Porträt

laut.de-Biographie

Sometree

Am Anfang von Sometree stehen – man glaubt es kaum - Metallica. 1994, die Herren Hetfield, Ulrich und Co. erholen sich gerade vom Welterfolg ihres schwarzen Albums, machen sich in Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover vier junge Männer daran, die Hits der Metal-Götter nachzuspielen. Noch Jahre später hat die Band nach eigener Auskunft die alten Metallica-CDs im Tourbus stets dabei.

In der Besetzung Bernd Bauerochse, Sebastian Lindner, Alex Pavlidis und Björn Bauermeister
nehmen Sometree jedoch bald eigene Demo-Kassetten auf und lassen ihre Metal-Sozialisation weit hinter sich. Düster und in ihrer Suche nach einem maximalen Laut-Leise-Kontrast unheimlich intensiv klingen bereits die ersten Songs der "Hazel"-EP aus dem Jahr 1996. Nur eher nach amerikanischem Emo-Rock und Post-Hardcore im Stil ihrer erklärten Lieblingsband Sunny Day Real Estate.

Überhaupt bleibt die Perspektive der Band nicht zuletzt wegen eines internationalen Sounds und englischsprachiger, emphatischer Lyrics nie auf den deutschen Musikmarkt beschränkt. Die beiden folgenden, zuehmend ausgefeilteren und hymnischer angelegten Alben, "Clever, Clever, Where Is Your Heart" und "Sold Heart To The One Followed" erscheinen via kleiner Indie-Labels in den USA und werden mit ausdauernden Touren promotet. Bis zu 400 Konzerte und Support-Shows in den Staaten und in ganz Europa spielt man seither zu jedem neuen Album.

Kein Wunder, dass Sometree in Person von Schlagzeuger Björn, der sich nach einem Studium der Philosophie nebenbei als Musikjournalist verdingt, wiederholt mit anekdotischen Tourtagebüchern launig von ihren Reisen berichten. 2003 veröffentlicht die Band mit "Moleskine" ihr bis dato bestes Album. Vertrackter, eruptiver, aber auch zarter und freigeistiger klingt ihr Sound, der von Klavier, Trompete und Horn veredelt wird.

Durchwegs begeistere Rezensenten werfen wegen verästelter Rhythmen, verwobener Gitarrenteppiche und plötzlicher Noiseausbrüche Namen wie Radiohead und Mogwai in den Ring, dennoch erscheint eine Genrezuweisung zunehmend schwieriger. Leider stagnieren die Besucherzahlen auf der anschließenden Deutschland-Tour im zwei- bis dreistelligen Bereich, obwohl Songs wie "Pulse", "Nosebleed" und "Reckoning Luck" ein Sometree-Konzert in seiner physischen Wucht weit über das Live-Erlebnis bei anderen Bands erhebt.

Die Band legt danach eine zweijährige Pause ein und zieht von Hannover nach Berlin. Mit Tocotronic-Produzent Tobias Levin nimmt man 2006 "Bending The Willow" auf, das ebenfalls beim Hamburger Label Pop-U-Loud erscheint und noch verdichteter, noch durchdachter klingt. Dennoch muss Sänger Bernd weiterhin in den zugespitzten Noise-Rock-Momenten von "Hands And Arrows" und "Bending The Willow" bis an die Grenzen seiner Stimme und seines Lungenvolumens gehen.

Entlastung verspricht der Gastauftritt von Ex-Blackmail-Sänger Aydo Abday, der drei Jahre später bei der pompösen Release-Show zum 2009er-Album "Yonder" neben Konstantin Gropper von Get Well Soon und einem Frauenchor auf der Berliner Bühne steht. Mit dabei sind außerdem ein Streichquartett und eine Bläsersektion. Nicht weniger sollte einer Band mit dem Potential von Sometree zustehen.

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