laut.de-Kritik

Von den kleinen und großen Dramen der heutigen Zeit.

Review von

Sehr kraftvoll steigen Kelly Jones, Richard Jones und ihr neuer Drummer Javier Weyler mit "Soldiers Make Good Targets" in ihr sechstes Album ein. Kelly Jones, der hauptsächlich für das Texten zuständig ist, befasst sich in "Pull The Pin" mit den kleinen und großen Dramen der heutigen Zeit.

Die erste Single "It Means Nothing" besticht mit eingängigen und packenden Melodiebögen und der Ruhe, die sie auf die Hörer ausstrahlt. Eine Ballade, die nicht typischer für die drei Walliser sein könnte. Textlich befasst sich das Trio mit den Terroranschlägen in London. Kelly Jones zeigt wie Dinge, die einem wichtig sind, zu einer winzigen Kleinigkeit zusammenschrumpfen, sobald der Fokus nicht mehr auf der eigenen Identität liegt. In einem Interview erzählte er: "Man hält alles für selbstverständlich, bis etwas schief läuft. Ein Jahr redet man kaum mit seiner Familie, und dann ist ein Begräbnis der Anlass."

"Bank Holiday Monday" könnte sich eigentlich auch auf der neuen Scheibe von Kula Shaker befinden. Jones Stimme und die treibende Kraft der Musik klingen stark nach einem der etwas kantigeren Songs auf "Strangefolk".

Ein weiteres großes Highlights dieser Platte ist "Daisy Lane". Eine Gitarrenmelodie beginnt, die stark an den Einstieg in den Pumpkins-Song "Today" erinnert, jedoch nicht wie bei den Kürbissen in einen rockigen Song übergeht, sondern auf der leisen und sensiblen Schiene weiterfährt. Ein völlig anderer, extrem melancholischer Kelly Jones erzählt mit erschöpfter Stimme die Geschichte der Daisy Lane: Der Mord an einem Fünfzehnjährigen zerstört das Leben einer Familie und, das genau vor seiner Haustür in besagter Straße.

Auch das folgende "Stone" behält die nachdenkliche Stimmung des Vorgängers bei. Jones erzählt von einer gescheiterten Beziehung, die ein Partner jedoch wieder zum Leben erwecken möchte, weshalb er an allen möglichen Plätzen nach seinem Seelenverwandten sucht. Während die Strophen recht ruhig dahin treiben, ist der Refrain sehr ausdrucksstark und lädt dazu ein, mitzugrölen, was das Zeug hält.

"My Friends" und "I Could Lose Ya" wirken wie Lückenfüller. Zwar rocken die beiden Stücke, doch fehlt ihnen das innovative Moment, um im Kopf hängen zu bleiben. Bei "Bright Red Star" freut sich mein Singer/Songwriter verehrendes Herz. Eine Akustikgitarre und vereinzelte Basstupfer untermalen die zwar alltägliche, aber dennoch rührende Beziehungsgeschichte: "Mary is my bright red star / She caught the train to work in the morning when she got up / And then she'd call me up, just to wake me up."

Insgesamt haben die drei Walliser mit ihrem neuesten Streich ganze Arbeit geleistet. Bis auf wenige Ausnahmen haben alle Songs ihre kleine, aber feine Eigenart, sei es ein anderer Musikstil oder aber die variierende Stimme von Kelly Jones. Diese Innovationen und die nachdenklichen Texte sorgen dafür, dass man sich die Scheibe einige Male anhören muss, damit auch nur im Entferntesten Langeweile aufkommt.

Trackliste

  1. 1. Soldiers Make Good Targets
  2. 2. Pass The Buck
  3. 3. It Means Nothing
  4. 4. Bank Holiday Monday
  5. 5. Daisy Lane
  6. 6. Stone
  7. 7. My Friends
  8. 8. I Could Lose Ya
  9. 9. Bright Red Star
  10. 10. Ladyluck
  11. 11. Crush
  12. 12. Drowning

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