laut.de-Kritik

Kandidat für den Bad Taste-Award.

Review von

Dramatische Fanfaren leiten das große Nichts ein: Spongebozz präsentiert mit nun etwas weniger quakenden Stimme seine 08/15-Gangstergeschichten rund um Drogendeals, Waffengewalt und Statussymbole. Die banalen Texte garniert er mit Angriffen auf die gesamte Rap-Szene, jeder Menge Auto-Tune und schauderhaften Beats. "Started From The Bottom/Krabbenkoke Tape" bietet sich wirklich für einen Bad Taste-Award an.

Mit Hip-Hop hat das freilich wenig zu tun. Vielmehr bleibt Spongebozz ein durchkalkulierter Vermarktungsgag. Darüber ist sich der Protagonist selbst im Klaren: "War kein Marketingbiest, aber jahrelange Erfahrung im Straßenvertrieb, simple Mathematik. Übertrag das Prinzip auf's Musikspiel vom Streetspiel". Als Schwamm verkleidet, liefert er bravotaugliche Geschichten für all die RapUpdater da draußen: "Ihr seid heiß auf meine Identität. Kids analysieren jeden Videoframe, um mich in der Spiegelung zu sehen".

Die Boulevardmedien forcieren dann noch die im Grunde völlig unbedeutende Frage, wer sich hinter dem Schwamm verbirgt. Als ob das Publikum wüsste, wer zum Beispiel hinter den unmaskierten Taktloss oder DCVDNS steckt.

Audio88 verspottete jüngst auf seiner wunderbaren EP "Sternzeichen Hass" die seit einiger Zeit grassierenden überlangen Disstracks: "Du machst 2'17 allen Ernstes Disstracks, die nicht mal 'ne Stunde lang sind?". Darüber lächelt Spongebozz nur müde und walzt seine verbalen Attacken über die volle Laufzeit von zwei Stunden aus. Neben seinem dauerpräsenten Erzfeind Kollegah nimmt er alleine auf "Apocalyptic Infinity" ansatzlos die 257ers, ApoRed, Fler, Genetikk, Joka, Karate Andi, Kay One, MoTrip, Seyed, Toony und Vegas Freunde von Niemand ins Visier.

Die von Seiten der Anhänger viel gepriesenen Wortspiele erreichen in der Regel bestenfalls Entetainment-Niveau: "Ich hab' Mafiabackground wie das Good-Fellas-Cover". Vergleiche mit Kollegah grenzen da an Realitätsverweigerung trumpschen Ausmaßes. Unpassenderweise flechtet er in seine Räuberpistolen allerhand Anekdoten aus seinem Leben ein. So erwies sich der Kokainhandel seines Stiefvaters zwar als lukrativ, offenbarte aber auch Schattenseiten: "Dafür Jahre auf ihn warten. Sie hatten Schaden davongetragen. Ich war sechs, die Seele schwarz und voller Narben". Bekenntnisse eines Schwamms.

Das Belanglose weicht im besten Fall dem Grenzwertigem: "Und ein Cop kann nicht schlichten, denn nur Gott kann mich richten ... Blut eurer Söhne für die Trän'n unserer Mütter". Damit lehnt sich Spongebozz gefährlich nah an die Geisteshaltung eines Terroristen an. Auch die galligen Sprüche zu dem Themenkomplex Drittes Reich rufen bestenfalls Unverständnis hervor: "Mein Waffenarsenal ist Wehrmacht-Shit." Volltreffer, die Streitkräfte des Deutschen Reichs stellen immerhin seit jeher richtig coole Vorbilder dar.

Dabei geht aus "Yellow Bar Mitzvah" vielmehr hervor, dass die Familie des Schwamms der Opferseite zuzurechnen ist: "Gangsterrapper machen ein'n auf Kokaindealer, doch waren niemals im Ghetto wie meine Oma Sofia". Die Indizierung seines Albums "Planktonweed Tape" vergleicht er leichtfertig mit dem Holocaust: "Erst verbrennen sie mein Volk und dann meine CDs". Derartige Verse streut Spongebozz skrupellos zwischen seine 'von-Yayoverticker-zum-Lambobesitzer'-Lines. Unverantwortlich.

Was die Produktion angeht: Die völlig überladenen Beats würden selbst Rapper mit weniger dünnen Stimmchen überfordern. Für minimale Abwechslung sorgen die Snap!-Huldigung "Rhythm Is A Gangster" sowie der mit Sample aus dem gleichnamigen De-Palma-Film versehene Song "Scarface". Auch "Vatos Locos" weicht mit mexikanischem Flair vom unhörbaren Einheitsbrei ab. Dennoch bleibt das Soundbild trotz höherer Ansprüche unoriginell: "Was geht heut' mit dem Sound? Ich glaub' Deutschland ist taub". Es wäre hier durchaus zu wünschen.

Einen roten Faden im Œuvre des Rappers bildet auch die übermäßige Auto-Tune-Nutzung. Diese zieht sich durchs gesamte Album mit teils grausigen Ergebnissen ("Centurion Card", "Rolex O. Handschellen"). Zum Teil klatscht er den Effekt unmotiviert in bester Zuna-Manier über die Texte ("Wory W Sakone"). Wobei der Vergleich hinkt, immerhin gebärdet sich Spongebozz als Erfinder der Software: "Früher gab es für mein'n Rapshit keine Löhne. Heute macht es jeder – Auto-Tune und Trap sind meine Söhne". Das ist natürlich völliger Mumpitz.

Bei aller Missbilligung muss festgehalten werden: "Apocalyptic Infinity" und "Machinegunflows" weisen Doubletimes in beeindruckender Geschwindigkeit auf. Auf diesem Level spielen hierzulande nur wenige Rapper. "Sin City" überzeugt mit vielsilbigen Reimketten: "Mach ma' auf Modegott mit dei'm Strasssteinentotenkopf. Yo, der Mafiadrogenboss gibt dir Pumpgunpatronenshots. Und dein Wassermelonenkopf platzt am Boden wie ein aus dem 88. Stock des Plattenbauhochhausblocks fallender Honigtopf". Über Albumlänge ist das aber zu wenig.

Trackliste

  1. 1. Started From The Bottom
  2. 2. Apocalyptic Infinity
  3. 3. Rolex O. Handschelle
  4. 4. La Familia
  5. 5. Bluff Millimet
  6. 6. Centurion Card
  7. 7. Yellow Bar Mitzvah
  8. 8. Rhythm Is A Gangster
  9. 9. Wory W Sakone
  10. 10. Zlatan Ibrahimovic
  11. 11. Hype Is Real
  12. 12. Moonrocks
  13. 13. Now We Here
  14. 14. A.C.A.B. II
  15. 15. Blow
  16. 16. Guntalk
  17. 17. 1%er
  18. 18. Pablo Escobar
  19. 19. Bikini Bottom Gangster II
  20. 20. Machinegunflows
  21. 21. El Chapo
  22. 22. Sin City
  23. 23. Scarface
  24. 24. Krabbenkoke
  25. 25. Vatos Locos
  26. 26. Plata O Plomo

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LAUT.DE-PORTRÄT SpongeBozz

"HÄHÄÄ!" Ja, bitte? "Ich fick' Karrieren, ficke jeden, auch wenn ich mit dem Rücken zum Business stehe." Mit einem ziemlich breiten Rücken. In Gelb.

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