Begegnungen ("Vespa – Apples In Space") und grimmigen Bonzen ("Das Lied Vom Städtemarketing"). Das hat natürlich alles seinen Charme, und hier und da wippen gar die unteren Extremitäten verhalten mit, wenn das kauzige Duo dem Stadtteil Friedrichshagen die Einzigartigkeits-Urkunde ausstellt ("Das Frierichshagenlied") oder zum Finale den kompletten Filminhalt in ein schunkelndes Viertelstunden-Paket schnürt ("Die Große Ballade Vom Hai-Alarm Am Müggelsee").

Doch viel mehr hat die musikalische Millieustudie leider nicht zu bieten: "Wenn wir dachten, wir bräuchten ein Lied oder müssten mal ein bisschen Soundtrack hören, spielten wir zusammen ein bisschen Musik und ich habe dann irgendwas gesungen", erklärt Sven Regener den Entstehungsprozess des Albums. Euphorischer Tatendrang klingt irgendwie anders.

Und so plätschert der Großteil des Albums ermüdend vor sich hin. Vor allem die akustische Zupf-Dauerschleife des Hauptverantwortlichen, sowie Haußmanns limitiertes und bisweilen fast schon angsteinflößendes Mundharmonika-Spiel sorgen für buschiges Wachstum in den Gehöreingängen. Am Ende pickt man sich eine oder zwei Perlen raus, die man getrost auf dem heimischen Campfire-Mix-Tape parken kann – den Rest versenkt man im Schutze der abendlichen Dunkelheit in den Tiefen des Müggelsees. Dann hat sich auch der Hai-Alarm erledigt; es sei denn man schmeißt noch Ohrschützer hinterher.

Trackliste

  1. 1. Fröhliches Thema III
  2. 2. Das Lied Vom Hai
  3. 3. Verträumtes Thema III
  4. 4. Hai-Alarm Thema
  5. 5. Fröhliches Thema I
  6. 6. Vespa - Apples In Space
  7. 7. Verträumtes Thema I
  8. 8. Streichelzoo Und Lagerfeuer
  9. 9. Das Lied Vom Städtemarketing
  10. 10. Arbeitskreisblues
  11. 11. Das Friedrichshagenlied
  12. 12. Sirtaki Müggelseedamm
  13. 13. Die Große Ballade Vom Hai-Alarm Am Müggelsee

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