Porträt

laut.de-Biographie

Sondaschule

Ist es mutig, als Band aus Mühlheim an der Ruhr und Oberhausen einen der beliebtesten Musiker Deutschlands zu beleidigen und diesen dreieinhalbminütigen Diss auch noch mit Videoschnipseln aus dessen DVD zu unterlegen? "Es wär 'ne schöne Welt, wo er endlich seine Fresse hält: Herbert, halts Maul." Sondaschule sind eben Punks, die dürfen das, zumal mit der Anfeindung gegen den berühmten Menschen aus Bochum ja auch etwas regionale Folklore gepflegt wird.

Sondaschule beschreiben auf ihrer Homepage ihre ersten Schritte als Band wie folgt: "Als sich 1999 in einem kleinen Städtchen des Ruhrgebiets ein paar Freunde aufmachten, um eine Band zu gründen, dachte niemand, dass diese geistig eindeutig zurückgebliebenen Kreaturen jemals das Städtchen verlassen würden." Dass Sondaschule lässig damit kokettieren, derbe Assis zu sein, gehört in der deutschen Ska- und Oi-Punk-Szene ja auch irgendwie zum guten Ton.

Ihr Bandname nimmt dagegen nicht die Schwächsten im Bildungssystem aufs Korn, sondern pöbelt gegen pseudo-ideologische Kämpfe innerhalb der Ska-Szene: "Den Namen haben wir bewusst gewählt, hauptsächlich wegen der Stil-Debatte über Old School und New School, die uns ziemlich auf die Nerven ging. Da haben wir einfach unsere eigene Schublade aufgemacht: Sondaschule."

Diese "School of Ska" macht sich einen Namen, weil sie sich als Party-Tanzorchester mit irrlichternden Bläsern schnell für eine kleine Gage im Vorprogramm von Bands wie den Donots, Anti-Flag oder Ska-P behauptet, ohne auch nur eine Peinlichkeit auszulassen.

Mit ihrer ersten EP "Lieber Einen Paffen" und dem Debütalbum "Klasse 1A" wandelt man selbst eher auf den Pfaden von Rantanplan, der Terrorgruppe oder Nofx.

In den Geschichten über Liebe und Rausch erkennt man auch den Liedermacher Götz Widmann wieder. Teils schmerzfrei zwischen adoleszenten Blödeleien und etwas Sozialkritik betexteten, schnellen Poppunk mit Off-Beat-Gitarren und kurzatmigen Ska-Bläsern spielen Sondaschule.

In Sachen Humor und Selbstironie versucht die achtköpfige Band um Sänger Costa Cannabis, Gitarrist Chemokeule und Posaunist Chris Chrawumm allerdings stets, noch einmal einen draufzusetzen, weshalb einige Fans in ihnen schon die legitimen Nachfolger der Ärzte sehen. Die Band tourt jahrelang über die Dörfer, anstatt ihr nächstes Album aufzunehmen, das erst 2006 erscheint, Ska-lastiger ausfällt und "Rambazamba" heißt.

Man dankt es ihr zuerst in NRW, später in ganz Deutschland mit einer treu pogenden Fanbase, die auch im Netz ordentlich Lärm für ihre Helden macht. 2007 wird das Album mit dem Song "Arbeitsloser Star" wiederveröffentlicht, den Costa Cannabis mit Gunter Gabriel singt. Im folgenden Jahr spielt man mit dem aktuellen Longplayer "Volle Kanne" schon bei Rock am Ring. Letzter Schritt auf dem Weg nach oben.

2010 erscheint das vierte Album "Von A Bis B", dessen Single "Tanz" es bis auf Platz 13 der Charts schafft. Das Album selbst erklimmt sogar den neunten Rang.

Kein Wunder, dass die Band ihre Ansprüche mittlerweile selbstbewusst formuliert. Sänger Costa Cannabis: "Irgendwann wird es die Ärzte und die Toten Hosen nicht mehr geben, und dann ..." Herbert Grönemeyer sollte sich schon mal vorsehen.

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Termine

Sa 26.04.2014 Unterwaldhausen (Festzelt)

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