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Die Zeit hatte zur Wahl Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten einen schönen Feuilleton-Aufmacher: "Das Ende der Ossis". Die Kategorie des "Ossis" sei jetzt doch trotz des wirtschaftlichen Ungleichgewichts nahezu überwunden, schrieb die Wochenzeitung, da es in Gauck und Angela Merkel gleich zwei politische Menschen aus der ehemaligen DDR an die Spitze des Staates geschafft haben. Popmusik ist seit jeher durchlässiger für sozialen Aufstieg als die gesellschaftlichen Systeme von Politik und Wirtschaft gewesen.
So hat es seit der Wiedervereinigung einige Bands gegeben, die es mit einer meist eher kürzeren DDR-Vergangenheit bis an die Spitze der Charts geschafft haben. Nur, die meisten von ihnen kamen ohnehin aus Ost-Berlin und waren durch die spezielle Aufmerksamkeitsökonomie der Hauptstadt sozialisiert worden. Silbermond aus dem ostsächsischen Bautzen sind in diesem Zusammenhang tatsächlich ein besonderes Phänomen.
Schließlich hat die Band, getragen von der Euphorie eines Konzerts mit den Puhdys und der Marktschreierei sächsischer Privatradios, zuerst die Heimat erobert. Ihre Identität hatten Silbermond bereits gefunden, bevor sie nach Berlin umzogen und noch viel erfolgreicher wurden als Wir sind Helden, Juli und alle die anderen Bands mit dynamisch-hübscher Frontfrau.
Hört man sich die ersten drei Platin-Alben der Band nun noch einmal an, sind es stets diese affirmativen Umarmungen von Sängerin Stefanie Kloß, die diese ironiefreien Lieder mit den süffigen Pop-Melodien und den nicht all zu anstrengenden Rockismen so griffig wirken lassen: Ihr seid toll. Ihr könnt es schaffen – was auch immer. "Zeit für Optimisten". Oder auf dem neuen Album: "Das Gute gewinnt".
Mit dieser Affirmation ostdeutscher Befindlichkeiten haben Silbermond schnell die ganze Republik erobert. Auf "Himmel auf" reagiert die Band nun nach dreijähriger Pause mit seismographischer Genauigkeit auf kleinere Erschütterungen der Mentalität des Mainstreams. Silbermond klingen nun tatsächlich erstmals etwas weniger wie Ossis, die sich an deutschem Pop-Rock à la Xavier Naidoo und Die Happy orientieren – und etwas mehr nach Coldplay, den musikalischen Weltbürgern des 21. Jahrhunderts.
Das beweist schon die Single "Himmel auf", die sich von einer sphärischen Indiepop-Emphase unvermittelt in ein euphorisches Stadionrock-Crescendo mit einer leider lauthals gähnenden Leadgitarre hechtet. Allein wegen der Präsenz von Stefanie Kloß in ihrer ganz hübsch paraphrasierten Suche nach Glück im kalten Berlin Popmusik fürs Radio. Eines lässt sich ohnehin konstatieren: Der Erfolg von Silbermond steht und fällt mittlerweile ganz mit Stefanie Kloß und ihren Erbauungsbotschaften an die Mittelschicht.
Da macht es im Grunde gar nicht so viel aus, dass sich die Band im Opener "Unter der Oberfläche", aber auch in "Wofür" und "Es geht weiter" mit jubilierendem Pathos und ein paar produktionstechnischen Sperenzchen an einem größeren, sinnlicheren Sound versucht. So schlecht ist das nicht. Das Umstyling fällt Silbermond schon mit "Gegen" wieder vor die Füße. Denn das Stück ist nicht mehr als ein plump rockender, inhaltlich gar peinlicher Abklatsch einer Nonkonformismus-Hymne, wie sie die Ärzte einst mit "Rebell" geschrieben haben.
Silbermond sind genau leider dann am ärgerlichsten, wenn sie ein echtes Anliegen zu haben scheinen. Es ehrt sie zwar, dass sie im kantenlosen Pädagogen-Pop von "Irgendwo in der Mitte" eigentlich auf die leichte Verführbarkeit junger Menschen durch politische Extremisten hinweisen wollen. Dabei stolpert die Band allerdings höchst ungelenk über den politisch besetzten Begriff der Mitte: "Dein Glück liegt irgendwo in der Mitte/ irgendwo in die Mitte gehört dein Herz". Wenn Silbermond damit eine heimliche Wahlempfehlung für CDU oder SPD abgeben wollten, ist zumindest das gelungen.
Gleiches gilt für das hemmungslos kitschige "Weiße Fahnen", in dem Silbermond das Schicksal afrikanischer Kindersoldaten thematisieren, dabei aber um keine noch so abgedroschene Formulierung verlegen sind. Hier erfüllen die Bautzener einzig noch ihre Funktion als öffentlichkeitswirksame Charity-Band – gute Popmusik klingt anders. An die Spitze der Charts werden es Silbermond trotzdem schaffen. Denn, wie war das? Wir sind Papst, wir sind Gauck, wir sind irgendwie – leider auch - Silbermond.
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Himmel auf ist so ein scheiss Lied!! Und wenn die jetzt mehr nach Coldplay klingen sollen, werden viele Radios aus dem Fenster fliegen. Aber ja, die Frontfrau ist ne seile Gau!
Von den Deutschrockbands mit Frau am Mic ist Wir sind Helden klar am besten/erträglichsten.
edit: Was ist denn das für ein mieser Clip zu Himmel Auf? Und warum höre ich mir das freiwillig an? Man weiss es nicht...
jedem seine meinung, nicht wahr? 
aber wer schreibt 3-jährige pause, sollte lieber mal genauer recherchieren. die band hat nämlich gar keine pause gemacht. märz 2009 kam das letzte album, danach noch 2 eigene singles + eine single für ihr projekt fans helfen. sie waren mehr als anderthalb jahre auf tour und spielten danach noch 2 benefizkonzerte. anschließend gingen sie ein jahr in proberaum und studio. jetzt sind sie fertig und wieder am start.

"Wir sind Helden" in einem Zug mit Juli, Silbermond, usw. zu nennen ist einfach inhaltlich falsch. Musikalisch wie textlich ist das ne ganz andere Baustelle. Das ist wie zu sagen, Metallica wäre ein Streichquartett, weil die sind ja auch zu viert.
Musikalisch mögen das durchaus unterschiedliche Baustellen sein. Aber ansprechen tun sie schon irgendwie die gleichen Leute. Ist halt deutschsprachiger Pop mit universellen Texten, mit denen sich die meisten Menschen aus der breiten Masse irgendwie indentifizieren können. Manche Bands sind halt einfach in der gleichen Kategorie, auch wenn sie nicht exakte Soundkopien voneinander sind. Hosen und Ärzte machen ja auch durchaus teilweise ziemlich unterschiedliche Musik und werden trotzdem oft verglichen.
Ach Herrjeh. Wenn die BWL-Studenten heutzutage zu jung sind um noch Tocotronic abzeufeiern, dann lasst ihnen doch Silbermond, Wir sind Helden und Frau Potz. Ach nee, Moment... Inzwischen kann man ja sogar Lindenberg und Grönemeyer neu entdecken, cool wird man ja wieder, wenn die erste Generation der Fans zu 30 Prozent an Krebs, Altersschwäche und Solidarität zu Whitney Housteon gestorben ist.

ich finde, wir sind helden bedient ein völlig anderes klientel.
allein schon vom intellekt her. silbermond und juli werden tendenziell eher von einfacher gestrickten leuten angehört, helden haben so alternativ angehauchtes, gutbürgerliches -uniklientel.
juli und silbermond werden auch eher von jüngeren gehört, altersgruppe wohl so 8-16 und dann wieder 40+, helden eher so von 14-30 jährigen.
sehe da sowohl musikalisch wie textlich schon gravierende unterschiede, aber gut, man muss auch die szene bissel besser kennen, aus der die kommen um diese unterschiede zu sehen...
Hast schon recht, Frane 
Man würde von Silbermond wohl auch niemals so eine saucoole Absage an die Bild Zeitung sehen, wie es die Helden dereinst getan haben.
Frane: du meinst, dass Wir sind Helden hauptsächlich von besserisserischen Studenten die meinen sie wären was Besseres, Möchtegernrevoluzzern, Hippies und Piratenparteiwählern gehört werden? Da stimm ich dir vollkommen zu und deswegen kann ich diese Band auch nicht leiden.
@Liam: Sau cool? Ich wiederhole meine Aussage von damals: Sympathie zu fangen in dem man über die Bild lästert ist wie Fische aus einem Fass angeln. Da haben die Helden nun wirklich keine Heldentat vollbracht. Sau cool war eher die Antwort von der Bild. So dreist muss man erstmal sein.
Langsam werd ich ein bisschen müde von dem langweiligen gerede welche Gruppe Menschen typisch für diese oder jene Band sind. Ich bin knapp unter 40 habe keinen Uni Abschluss und trotzdem einen ziemlich guten Job. Ich mag Judith Holofernes und Wir sind Helden weil est einfach anspruchsvolle Musik die mir sehr gut gefällt und ich diese freche provokative Art der Band sehr mag. Sie biedert sich nicht an und zieht ihr Ding durch.
Genau da liegt für mich das Problem bei Silbermond: sich anbiedern immer wieder versuchen Musik zu machen an der sich bloss kein Fan jemals stören könnte oder die nicht so oft im Radio läuft. Immer auf nummer sicher gehen um ja den nächsten Echo einzuheimsen. Silbermond ist eine prostituierte und die wird immer alles tum um ihre Freier nicht zu verlieren. Die stört es dann auch nicht das so viele sie hassen und als dumpfe dödel Band abtun hauptsache der Freier öffnet das Portmonnaie und der Zuhälter ist zufrieden.
@Swingmaster: Da kannste mal sehen, wie unterschiedlich die Wahrnehmung ist, denn obwohl mit einem anderen Schwerpunkt kommts mir bei allen drei Bands; Juli, Silbermond, Wir sind Helden so vor als ob sie sich immernur dem anbiedern, was man von ihnen gewohnt ist und was am besten nicht abschreckt. Sei es nun mit etwas mehr Popattitüde wie bei Silbermond oder die "Studenten-Revoluzzer"Attitüde von Wir sind Helden.
würden wir nie machen.
nur gewisse Sachen werden halt von bügelnden Hausfrauen gehört. Oder wahlweise hippen Hipstern mit riesenbrillen.
Oder diese Metalhörenden Genrefremden sind auch ganz schlimm die....
hab ich schon diese ganzen pseudointellektuellen Studenten erwähnt? Tragisch!
Wer Musik für sein eigenes Ego oder Überlegenheitsgefühl braucht, ist sowieso ein ganz armes Würstchen. Btw. In jeder Szene lassen sich Künstler finden, die auf irgend eine Weise herausstechen.
Wäre auch wirklich dramatisch bei jemandem, der sich ernsthaft auf das neue Roxette-Album freut.
Nö freuen ist nicht korrekt ich habe geschrieben dass ich gespannt bin... ist nicht ganz das gleiche ... cool hab nen follower...
Ob gespannt oder freudig: Du wirst es Dir freiwillig anhören. Das macht mir halt irgendwie Angst.
Es ehrt dich dass du dich um mich sorgst aber Ende der 80er und Anfang der 90er wurde ich bereits von meiner Schwester mit Roxette verseucht. Ich bin also imun. Bin deswegen gespannt gewesen weil die ja gerade erst ein neues Album hatten und mich interessiert lediglich ob die Platte einen Verriss bekommt oder ok ist. Ich werde sie weder kaufen noch werde ich sie mir unbedingt anhören aber wenn ich müsste würde ich es mit Sicherheit überleben da es durchaus schlimmeres Machwerk gibt als Roxette. Ich müsste mich ja nicht rechtfertigen aber so weisst du wenigstens dass meine Spannung rein oberflächlich ist und sich eigentlich nur um die Rezension von laut zu dieser CD dreht. Also keine Angst mehr gell.
@sancho bzgl helden-klientel: ja, aber zumindest die helden scheinen so ein publikum auch zu wollen und stören sich nicht daran
ich mich an ihrer musik nicht.
an silbermond dagegen schon eher, das ist mir oft einfach zu schmonzettig und plakativ. geht mitunter gar nicht!
@sancho bzgl b-zeitung: die ist niemals cool.
So viel kann ich gar nicht kotzen, wie ich hier lese! Sorry! Ich versuche mich mal annäherungweise an dieses Niveau heran zu tasten.... da wird mir schlecht! Wenn euch die Musik von einer Band nicht gefällt, dann hört sie doch enfach nicht! Wir leben in einem freien Land! Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll! So eine gequirlte S***** hab ich noch nie gelesen - wer "Irgendwo in der Mitte" mit einem kantenlosen Pädagogen-Pop und einer politischen Aussage in Verbindung bringt, ist entweder in Therapie oder bekommt die BTM unter der Hand... dises bestätigt sich auch noch im Kommentar zu "Weiße Fahnen" - hier wurde ein ganz ernstes Thema in Musik formuliert! Und dieses als
"keine noch so abgedroschene Formulierung verlegen sind. Hier erfüllen die Bautzener einzig noch ihre Funktion als öffentlichkeitswirksame Charity-Band ? gute Popmusik klingt anders"
abzuklatschen, ist ein direkter Schlag ins Gesicht der Betroffenen!!!!
Es gibt in Deutschland wenige Bands die ihr eigenes Ding machen können! Und Silbermond haben sich ihre Eigenständigkeit bewahrt - sie probieren, machen neue Dinge, und sie sind eine Live-Band (was auch heißt, dass sie für die Musik leben!) und ich freue mich auf die Konzerte.
Und wem der Stil nicht passt! Einfach nicht hinhören und Klappe halten! Und an Laut.de.... ein objetiverer Review wäre sicherlich nicht schlecht! ;-) ...denn dieser ist milde ausgedrückt falsch und suboptimal - vor allem für den Ruf von laut.de!!!
;-)
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