laut.de-Kritik

Der Doggfather lehnt sich zurück - weit in die Vergangenheit.

Review von

Snoop Doggs Ausflüge Richtung Funk und Reggae gestalteten sich in den vergangenen Jahren recht abenteuerlich, und nicht wenige Fans hofften auf die Rückkehr zu seinen Raptugenden. Mit "Coolaid" will der Doggfather das Versprechen einlösen und wieder an das Westcoast-Feeling seines Klassikers "Doggystyle" anknüpfen. Nicht nur alte Weggefährten wie Too Short und E-40 sind zu hören, auch musikalisch strotzt die Platte vor entspannten und oldschooligen G-Funk-Beats, die das Gangstertum der 90er aufleben lassen wollen.

Der Opener "Legend" startet dennoch überraschend: mit abgehackten Trap-Beats und fetter Bassline, die dem Dogzilla tatsächlich wie auf den Leib geschneidert passen. Der Ausflug in moderne Gefilde bleibt aber nur von kurzer Dauer. In "Ten Toes Down" flowt der Altmeister entspannt zu oldschooligen Synthiebeats, scheint aber leider nicht zu merken, dass die ein oder andere Line nicht nur altbacken, sondern sehr unreflektiert daherkommt ("Like I'm Jewish, all about the bread, huh").

"Don't Know" mit Too Short führt die eingeschlagene Richtung fort. Deepe, vibrierende Bässe und oldschoolige G-Funk-Vibes lassen den Kopf nicken. "Super Crip" kommt anschließend mit dunkler Pianoline etwas kratziger daher. "Coolaid Man" lebt von Snoops lässig realem Flow.

Danach schippert die Veranstaltung leider in Richtung solides Mittelmaß: Die meisten Beats wirken nicht nur obsolet, sondern lassen auch großartige Lines vermissen, die sich im Kopf festsetzen. Stattdessen rappt Snoop im Gesamtverlauf über seine Zuhälterfantasien und ein doch eher klischeehaftes Frauenbild. Hip Hop hat sich in den letzten Jahrzehnten musikalisch und inhaltlich weiterentwickelt respektive geöffnet: 2016 wirkt diese Attitüde nicht gerade zeitgemäß.

"My Carz" kopiert die Synthline von Gary Numans "Cars", hebt sich aber soundmäßig vom restlichen Material ein wenig ab. "Two Or More" zeigt das Dilemma der Platte am nachdrücklichsten: Die Beats bleiben eine lahme G-Funk-Kopie, die funkige Gitarre bringt keine Abwechslung, und Snoops Flow ähnelt eher einer Einschlafhilfe.

Die mittelprächtigen Features verstärken den trägen Eindruck, gerade wenn Autotune-Gesangseinlagen von Swizz Beats in "Light It Up" und "Let The Beat Drop (Celebrate)" dazukommen. Etwas Boden gewinnt Dogg mit Wiz Khalifa in "Kush Ups", das mit coolen Dropbässen und jede Menge Karibikflair aufwartet. Wiz zeigt einen herrlich dynamischen Flow - der Track erweist sich als erstaunlich starker Banger.

"Revolution", auf dem October London mitrappt, mutiert dann zu einem bombastischen Abschluss mit psychedelischer Orgel und Pianoklängen, der die Aussage Gil Scott-Herons "The Revolution Will Not Be Televise"" ironisch umkehrt.

Snoop knüpft mit "Coolaid" an den klassischen Westcoast-Sound der 90er an und zeigt zu Beginn der Platte, dass er noch immer entspannt und gleichzeitig angriffslustig sein kann. Über die fast 80 Minuten Spielzeit ruht er sich aber zu sehr auf dr Vergangenheit aus, das wirkt ermüdend. Ein wenig mehr Freshness wäre im besser zu Gesicht gestanden, denn die wenigen modernen Momente zählen zu den besten des Albums.

Trackliste

  1. 1. Legend
  2. 2. Ten Toes Down
  3. 3. Don't Know (feat. Too Short)
  4. 4. Super Crip
  5. 5. Coolaid Man
  6. 6. Let Me See Em Up (feat. Swizz Beatz)
  7. 7. Point Seen Money Gone (feat. Jeremih)
  8. 8. Oh Na Na (feat. Wiz Khalifa)
  9. 9. My Carz
  10. 10. Two Or More
  11. 11. Affiliated (feat. Trick Trick)
  12. 12. Feel About Snoop
  13. 13. Light It Up (feat. Swizz Beats)
  14. 14. Side Piece
  15. 15. Kush Ups (feat. Wiz Khalifa)
  16. 16. Double Tap (feat. E-40 & Jazze Pha)
  17. 17. Got Those
  18. 18. Let The Beat Drop (Celebrate) (feat. Swizz Beatz)
  19. 19. What If (feat. Suga Free)
  20. 20. Revolution (feat. October London)

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