laut.de-Kritik

Corey Taylor lässt harte Grooves vom Stapel.

Review von

Es scheint sich in Musikerkreisen allmählich die Angewohnheit zu verbreiten, jede halbe Note veröffentlichen zu müssen. Down kloppen vier EPs auf den Markt, anstatt ein richtiges, starkes Album und nun sind auch Stone Sour nach dem gerade mal ordentlichen Vorgänger "Audio Secrecy" der Meinung, dass die Inspiration für zwei komplette Konzeptalben reicht.

Dabei zeichnete sich eine gewisse Problematik schon allein dadurch ab, dass Corey Taylor mittlerweile auf jeder zweiten Hochzeit tanzt. Was jetzt nicht von vorne herein heißen soll, dass "House Of Gold & Bones Part 1" nur eine halbgare Sache wäre. Allerdings sollte man das Album wohl von zwei Seiten betrachten. Da ist zum einen die Konzeptstory, die erzählt, wie ein junger Mensch die Entscheidung treffen muss, ob er erwachsen werden, oder lieber für immer jung bleiben will.

Die interessante Geschichte ist intelligent formuliert und musikalisch gut umgesetzt, mit allen Höhen und Tiefen, die Corey - äh - der besagte Protagonist zu durchleben hat. Zieht man aber in Betracht, dass vor allem in den USA kaum jemand mehr die Geduld und die Aufmerksamkeitsspanne hat, mehr als zwei Songs am Stück zu hören und eine Verbindung dazwischen herzustellen, bleiben wir mit elf Einzelstücken zurück, die für sich genommen nicht immer so toll funktionieren.

Das Eröffnungsdoppel gab es ja bereits vorab zu hören: Der Opener ist eine relativ harte Alternative-Nummer, in der Corey die Stimmbänder immer wieder gut anzerrt. Herrlich auch, wie sich die beiden Gitarristen die Soli wie Bälle zuspielen. Sowas kennt man von den großen Bands des Genres und das wissen Stone Sour ganz genau.

Daran schließt das fett groovende "Absolute Zero" beinahe fließend an, das mit einem typischen, sehr melodischen Stone Sour-Chorus glänzt. Guter Einstand schon mal, auch wenn "A Rumor Of Skin" das Niveau nicht ganz halten kann. Auch "My Name Is Allen" weiß nicht wirklich zu fesseln und plätschert ein wenig vor sich hin.

Schwierig auch das balladeske "The Travellers, Part 1", das nur auf Streicher und akustischer Gitarre aufbaut. Dank der kurzen Spielzeit und dem etwas offenen Ende scheint es mehr ein Zwischenspiel, denn ein ganzer Song zu sein. Besser ist da schon der zweite Teil, der im Stile der klassischen Stadion Rock-Balladen gehalten ist. Auch "Taciturn" funktioniert erst so richtig, wenn neben der Akustischen und dem Klavier endlich die komplette Band einsetzt.

Die Streicher aus "The Travellers, Part 1" nehmen sie in das sehr auf den US-Radiomarkt zugeschnittene "Tired" gleich mit rüber. Was hier noch cheesy wirkt, funktioniert bei "Influence Of A Drowsy God" deutlich stilsicherer. Die Nummer ist von Aufbau und Ablauf her das ambitionierteste Stück und entwickelt sich mehr und mehr zu meinem heimlichen Favoriten.

Dicht gefolgt vom nach einem etwas verwirrenden Intro mit angenehmer Härte los rockenden "RU 486". Die straighte Nummer hätte es in leicht abgeänderter Form durchaus auch auf eine der letzten Slipknot-Scheiben schaffen können. Den Schlusspunkt setzt schließlich das ebenfalls recht harte "Last Of The Real".

Als Geschichte ist "House Of Gold & Bones Part 1" schlüssig und logisch, wenn auch die Songs etwas durchwachsen geraten sind. Ob man sich besser auf ein einziges, starkes Album konzentriert hätte, lässt sich natürlich erst nach dem zweiten Teil endgültig sagen.

Trackliste

  1. 1. Gone Sovereign
  2. 2. Absolute Zero
  3. 3. A Rumor Of Skin
  4. 4. The Travelers (Pt. 1)
  5. 5. Tired
  6. 6. Ru486
  7. 7. My Name Is Allen
  8. 8. Taciturn
  9. 9. Influence Of A Drowsy God
  10. 10. The Travelers (Pt. 2)
  11. 11. Last Of The Real

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19 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    " Zieht man aber in Betracht, dass vor allem in den USA kaum jemand mehr die Geduld und die Aufmerksamkeitsspanne hat, mehr als zwei Songs am Stück zu hören und eine Verbindung dazwischen herzustellen, bleiben wir mit elf Einzelstücken zurück, die für sich genommen nicht immer so toll funktionieren. "

    fairerweise muss man jedoch sagen, dass, wenn das Jamba-konsumenten-SMS-Publikum zu doof ist, man das bitte nicht dem Interpreten ankreiden sollte eh? :D

  • Vor einem Jahr

    Hm, nach "Come Whatever May" haben Stone Sour (bis auf wenige Songs) ihren Zenit nach meiner Einschätzung überschritten nichts mehr Anständiges abgeliefert. Nach den Vorab-Songs zu urteilen, hat sich das auch scheinbar nicht geändert. Schade.

  • Vor einem Jahr

    @CafPow: schon klar, aber man kann auch ein gutes Konzeptalbum machen, in dem ALLE oder zumindest fast alle Songs auch einzeln bestehen können, ne? ;)

  • Vor einem Jahr

    Den Spruch mit der Aufmerksmkeitsspanne der Musikhörer hab ich vor Jahren schon von Daron Malankian, seinerzeit Gitarrist bei SOAD, gehört. Da versuchte er nämlich zu erklären, warum sie sich entschieden haben lieber zwei kurze Alben anstatt ein langes rauszubringen. Er meinte, dass sie in der IPod-Generation leben würden in dem die Kids nicht mehr gewohnt sind ein komplettes Album durch zu hören.
    Ich fand die Idee damals schon scheisse und auch wenn mich Mezmerize schon sehr positiv überrascht hat ging bei Hypnotize schon langsam die Puste aus.
    Die Kritik macht neugierig. Werd auf jeden Fall mal reinhören.

  • Vor einem Jahr

    Ich find das Album besser als das halbgare Audio Secrecy. Mehr Gitarrenwände, mehr Hardrock, der nicht so aufgesetzt wirkt wie beim Vorgänger und stellenweise an Come What(ever) May erinnert. Läuft

  • Vor einem Jahr

    Tired ist doch von Nickelback?! :D
    Ich freue mich aber über einige gute Songs die dabei sind, noch 3/4 von part 2 und ich bin zufrieden