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Die Andersartigkeit Islands kann nicht nur Inspiration, sondern auch Hemmschuh sein. Vor lauter Polarlichter zählen und Eisberg-Hymnen dichten ist wohl schon so mancher local hero in exotistischer Pose erstarrt.
Um nicht ebenfalls Schleifen zu ziehen zwischen Postrock, Dreampop und Klassik, sind Sigur Rós in den Flieger gestiegen. Album Nummer fünf ist erstmals nur partiell in Reykjavík enstanden. Weite Teile komponierte man in London und im kubanischen Havanna.
Wahrscheinlich rührt daher die neue Ungezwungenheit im Songwriting. Anstelle monatelanger Akribie genügte diesmal ein knapper Monat mit Chefproduzent Flood (Depeche Mode, Nine Inch Nails, PJ Harvey).
Statt auf Streicherbombast baut das Quartett vermehrt auf schrammende Akustikgitarre und Drumgalopping, was speziell den ersten vier Songs eine unwiderstehliche Verve verleiht. "Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust" kommt im Gegensatz zu seinem Titel tatsächlich erstaunlich locker aus der Hüfte.
In Anbetracht des 'Nudisten auf der A1'- Covers und des nicht minder freizügigen Clips zu "Gobbledigook" glaubt man deshalb kurzzeitig, Sigur Rós hätten sich dem Naturalismus verschrieben. Edle Wilde turnen durch den Wald, die Band spielt rasend euphorische Popsongs und J.-J. Rousseau hat einen neuen Lieblingsact fürs MTV-Televoting.
Ganz so einfach machen es die Isländer einem über die Länge aber leider nicht – weil sie vorhersehbar werden. Nachdem Flood seine Fingerprints im U2-gestenreichen "Við Spilum Endalaust" hinterlassen hat, kippt das Album sukzessive zurück ins Larmoyante.
Altbekannter Streicher- und Pianoäther breitet sich über zwei Neunminüter aus, die auch mit halbierter Spielzeit ans Ziel gelangt wären. Auf herrlich überschwängliche Oden an die Lebensfreude folgen falsettierte Introspektiven, ohne dem Bandsound etwas hinzuzufügen.
Unentschlossenheit ist also die Krux dieser Platte: Ihre Urheber wagen lediglich den kleinen Schritt in eine ästhetische Emanzipation.
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). Ich glaube langsam, die Isländer können gar keine schlechten Alben machen! Nur das Artwork fällt dieses Mal etwas aus der Reihe... es sei denn, man macht mal schnell 100$ für die - zugegebenermassen umfangreiche - Deluxe Edition locker. Aber ich glaube, die "Nudisten"-Version wird ausreichen... die Musik ist schliesslich dieselbe. 

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