Porträt

laut.de-Biographie

Silla

Berlin ist ein Dorf. Das sagen zumindest viele Einwohner der Hauptstadt, die nichts mit der Rapszene zu tun haben. Dabei hätte gerade diese gute Gründe zu der Aussage: Irgendwie hängen alle Rapper, Produzenten und sonstige Hip Hop-Aktivisten doch über höchstens zwei Ecken miteinander zusammen. Ein wichtiges Bindeglied bildet Matthias Schulze, Baujahr 1984.

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Den ersten Auftritt auf Tonträger hat der Mann, der sich zu diesem Zeitpunkt noch Godsilla nennt, auf dem indizierten Streetrap-Klassiker "Rap Braucht Kein Abitur" von Bass Sultan Hengzt von 2003. Dass die Platte überhaupt zustande kommt ist schon sein Verdienst: Er stellt den Kontakt zwischen Hengzt und Serk her. Der wiederum betreibt ein Studio, das Hengzt nach dem Split mit Bushido dringend benötigt.

Abitur braucht Rap wohl tatsächlich nicht, das Schulbankdrücken kann jedoch durchaus förderlich sein. Die ersten Schritte in Richtung Sprechgesang geht Godsilla nämlich dank King Orgasmus One, seinem Schulfreund. Da schließt sich auch der Bogen zu Bass Sultan Hengzt und Bushido, die mit Orgi gemeinsam die Crew Berlins Most Wanted, kurz BMW, am Start haben.

Nach seinem 2004er Solodebüt "Übertalentiert", das Gerüchten zufolge ohne jegliche Promotion mehr als 3.500 Abnehmer gefunden haben soll, kriegt auch Bushido langsam Interesse am Newcomer. Auf dessen Goldalbum "Staatsfeind Nr.1" darf Godsilla einen Part zu "Die Stimme Der Nation" beisteuern.

Angeblich lehnt er jedoch danach das Angebot auf einen Vertrag bei Bushidos Label Ersguterjunge ab. 2005 kriselt es bereits zu heftig zwischen dem Berlinrap-Flaggschiff und seinen alten Komparsen.

Als Bass Sultan Hengzt und Bushido begleitet von einer Flut von Disstracks ihre Freundschaft beenden, bekennt Godsilla klar Farbe: Mit Orgi gemeinsam nimmt er das Kollabo-Album "Schmutzige Euros" auf und übernimmt fortan auch den freien Platz bei BMW. Auch auf der Gästeliste zum Zweitling "Massenhysterie" sucht man Bushido zwischen Massiv, She-Raw, Serk und anderen vergebens.

2007 setzen Orgasmus und er mit "Schmutzige Euros 2" noch einen drauf, dazu gibt es Features bei BSHs "Schmetterlingseffekt" und Flers "Fremd Im Eigenen Land".

Das legt den Grundstein für ein weiteres Projekt, das im Sommer 2008 seinem dritten Soloalbum "City Of God" folgt und Godsilla erstmals hoch in die Charts katapultiert. Gemeinsam mit dem Aggro-Rapper zollt er Kool Savas und Taktloss Tribut und releast mit "Südberlin Maskulin" im Sommer 2008 sein bis dato meistbeachtetes Album, dem 2012 eine Fortsetzung folgt ("Südberlin Maskulin 2").

Zwischendurch nimmt Godsilla allerdings eine entscheidende Änderung vor: Als im April 2010 der japanische Filmkonzern Toho, Besitzer der Namensrechte an der legendären Monsterikone Godzilla, auf den Berliner aufmerksam wird, droht eine millionenschwere Klage. Schulze reagiert prompt und entledigt sich seiner Göttlichkeit: Fortan tritt der Rapper nur noch als Silla auf den Plan.

Silla - Es War Einmal In Südberlin
Silla Es War Einmal In Südberlin
Wenn sie nicht gestorben sind, langweilen sie noch heute.
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2011 veröffentlicht er sein schlicht "Silla" betiteltes viertes Solo-Album, letztmals bei I Luv Money Records. Dort erscheint lediglich noch eine "Monster Box", die neben den nochmals aufgelegten ersten drei Alben unter dem Titel "Wiederbelebt" eine Sammlung bisher unveröffentlichter Tracks enthält. Silla wechselt unterdessen, die Zusammenarbeit mit Fler hat das schon ahnen lassen, zu dessen Label Maskulin.

Über ein Album, "Die Passion Whisky", und ein paar Features und Samplerbeiträge hinaus trägt diese Kooperation allerdings keine Früchte mehr: 2014 teilt Fler per Interview mit, er werde den Vertrag mit Silla nicht verlängern. "Audio Anabolika" erscheint zwar noch über Maskulin und nimmt Platz zwölf in den Charts mit. Zu dieser Zeit überzieht Fler Silla jedoch bereits mit Schmähungen.

Der verlegt alle Energien auf seine Transformation "Vom Alk Zum Hulk": Unter diesem Titel veröffentlicht er 2015 ein Album via Major Movez, das mit Platz fünf seinen bisher größten Chats-Erfolg markiert. Im Jahr darauf legt er seine ebenso betitelte Autobiografie nach. Das nächste Album hat er auch schon parat: Auf "Es War Einmal In Südberlin" kehrt er dem zuvor zelebrierten Fitness-Rap wieder den Rücken, sucht nach seinen Wurzeln und schielt mit mancher poppigen Hookline wohl auch in Richtung Mainstream.

Einen Aufenthalt in der Entzugsklinik nimmt er zum Anlass, um auf sein Leben zurückzublicken: "Vom Alk zum Hulk - Es war einmal in Südberlin" ist gut geschrieben, leicht konsumierbar und birgt Eins-A-Comedy-Momente.

Was einmal funktioniert hat, kann man getrost ein zweites Mal versuchen: Im Frühjahr 2017 veröffentlicht Silla nicht nur eine Fortsetzung seiner Monsterbox, sondern packt dort auch noch ein neues Album hinein, für das er gleich doppelt alte Erfolge aufwärmt: Es trägt den Titel "Blockchef" - wie einst auch schon ein Track auf seinem bewährten Longplayer "City Of God".

Die ständigen Kehrtwenden machen es manchem Fan und vielen Kritikern schwer, Silla auf seinem Weg zu folgen. Der scheint sich über die Richtung, die er fortan einschlagen möchte, selbst auch noch nicht so ganz im Klaren zu sein. Ein weiteres Standbein schadet da nicht: Silla eröffnet nebenher noch ein Restaurant. Mahlzeit!

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Silla - Vom Alk Zum Hulk: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 1 Punkte

2015 Vom Alk Zum Hulk

Kritik von Philipp Kopka

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