laut.de-Kritik

Snoops spiritueller Neustart klingt eher nach Spaßprojekt.

Review von

Snoop Dogg nennt sich jetzt Snoop Lion und nimmt ein Reggae-Album auf: Was ein Großteil der Welt zunächst belächelte ("Der kifft eben zu viel"), hat für Calvin Broadus nach eigenen Angaben einen ernsten, spirituellen Hintergrund. Weniger amüsiert zeigte sich dann auch so mancher Vertreter aus der jamaikanischen Szene. Den "arglistigen Gebrauch von Rastafari-Persönlichkeiten und -Symbolen" warf etwa Bunny Wailer der Hip Hop-Größe vor.

Dabei hatte der 66-Jährige noch ein paar Monate zuvor den US-Rapper bei seinem Jamaika-Aufenthalt begleitet, während dem der MC nicht nur ein neues Genre, sondern anscheinend auch eine neue Lebenseinstellung für sich entdeckte. "There's so much death, there's so much destruction, so much mayhem and so much misunderstanding in music", meldet sich Snoop noch vor Einsatz der pumpenden Bässe von "Rebel Way" zu Wort - und spielt damit nicht zuletzt auf die eigene Karriere an. "I wanna be loved while I'm here. And the only way to get love is to give love."

An sich eines lobenswerte Haltung. Doch leider hat der Doggystyler, so bald es ums Weltgeschehen geht, nicht viel mehr als die typischen Plattitüden im Gepäck. "All the pollution in this world / me just can't stand it / global warming make the whole world panic", heißt es in "Smoke The Weed" mit Collie Buddz.

Mit Mr. Vegas entstand dagegen eine Dancehall-Ode an den "Fruit Juice": "Natural berries - also very good for the system / some touch, some sweet, you just can't resist them." Das klingt dann doch eher nach einem Spaßprojekt.

Dabei ertönt vorher noch die gelungene, ernst gemeinte Friedenshymne "No Guns Allowed". "Let the music play / me don't want no more gunplay / When the bodies hit the ground / there's nothing left to say." Im Hinblick auf Snoops über lange Jahre hart erarbeitetes Gangsta-Image vielleicht das bemerkenswerteste Statement der Platte.

Cori B. Steuert hier endlich einen Refrain bei, der sich nicht nach kurzer Zeit abnutzt, und auch Drakes Part fügt sich bestens ein. Dennoch irgendwie symbolisch, dass gerade der stimmige Albumhöhepunkt mindestens zur Hälfte auf die Kappe eines dominanten Beirut-Samples ("Nantes") geht.

Ansonsten sorgt manch einer der zahlreichen Featuregäste für Stirnrunzeln. Ebenso wie Frauenschläger Chris Brown ("Remedy") scheint auch die beliebig ersetzbare Miley Cyrus ("Ashtrays & Heartbreaks") vor allem ihres großen Namens wegen am Start zu sein. Auch wenn Snoop der 20-jährigen Möchtegern-Rihanna damit wahrscheinlich den musikalischen Karrierehöhepunkt beschert.

Die zwei Hände voll weiterer Featuregäste tragen ebenfalls nicht gerade zu einem zusammenhängenden Gesamtwerk bei. Und doch macht Snoop nicht den Eindruck, als hätte er die Sache alleine besser gemeistert.

Dabei baute ihm ein vom schwer angesagten Major Lazer (Diplo) geleitetes Team aus teils jamaikanischen Studiomusikern und fähigen Produzenten ein über weite Strecken amtliches Fundament. Mit wenigen Ausnahmen, etwa dem kalkulierten Dancefloorstampfer "Get Away" gelingt ein origineller Brückenschlag aus Roots, moderner Digitaltechnik und organischen Elementen. Kurzum: Mit diesen Riddims und Beats wäre weitaus mehr drin gewesen.

"Reincarnated" liefert jedoch den Beweis, dass eine Reggae-Platte nun mal mit seinen Vokalisten steht und fällt. Dass Snoops zwölftes Studioalbum schon nach wenigen Durchläufen auf die Nerven geht, scheint nämlich in erster Linie seinem mangelnden Temperament, seinen - als Sänger - kaum vorhandenen Ecken und Kanten geschuldet.

Was jedoch nichts daran ändert, dass wir es hier mit einem der meistverkauften Reggae-Releases der letzten Jahre zu tun haben werden. Und dass Snoop Lion seine Wiedergeburt auch in Europa in den ganz großen Headliner-Slots (Frauenfeld, Summerjam) zelebriert. Eigentlich klar, dass da nicht jeder jamaikanische Rastafari in Jubelstürme ausbricht.

Trackliste

  1. 1. Rebel Way
  2. 2. Here Comes The King
  3. 3. Lighters Up
  4. 4. So Long
  5. 5. Get Away
  6. 6. No Guns Allowed
  7. 7. Fruit Juice
  8. 8. Smoke The Weed
  9. 9. Tired Of Running
  10. 10. The Good Good
  11. 11. Torn Apart
  12. 12. Ashtrays & Heartbreaks
  13. 13. Boulevard
  14. 14. Remedy
  15. 15. LA LA LA
  16. 16. Harder Times

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LAUT.DE-PORTRÄT Snoop Dogg

Rap-Superstar, Produzent, Sänger, Songwriter, Labelboss, Schauspieler, Comedian, Computerspiel-Junkie, Football-Trainer (mit Lizenz!), Porno-Produzent, …

27 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Miley Cyrus AUSTAUSCHBAR? Allah, das ist die beste Nachwuchs-Bitch seit Britney!

  • Vor einem Jahr

    Ach, laut.de. Das Teil is so geil produziert, bombastisch, sommerlich, eingängig. Ne 3/5 hätts ja wohl mindestens verdient. Wird glatt der Sommer-Soundtrack für mich.

    "Und auch Drakes Part fügt sich bestens ein" ist übrigens dreist gelogen. Die Strophe bewegt sich so jenseits irgendeines Taktgefühls, ich kann kaum glauben, dass man sich als kommerziell auftretender Rapper sowas leisten kann. Richtig scheiße.

  • Vor einem Jahr

    Dieser Lighters Up Riddim hat mich als Single dermaßen aus den Schuhen gehauen, dass ich nur wegen der Produktion da mal reinhören muss.

  • Vor einem Jahr

    Als Nächstes macht er unter Garantie ein Kiffer-Country-Kollabo-Album mit Willie Nelson. Mark my words!

  • Vor 7 Monaten

    Ich find das Album klasse... tolle Produktion, bis auf Miley Circus gute Features - ne 5 Sterne Platte für chillige Sonnentage :)

  • Vor 2 Monaten

    Lasst ihn doch seinen Ausflug. Wie lange ist er im Geschäft? Ich finde seine Bio beeindruckend. Er macht so viele unterschiedliche Sachen und wirkt dabei immer vollkommen gechillt, das kommt nicht nur vom Kiffen. Man MUSS diesen Mann einfach lieben! Er ist Urgestein, er zeigt das er mit der Zeit geht und trotzdem bleibt er wie er ist.

    Auf Miley hätte er verzichten können, weil sie einfach nix kann, außer ihre widerliche Zunge der Welt zeigen und ihre Kinder-Mumu an jeden Penis reiben den sie finden kann. Wer meint das dieses "Ding" in irgend einer Weise musikalisch talentiert ist, hat sich mit einen Hammer gekämmt! Warum hat er sich dafür nicht z.b. Jazmine Sullivan geholt?! Geld regiert die Welt!