laut.de-Kritik

Der Wunderwuzzi des Progrock blickt zurück.

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Der Wunderwuzzi des Progrock veröffentlicht die erste Werkschau seines Schaffens. Eigentlich nur als Vinyl-Veröffentlichung geplant, erscheint jetzt "Transience" auch auf allen anderen Kanälen. Ziel sei es gewesen, den Hörern, die nicht so sehr mit Steven Wilson vertraut sind, seine zugänglichere Seite näher zu bringen. Auf der anderen Seite war wohl auch der kommerzielle Aspekt ein Entscheidungshelfer, den vierzehn Songs den Sprung von Schallplatte auf CD und MP3 zu ermöglichen.

Für die Qualität der hier kompilierten Songs ist an anderer Stelle schon ausgiebig gelobhudelt worden. Was der Herr mit Porcupine Tree oder solo anpackt, hat einfach dermaßen Hand und Fuß, dass es mittlerweile müßig ist, das Hohelied anzustimmen.

Was aber Wilsons Werk anbelangt, waren seine Alben stets in sich geschlossene Arbeiten, aus denen man nicht einfach so mir nichts, dir nichts Stücke heraus nimmt. Deshalb mutet es schon recht seltsam an, wie hier kreuz und quer durch den Garten gewildert wird, zumal zwei Tracks nur in einer editierten Version zu hören sind. "Deform To Form A Star" fehlen fast zwei Minuten Spielzeit, "Happy Returns" 'nur' eine dreiviertel. Dass Wilson das mit seinen Songs machen lässt, verwundert doch etwas.

Dass auch der PT-Track "Lazarus" Eingang findet, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass das "Deadwing"-Stück seinerzeit sogar Airplay von Formatradios bekam und 2005 sogar eine Woche in den deutschen Charts Urlaub machte. Einzig das Alanis Morissette-Cover "Thank You" nimmt sich in der Tracklist etwas verloren aus und hätte nicht wirklich sein müssen, da gibt Wilsons eigener Katalog genug her.

Wenn Steven mit "Transience" neue Fans hinzu gewinnt, sei ihm das gegönnt. Seine neuen Anhänger sollten sich aber dann alsbald auf den Weg machen, um, den ganzen Rest zu erkunden.

Trackliste

  1. 1. Transience
  2. 2. Harmony Korine
  3. 3. Postcard
  4. 4. Significant Other
  5. 5. Insurgentes
  6. 6. The Pin Drop
  7. 7. Happy Returns
  8. 8. Deform To Form A Star
  9. 9. Happiness III
  10. 10. Thank You
  11. 11. Index
  12. 12. Hand Cannot Erase
  13. 13. Lazarus
  14. 14. Drive Home

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7 Kommentare mit 14 Antworten

  • Vor einem Jahr

    und die nummer "routine" nicht an bord? gibt's doch fast nicht.

  • Vor einem Jahr

    "Was aber Wilsons Werk anbelangt, waren seine Alben stets in sich geschlossene Arbeiten, aus denen man nicht einfach so mir nichts, dir nichts Stücke heraus nimmt."

    Genau, wider die Dekonstruktion. Hab "Raven that refused to blah blah" kürzlich tatsächlich mal von hinten nach vorne gehört. Und meiner Freundin "Pin Drop" auf Youtube geschickt. Ich prätentiöses Schwein, ich!

    • Vor einem Jahr

      Hab eigentlich nur Insurgentes ausgiebig gehört, aber da funktionieren für mich auch viele Songs für sich allein. Man kann sich das Konzept "Album als Gesamtkunstwerk" manchmal auch etwas zu sehr schönreden.

    • Vor einem Jahr

      Jetzt stellt sich die Frage, wie man das beurteilen kann, wenn man sich mit den Alben gar nicht richtig beschäftigt hat.

    • Vor einem Jahr

      Es stellt sich eher die Frage, ob die Grundaussage irgendeinen Belang hat. Cordas labert von "in sich geschlossenenen" Arbeiten - unterm Strich mal wieder ne typische Rezensenten-Floskel. Wären die restlichen Songs aus der Raven-Session drin gewesen, hätte er dasselbe geschrieben. Wäre es ein Song weniger gewesen, hätte er dasselbe geschrieben.

    • Vor einem Jahr

      Was das "Album als Gesamtkunstwerk sehen" angeht: Schon jemanden aufgefallen, dass bei der 3-fach-Vinyl-Version des neuen Alcest-Albums keinerlei Hinweise auf eine Reihenfolge der Songs zu finden ist? Weder im Booklet noch auf den Platten selbst. Für mich ein eindeutiges Zeichen des Artists/des Labels, dass die Songs in beliebiger Reihenfolge gespielt werden können. Das wäre jetzt an sich nichts aussergewöhnliches, aber in diesem Genre (bzw. in nahestehenden Genres) sieht man das eher selten. Da ist doch die meiste Zeit von Gesamtkunstwerk und Konzeptalbum die Rede.

    • Vor einem Jahr

      Das mit der beliebigen Reihenfolge wäre mir auf Vinyl zu stressig.

    • Vor einem Jahr

      Ok, ich hätte dazuschreiben sollen, dass pro Vinyl-Seite nur ein Song drauf ist (zu spielen mit 45rpm), verteilt auf 5 Seiten. Mann muss für eine zufällige Reihenfolge die Nadel also nicht pro Song neu positionieren, sondern kann nach einer gespielten Seite entscheiden, welche man als nächstes auflegt. So jedenfalls meine Interpretation der "Keinerlei-Hinweise-auf-die-Reihenfolge"-Aktion. Wenn es kein Internet gäbe, wüsste wohl so gut wie keiner die korrekte Reihenfolge.

    • Vor einem Jahr

      Ich würde dahinter eher ein betriebswirtschaftliches Kalkül sehen. Als besonders geschäftstüchtiges Label wie Prophecy macht man eben noch eine Box für die Leute, denen die Gesamtbox zu teuer und die einfache LP zu wenig ist.

      Um einen vermeintlichen Mehrwert zu bieten und den höheren Preis rechtfertigen zu können, werden dann drei LPs gepresst, was offensichtlich zur Folge hat, dass sechs Songs auf sechs Seiten kommen.

      Als Label für die Schallplatten werden die Label der Platten der Gesamtbox genommen (oder vice versa), wo sich das Problem der unbekannten Reihenfolge wohl nicht stellt, weil diese mehr als nur ein Textblatt hat.

      Ich würde da nicht zu viel hineininterpretieren, du hast ein Sammleritem gekauft, das als Sammleritem produziert wurde.

    • Vor einem Jahr

      Guter Ansatz. Hab ehrlich gesagt auch keine Ahnung, ob bei den anderen Versionen die Reihenfolge definiert ist. Aber da die Reihenfolge zumindest auf CD bzw. der 1-LP-Version gegeben sein muss (am Tonträger selbst) ergibt das natürlich alles Sinn. Mit der einzigen Ausnahme, warum man am Textblatt der 3-LP-Version nicht einfach die Reihenfolge aufgedruckt hat. Egal.

  • Vor einem Jahr

    Kein must-have, aber eine nette Sammlung.

  • Vor einem Jahr

    Dieser Kommentar wurde vor einem Jahr durch den Autor entfernt.

  • Vor einem Jahr

    sicher gibts ein paar songs, die auch für sich ne gewisse wirkung haben. muss allerdings sagen, dass sich bei mir steven wilson solo nur im jeweiligen albumkontext, und wenns bei mir emotional "passt", so richtig entfaltet.. "routine", dessen fehlen zu recht kritisiert wurde, wäre ein beispiel dafür. bin ich entsprechend drauf und hab ich schon n paar minuten wilson hinter mir, möchte ich dazu sterben.. hör ichs im shuffle-modus in der bahn, komm ich nicht rein, es rauscht vorbei wie die grauen gebäude auf meiner fahrt.