Porträt

laut.de-Biographie

Stabil Elite

Drei Schulfreunde, ein strenges visuelles Konzept und ein Haufen analoger Synthesizer – oder Kraftwerk 2.0? Im Jahr '11 veröffentlichen Lucas Croon, Nikolai Szymanski und Martin Sonnensberger die Debüt-EP "Gold". Der Titeltrack wird zur offiziellen Hymne des elektronischen Kölner Musikfestivals c/o pop ernannt, und kurz darauf schlägt der Popfeuilleton Purzelbäume. Dass im neuen Jahrzehnt drei Düsseldorfer Mittzwanziger-Jungs so ausgiebig in den vollen Musikarchiven der dereinst taktgebenden Rheinstadt forsten, ruft naturgemäß die Presse auf den Plan.

Schnell sieht sich der kühle Krautpop wie seinerzeit die Kölner Elektronik-Kollegen von MIT zwei Lagern gegenüber. Neben dem ein oder anderen plumpen Plagiatsvorwurf sind die Medien jedoch überwiegend lobesschwanger. Die popintellektuelle Spex begeistert sich für die "aufreizende Mischung aus unterkühlter Intellektualität und Groove, aus Avantgarde-Détachement und Tanz", preist die Einflüssen aus Krautrock und Art-Wave sowie "Textgebilde zwischen Existenzialismus und Neo-Dada". ZDF Kultur gibt den Aufstrebenden per Videobeitrag die Gelegenheit, den Stabil Elite-Ansatz zu erklären.

Textzeilen wie "Im Rausch der Zeitreise" seien "auch ein bisschen eine Anspielung auf uns", sagt darin etwa Sänger und Keyboarder Nikolai Szymanski. "Dass wir uns zum Teil auch sehr bei der Vergangenheit bedienen in unserer Musik." Sodann wirft Kollege Croon jedoch den korrektiv gedachten Term "retrofuturistisch" in den Raum. Lucas Croon, der mit strengem Scheitel übrigens schon optisch an Holger Hiller (Palais Schaumburg) erinnert, möchte gemeinsam mit seiner Band aus alten Fragmenten - der elektronischen Variante von Krautrock und Wave/NDW - Neues erschaffen.

Zusammengefunden haben Croon, Szymanski und Sonnensberger noch zu Schultagen bezeichnenderweise im wegweisenden Düsseldorfer Bar/Club-Hybriden Salon des Amateurs. Im dortigen Umfeld von experimentelleren Künstlern wie Hauschka (der auch ein Album nach jenem Lokal benannt hat) und den ebenfalls Krautrock-inspirierten Von Spar und Kreidler gründen sie Stabil Elite. Von Anfang an gilt eine völlige Offenheit im Instrumentengebrauch. Zusätzlich zu Bass, Gitarren, analogen Synthesizern und Drums geben die drei auch exotischeren Sounds wie Sitars oder Xylophonen Raum zur Entfaltung. "Das Formen eines Klanges ist uns sehr wichtig", heißt es bei Croon.

Angst vor unterstelltem Konservatismus bzw. einem Status als bloßer Zitatact hat man trotz des Studiums der Düsseldorfer Schule (Kraftwerk, Neu!, DAF, Fehlfarben) aber keineswegs. Paraphrase ja, Prätention niemals, lautet die Elite-Devise. Sie agieren mit Vorliebe mit analogen Vintage-Instrumentarium, begleiten mit ihren Mini-Moogs und schimmernden E-Gitarren oft mantrahafte Zeilen über Stahlträger und Beton – oder über Figuren aus der antiken Mythologie. "Alles was ich anfasse wird zu Gold", heißt es zum Beispiel auf besagter Premieren-EP.

Via Italic Recordings erscheint 2012 dann der erste Langspieler "Douze Pouze". Augenzwinkernd dandyhaft lässt die Band die Promo-CDs mit dem Aufkleber "The Sound of Young Europe" versehen. Aus Düsseldorf und Vergangenheit nach Europa und Zukunft also. Mit Geschichtsbewusstsein, Stil und Nonchalance. Mit Stabil Elite.

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